Die 305. Infanterie-Division war ein Großverband der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, welcher insgesamt zweimal aufgestellt wurde.
Die erste 305. Infanterie-Division war von Dezember 1940 bis Januar 1943 aktiv und war zunächst Teil der Besatzungsmacht in Frankreich, bevor sie im April 1942 an die Ostfront verlegt wurde, wo sie als Teil der 6. Armee zunächst an der Schlacht bei Charkiw und der Kesselschlacht bei Kalatsch teilnahm, bevor sie nach monatelangen Kämpfen in der Schlacht von Stalingrad vernichtet wurde.
Der Name „305. Infanterie-Division“ wurde erneut vergeben, und die Division wurde bereits am 17. Februar 1943 erneut aufgestellt. Die zweite 305. Infanterie-Division diente zunächst wiederum als Besatzungsmacht in Frankreich, wurde aber im Sommer 1943 der Heeresgruppe C unterstellt und kämpfte vom Herbst 1943 bis April 1945 an der Italienfront.
Geschichte Aufstellung Die 305. Infanterie-Division („305. Infanterie-Division“) wurde am 15. Dezember 1940 als bodenständige Division der 13. Aufstellungswelle im Raum Ravensburg (Wehrkreis V) aus je einem Drittel der 78. Infanterie-Division und der 296. Infanterie-Division aufgestellt. Die Division bestand zu diesem Zeitpunkt aus den Infanterie-Regimentern 576, 577 und 578 zu jeweils drei Bataillonen; hierbei begründete sich das Regiment 576 auf ehemaligen Beständen der 78. Infanterie-Division und das Regiment 577 auf ehemaligen Beständen der 296. Infanterie-Division, das Regiment 578 war durchmischt. Zudem erhielt die neue Division auch das Artillerie-Regiment 305, welches mit vier Batterien aus Beständen der Artillerie-Regimenter 178 und 296 gebildet wurde. Aufgrund des Status als bodenständige Division fehlten den unterstellten Formationen der 305. Infanterie-Division mehrere zur offensive Kampfbereitschaft nötige Truppenteile, etwa die Infanterie-Geschütz-Kompanien und Panzerjäger-Kompanien. Außerdem war das Artillerie-Regiment 305 mit lediglich drei statt vier Abteilungen aufgestellt.
Besatzungsaufgaben in Frankreich (Dezember 1940 – April 1942) Im Mai 1941 wurde die Division dem LIX. Armeekorps der 7. Armee unterstellt, welche als Teil der Heeresgruppe D im vom deutschen Truppen besetzten Frankreich eingesetzt war. Als Teil des LIX. Armeekorps (und zwischen Februar und April 1942 als Teil des XXV. Armeekorps) verblieb die 305. Infanterie-Division bis April 1942 als Besatzungsmacht in der Bretagne.
Umgliederung und Verlegung an die Ostfront (Februar – April 1942) Die geringe offensive Kampfbereitschaft der 305. Infanterie-Division musste ausgeglichen werden, nachdem die Division am 7. Februar 1942 durch eine Verfügung des AHA von einer bodenständigen Division zu einer Angriffs-Division umgegliedert werden sollte. Zum 1. März 1942 erhielt die Division drei Infanterie-Geschütz-Kompanien, drei Panzerjäger-Kompanien, drei Artillerie-Batterien und die IV. Abteilung des Artillerie-Regiments 305, wodurch die Kampfkraft der Division erhöht wurde.
Im April 1942 erfolgte die Verlegung an die Ostfront.
Charkiw und Kalatsch (April – August 1942) In der Sowjetunion wurde die 305. Infanterie-Division im Rahmen des VIII. Armeekorps der 6. Armee (Heeresgruppe Süd) bei der Schlacht bei Charkiw und bei der Kesselschlacht bei Kalatsch eingesetzt.
Im Mai kam Teilen der Division, welche sich noch im Aufmarsch befand, eine Rolle im deutschen Angriffsstoß nach Isjum zuteil, in welchem sie als eine der Divisionen der nördlichen Angriffsgruppe agierten. Zu dieser Angriffsgruppe gehörten auch die 44. („Hoch- und Deutschmeister“) und 71. Infanterie-Division sowie die 23. Panzer-Division. Gemeinsam mit der in immer größerer Stärke agierenden 305. Division hatte die Wehrmacht insgesamt bis zu 15 Infanterie-Divisionen und zwei Panzer-Divisionen im Sektor vor der sowjetischen Südwestfront, was die sowjetische Lagebeurteilung (12 Infanterie- und eine Panzer-Division) überstieg.
