mini|hochkant|Pfarrkirche St. Martin

Der Ort Fischenich ist ein südwestlich von Köln gelegener Stadtteil von Hürth im Rhein-Erft-Kreis. Die Ortschaft liegt südlich der Stadtteile Hermülheim und Kendenich und grenzt an ihrer Südseite mit dem Weilerhof an den Ortsteil Vochem der Nachbarstadt Brühl. Fischenich hat 5448 Einwohner (31. August 2022).

Ortsbeschreibung Am Villehang gelegen, differiert die Höhenlage der Ortschaft zwischen 80 und 130 m über NN. Die alten Höfe am Quellhorizont bewirtschafteten ihre Felder in der vorgelagerten Kölner Bucht. Bis jetzt ist der Ort noch sehr bäuerlich geprägt.

Im Ort sind mehrere historische Hofanlagen erhalten: Unmittelbar westlich der Pfarrkirche steht ein schönes Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert, welches zu dem 1408 von den Kölner Kartäusern erworbenen Kartäuserhof gehörte. Auch die benachbarten beiden kleinen Fachwerkhäuser An St. Martin 4 und 6 gehörten ehemals zum Kartäuserhof. Von dem unterhalb der Kirche gelegenen ehemaligen Fronhof ist das Herrenhaus von 1770 erhalten. Im Mittelalter war der Fronhof Mittelpunkt eines zum Kölner Damenstift St. Maria im Kapitol gehörigen Lehenshöfeverbandes. Kleinere Kotten erstrecken sich bis auf die Villehöhe.

Die Bauernsiedlung jenseits der Bonnstraße wurde angelegt, um den mit moderner Landwirtschaft einhergehenden großen Maschinenpark (Traktoren, Anhänger etc.) von den engen und kurvigen Straßen des Ortskernes fernzuhalten. Verschiedene Ortsstraßen erinnern an die Vergangenheit Fischenichs. So erinnert die „Fronhofstraße“ an den ehemaligen Herrenhof, der zugleich auch Gerichtsstand des Hofgerichts war. Auch gab es schon früh eine der Kölner Einrichtung vergleichbare Bauerbank, an die eine Straßenbezeichnung erinnert. Die Straße „An der Markthalle“ erinnert an die ehemals dort stattfindenden Fischenicher Gemüseversteigerungen.

Geschichte mini|hochkant|Wegekreuz von 1789

Wie in vielen Ortsteilen der Stadt Hürth hinterließen die Römer auch in Fischenich Spuren. So wurden im Jahr 1874 während des Baus der noch heute durch den Ort verlaufenden Eisenbahntrasse nach Trier „an der Vierzig“ ein römischer Steinsarg, ein Bleisarg und zwei Würfelsärge, diverse Aschekrüge, Tränenfläschchen, Schlüssel und Ringe geborgen. Der Steinsarg wurde später in den Gartenanlagen des ehemaligen Kaiserbahnhofes im Brühler Stadtteil Kierberg aufgestellt.Clemens Klug: Hürth – wie es war, wie es wurde. S. 39. Gebäudereste aus der Nähe dieser Gräber könnten zu der zugehörigen Villa rustica gehört haben.Gottschalk S. 55 mit Bezug aus Rosellen S. 205.

Im Gebiet des heutigen Fischenich sind im 19. Jahrhundert Trümmerstellen beobachtet worden, die auf die Existenz weiterer Villen hindeuten. Eine davon lag bei der Fischenicher Kirche, ein zugehöriges Gräberfeld wurde 1983 bei der Burg Fischenich ausgegraben.Zusammenfassend Gottschalk S. 54. In der Nähe einer schon von Rosellen beschriebenen Fundstelle von römischen Ziegeln und Mauerwerk kamen 2011 an der Platzstraße einige Grabbeigaben des 3. bis 4. Jahrhunderts zu Tage.Zusammenfassend Gottschalk S. 54–55. Nach einer Kartierung der römischen Fundstellen im Kleinraum lagen die Villen im Bereich Fischenich und Kendenich zwischen 300 und 800 m voneinander entfernt. Demnach bewirtschafteten die Gutshöfe in diesem Areal Flächen von ungefähr 50 bis 100 Hektar Land.Gottschalk S. 56–57 mit Karte Abb. 44.

Fischenich wird erstmals 696 in einer Urkunde erwähnt, mit der Pippin der Mittlere und seine Frau Plektrudis dem von ihnen begründeten Kölner Damenstift St. Maria im Kapitol Ländereien in Efferen, Stotzheim und in Pisceniacum schenkten.Clemens Klug: Hürth – wie es war, wie es wurde. S. 34. In einer weiteren Urkunde des Erzbischofs Philipp I. von Heinsberg aus dem Jahre 1189 wird ein Otto de Viskenich als Zeuge genannt.

