Die Bahnstrecke Buchloe–Memmingen ist eine eingleisige, elektrifizierte Hauptbahn in Bayern. Sie führt von Buchloe über Mindelheim nach Memmingen und war Teil der Ausbaustrecke München–Lindau.

Geschichte

Planung, Bau und Inbetriebnahme

Die gesetzliche Grundlage für den Bau der Bahnstrecke Buchloe–Memmingen wurde am 29. April 1869 geschaffen, als Teil einer Verbindung von München zur Staatsgrenze bei Memmingen. Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen nahmen die Strecke am 1. Mai 1874 in Betrieb.

Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik in den 1970er Jahren

Die Strecke gehörte zu den letzten Hauptbahnstrecken in Südbayern, die mit Streckenblock zur Sicherung von Zugfahrten auf freier Strecke ausgestattet wurden. Dies erfolgte erst nach dem Eisenbahnunfall von Warngau am 8. Juni 1975, der durch einen Streckenblock wohl hätte verhindert werden können, als der Einbau durch die Deutsche Bundesbahn aufgrund öffentlichen Drucks forciert wurde. Die Inbetriebnahme des Streckenblocks in den Stellwerken entlang der Bahnstrecke erfolgte dann im Laufe des Jahres 1977.

Ausbaustrecke München–Lindau

Im November 2017 wurden die Bahnhöfe Stetten (Schwaben) und Sontheim (Schwaben) sowie der Betriebsbahnhof Ungerhausen an das elektronische Stellwerk (ESTW) Memmingen angeschlossen., abgerufen am 23. Juli 2016

Bis Herbst 2018 wurden die Bahnhöfe Türkheim, Stetten und Sontheim barrierefrei ausgebaut., abgerufen am 23. Juli 2016 Begleitend erfolgte im ersten Halbjahr 2018 der Abbruch der historischen fast 145 Jahre alten Mauerwerksgewölbebrücke über den Auerbach und die Staatsstraße 2013 bei Stetten mit Ersatz durch eine Stahlbetonbrücke.Die Tage des Stettener Viadukts sind gezählt Augsburger Allgemeine, 7. September 2014. Abgerufen am 29. Dezember 2021

Im Rahmen des Projekts Ausbaustrecke München–Lindau wurde die Strecke bis Ende 2020 elektrifiziert. Dadurch verkürzte sich die Fahrzeit von Memmingen in die Landeshauptstadt München um circa 30 Minuten. Dazu fand am 23. März 2018 in Memmingen der symbolische Spatenstich statt – mit gleichzeitiger Aufnahme der Bauarbeiten und sechsmonatiger Streckensperrung bis einschließlich 14. November 2018.

Streckenbeschreibung

Verlauf mini|Abzweig von der Lindauer Strecke südwestlich des Bahnhofs Buchloe An ihrem Ausgangspunkt Buchloe verlässt die Strecke zunächst die weite Niederung der Gennach westwärts geradlinig Richtung Wertachtal. Vom Türkheimer Bahnhof zweigen in südlicher Richtung eine Stichbahn nach Bad Wörishofen und in nördlicher Richtung die Bahnstrecke Gessertshausen–Türkheim ab. Nunmehr wird über einen tiefen Einschnitt ein Höhenrücken überwunden und ins Tal der Mindel eingefahren: In Mindelheim zweigt dann die Bahnstrecke Günzburg–Mindelheim ab. Geländerücken zur und zwischen Östlicher und Westlicher Günz sind neuerlich zu überwinden. Östlich von Ungerhausen zweigte eine Strecke nach Ottobeuren ab, die mittlerweile zum Radweg umgebaut wurde. Vom Bahnhof Ungerhausen führte von ca. 1935 bis ca. 1975 ein Anschlussgleis zum Fliegerhorst Memmingerberg. Memmingen in der breiten Illerniederung bietet schließlich Anschluss an die Strecken Leutkirch–Memmingen sowie Kempten (Allgäu)–Neu-Ulm.

Betriebsstellen Die beim Bau der Bahnstrecke von Pasing nach Memmingen neu errichteten Betriebsstellen wurden zentral geplant und ausgestattet. Insbesondere wurden für die Errichtung der Empfangsgebäude Normpläne verwendet, für die der Architekt Georg Friedrich Seidel verantwortlich war. Daher entsprachen die ursprünglichen Empfangsgebäude an dieser Strecke einem von drei Grundtypen:

Die „Haltstelle“ Stetten bekam das gleiche kleine, zweigeschossige Empfangsgebäude wie Schwabhausen und Igling. Die „Stationen“ Türkheim, Sontheim und Ungerhausen bekamen das gleiche mittelgroße, zweigeschossige Empfangsgebäude wie Grafrath. Die „Station“ Mindelheim bekam das gleiche große, dreigeschossige Empfangsgebäude wie Fürstenfeldbruck.

