mini|Dänischer Soldat mit einem Stinger-Flugabwehrsystem-Simulator Ein Man-Portable Air-Defence System (Akronym, ; etwa Einmann-Flugabwehr-Lenkwaffe, geschichte.luftwaffe.de; abgerufen am 23. November 2008. tragbares Luftabwehrsystem oder Ein-Mann-Boden-Luft-Rakete luftwaffe.de; abgerufen am 23. November 2008.) ist ein schultergestütztes Boden-Luft-Flugabwehrraketensystem. Ein MANPADS besteht aus einer Flugabwehrrakete sowie einem Starter und wird in der Regel gegen tieffliegende Luftziele wie beispielsweise Hubschrauber oder Drohnen eingesetzt.
Überblick mini|Zwei MANPADS russischer Bauart: 9K38 Igla (oben) und 9K310 Igla-1, jeweils Startrohr und Rakete Schultergestützte Boden-Luft-Flugabwehrraketensysteme (MANPADS) wurden in den späten 1950er-Jahren entwickelt, um den Landstreitkräften Schutz vor Luftangriffen zu bieten. MANPADS können von einem Soldaten getragen und bedient werden. Dadurch handelt es sich um ein „hochmobiles System“, das in den letzten drei Jahrzehnten erfolgreich in diversen Konflikten zum Einsatz kam. Etwa 20 Staaten produzieren oder produzierten MANPADS. Experten gehen davon aus, dass bislang weltweit etwa eine Million schultergestützter Flugabwehrsysteme hergestellt worden sind.CRS Report for Congress: Homeland Security: Protecting Airliners from Terrorist Missiles. (PDF; 383 kB) fas.org (englisch); abgerufen am 29. November 2008.
Siehe auch: Boden-Luft-Raketen in asymmetrischen Konflikten
Beschreibung Im Wesentlichen bestehen MANPADS aus einem Startrohr, in dem sich die Flugabwehrrakete befindet, aus dem Startmechanismus, der üblicherweise unter dem Startrohr angebracht ist, und aus einer Primärbatterie, die das System vor dem Start mit elektrischer Energie versorgt. Die Flugabwehrrakete selbst besteht aus einem Raketentriebwerk, dem Sprengkopf und dem Flugkontrollmechanismus, der den Lenkflugkörper zum Ziel steuert. Die Rakete befindet sich hermetisch abgeriegelt im Startrohr – ein Nachladen im Feld ist meist nicht möglich. Unbenutzte Systeme können bei fachgerechter Lagerung bis zu 30 Jahre einsatzbereit bleiben. Die Abmessungen typischer MANPADS liegen zwischen 1,2 und 2,0 Metern Länge. Der Durchmesser liegt meist bei etwa 70 Millimetern. Das Gewicht (mit Startrohr) reicht von 13 bis 25 Kilogramm. state.gov (englisch); abgerufen am 29. November 2008 Die meisten solcher Systeme können Luftziele in einer Entfernung von fünf bis acht Kilometern und in einer Höhe von bis zu 5000 Metern effektiv bekämpfen. Vom Schultern des Starters mit Rakete bis zum Abfeuern vergehen bei einem geübten Schützen kaum 30 Sekunden. Der überwiegende Teil schultergestützter Flugabwehrraketen erreicht Geschwindigkeiten von Mach zwei und hat eine durchschnittliche Flugzeit von fünf bis zehn Sekunden. Dabei können die Lenkflugkörper mit mehreren g manövrieren.
Gegenmaßnahmen mini|Ein CH-46 Sea Knight beim Ausstoßen von Täuschkörpern Da die meisten Einmann-Flugabwehr-Lenkwaffen mit einem Infrarotsuchkopf zur Zielfindung ausgestattet sind, werden zur Täuschung Flares verwendet. Die beim Einsatz von Flares entstehende Wärmestrahlung soll die Suchkopf-Sensorik vom eigentlichen Ziel ablenken. Da aber modernere Infrarotsuchköpfe nicht mehr effizient durch das Ausstoßen von Flares gestört werden können, gewinnen so genannte -Systeme (DIRCM) immer mehr an Bedeutung. Hierbei werden anfliegende Raketen mit spektral angepasster Laserstrahlung beaufschlagt, die den Lenkflugkörper entweder stört oder schädigt.
Ein DIRCM-System, das speziell für den zivilen Luftverkehr entwickelt wurde, ist das Guardian-Raketenabwehrsystem von der Firma Northrop Grumman, das seit Mitte der 2000er-Jahre auf dem Markt ist. Das Guardian-System ist mit einem Multiband-Infrarot-Laser ausgerüstet und stört durch Blendung die Infrarot-Suchköpfe anfliegender Raketen.