In Burggartenstraße in der Nähe der Burg Fischenich ist ein Steinplattengrab aus frühmittelalterlicher Zeit gefunden worden. Beigaben wurden nicht entdeckt, die Art des Grabbaus in Verbindung mit der Beigabenlosigkeit ermöglicht die Datierung wahrscheinlich ins späte 7. oder 8. Jahrhundert.Zum Grab G. Frentzel, Das Plattengrab von Fischenich. Hürther Heimat 9, 1966, S. 18–20. Allgemein Gottschalk S. 173.

Namensherkunft Die erste bekannte Bezeichnung des Ortes lautet Pesceniacum. Die Zurückführung auf den lateinischen Ausdruck piscina (für Weiher, Fischteich) liegt angesichts einiger in einer Mulde zwischen Fischenich und Weiler gelegenen Fischteiche nahe. Sie lässt sich jedoch nicht damit in Übereinstimmung bringen, dass diese Teiche in römischer Zeit noch nicht existierten, sondern wahrscheinlich erst von den Kartäusermönchen angelegt wurden. Eine weitere Theorie zur Herleitung des Ortsnamens beruht auf der Annahme, bei dem Ort habe eine piscina limaria, ein Sammelteich der Eifelwasserleitung, bestanden. Bei der von Robert Wilhelm Rosellen favorisierten Herleitung der Bezeichnung Fischenich ist ein im Ort ansässiger Römer Pescennius der Namensgeber des Ortes.Robert Wilhelm Rosellen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Brühl . J. P. Bachem Verlag, Köln 1887, S. 205 ff.

Unter germanisch-fränkischem Einfluss ist eine Wandlung des Ortsnamens in Vishkenich, so beurkundet 1189, zu verzeichnen. Später sind die Bezeichnungen Vissenich (1351) und Visschenich (1476) beurkundet.

Burg Fischenich mini|links|Burgruine, Gennerstraße mini|Burgruine, Augustinerstraße

Die Burg Fischenich, ehemals ein ovaler Rundbau mit vier Türmen,Clemens Klug, Kunstschätze und Denkmäler war teilweise aus Gussbetonblöcken der römischen Wasserleitung errichtet worden. Das Bauwerk wurde bereits im Truchsessischen Krieg 1584Infotafel Römerkanal Wanderweg zerstört und ist seitdem eine Ruine.

Die Ruine der Burg des 12. bis 13. Jahrhunderts liegt zwischen der Genner-, Augustiner- und Jakobstraße am Hang mitten in der Ortschaft. Sie gilt als die älteste erhaltene Rest-Burganlage unter den zahlreichen Wehranlagen des Vorgebirges zwischen Köln und Bonn. Sie stellt eines der wichtigsten Zeugnisse hochmittelalterlichen Burgenbaus im Rheinland dar.

Wappen der Burgherren Vom frühen Mittelalter bis in die Hälfte des 16. Jahrhunderts waren die von Fischenich eines der stärksten Rittergeschlechter im westlichen Vorland Kölns. Die mit vielen anderen Adelshäusern verwandten „Herren von Vischenich“ dienten dem Kölner Erzbischof im 12. und 13. Jahrhundert oftmals als Ministeriale.

mini|hochkant|Wappen derer von Vischenich (Reproduktion)

Wappen derer von Fischenich (Kurkölnischer Uradel) Ein auf silbernem Grund befindlicher schwarzer Balken, über dem ein gleichfarbiger Fisch dargestellt ist. Auf dem Helm mit schwarzsilberner Decke erhebt sich ein silberner, rot betuchter Hundekopf mit schwarzem Halsband.

Die einzelnen Linien des Geschlechts (z. B. Zündorf, Kreuzberg an der Ahr) führten verschiedene Varianten.Clemens Klug: Hürth – wie es war, wie es wurde, Köln o. J. (1962), S. 56 f, mit Verweis auf: Kisky-Steimel: Rheinisches Wappenlexikon 3, 34

Burgherren zu Fischenich In den Regesten des Kölner historischen Archives finden sich zu den Herren von Fischenich einige Hinweise. So wird 1276 „Winrich von Vischenich“ anlässlich der Hochzeit eines „Theoderich Raitz“ erwähnt. 1309 machte Ritter Contze (Conrad) von Vischenich Fischenich zum Lehen des Erzstiftes Cöln. Um 1320 war er mit dem Erzbischof (Heinrich II. von Virneburg) wegen Brühl in Fehde. 1339 wird der Ritter Wilhelm von Vischenich erwähnt, er besaß mehrere Häuser am „Ehrenthore zu Cöln“.

Um 1460 wird als Burgherr ein „Daem von Vischenich“ angeführt, er wurde auch von Bell genannt, da er ebenfalls Herr des Rittergutes Horbell war. Die Herren der Burg Fischenich waren trotz ihrer Zugehörigkeit zum Herzogtum Jülich qualifizierte Vertreter der Kölner Ritterschaft und als solche neben dem Domkapitel im Kurkölnischen Landtag stimmberechtigt.Clemens Klug: Hürth – wie es war, wie es wurde. S. 45.