Ab dem 12. Mai trafen erste Elemente der 305. Division per Eisenbahn in der Stadt Charkiw ein. Hier traten die Verbände der sowjetischen Südwestfront noch am gleichen Tag zu einer Offensive an, welche sich zur Zweiten Charkiw-Schlacht entwickeln würde. Die 305. Division, immer noch in Teilen im Zug, wurde vom Befehlshaber der 6. Armee, Friedrich Paulus, als Notlösung für mehrere bedrängte Positionen der Wehrmacht verwendet. Eines der Regimenter der 305. Division wurde von Poltawa nach Krasnohrad verlegt, welches von mehreren sowjetischen Großverbänden unter Befehl von Leonid Bobkin bedroht wurde, während die beiden anderen Regimenter in kleinen Wellen aus Charkiw nach Taraniwka verlegt wurden, um die 62. Infanterie-Division zu unterstützen. Hier gerieten Soldaten der 305. Division am 15. und am 16. Mai 1942 in Gefechte mit der rechten Flanke der sowjetischen 411. Schützen-Division, welche zuvor die deutsche 62. Division bedrängt hatte.
Anmarsch nach Stalingrad (3. September – 13. Oktober 1942)
Unter dem Kommando von Generalmajor Kurt Oppenländer war die Division während der Schlacht von Stalingrad dem VIII. Armeekorps unterstellt und verteidigte in der Anfangsphase am 3. September 1942 den Brückenkopf von Kletskaia im Sektor der Ortschaft Kotluban. Dort sollte die 305. Division die 384. Infanterie-Division ablösen, die während der Schlachten östlich des Dons schwere Verluste erlitten hatte. In diesem Korridor zwischen Don und Wolga wurde die Nordflanke der 6. Armee durch eine starke Ansammlung von Verbänden der Roten Armee bedroht. Während der ersten Kotluban-Offensive unter General Schukow vom 3. bis zum 12. September 1942 versuchten Teile der 24. Armee und 4. Panzerarmee im Sektor Vertiachii-Samofalowka vergeblich, die starke Verteidigungslinie der 305. und 76. Infanterie-Divisionen zu durchdringen.
Erst am 13. Oktober 1942 traf die 305. Infanterie-Division auf dem Kriegsschauplatz in Stalingrad ein.
Nachdem Hitler die Planungen für eine Offensive in Richtung Astrachan aufgegeben hatte, konnte Paulus seine Verbände in den nördlichen Industriebezirken der Stadt Stalingrad verstärken. Hierzu befahl Maximilian von Weichs, der Befehlshaber der Heeresgruppe B, die 305. und 79. Infanterie-Division aus ihren Stellungen zwischen Don und Wolga heraus, um am 14. Oktober 1942 für den geplanten Großangriff zur Verfügung stehen zu können.
Obwohl die Division von Paulus als ausgeruht und kampfstark eingeschätzt wurde, hatten die Gefechte des Jahres 1942 dem Verband deutliche Verluste zugefügt. Von den neun Infanterie-Bataillonen waren bereits am 14. September 1942 nur noch drei als „stark“ eingeschätzt worden, zwei weitere als „mittel“ und die vier übrigen sowie ein Pionier-Bataillon lediglich als „durchschnittlich“.
Kämpfe in der Arbeitersiedlung „Traktorenwerk“ (14./15. Oktober 1942) mini|Das zerstörte Stalingrader Traktorenwerk (November 1942)
Die Infanterie-Regimenter 576 und 578 sollten für den Großangriff des 14. Oktober 1942 im Planquadrat 85b4 zum Einsatz kommen, während das Infanterie-Regiment 577 mit Teilen der 24. Panzer-Division kooperieren sollte, um nordöstlich des Schnellhefterblocks über die Zhitorimsk-Balka über die Eisenbahn in Richtung der Ziegelei und den Südsektor des Stalingrader Traktorenwerks vorzustoßen. Die sowjetischen Verteidiger in diesem Sektor gehörten zur 62. Armee unter Wassili Tschuikow.
Der Angriff begann am Montag, den 14. Oktober 1942 mit großem Artilleriefeuer und mit Bombardierungen durch 1250 Kampfflugzeuge (hauptsächlich Stukas). Als Teil der darauffolgenden Infanterie- und Panzerkeile versuchten die Soldaten der 305. Infanterie-Division, die Stellungen der sowjetischen 37. Garde-Schützendivision zu überrennen. Mit Unterstützung der Kampfpanzer drangen die deutschen Verbände in die Schützengräben der 37. Division ein, heftige Häuserkämpfe entbrannten im gesamten Sektor. An der Zhitomirsk-Straße wurde das 90. Schützen-Regiment der 95. Schützen-Division von der 37. Division abgetrennt und vernichtet, wiederholt schafften es die 305. und 389. Infanterie-Divisionen, sowjetische Gardeschützen einzukesseln.
