mini|Bahnhof Olten um 1860. mini|Empfangsgebäude (2014)

Der Bahnhof Olten ist aufgrund seiner zentralen Lage am Schnittpunkt der Bahnstrecken von und nach Basel, Bern, Luzern und Zürich einer der wichtigsten Knotenbahnhöfe der Schweiz. Aus diesem Grund und weil in der Stadt stets viele Eisenbahnangestellte wohnten, gilt die Standortgemeinde Olten als Eisenbahnerstadt. Viele Arbeitsplätze schuf auch die von der Schweizerischen Centralbahn neben dem Bahnhof Olten errichtete Hauptwerkstätte, aus der das heute für den gesamten Personenwagenbestand der Schweizerischen Bundesbahnen zuständige Industriewerk Olten hervorgegangen ist.

Der Bahnhof zählt mit seiner Tagesfrequenz von über 80'000 Passagieren zu den 20 grössten Bahnhöfen der Schweiz. Wird allerdings die Anzahl der Züge zum Vergleich herangezogen, folgt er nach dem Zürcher Hauptbahnhof auf Platz 2.Insbesondere wegen der Güterzüge, die den meisten Zürcher Bahnhöfen fehlen. 1977: 1040 tägliche Züge (Nummer 2 der SBB nach Zürich HB mit 1205)

Im Bahnhofbuffet Olten, das aufgrund seiner zentralen Lage im Eisenbahnnetz der Schweiz als ein beliebter Treffpunkt gilt, wurden seit den 1860er Jahren zahlreiche nationale Vereine und Unternehmen gegründet.

Geschichte Die Gemeindeversammlung der Stadt Olten beschloss am 19. Juni 1853, der Schweizerischen Centralbahn (SCB) Hunderte von Hektaren Land unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, damit diese den Bahnhof und die Bahnlinien bauen konnte. Auch das Gelände für die Werkstätten erhielt die SCB von der Stadt, das Areal der heutigen IW im Tannwald erwarb sie schon früh.Das ebene Gelände entstand aber erst zwischen 1912 und 1916, da hier der Ausbruch des Hauensteinbasistunnels abgelagert wurde Daneben durfte die SCB unentgeltlich Flächen im Gemeindewald roden und dem Boden Sand und Gestein entnehmen. Die Bahngesellschaft erhielt somit von der Gemeinde eine sehr grosszügige Unterstützung. Das zur Verfügung gestellte Areal befand sich am rechten Ufer der Aare gegenüber der Altstadt. Für den Bau der Hauptwerkstätte wurde der mitten auf dem Areal stehende Felskopf der Geissfluh weggesprengt. Als ersten Leiter und Maschinenmeister der Werkstätte setzte die SCB Niklaus Riggenbach, der später als Erbauer von Zahnradbahnen grossen Erfolg hatte, ein.

Im Bahnhof Olten wie auf der Bahnlinie Aarau–Luzern nahm die SCB am 9. Juni 1856 den Betrieb auf. Seit dem 16. März 1857 dient der Bahnhof als Netzknoten, da an diesem Tag die Strecke Aarburg–Oftringen–Herzogenbuchsee eröffnet wurde. Die Züge dieser Bahnlinie benutzten das Depot in Olten und waren deshalb von Anfang an zwischen Herzogenbuchsee und Olten durchgebunden. Am 1. Mai 1858 fand die feierliche Eröffnung der Hauensteinlinie, der ersten Gebirgsstrecke der Eisenbahn in der Schweiz, mit dem 2495 Meter langen Scheiteltunnel statt.

Am 4. Dezember 1876 kam die Gäubahn von Olten über Oensingen nach Solothurn hinzu. Seither liegt das Bahnhofgebäude von Olten in Insellage zwischen zwei Gleisgruppen. Mit der Eröffnung am 8. Januar 1916 ergänzte die Strecke durch den 8134 Meter langen Hauenstein-Basistunnel mit seinem flacheren Höhenprofil über Gelterkinden das Netz der Bahnlinien bei Olten. Als vorläufig letzte Erweiterung besteht seit dem 2. April 1981 die 5,5 Kilometer lange Bornlinie, deren Verlängerung die 2004 eröffnete Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist ist. Somit führen auf beiden Seiten des Bahnhofs jeweils drei Bahnstrecken nach Olten.

Auf der alten Hauensteinlinie wurde einige Zeit nach der Eröffnung des Basistunnels die ursprüngliche Doppelspur zurückgebaut, seit dem 6. Dezember 1938 gilt die Strecke als einspurig. Ihre Elektrifizierung erfolgte erst am 4. Dezember 1953. Damals war geplant, den Personenverkehr einzustellen. Die Strecke über Läufelfingen bleibt bestehen, weil sie als Ausweichlinie während Bauarbeiten im Hauensteinbasistunnel genutzt werden kann.

