Sauerlach ist die flächenmäßig größte Gemeinde im oberbayerischen Landkreis München. Die Gemeinde wird auch „das Tor zum Bayerischen Oberland“ genannt.

Geografie Lage Die Gemeinde liegt auf der Münchner Schotterebene an der südlichen Grenze des Landkreises München in einer Rodungsinsel im Deisenhofener und Hofoldinger Forst, gut 20 Kilometer südlich von München. Nach Wolfratshausen sind es 21 Kilometer, nach Miesbach 29 Kilometer und nach Bad Tölz 32 Kilometer. mini|Sauerlach von Süden

Naturräumliche Gliederung Im Bereich der Gemeinde wird der südliche Ausläufer der Münchner Ebene vom Ammer-Loisach- und Inn-Chiemsee-Hügelland eingerahmt. Große Teile des Gemeindegebietes – einschließlich des Ortes Sauerlach – liegen im Bereich der Münchner Ebene; der Westen und Südwesten des Gemeindegebiets gehören zum Naturraum Ammer-Loisach-Hügelland.

Relief Das Gelände der Gemeinde steigt von Nordosten nach Südwesten zunächst gering, dann stärker an. Der Höhenunterschied im Gemeindegebiet beträgt etwa 100 Meter. Im Buchetholz, am südwestlichen Rand der Gemeinde, südlich von Gumpertsham, befindet sich mit knapp 700 Metern die höchste Erhebung. Der tiefste Punkt liegt an der nördlichen Gemeindegrenze bei Otterloh bei rund 600 Metern.

Gemeindegliederung Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde lagen bis zur Gebietsreform in Bayern am 1. Mai 1978 neben Sauerlach auch die damaligen Gemeinden Arget und Eichenhausen. Für die heutige Gemeinde Sauerlach sind zwölf Gemeindeteile ausgewiesen (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Arget, Eichenhausen und Sauerlach.

Darüber hinaus gehörte die mittlerweile abgegangene Schwaige Staucharting bis 1818 als Teilort zum Gemeindegebiet. Staucharting oder früher Studaring bestand im Jahre 1513 aus drei Höfen und zwei Huben. In den Jahren 1692/93 erbaute der ehemalige Schwaiger Melchior Seidl neben seinem Hof eine Kapelle aus Stein. Nach seinem Tod vermählte sich die Witwe mit Andreas Humpl aus der Argeter Pfarrei, der die St. Anna-Kapelle im Jahr 1702 erweitern ließ.Zeitungsartikel Merkur Online vom 26. Juli 2010 Heute steht dort nur noch die Wallfahrtskapelle.

Nachbargemeinden Im Süden grenzt Sauerlach an Otterfing (Landkreis Miesbach), weitere Nachbargemeinden sind Brunnthal, Oberhaching und Straßlach-Dingharting (alle Landkreis München) sowie Dietramszell und Egling (beide Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen).

Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet LSG Hofoldinger und Höhenkirchner Forst (LSG-00198.01) Landschaftsschutzgebiet LSG Deisenhofener Forst (LSG-00113.01)

Klima Gemäß seiner Lage entspricht das Klima in Sauerlach dem des Landkreises München. Dieses wird im Wesentlichen durch einen maritimen Einfluss bestimmt, was zu einer wechselhaften Witterung mit Niederschlägen führt. Vereinzelt kommt es bei Hochdruckwetterlagen jedoch auch zu kontinentalem Einfluss, der sich im Sommer zumeist durch Wärme, im Winter durch Kälte und allgemein durch Trockenheit bemerkbar macht.

Aufgrund der räumlichen Nähe zu den Alpen, die als Wetterbarriere dienen, ist das Niederschlags-Aufkommen im Bayerischen Alpenvorland für deutsche Verhältnisse relativ hoch. Es wird teils durch den Stau feuchter Luftschichten, teils durch insbesondere im Sommer häufige Gewitter verursacht. Allerdings ist auch die Sonnenscheindauer im Vergleich zu vielen anderen Gebieten Bayerns verhältnismäßig hoch, da sich die Hochnebel- und Nebellagen zumeist auf die Flusstäler und Beckenlagen des nördlichen Oberbayerns und Niederbayerns beschränken. Aufgrund der Höhenlage ist die Temperatur für deutsche Verhältnisse vergleichsweise niedrig.

Der Föhn bringt an der Vorderseite mancher Tiefdruckgebiete schönes Wetter. Damit verbunden ist häufig eine gute Fernsicht, bei der auch von Sauerlach aus die Bayerischen Alpen sehr deutlich zu sehen sind. Selten hingegen wird Sauerlach von der in den Föhntälern wirksamen trockenen und warmen Luft beeinflusst.

