mini|Der Wehrturm Steinerner Beutel ist das Wahrzeichen der Stadt Waischenfeld () ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Bayreuth. Der staatlich anerkannte Luftkurort mit der 1122 erstmals erwähnten Burg Waischenfeld liegt im oberen Tal der Wiesent in der Fränkischen Schweiz.

Geografie Gemeindegliederung Es gibt 29 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Breitenlesau, Eichenbirkig, Gösseldorf, Hannberg, Köttweinsdorf, Langenloh, Langweiler Wald (Gemarkungsteil 3), Löhlitz, Nankendorf, Seelig und Waischenfeld. Die Gemarkung Waischenfeld hat eine Fläche von 4,667 km². Sie ist in 1530 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 3050,30 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Gutenbiegen, Hammermühle, Pulvermühle und Schlößlein.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Plankenfels, Mistelgau, Ahorntal, Gößweinstein, Wiesenttal und Aufseß.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung mini|Karte von Sebastian von Rotenhan (16. Jahrhundert) mit Bamberg und Weÿſchenfeld (rechts oben) – nach Osten (oben) ist die Karte stark verzerrt mini|Waischenfeld, Lithografie (um 1840) von Theodor Rothbarth nach einer Zeichnung von Carl Käppel mini|Blick vom Burgberg über die Kirche in die Stadt an der Wiesent mini|Luftbild von Waischenfeld Die Burg Waischenfeld wurde 1122 erstmals urkundlich erwähnt. Wirint von Wischenvelt legte in dem Vertrag fest, dass sein gesamter Besitz an den Klerus übergehen sollte, falls sein Sohn Konrad ohne männliche Nachkommen bliebe. Ulrich von Waischenfeld übergab nach 1216 aus ungeklärtem Grund seinen Besitz an die Brüder Eberhard III. und Ulrich III. von Greifenstein. Eberhard III. errichtete oberhalb der Pulvermühle eine kleine Burg und nannte sich ab 1219 „von Schlüsselberg“. Bis 1348/49 blieb Waischenfeld in Schlüsselberger Besitz.Kriegsereignisse in Waischenfeld auf der Homepage der Stadt, abgerufen am 4. März 2018

König Ludwig der Bayer verlieh Waischenfeld 1315 die Stadtrechte. Burg und Stadt Waischenfeld kamen nach dem Tod des Stadtherren Konrad II. von Schlüsselberg 1348 in den Besitz des Bistums Bamberg, das ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis gehörte. Waischenfeld wurde ein wichtiger Grenzstützpunkt des Bamberger Fürstbischofs. Im Bauernkrieg 1524–26 erhoben sich auch in Franken die Bauern, um gegen das feudale System zu kämpfen, das ihnen hohe Abgaben und Steuern aufbürdete. Damals soll der Steinerne Beutel, das Wahrzeichen der Stadt, zerstört worden sein. Im Zweiten Markgrafenkrieg nahm Albrecht II. Alcibiades im Mai 1552 Waischenfeld in Besitz und verlor es im Herbst jenes Jahres wieder an das Hochstift. Nach einer zweiten Eroberung im Januar 1553 und dem erneuten Verlust im Februar eroberten die Markgrafen Waischenfeld am 3. März 1553 endgültig. Hauptmann Paulus Herdegen plünderte die Stadt und setzte sie am 7. Juli 1553 in Brand. Mehr als 80 Häuser, darunter das Rathaus, fielen den Flammen zum Opfer.

Im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs versuchten die Schweden mehrmals vergeblich, die Waischenfelder Burg einzunehmen. Am 9. August 1632 brannten sie den Ort nieder, mit Ausnahme der Kirche und des Schlosses wurden die übrigen 149 Häuser zerstört. Die heutige Burg und der Steinerne Beutel stammen aus dem 18. Jahrhundert. Aus der Zeit von 1680 bis 1751 ist das Waischenfelder Malefizbuch, ein Buch mit Gerichtsprotokollen für Stadt und Amt Waischenfeld, erhalten.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Waischenfeld von den Preußen besetzt. Im Mai 1759 plünderten sie den Ort und verursachten einen Schaden in Höhe von 32 100 Gulden. Vier Jahrzehnte später kamen französische Truppen ins Land. Napoleon sorgte dafür, dass Waischenfeld zum 22. November 1802 bayerisch wurde. Auf dem Rückweg von der Schlacht bei Waterloo kamen 1815 ca. 3600 russische Soldaten durch die Fränkische Schweiz und Waischenfeld. An diese turbulente Zeit erinnern die Russenlinde und eine Gedenkmarter bei Breitenlesau. Die 1820 noch über 1500 Meter lange Stadtmauer fiel der regen Bautätigkeit des 19. Jahrhunderts zum Opfer.