Viele moderne Flugzeuge und Hubschrauber sind inzwischen mit mehrteiligen Raketenwarngeräten ausgestattet, die anfliegende Lenkwaffen erkennen können. Dies geschieht meist über die Ortung der UV-Emissionen des verbrannten Raketentreibstoffes, wobei neuere Systeme auch die IR-Strahlung der erhitzten Flugkörperzelle erfassen können. In fast allen Fällen sind Raketenwarngeräte in der Lage, den Einsatz von Gegenmaßnahmen vollautomatisch auszulösen und dem Piloten die Anflugsrichtung anzuzeigen.
Typen und Entwicklung Ungelenkt mini|Nachbau einer Fliegerfaust Die erste Handfeuerwaffe zur Abwehr von Fluggeräten wurde 1944, während des Zweiten Weltkrieges, im Deutschen Reich vom Rüstungsbetrieb HASAG für den Einsatz gegen Tiefflieger entwickelt. Das System erhielt die Bezeichnung Fliegerfaust und wurde im Frühjahr 1945 an die Wehrmacht ausgeliefert. Insgesamt wurden bis zum Kriegsende nur 80 Stück produziert. Das rückstoßfreieHASAG „Fliegerfaust“. luftarchiv.de; abgerufen am 25. November 2008. System bestand aus neun bis zwölf 1,5 Meter langen Rohren (je nach Version) mit einem Kaliber von 20 mm, die 90 Gramm schwere Geschosse abfeuerten, die in etwa 500 Meter Entfernung detonierten und einen Wirkungsradius von etwa 60 Metern Durchmesser hatten. Die einzelnen Raketen wurden in kurzen Abständen gestartet. Durch seitliche Bohrungen, aus denen jeweils ein kleiner Teilstrahl austrat, wurden sie in Rotation versetzt und dadurch stabilisiert.
Infrarot Infrarotgelenkte MANPADS werden mittels eines Infrarotsuchkopfes (IR-Suchkopf) in das Luftziel gelenkt. Der Suchkopf steuert dabei die Wärmeemissionen der Triebwerke oder die durch den Abgasstrahl erwärmten Metallteile des jeweiligen Luftziels an.James C. Whitmire: Shoulder Launched Missiles (A.K.A. MANPADS): The Ominous Threat to Commercial Aviation. (PDF; 1,4 MB) dtic.mil (englisch); abgerufen am 6. Dezember 2008. Hat er die Wärmequelle erreicht, zündet der Sprengkopf in unmittelbarer Nähe zum Antriebsaggregat. In diesem Zusammenhang spricht man von einem passiven Zielsuchkopf, da keine Signale oder ähnliches vom Suchkopf emittiert werden, um sein Ziel zu detektieren. Auch besteht nach dem Abfeuern kein Kontakt zum Soldaten, der die Rakete gestartet hat. Dieser Umstand erschwert Abwehrmaßnahmen seitens des Luftziels, da der Lenkflugkörper autonom agiert.
Infrarotgelenkte MANPADS bilden die größte Gruppe innerhalb der schultergestützten Flugabwehr-Lenkwaffen. Durch die Fortschritte im Elektronik- und Computerbereich seit den 1960er-Jahren wurden infrarotgelenkte Raketen regelmäßig leistungsfähiger und die Trefferquote fortlaufend gesteigert. Dementsprechend werden heute vier Generationen von infrarotgelenkten MANPADS unterschieden.
Erste Generation mini|Waffenwirkung einer 9K32 Strela-2 an einer F/A-18 Hornet während des Golfkrieges 1991 Die erste Generation infrarotgelenkter MANPADS sind sogenannte „tail chase weapons“, das heißt, die Rakete verfolgt das Flugziel anhand der heißen Austrittsabgase aus dem Triebwerk und dessen stark erhitzter Düse. Der Suchkopf ermittelt den heißesten Punkt am Himmel und folgt diesem. Dieser Umstand macht IR-Raketen anfällig für andere Hitze abstrahlende Objekte, wie z. B. die Sonne, oder Abwehr- und Störmaßnahmen, wie Flares oder das ALQ-144-System. MANPADS der ersten Generation sind die US-amerikanische FIM-43 Redeye, die sowjetische 9K32 Strela-2 (NATO-Codename: SA-7 Grail) und die chinesische HN-5. Am weitesten verbreitet ist hierbei das Strela-2-System, das in sehr hoher Stückzahl in der Sowjetunion und anderen Staaten, zum Teil in Lizenz, hergestellt wurde. Experten vermuten, dass dieses System heute noch zu Zehntausenden weltweit im Umlauf ist. Bei einem Schwarzmarktpreis von teilweise nur 5000 US-Dollar stellt diese Waffe eine ernsthafte Bedrohung auch für die zivile Luftfahrt dar.Proliferation of MANPADS and the threat to civil aviation. janes.com (englisch); abgerufen am 6. Dezember 2008.