Geschichte Dieser Abschnitt befasst sich im Wesentlichen mit der Geschichte des Ortes Sauerlach. Die Artikel einiger Sauerlacher Gemeindeteile enthalten eigene Geschichtsabschnitte.

Frühbesiedelung, Antike und Frühmittelalter sowie Etymologie mini|204x204px|Die Via Julia bei Sauerlach, nach der Querung der Staatsstraße 2573 im Ortsteil Lanzenhaar

Eine keltische Viereckschanze aus der späten Latènezeit in Altkirchen sowie ein Gräberfeld östlich des Neuen Friedhofs am Pechlerweg bezeugen, dass die Gegend um Sauerlach schon früh bewohnt war. In den Jahren 15-13 vor Christus eroberten römische Legionen unter dem späteren Kaiser Tiberius und dessen jüngerem Bruder Drusus das nördliche Alpenvorland bis zur Donau und festigten dort mit der neuen römischen Provinz Raetia, ab 297 nach Christius im Zuge der diokletianischen Reichsreformen Raetia secunda genannt, die Herrschaft des Römischen Reichs.

Durch das Gebiet des heutigen Ortes Sauerlach führte eine römische Heer- und Handelsstraße von Augusta Vindelicorum (Augsburg) über Pons Aeni (Pfaffenhofen am Inn) nach Iuvavum (Salzburg), neuzeitlich Via Julia genannt. Durch das wohl nicht fertiggestellte valentinianische Kastell Aying sollte diese für das Römische Reich sehr bedeutsame Militärstraße gesichert werden. Die Straße hatte einen Kronendurchmesser von 4,8 bis 5,6 Meter und liegt, heute noch teilweise gut erkennbar, 0,8 bis 1,0 Meter über dem Gelände. In der Waldsiedlung im Ortsteil Lanzenhaar an der Staatsstraße 2573 bei der Bushaltestelle steht ein Römerstein, der um 1850 von Maximilian II. errichtet wurde und an die Via Julia erinnert. Auf die Anwesenheit der Römer deutet auch der Ortsteil Walchstatt hin, dessen Name nichts anderes bedeutet als Stätte der Walchen. Die Walchen waren die zurückgebliebenen Romanen – Walchstatt liegt unmittelbar an diesem bedeutenden antiken Verkehrsweg.Siehe auch Tafel am Markweg in Hofolding. Eine weitere römische Nebenstraße verlief angeblich über Sauerlach – Grafing – Oberham – Niederham – Bergham – Holzkirchen bis ins Tegernseer Tal.

Ein Großteil der provinzialrömischen Bevölkerung verließ 488 nach Christus auf Befehl des Odoaker die nördlich der Alpen liegenden römischen Provinzen. In Raetia secunda sowie im angrenzenden Noricum kam der Abzug der Romanen einer teilweisen Entvölkerung des Landes gleich, denn mit den originär-römischen Herren zogen auch deren Knechte, Mägde und Sklaven mit in die neue Heimat Italien um. In der folgenden Zeit bildete sich aus Alamannen, anderen germanischen Einwanderern, verbliebenen Vindelikern sowie römischer Zivilbevölkerung der germanische Stamm der Bajuwaren. Möglicherweise wurde diese Ethnogenese von Theoderich dem Großen, der zuvor seinen Kontrahenten Odoaker abgesetzt und ermordet hatte, bewusst zur Festigung der Nordgrenze des Ostgotenreichs gesteuert. Jedenfalls kann spätestens unter der vom fränkischen König Theudebald initiierten und durch die Lex Baiuvariorum abgesicherten Herrschaft der Agilolfinger von einem eigenständigen „Volk der Bajuwaren“ ausgegangen werden.mini|Erste schriftliche Erwähnung Sauerlachs um 800 in einer Traditionsnotiz des Bistums Freising Sauerlach selbst wurde als Sulagaloh erstmals um 799/800 nach Christus in den Traditionen des Hochstifts Freising urkundlich erwähnt:

Der Name Sulagaloh wird – ähnlich wie der des Münchner Stadtteils Solln oder der Gemeinde Saulgrub im Landkreis Garmisch-Partenkirchen – auf sūlahha (Schweinesuhle) zurückgeführt und setzt sich aus den folgenden althochdeutschen Substantiva zusammen:

sū: Sau, Schwein lahha: stehendes Gewässer, Lacke lōh: Busch, Wald

Sulagaloh, kontrahiert zu Saulake, bedeutet demnach: „ein Wald, in dem Schweine(herden) liegen“, oder griffiger: „Wald mit Sausuhlen“, bzw. Trinkstelle für Wildschweine. Der Flurname Sulagaloh wandelte sich im Laufe der Zeit nachgewiesenermaßen in Surgeloch (1034–1041), Suligiloh (1048–1068), Suliloch (1078–1091), Suloch (1091), Sawerloch (1270) bis sich schließlich der heutige Ortsname Sauerlach etablierte.