Gebäude und Gleisanlage mini|Bahnhofshalle Olten Blick von Gleis 10–11 Richtung Westen zum Hauptgebäude und Postgebäude mini|Zentralstellwerk Olten von 1980 (2005) mini|Bahnhof Olten von oben im Winter (2015) Auf einem breiten Inselperron befindet sich das Hauptgebäude, welches südlich vom Postgebäude und nördlich vom Dienstgebäude eingerahmt wird. Deren Perrondächer sind als eine Einheit an die Gebäude gebaut. Östlich der Gebäude überspannt die mächtige Bahnhofshalle in zwei Bögen je zwei Gleise, dabei wird noch ein fünftes Gleis geschützt. Diese fünf Gleise (heute Gleis 7–11) auf der Ostseite bestanden schon seit dem Umbau 1898/99.Fred von Niederhäusern, Reto Danuser: Olten – Drehscheibe der Schweiz. Von der Schweizerischen Centralbahn zur Bahn 2000. Minirex, Luzern 1997, ISBN 3-907014-09-X, S. 124. Das sechste östliche Gleis (damals A6, heute Gleis 12) wurde anlässlich des Bahnhofumbaus am 1. Oktober 1978SBB-Nachrichtenblatt 11/1978 in Betrieb genommen. Auf der Westseite befanden sich schon früher fünf Gleise, welche allerdings von keinem gemeinsamen Bahnhofdach geschützt wurden. Einzig das heutige Gleis 4 (ehemals Gleis 5) besass ein längeres Perrondach. Die vier westlichsten Gleise besassen keinen richtigen Bahnsteig, zwei davon immerhin eine Perronkante, welche nur durch Überqueren von Gleisen zugänglich war. Das am nächsten zur Stadt liegende war während langer Zeit das Rampengleis des Güterschuppens. Anlässlich des Bahnhofumbaus für die Bahn 2000 von 1996 bis 2002 wurde das mittlere Gleis entfernt und an dessen Stelle ein Mittelbahnsteig erbaut. Das westlichste Gleis (heute Gleis 1) erhielt einen Aussenperron.

Heute besitzen alle 10 Bahnhofgleise eine eigene Perronkante und im Mittelbereich auch einen Wetterschutz. In der Reihenfolge von Westen her (von der Aare weg); Aussenbahnsteig, Gleis 1, Mittelbahnsteig, Gleis 2+3, Inselbahnsteig mit den Gebäuden, Gleis 4+7, Mittelbahnsteig unter Hallendach, Gleis 8+9, Mittelbahnsteig unter Hallendach, Gleis 10+11, Aussenbahnsteig Gleis 12.

Im nordöstlichen Vorfeld entstand ein Güterbahnhof, dessen Ablaufberg aber schon 1927 eingeebnet wurde. Im Güterbahnhof fand bis Ende 2008 Zugzerlegung statt. Der Rangierbahnhof Olten wurde per Ende 2008 in einen Teambahnhof (Formationsbahnhof) umgewandelt. Er wurde also von SBB Infrastruktur an SBB Cargo übergeben. Schon 1977Inbetriebnahme Frühjahr 1977, SBB-Nachrichtenblatt 1/1977 wurde zwischen Däniken und Dulliken ein Schnellgutbahnhof eröffnet (Cargo-Domizil-Halle und Paketpost-Halle). Da beide Hallen heute nicht mehr ausschliesslich im ursprünglichen Sinn genutzt werden, übernahm der Rangierbahnhof Däniken die Aufgaben des Rangierbahnhofs Olten als Drehscheibe für die Cargo-Express-Züge per 2009 vollständig. Diese Aufgabe war bisher auf beide Bahnhöfe verteilt.

In den 1970er Jahren war sogar ein Neubau des Rangierbahnhofes geplant, der im Bereich des Kernkraftwerkes Gösgen auf dem Gebiet der Gemeinden Däniken und Gretzenbach zu liegen gekommen wäre. Geplanter Bautermin war 1978–1989, nach der Wirtschaftskrise 1972/73 wurde das Projekt verschoben, das Land aber soweit möglich erworben. Zu einem eigentlichen Baubeginn kam es nie, das Land wurde nach 2000 wieder freigegeben und verkauft.

Die Erhöhung auf die heute für das Schweizer Normalspurnetz vorgeschriebene Perronhöhe von 55 cm über Schienenoberkante (P55) erfolgte sukzessive und wurde anlässlich des Umbaus 2008/09 fertiggestellt. Dabei wurden auch die Verkaufslokale auf dem Inselperron mit dem Aufnahmegebäude verbessert, wie es die SBB in ihrem neuen Konzept «Mehr Bahnhof» umsetzen wollen.