Nach schweren Kämpfen erreichten die Truppen der 305. Infanterie-Division gegen 15 Uhr eine Häuserreihe im Planquadrat 96d4 und waren damit noch etwa 100–300 m vom Traktorenwerk entfernt. Der nächste Angriffsstoß wurde auf die Nacht vom 14. auf den 15. Oktober festgesetzt; bis dahin mussten die deutschen Marschwege zur Ziegelei gegen sowjetische Gegenstöße verteidigt werden. Die Verluste der 305. Infanterie-Division betrugen am 14. Oktober 1942 84 Gefallene, 283 Verwundete und 15 Vermisste.
In der Nacht vom 14./15. Oktober drang das Infanterie-Regiment 577 in die Ziegelei ein, eroberte einen Teil der Erdöltanks und erreichte das Wolgaufer. Nachdem die Südhälfte des Traktorenwerks in den frühen Morgenstunden von deutschen Truppen erobert worden war, folgte der Nordteil gegen 09:00 Uhr am 15. Oktober. Im Nordsektor standen nun das Regiment 576 der 305. Division gemeinsam mit dem Infanterie-Regiment 546 der 389. Division. Die beiden anderen Regimenter der 305. Division standen im Südsektor des Traktorenwerks (Regiment 578) bzw. in der Ziegelei (Regiment 577). Ein weiterer Vormarsch war aufgrund sowjetischen Artilleriefeuers vom Ostufer der Wolga nicht möglich.
Die Kämpfe des 15. Oktober waren durch schwere Gefechte in den zerstörten Fabrikhallen des Traktorenwerks geprägt, wo die Regimenter 576 und 578 die 14. Panzer-Division unterstützten, während Regiment 577 weiter in der Ziegelei kämpfte. Hierbei konnte ein wichtiger Anleger der Roten Armee am Westufer der Wolga erobert werden, wodurch die Verbindung zwischen der sowjetischen Gruppe Gorochow und dem Rest der 62. Armee unterbrochen werden konnte. Südlich des Traktorenwerks kämpfte das Regiment 577 gemeinsam mit Teilen der Kampfgruppe Schulte der 24. Panzer-Division auf den Bahngleisen nördlich der Geschützfabrik „Barrikaden“ und drangen auf die Straße Pribaltiskaja vor. Als Reaktion auf den deutschen Vorstoß wurde die 95. Schützen-Division beauftragt, die Nordzugänge der Geschützfabrik „Barrikaden“ zu blockieren. Am Tagesende meldete die Rote Armee Verlustquoten von 75 % der Mannschaftsstärke bei der 37. Garde-Schützendivision und 95. Schützen-Division; die überlebenden Rotarmisten setzten den Widerstand jedoch fort.
Kämpfe in der Geschützfabrik „Barrikaden“ (16.–31. Oktober 1942) Um die Erfolge seines LI. Armeekorps vom 14./15. Oktober 1942 auszubauen, befahl der kommandierende General des Korps, Walther von Seydlitz-Kurzbach, eine Reorganisation seiner Truppe und einen erneuten Angriff gegen die Linien der sowjetischen 62. Armee nördlich der Geschützfabrik „Barrikaden“. Die 305. Infanterie-Division erhielt hierbei den Auftrag, gemeinsam mit den 14. und 24. Panzer-Divisionen die Geschützfabrik zu erobern; die 389. Infanterie-Division wurde im Traktorenwerk zur Bekämpfung überlebender sowjetischer Verteidiger eingesetzt. In seinen Memoiren erwähnt der sowjetische Oberbefehlshaber Tschuikow den 15. Oktober als Tag der Heranführung „frischer Kräfte“ durch die Deutschen, womit explizit die 305. Division gemeint ist.
Am 15. Oktober 1942 wurden per Verfügung des OKH alle „Infanterie-Regimenter“ der Wehrmacht (mit Ausnahme der Jäger- und Gebirgsjäger-Regimenter) zu „Grenadier-Regimentern“ umbenannt, wodurch die 305. Infanterie-Division fortan aus den Grenadier-Regimentern 576, 577 und 578 bestand.