Das Spätmittelalter und die Aichstetter Die älteste Traditionsnotiz, die sich für Sauerlach aus der Zeit nach der Jahrtausendwende (999/1000) erhalten hat, stammt aus Tegernsee und ist auf die Jahre 1034 bis 1041 zu datieren. Sie berichtet, dass ein Meginholm von Sauerlach und seine Gemahlin Kunigpurg zur Sicherheit für die Zinszahlung dreier ihrer Schwestern, welche Leibeigene des Klosters Tegernsee waren, ein Gut an das Kloster übergeben. 1179 schenkt eine Heilika von Sauerlach am Begräbnistag ihres verstorbenen Gatten Leo ein Gut am selben Ort an das Kloster Schäftlarn. Neben diesen ortsansässigen Freien besaßen vor allem die Grafen von Kühbach sowie ihre Vasallen, die Herren von Sachsenkam, den größten Anteil an der Grundherrschaft. Um 1068 gab Graf Udalschalk ein Gut zu Sauerlach an den Tegernseer Abt Siegfried. Zudem besaß das Geschlecht derer von Toerring einigen Grund in Sauerlach.

Im Jahr 1173 nahm Pfalzgraf Friedrich II. von Wittelsbach zusammen mit Herzog Heinrich dem Löwen am Zweiten Kreuzzug ins Heilige Land teil. Vor Antritt seiner Pilgerreise bestimmte er in seinem Testament im Falle, dass er nicht mehr zurückkehren sollte, zugunsten des Klosters Schäftlarn ein Gut in Perlach und Sauerlach. Auch die Grafen von Dießen besaßen Grund in Sauerlach. Otto II., Begründer der Wolfratshausener Linie der Grafen von Dießen, erbaute um 1116 die Burg Wolfratshausen. Mit dem Tod des Grafen Heinrich II. im Jahr 1157 erlosch die Wolfratshausener Linie im Mannesstamme, das Erbe fiel an Berthold III. von Andechs. Dieser widmete 1160 dem Benediktinerstift Admont in der Steiermark Liegenschaften zu Arget, Lochhofen, Wettlkam, Thanning und Moosham. Ebenfalls Grundbesitz in Sauerlach und Arget hatte der Edle Udalrich von Elsendorf. Unter dem Versprechen, demjenigen Kloster, das ihn, seine Gemahlin Chunigunde sowie seine Tochter Richinza aufnehmen würde, seinen Grundbesitz zu übertragen, begaben er sich im Jahr 1116 zunächst in die Abtei Benediktbeuern. Nachdem er um 1125 jedoch in das steirische Benediktinerkloster Admont übertrat, kam es zum Rechtsstreit über die Güter des Ulrich, bei dem 1143 und 1144 sogar die Päpste Innozenz II. und Colestin II. angerufen wurden. Die Spannungen zwischen den Klöstern dauerten noch lange an, denn erst 1161 erklärte das Kloster Benediktbeuern seinen Verzicht auf die Güter. Schließlich stellte Kaiser Friedrich I. dem Stift Admont 1184 einen Schutzbrief für dessen Besitztümer in Sauerlach aus.

Als im 13. Jahrhundert eine gräfliche Familie nach der anderen erlosch, griffen die Wittelsbacher ohne Rücksicht auf etwaige Erben, nach den Eigengütern, Lehen und Klostervogteien der ausgestorbenen Geschlechter. So bemächtigte sich Herzog Otto II. nach dem Tode des letzten Andechsers Otto VIII. im Jahre 1248 des Besitzes dieser Familie. Dadurch wurde die gesamte Grafschaft Wolfratshausen wittelsbachisch, inklusive der verbliebenen Besitzungen in Sauerlach. Nach dieser Inbesitznahme wurden die Besitz- und Herrschaftsrechte nicht mehr als Lehen vergeben, sondern die Grafschaft in ein Amt umgewandelt und mit Hilfe herzoglicher Ministerialen sowie einem neu geschaffenen Verwaltungssystem gesichert. Im April 1386 befreit Herzog Stephan III. die Sauerlacher Güter des Klosters Admont von fremder Gerichtsbarkeit.