Am 1. März 2015 nahm die – gegenüber dem Zentralstellwerk auf dem ehemaligen Areal der Hauptwerkstätte gelegene – Betriebszentrale Mitte ihren Betrieb auf. Als erstes übernahm sie die Aufgaben des Sektors Mittelland (Bereiche Solothurn, Rothrist, Gäu, Wasseramt). Am 15. März folgte der Sektor Aare, zu welchem auch der Bahnhof Olten gehört und der südliche Abschnitt des Sektors Südbahn. Es folgten am 23. August 2016 der nördliche Abschnitt der Südbahn, am 6. September 2016 der Sektor Birs mit dem Knoten Basel, im November 2016 der Sektor Gurten (Knoten Bern) und schliesslich am 25. Januar 2017 der Sektor Pilatus mit dem Knoten Luzern.In neuer Betriebszentrale SBB gibts Raum für 120 Mitarbeitende, Solothurner Zeitung

Werkstätte und Depot Durch die Bereitschaft der Stadt Olten, grosszügig umfangreiche Grundflächen zur Verfügung zu stellen, entschloss sich die SCB, in Olten nicht nur ein Lokomotivdepot einzurichten, sondern auch eine Werkstätte zu erbauen, welche für den Grossunterhalt des Rollmaterials zuständig war. Die Werkstätte konnte im Jahr 1855 in Betrieb genommen werden und kam nördlich des Personenbahnhofes, auf der westlichen Seite der Streckengleise und des Güterbahnhofes, am linken Aareufer zu liegen. Das Depot selbst war noch weiter nach Norden verschoben und befindet sich gegenüber dem eigentlichen Güterbahnhof.

1000px|Panorama der SBB-Hauptwerkstätte Olten mit Stadt Olten Trimbach und Juragebirge im Hintergrund

Der erste Werkstattleiter Niklaus Riggenbach formte die Werkstatt zu einem eigentlichen Industriebetrieb, der nicht nur Lokomotiven wartete, sondern auch selber herstellen konnte. Auch Güter- und Personenwagen wurden konstruiert – nicht nur für die SCB, sondern auch für andere Bahngesellschaften. Daneben wurden auch Brücken, Schiebebühnen und sonstige bahntechnische Gerätschaften gebaut. Die Werkstätte wurde in mehreren Etappen erweitert. Aus dieser Werkstätte entstand nach der Übernahme durch die SBB die Hauptwerkstätte Olten, die sich immer mehr auf den Grossunterhalt von Personenwagen spezialisierte. Das heutige Industriewerk Olten ist das einzige Industriewerk der SBB, welches für den Grossunterhalt der Personenwagen zuständig ist.

Diese alte Werkstätte entsprach in den 1970er Jahren nicht mehr den Erfordernissen einer modernen Unterhaltsanlage, weshalb die SBB beschlossen, im Tannwald, der logischen nordöstlichen Fortsetzung des Areals, eine neue zweckmässige Hauptwerkstätte zu bauen. Dabei achtete sie darauf, dass genügend Landreserven für einen allfälligen Weiterausbau vorhanden waren. Am 18. Mai 1978 fand die Aufrichtefeier an der heutigen Wagenhalle Süd statt.SBB-Nachrichtenblatt 06/1978 Eingeweiht wurde die Halle im Sommer 1979. Die Anlage wird über eine Gleiskurve entlang der Ausfahrt der alten Hauensteinlinie erschlossen.

Ende der 1990er Jahre beschloss der SBB-Verwaltungsrat, aufgrund der vorhandenen Landreserven den gesamten Personenwagen-Grossunterhalt nach Olten zu verlegen und die HW Zürich zu schliessen. Nach Ausschreibung und Bau konnten Ende Dezember 2003 die Wagenhalle Nord und im Mai 2004 der neue Zentralbau eingeweiht werden. Dieser Neubau erlaubt es, alle Werkstattteile, die sich noch südlich der Industriestrasse im alten Werkstättenbereich befanden, umzusiedeln. Die SBB beschlossen, das Areal der «alten» SCB-Werkstätte einer Umnutzung freizugeben. Da sich darunter einige Gebäude aus der Gründungszeit befinden, regte sich Widerstand gegen ein planloses Abreissen des Geländes. Dieser Widerstand war bisher erfolgreich, es wird noch über eine mögliche Nutzung des Geländes diskutiert.

Unmittelbar nördlich der Industriestrasse befand sich das ehemalige Personalrestaurant «Dampfhammer» Für das historisch wertvolle Gebäude lag ein Umnutzungskonzept als Eventhalle vor, weshalb es auch Mitte 2008 geschlossen war und umgebaut wurde. Jedoch wurde das Gebäude am 7. September 2008 ein Opfer eines Brandstifters und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Ob und in welcher Form es wieder aufgebaut wird, ist momentan unklar.

mini|Fahrzeugparade vor der Ostseite des Depot Olten, anlässlich des Tags der offenen Türe am 10. September 2006 mini|Bahnhof Olten von oben bei Nacht