Ein Andreas von Vischennich genannt Bell war 1496–1501 Drost des Amtes Krickenbeck im Herzogtum Geldern.

Zur Burg Fischenich gehörte der Burghof mit einem freien Grundbesitz von 250 Morgen Land. Außerdem besaßen die Ritter oder Junker von Fischenich nachweislich schon im 13. Jahrhundert mehrere Landgüter vom Stift St. Maria im Capitol, für welche sie drei Geschworene zu stellen hatten und jährlich 17 Schillinge sowie 1 ½ Malter Korn an den Frohnhof abführen mussten.

An der Nordseite der im Jahr 1890 abgebrochenen alten Kirche soll unter der als „Marienchörchen“ bezeichneten damaligen Nordkonchesiehe Beschreibung St. Martin (Fischenich) eine Gruft freigelegt worden sein, in der in früher Zeit die Ritter von Fischenich bestattet wurden.

Kloster St. Josef mini|hochkant|Statue des hl. Josef mit Kind

1906 kaufte der Orden der Cellitinnen in Köln das Burggelände, um dort eine weitere Niederlassung zu gründen. Schon 1907 eröffneten die Schwestern das St. Josefhaus. Die Einrichtung diente der Gemeindepflege, später als Altenheim und stellte von 1922 bis 1933 Räumlichkeiten zur Unterbringung einer Volksschulklasse zur Verfügung. Das St. Josefhaus war von 1943 bis 1959 Ersatz des kriegszerstörten Kölner Mutterhauses der Schwestern. Im Jahr 1970 wurde das Kloster in Fischenich aufgelöst und sein dortiger Besitz verkauft.Stephanie Habeth-Allhorn: 175 Jahre Cellitinnen zur hl. Maria in der Kupfergasse. S. 125.Clemens Klug: Hürth – wie es war, wie es wurde. S. 219.

Heute wird die Burgruine karreeartig und fast vollständig von aneinandergereihten Häusern umschlossen. Die Anordnung der zwei- bis dreigeschossigen, in rotem Backstein errichteten Häuser ermöglicht nur an zwei Stellen einen Blick auf die Reste der Fischenicher Burg. Eine ehemals im Kloster aufgestellte Statue des hl. Josef mit Kind steht heute an der Kirche auf einer hohen Säule. Die Skulptur hat den Blick auf das ehemals am Hang gegenüber der Kirche liegende Gelände des Klosters gerichtet.Info der Stadt Hürth

Heutiger Bestand mini|links|Heutiges Burggelände

Der Burgrest stellt eine ringförmige mit Graben umgebene Anlage dar, deren umgebende Ringmauer in einer Höhe von sechs bis zehn Metern erhalten ist. Die Burgmauer wurde zumindest teilweise aus Gussbetonblöcken der römischen Wasserleitung erstellt, die in der Nähe am Fuße des Vorgebirges verlief. Der Römerkanal war im Mittelalter ein beliebter Steinbruch, dessen Material sich bei vielen alten Bauwerken entlang seines Verlaufes wiederfindet. Vor allem auf der Nordseite zur Augustinerstraße hin, von wo aus die Ruine zugänglich ist, sind die Gussbetonblöcke aus opus caementitium deutlich zu sehen, denen auch noch der beim Bau der Wasserleitung verwendete rötliche Wasserputz mitsamt einer Kalksinterschicht anhaftet.

Gericht der Herrlichkeit Fischenich mini|hochkant|An der Bauerbank

Die Orte, die den „Jülichern“ unterstanden, also auch die Herrlichkeit Fischenich mit einer Fläche von 690 ha, gehörten zum Amt Bergheim. So unterlagen Verwaltung und Rechtspflege dem Herzogtum Jülich-Berg. Die niedere Gerichtsbarkeit, die sich aus dem Schultheißen, dem Gerichtsschreiber und den Schöffen zusammensetzte, war mit den Dingen vor Ort betraut. In Fischenich gab es neben dem Hofgericht, welches auf dem Fronhof des Rittersitzes tagte, auch eine Bauerbank. Diese war eine Gerichtsform, die sich speziell um die Belange der Kleinbauern kümmerte.Clemens Klug: Hürth – wie es war, wie es wurde. S. 49 f.

Im Landesarchiv NRW, unter der Nr. 1096 E für die Jahre 1423–1506, finden sich Belege über die am Gericht Fischenich verhandelten Streitfälle. Darin: Johann und Sander von EFFERN gegen Rabot von PLETTENBERG (Forderung am Gericht FISCHENICH), 1497;

Fronhof mini|links|Ehemaliges Herrenhaus des Fronhofes (1770) mini|hochkant|Info der Stadt

In der Regel wurde der Hof mit seinen Ländereien (Äcker, Weingärten und Wald) für den Zeitraum einer Dekade verpachtet. Danach wurden mit dem verbliebenen oder neuen Pächter die Bedingungen, wie Zeitraum und Pachtzins (eine Mischung von Naturalien und Geld) etc., neu verhandelt und festgelegt.