San Carlos de Bariloche (heutige Kurzform Bariloche) ist eine westargentinische Großstadt mit ca. 140.000 Einwohnern in der Provinz Río Negro. Sie ist die Hauptstadt des Departamento Bariloche und ein bedeutendes Fremdenverkehrszentrum am Fuß der Anden. Das Bistum San Carlos de Bariloche () ist eine römisch-katholische Diözese mit einer neogotischen Kathedrale aus Beton und Natursteinen.

Der Name Bariloche stammt aus dem Mapudungun (der Sprache der Mapuche). Dort bedeutet das Wort Vuriloche „Menschen hinter dem Berg“ (furi = „hinter“, che = „Menschen“). Der Vuriloche-Pass wurde von den Mapuche benutzt, um die Anden zu überqueren, und wurde vor den Europäern lange Zeit geheim gehalten.

Lage und Klima mini|hochkant=1.3|Blick aus dem Gebirge auf Bariloche mini|hochkant=1.3|Berghotel bei Bariloche Die knapp 1600 km (Fahrtstrecke) südwestlich der Landeshauptstadt Buenos Aires gelegene Stadt Bariloche liegt in einem Tal der südlichen Anden am Ufer des Sees Nahuel Huapi, der zu den größten Seen des Landes gehört. Die Berge Otto, Catedral und López liegen in der Umgebung. Der Ballungsraum ist mit einer Vielzahl von Ferienkolonien sehr ausgedehnt und umfasst unter anderem die Halbinsel Llao Llao. Südlich von Bariloche liegt der Cerro Catedral, ein bedeutendes Wintersportzentrum. Im Sommer wird der Ort wegen des angenehmen Klimas aufgesucht, im Winter wegen seines Skigebietes am Cerro Catedral.

Wirtschaft und Forschung Motor der Wirtschaft der Stadt ist der Tourismus, daneben spielen auch die Schokoladenindustrie sowie immer noch der Handel mit dem nahen Chile eine Rolle. Weiterhin hat in Bariloche die Hightech-Firma INVAP ihren Sitz, die Kernreaktoren, Raumfahrt- und Ökotechnologie (z. B. Müll- und Abwasserverarbeitung, Windenergieanlagen) entwickelt und auch international aktiv ist.

Im Jahr 1955 wurde hier das Atomforschungszentrum Argentiniens (Centro Atómico Bariloche) mit dem Schwerpunkt Kerntechnik mit einem Forschungsreaktor eröffnet, wonach bald auch auf anderen Gebieten der Physik geforscht wurde.

Geschichte Die Gebiete rund um den See Nahuel Huapi wurden Ende des 19. Jahrhunderts, nach der so genannten Wüstenkampagne des Generals Julio A. Roca, von Siedlern okkupiert. So legten der Chilene Carlos Wiederhold Piwonka und der texanische Cowboy Jarred Jones, Ersterer als Namensgeber von San Carlos, unabhängig voneinander Siedlungen an. Offiziell gegründet wurde San Carlos de Bariloche im Jahr 1902. Die Stadt war zunächst ein Handelszentrum mit dem südlichen Chile. Einwanderer aus dem Schweizer Kanton Wallis gründeten die „Colonia Suiza“. Anfang des 20. Jahrhunderts zog die Gegend Touristen an, wie etwa den US-Präsidenten Theodore Roosevelt und den Fürsten von Wales. 1932 wurde der Ort an die Eisenbahn angeschlossen, was einen Aufschwung des Tourismus besonders nach dem Zweiten Weltkrieg mit sich brachte.

Die Unternehmerin Rosa Mayer verkaufte nach dem Krieg ihr Land zu Vorzugsbedingungen an Deutsche. Ein Personenkult um Hitler, etwa der sogenannte „Führergeburtstag“, wurde im Ortsteil Belgrano weiterhin gepflegt. Die Deutsche Schule Bariloche führte noch bis Ende der 1950er Jahre Hitlers Mein Kampf in den Regalen. Bariloche machte 1994 international Schlagzeilen, als durch den US-amerikanischen TV-Sender ABC bekannt wurde, dass sich dort der ehemalige SS-Hauptsturmführer Erich Priebke aufhielt,Esteban Buch: El pintor de la Suiza Argentina. Editorial Sudamericana, Buenos Aires 1991, ISBN 978-950-07-0663-6. der Mittäter an der Ermordung von 330 italienischen Zivilisten war. Außerdem versteckten sich in Bariloche auch zeitweise die SS-Männer Josef Schwammberger, Reinhard Kopps, Ferdinand Tröstl und das „Fliegerass“ Hans-Ulrich Rudel (kein Mitglied der SS).Sven Felix Kellerhoff: "Pakt des Schweigens": Feinkost vom Folterknecht. In: Die Welt, 9. November 2006, abgerufen am 30. Januar 2010. Bariloche hat eine größere deutsche Gemeinde, deren Präsident Erich Priebke bis zu seiner Verhaftung 1994 war. Der Autor Ariel Magnus berichtet von einer Demonstration örtlicher Lehrer zugunsten Priebkes. Die Schuldirektorin Catalina Binder, die sich gegen die Haltung der Lehrer an der Deutschen Schule wehrte, musste zurücktreten und die Stadt verlassen. Der Film Pacto de silencio (2006) des ehemaligen Schülers Carlos Echeverría befasst sich mit der Gesinnung der Lehrerschaft.