20. Jahrhundert Ab August 1943 war im Alten Rentamt in Waischenfeld eine aus Berlin ausgelagerte Dienststelle der nationalsozialistischen Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe mit rund 40 Mitarbeitern untergebracht.Als Hitler die Teufelshöhle besuchte in: Nordbayerischer Kurier vom 9. Dezember 2019, S. 15.Die jüdische Schädelsammlung der SS in: Nordbayerischer Kurier vom 13. Juli 2018, S. 20. Das „Ahnenerbe“, ein Pseudowissenschaftsverein der SS, organisierte unter Wolfram Sievers von Waischenfeld aus tödliche Menschenversuche in Konzentrationslagern. Am 14. April 1945 wurde der Ort von den Amerikanern besetzt, denen er sich, von kleineren Scharmützeln mit der SS und einer Panzersperre abgesehen, kampflos ergab. Somit blieb der Stadt die Zerstörung erspart. Sievers wurde zwei Wochen später in der Nähe aufgegriffen, 1947 im Nürnberger Ärzteprozess zum Tode verurteiltVgl. Thomas Greif: Der SS-Standort Waischenfeld 1934–1945. Hilfswerklager und Ahnenerbe. Erlangen 2000 (Schriftenreihe des Fränkische-Schweiz Vereins II: Die Fränkische Schweiz, Heimatkundliche Beihefte 16). ISBN 3-7896-0652-9. und 1948 hingerichtet.

Eingemeindungen Anlässlich der Gebietsreform in Bayern wurde die Stadt Waischenfeld mehrmals vergrößert. Am 1. Januar 1971 wurden zunächst die Gemeinden Gösseldorf und Seelig eingegliedert. Der Gemeindename Gösseldorf hatte im Jahr 1870 den bis dahin gültigen Namen Heroldsberg abgelöst. Am 1. Januar 1972 kam ein Teil der ehemaligen Gemeinde Nankendorf hinzu. Hannberg, Langenloh und Rabeneck (Zusammenschluss der Gemeinden Eichenbirkig und Köttweinsdorf im Jahr 1865), die vorher zum Landkreis Pegnitz gehörten, folgten am 1. Juli 1972. Waischenfeld selbst kam vom aufgelösten Landkreis Ebermannstadt zum Landkreis Bayreuth. Am 1. Januar 1977 nahm Waischenfeld den größeren Teil der aufgelösten Gemeinde Breitenlesau auf. Am 1. Mai 1978 wurde ein Gebietsteil von Plankenfels in die Stadt Waischenfeld umgegliedert. Am 1. September 2010 kam ein Teil des gemeindefreien Gebiets Löhlitzer Wald hinzu. Am 1. März 2020 wurden Flurstücke aus dem ehemaligen gemeindefreien Gebiet Langweiler Wald eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs die Stadt von 3037 auf 3083 um 46 Einwohner bzw. um 1,5 %. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 2002 mit 3222 Einwohnern erreicht.

Politik Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Sitzverteilungen: +Partei/Liste20202014Vorläufiges Ergebnis zur Stadtratswahl 2014 am 16.03.2014 Stadt WaischenfeldSitzeSitzeCSU33Bürgerblock Nankendorf (BBN)22Freie Wähler Stadt und Land (FWSL)32Wählergemeinschaft Waischenfeld-Land (WWL)33Wählergemeinschaft Löhlitz (WGL)11Bürgerblock Breitenlesau-Siegritzberg (BBS)22Junges Waischenfeld (JW)22SPD–1Gesamt1616

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 1. Mai 2020 Thomas Thiem (CSU) aus Siegritzberg. Sein Vorgänger war seit Juli 1998 Edmund Pirkelmann (Bürgerblock Breitenlesau-Siegritzberg).

Interkommunale Zusammenarbeit Die Stadt Waischenfeld ist seit 1999 Mitglied im Verein für Regionalentwicklung „Rund um die Neubürg – Fränkische Schweiz e. V.“

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Steinerner Beutel und Burg Waischenfeld mini|Blick über Waischenfeld, im Vordergrund die Stadtpfarrkirche Johannes der Täufer mini|Rabenecker Mühle im Wiesenttal unterhalb der Burg Rabeneck

Die Anna-Kapelle ist ein schlicht gehaltener romanischer Bau. Erstmals erwähnt wurde die Kirche 1509 im Rahmen einer Spendenaktion. Der Altar, der etwa aus dem Jahr 1660 stammt, besitzt barocke Stilelemente. Das Altarbild, 1851 gemalt in Öl vom ehemaligen Pfarrer, zeigt die heilige Anna mit der Jungfrau Maria und dem Jesuskind auf dem Schoß. Burg Waischenfeld mit Turm Steinerner Beutel. Das Wahrzeichen der Stadt steht westlich der Stadt auf einem Felsplateau. Der runde, etwa 13 Meter hohe Turm steht auf einem Kalksteinfelsen und bildete den nördlichsten Teil der längst nicht mehr bestehenden Burg Waischenfeld. Burg und Turm wurden vermutlich im 13. Jahrhundert erbaut. Die Stadtkapelle St. Laurentius und St. Michael (Waischenfeld) hat eine barocke Ausstattung und besitzt eine besonders schön gestaltete Mondsichelmadonna aus dem 15. Jahrhundert. Der Chor der Stadtpfarrkirche Johannes der Täufer stammt aus dem Jahr 1450. Die Kirche wurde 1750 im barocken Stil umgestaltet.