Ursprünglich hatten die Empfangsgebäude entlang der Strecke ein dementsprechend einheitliches Erscheinungsbild, dominiert von unverputztem Sichtmauerwerk, sowie Fenstereinfassungen und Gesimsbändern aus hellem Stein. Durch erzwungene Perspektive – die Fenster werden in den oberen Stockwerken kleiner – wirken die Gebäude höher.

Die Empfangsgebäude waren ursprünglich eingebettet in kleine Parkanlagen.Lageplan der Station Türkheim im Maßstab 1:2000 mit Grundriss des Empfangsgebäudes im Maßstab 1:500, 1879 (HStA München, Kriegsarchiv)Lageplan der Station Stetten im Maßstab 1:2000 mit Grundriss des Empfangsgebäudes im Maßstab 1:500, 1879 (HStA München, Kriegsarchiv)Lageplan der Station Sontheim im Maßstab 1:2000 mit Grundriss des Empfangsgebäudes im Maßstab 1:500, 1879 (HStA München, Kriegsarchiv)Lageplan der Station Ungerhausen im Maßstab 1:2000 mit Grundriss des Empfangsgebäudes im Maßstab 1:500, 1879 (HStA München, Kriegsarchiv) Dort fanden sich auch achteckige, einstöckige Nebengebäude aus Holz, die als Magazin oder für Abortanlagen genutzt wurden.

Auch die Gleisanlagen der kleineren Zwischenbahnhöfe waren ursprünglich gleichartig aufgebaut: Neben dem durchgehenden Streckengleis wurde ein Ausweichgleis errichtet. Dort lag das Empfangsgebäude mit dem Hausbahnsteig. Im Zwischenraum zum Streckengleis lag ein Zwischenbahnsteig. Aus dem Ausweichgleis führte eine weitere, stets aus Richtung Buchloe zu befahrende Weiche zu einer Güterhalle neben dem Empfangsgebäude. Von dort konnte über eine vierte Weiche ins Ladegleis zurückgesetzt werden, wo sich Laderampe und Gleiswaage befanden. Diese vierte Weiche diente gleichzeitig auch dem Flankenschutz. Alle Weichen waren anfangs ortsgestellt, so dass an den beiden Weichen ins Ausweichgleis Postengebäude für die Weichenwärter vorgesehen wurden, die gleichzeitig die Grenzen des Bahnhofes markierten.

Durch individuelle Anpassungen, Umbauten und Renovierungen verschwamm dieses einheitliche Erscheinungsbild über die Jahre.

Buchloe

Der Bahnhof Buchloe () befindet sich im Stadtgebiet der Gemeinde Buchloe, etwa 700 m südwestlich der Altstadt.

Wiedergeltingen Der Bahnhof Wiedergeltingen () befand sich südlich der Gemeinde Wiedergeltingen, etwa 400 m außerhalb der geschlossenen Bebauung am Bahnübergang der Bahnhofstraße.

Bei der Planung der Bahnstrecke war zunächst noch keine Station in Wiedergeltingen vorgesehen. Kurzfristig fiel dann aber doch die Entscheidung für die Einrichtung der „Haltstelle Wiedergeltingen“, und schon in frühesten Fahrplänen vom Juni 1874 ist der Ort aufgeführt. Anders als bei den anderen „Haltstellen“ wurde allerdings nicht das kleine Norm-Empfangsgebäude erbaut, sondern es wurde ein Streckenwärterhaus als Empfangsgebäude adaptiert, indem im Erdgeschoss ein Raum als Wartesaal genutzt wurde.Lageplan der Haltstelle Wiedergeltingen im Maßstab 1:2000 mit Grundriss des Empfangsgebäudes im Maßstab 1:500, 1879 (HStA München, Kriegsarchiv) Neben den Bauten der Bahn entstand auch eine Bahnhofsrestauration mit Ökonomie.

Über die Jahre wurden die Anlagen erweitert. So ist durch eine Fotografie aus dem Jahr 1938 ein eingeschossiger Anbau mit Satteldach an das Postengebäude belegt. Dieser Anbau war in westlicher Richtung an den bestehenden Bau angefügt worden und stand traufseitig zur Bahn. Bemerkenswert ist eine verglaste Veranda, über die der Bahnsteig betreten werden konnte. Außerdem ist im Hintergrund eine kleine Güterhalle zu erkennen.

Kurz darauf wurde das bestehende Empfangsgebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Das neue Gebäude ist erstmalig auf einer amtlichen Fotografie vom 13. November 1940 nachgewiesen. Es handelt sich um einen dreigeschossigen Bau mit Satteldach, dessen hervorstechendstes Merkmal ein kurzer Bogengang am südöstlichen Eck ist. Dieser diente im Sinne einer Bahnsteigsperre für den Durchgang zum Bahnsteig, der ansonsten von einem Zaun eingefriedet war.