Zweite Generation mini|FIM-92 Stinger Zur Gruppe der MANPADS der zweiten Generation zählen Systeme wie die US-amerikanische FIM-92 Stinger (in Deutschland als Fliegerfaust 2 Stinger bezeichnet), die sowjetische Strela-3 (NATO-Codename: SA-14 Gremlin) und die chinesische FN-6. Jedes dieser MANPADS ist mit einem kryotechnischen Kühlsystem ausgestattet, das den Infrarotsuchkopf in kurzer Zeit stark herunterkühlen kann. Hierdurch wird die Empfindlichkeit deutlich gesteigert, was vor allem zu höheren Erfassungsreichweiten führt. Des Weiteren kommen Filtersysteme (meist Rosettenabtastung) zum Einsatz, um natürliche und künstliche Störquellen besser unterdrücken zu können. Zudem sind die IR-Suchköpfe einiger Systeme in der Lage, neben Infrarotstrahlung auch UV-Strahlung zu erfassen. Da sich die UV-Signatur von verbranntem Jet-Treibstoff deutlich von abbrennenden Flares oder der Sonne unterscheidet, kann die Lenkwaffe so besser zwischen Ziel und Störungen unterscheiden. MANPADS der zweiten Generation sind daher weitestgehend immun gegen Flares.
Dritte Generation mini|9K338 Igla-S MANPADS der dritten Generation verfügen, wie teilweise Systeme der zweiten Generation, über einen Suchkopf, der sowohl Infrarot- und UV-Strahlung zur Zielverfolgung verwenden kann. Zudem sind derartige Systeme weniger anfällig gegenüber feindlichen Gegenmaßnahmen in Form von Flares und anderen natürlichen Störungen. MANPADS der dritten Generation sind beispielsweise das französische Mistral MANPADS, die russische Igla und die US-amerikanische Stinger B.
Vierte Generation mini|9K333 Werba Zur vierten Generation zählen MANPADS, die neben anderen modernen Sensoren mit der sogenannten Focal-Plane-Array-Technologie, ähnlich wie bei der Luft-Luft-Rakete AIM-9X Sidewinder ausgestattet sind. Dabei besteht der Suchkopf nicht mehr nur aus einem Detektor, sondern aus einem ganzen Feld (einem zweidimensionalen Array) aus Infrarot-Strahlungssensoren zur Bildgebung. Zu dieser Generation zählte das US-amerikanische FIM-92 Stinger-RMP Block II, das über eine erheblich gesteigerte Erfassungsreichweite und Resistenz gegenüber Störmaßnahmen verfügte. Aus Kostengründen wurde diese Variante der Stinger-Rakete Anfang der 2000er-Jahre jedoch eingestellt. Die erste in Dienst gestellte Lenkwaffe dieser Generation ist die russische Werba. fas.org (englisch); abgerufen am 8. Januar 2008. Trotzdem gehen Experten davon aus, dass in Japan, Frankreich und Israel Forschungsarbeiten in diese Richtung stattfinden.„Raytheon Electronic Systems FIM-92 Stinger Low-Altitude Surface-to-Air Missile System Family“, Jane’s Defence, 13. Oktober 2000
Command Line-of-Sight mini|Britisches Javelin-System, zu sehen das optische Zielsystem unterhalb der Startrohre Bei Command-Line-of-Sight-Flugabwehrsystemen (CLOS) muss ein Soldat den Lenkflugkörper nach dem Abfeuern manuell, mittels einer Vergrößerungsoptik und Funkfernsteuerung, in den Zielflugkörper dirigieren. Da es sich um eine halbautomatische Steuerung über Sichtverbindung handelt, spricht man vom SACLOS-Verfahren.
Der Vorteil bei dieser Methode liegt darin, dass die Flugabwehrrakete gegen Flares und andere Gegenmaßnahmen, die meist auf infrarotgelenkte Raketen ausgerichtet sind, immun ist. Nachteilig steht dem gegenüber, dass CLOS-Flugabwehrsysteme von den bedienenden Soldaten einen vergleichsweise hohen Ausbildungsstand erfordern. So beispielsweise während des Afghanistan-Kriegs der Sowjetunion in den 1980er-Jahren, in dem Mudschahedin Mitte 1986 mit dem britischen Blowpipe-MANPADS ausgerüstet wurden. Der Einsatz dieses Systems entpuppte sich als ineffizient, da die bedienenden Mudschahedin-Schützen unzureichend auf dem System ausgebildet waren. mso.leavenworth.army.mil (englisch); abgerufen am 29. November 2008.
Ein neueres CLOS-MANPADS ist das britische Javelin-Flugabwehrraketensystem, das im Vergleich zur Blowpipe wesentlich modernisiert wurden. Javelin verfügt neben der optischen Tagsicht über eine Fernsehkamera.British SAMS. pmulcahy.com (englisch); abgerufen am 6. Dezember 2008.
Lasergelenkt mini|Lenkflugkörper des britischen Starstreak-Systems