Literaturweg Gruppe 47 1967 fand in der Pulvermühle in Waischenfeld das letzte Treffen der Gruppe 47 statt. 50 Jahre später, im Oktober 2017, wurde das Jubiläum dieses bedeutenden Ereignisses gefeiert. 18 der damaligen Autoren kamen zu diesem historischen Wiedersehen. Als Ergebnis dieses Jubiläumswochenendes wurde 2018 der Literaturweg der Gruppe 47 eingeweiht. Die Stelen, auf 5 Stationen verteilt, sind ein in Deutschland einmaliger Erinnerungsplatz an die Gruppe 47, die für die Nachkriegsliteratur und den Aufbau der noch jungen Demokratie eine so wichtige Rolle spielte.

Sport Von Oktober 1990 bis Januar 1991 soll der ehemalige Schachweltmeister Bobby Fischer, der seit der Weltmeisterschaft 1972 keine offizielle Partie mehr gespielt hatte und seither untergetaucht war, unerkannt in der Pulvermühle einquartiert gewesen sein und in dieser Zeit auch gegen verschiedene Personen gespielt haben. Nachdem 1993 ein weiterer ehemaliger Schachweltmeister – Michail Botwinnik – für einige Tage im gleichen Gasthof Quartier nahm, werden dort regelmäßig hochrangige Schachturniere ausgetragen, u. a. Spiele der deutschen Bundesliga.

Brauereien Im Stadtgebiet gibt es die Brauereien Heckel in Waischenfeld, Schroll in Nankendorf und Krug in Breitenlesau.

Sonstiges Der Wagnerfels an der Wiesent am südlichen Rand der Stadt ist benannt nach dem Komponisten Richard Wagner. Durch den Ort verlaufen der Fränkische Gebirgsweg und der Fränkische Marienweg.

Naturdenkmäler Russenlinde im Ortsteil Breitenlesau mit einem Brusthöhenumfang von 8,29 m (2014).

Persönlichkeiten Ehrenbürger

Rudolf Eberhard (1914–1998), Bayerischer Finanzminister Heinz Gerhäuser, ehemaliger Leiter des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen und ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls für Informationstechnik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-NürnbergHeinz Gerhäuser Ehrenbürger von Waischenfeld, Artikel auf nordbayern.de (abgerufen am 31. Mai 2011) Josef Kraus, Dekan, 1976–1992 Pfarrer von WaischenfeldWaischenfelder Pfarrer mit Erwähnung der Ehrenbürgerschaft auf den offiziellen Webseiten von Waischenfeld (abgerufen am 24. Mai 2011) Konrad Pieger, 1937–1954 Pfarrer von Waischenfeld Hans Schweßinger (1937–2011), 1966–1998 Bürgermeister von WaischenfeldVater der Großgemeinde, Artikel auf nordbayern.de vom 9. Januar 2011 (abgerufen am 24. Mai 2011) Hans Völker, 1956–1974 Pfarrer von Waischenfeld Gunda Zeitler, MäzeninEhrenbürger der Stadt Waischenfeld (abgerufen am 24. Mai 2011)Gunda Zeitler zur Ehrenbürgerin von Waischenfeld ernannt, Artikel auf nordbayern.de (abgerufen am 24. Mai 2011)

Söhne und Töchter der Stadt

Ulrich Burchard, Musikschriftsteller, nachweisbar zwischen 1500 und 1531 Friedrich Nausea (um 1496–1552), Bischof von Wien Ernst von Bomhard (1833–1912), Jurist, Senatspräsident am Reichsgericht in Leipzig Christoph von Kiefhaber (1855–1955), Generalleutnant im Ersten Weltkrieg Michel Hofmann (1903–1968), Staatsarchivdirektor in Würzburg, Mitarbeiter an Carl Orffs Werk Carmina Burana Anton Sterzl (1927–2015), Historiker, Journalist und Autor

Literatur

Sebastian Friedmann: Mein Uropa Georg Friedmann – Eine persönliche Spurensuche in der Zeit vor 100 Jahren in Waischenfeld. Eigenverlag, Waischenfeld 2019. Sebastian Friedmann: Unterwegs mit den Romantikern in und um Waischenfeld. Eigenverlag, Waischenfeld 2020.