Eisenbahntechnisch blieb die Betriebsstelle stets äußerst klein. In einem Plan von 1879 sind neben dem Streckengleis keinerlei weitere Anlagen verzeichnet. Später existierte ein kurzes Ladegleis, über das die Güterhalle erreicht werden konnte. Im Jahr 1976 war dieses Ladegleis lediglich einseitig aus Richtung Memmingen angebunden und verfügte über ein kurzes Stumpfgleis zum Flankenschutz.Lageschema des Bahnhofs Wiedergeltingen, Ausschnitt aus einem Streckenband der Bahnstrecke Buchloe–Memmingen, ohne Maßstab, 1976 (Deutsche Bundesbahn) Beide Weichen waren ortsbedient. Die Güterhalle existierte zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr. Stattdessen bestand dort eine Ladestraße,Lageplan des Bahnhofs Wiedergeltingen im Maßstab 1:1000, 1984 (Deutsche Bundesbahn) die insbesondere für den Empfang von Kohle und Dünger genutzt wurde.

Wie in Unterrammingen existierte in Wiedergeltingen nie ein Ausweichgleis, so dass sich Züge dort nicht überholen oder kreuzen konnten. Trotzdem wurde Wiedergeltingen zum Bahnhof, und es ging im Jahr 1904 ein mechanisches Stellwerk in Betrieb. Tatsächlich erfüllte der Bahnhof eher eine Funktion als Blockstelle. Mit Inbetriebnahme des Drucktastenstellwerks am Bahnhof Buchloe am 7. Dezember 1975 wurde das Stellwerk in Wiedergeltingen überflüssig. Die Betriebsstelle wurde anschließend zu einem unbesetzten Haltepunkt mit Ausweichanschlussstelle. Seit dem 1. Juni 1985 wurde Wiedergeltingen nicht mehr durch Reisezüge bedient, zeitgleich mit Unterrammingen. Gleichzeitig wurde der Wagenladungstarifpunkt aufgehoben und das Ladegleis stillgelegt.

Nach Schließung der Betriebsstelle ging das Empfangsgebäude in private Hände über und besteht nach diversen Um- und Anbauten bis heute. Auch die ehemalige Bahnhofsrestauration in der Nachbarschaft existiert noch, wird aber schon seit 1959 nicht mehr als Gaststätte betrieben. Zwischenzeitlich wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut. Als einzige eisenbahntechnische Einrichtung existiert lediglich noch der mit Schranken gesicherte Bahnübergang.

Türkheim (Bay) Bahnhof

Türkheim (Bay) Bahnhof () liegt etwa 1,5 km südwestlich der Gemeinde Türkheim in einem eigenen Ortsteil.

Rammingen (Bay) Der Haltepunkt Rammingen (Bay) () liegt im Süden der Gemeinde Rammingen, etwas außerhalb der geschlossenen Bebauung von Oberrammingen und auf der ortsabgewandten Gleisseite. Die Betriebsstelle wurde im Dezember 2003 eröffnet. Neben der Ortschaft erschließt sie vor allem auch den Skyline Park.

Die Betriebsstelle verfügt über einen 120 m langen Bahnsteig mit einem Unterstand für die Reisenden. Stand 2025 war die Verlängerung des Bahnsteigs in westlicher Richtung auf 155 m in Vorbereitung, um den Haltepunkt auch mit Doppeltraktionen einfach bedienen zu können.

Unterrammingen Der Bahnhof Unterrammingen () befand sich etwa 1,2 Kilometer westlich außerhalb der ehemals eigenständigen Gemeinde Unterrammingen, die im Verlauf der Gemeindegebietsreform zum 1. Januar 1974 Teil der heutigen Gemeinde Rammingen wurde.Aufzeichnungen zum Bahnhof Unterrammingen durch Manfred Leinsle, den Ortschronisten der Gemeinde Rammingen, mit Katasterauszug und mehreren Fotos

Die Betriebsstelle wurde erst 23 Jahre nach Bau der Bahnstrecke eingerichtet und zum ersten Mal am 24. Februar 1897 bedient. Zunächst wurde als Betriebsgebäude nur eine Wellblechhütte in der Nähe des bereits bestehenden Streckenwärterpostens 5 errichtet, welche Platz für einen Dienst- und einen Warteraum bot.

Erst im Jahr 1922 wurde ein größeres, zweistöckiges Empfangsgebäude mit Walmdach erbaut. Die bahnseitige Fassade hatte als wesentliches Gestaltungselement einen kleinen Arkadengang mit drei Bögen, die straßenseitige Fassade war geprägt von einem Mittelrisalit.Dachform und Schattenwurf auf verschiedenen Luftbildern, etwa Bild 81044_0_790 vom 4. August 1981, siehe Am westlichen Eck wurde ein kleiner eingeschossiger Stellwerksvorbau errichtet. Im Obergeschoss befanden sich nun auch zwei Dienstwohnungen, so dass das Personal nicht mehr aus privaten Unterkünften im Ort zum Arbeitsplatz pendeln musste.