Tourismus Bariloche empfängt das ganze Jahr über Touristen. Im Sommer kommen Extremsportler (Kajakfahrer, Gleitschirmflieger, Bergsteiger etc.), Forellen-Angler, Wanderer und Badegäste (Strände an den Nebenseen des Nahuel Huapí). Im Winter zieht das Wintersportzentrum Cerro Catedral, eines der größten und bedeutendsten Südamerikas, Skifahrer und Snowboarder an.gringospatagonia.com Die Besucherzahl liegt bei bis zu einer Million Touristen pro Jahr.

In der Nebensaison ist Bariloche das bei weitem begehrteste Ziel von Klassenfahrten und Hochzeitsreisen im Land, wodurch die Hotels beinahe das ganze Jahr über fast ausgebucht sind sowie ständig ein reichhaltiges Kultur- und Nachtleben existiert. Auch ist Bariloche ein beliebter Ort für Ferienwohnungen, von denen viele im Besitz wohlhabender Argentinier aus Buenos Aires sind. In Argentinien ist Bariloche auch für die Schokoladenproduktion sowie das deutsche und schweizerische Kulturerbe bekannt.

Mit dem Flughafen Bariloche befindet sich in der Stadt der wichtigste Verkehrsflughafen Patagoniens.

Städtepartnerschaften Bariloche hat Städtepartnerschaften geschlossen mitComite de Ciudades hermanas Bariloche Aspen, Colorado, USA, seit 2000 Osorno, Chile, seit dem 16. September 2002 Puerto Montt, Chile, seit dem 18. Februar 1993 Puerto Varas, Chile, seit dem 18. Februar 1992 Queenstown, Neuseeland, seit 1994 St. Moritz im Kanton Graubünden, Schweiz, seit April 1980Befreundete Städte sind:Comite de Ciudades hermanas Bariloche Belluno in der Region Venetien, Italien Gramado im Bundesstaat Rio Grande do Sul, Brasilien, seit dem 17. Oktober 2013 L’Aquila in der Region Abruzzen, Italien, seit dem 19. Dezember 2013 Sestriere in der Region Piemont, Italien, seit dem 11. Oktober 2002

In der Stadt geboren Osvaldo Ancinas (* 1934), Skiläufer Carina Barcos (* 1977), Biathletin Carola Calello (* 1977), Skirennläuferin Cristian Javier Simari Birkner (* 1980), Skirennläufer Damián Barcos (* 1981), Biathlet María Belén Simari Birkner (* 1982), Skirennläuferin Macarena Simari Birkner (* 1984), Skirennläuferin Axel Ciuffo (* 1988), Biathlet Miriam Mayorga (* 1989), Fußballspielerin Fausto Grillo (* 1993), Fußballspieler Angélica Simari Birkner (* 1994), Skirennläuferin Francesca Baruzzi Farriol (* 1998), Skirennläuferin Franco Dal Farra (* 2000), Skilangläufer Delfin van Ditmar (* 2000), Skirennläufer

Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben Otto Meiling (1902–1989), Skipionierhttps://www.ardmediathek.de/tv-programm/69716fab3f27e97b2493f0e9 Erich Priebke (1913–2013), Kriegsverbrecher Ignacio Birkner (* 1964), Skirennläufer

Weblinks

(spanisch) Concejo Municipal Bariloche (spanisch) bariloche.com.ar mit Webcams vom Center Civico, Cerro Catedral und Lago Nahuel Huapi (spanisch) radionacional.com.ar

Einzelnachweise

Kategorie:Kultur Deutschlands im Ausland