Großarl ist eine Marktgemeinde im Bezirk St. Johann im Pongau im Süden des Bundeslandes Salzburg (Österreich) mit Einwohnern (Stand ). Der Ort ist namensgebend für das Großarltal.

Geografie mini|Ortszentrum von Großarl und seine barocke Pfarrkirche mini|Blick auf das Bergpanorama im Großarltal Großarl liegt im Pongau im Land Salzburg, etwa 70 km südlich von der Stadt Salzburg. Das Großarltal ist ein Ausläufer der Radstädter Tauern und trennt die Hohen von den Niederen Tauern. Es erstreckt sich von der Arlscharte () über Hüttschlag (), Großarl () und die Liechtensteinklamm. Die Hauptorte sind Großarl und Hüttschlag (Nationalpark Hohe Tauern). Das Großarltal ist das östlichste Tauerntal und es zählt mit dem Gasteiner- und dem Raurisertal zu den längsten Tauerntälern. Das Großarltal ist vom Keeskogel bis zur Salzachmündung 27 km lang.

Großarl liegt auf einer nebelfreien Hochlage und wird von Bergen umringt. Höchster Gipfel im Ortsgebiet ist der Gamskarkogel () an der südwestlichen Gemeindegrenze. Deren tiefster Punkt befindet sich in der Liechtensteinklamm bei

Hinsichtlich seiner Mündung betrachtet ist das Großarltal ein Hängetal, das mit einer Mündungsstufe von über 200 Meter Höhe ins Salzachtal abfällt. Dementsprechend sind auch die Steigungen der Großarler Landesstraße (L109). In den ersten 6 Kilometern überwindet sie einen Höhenunterschied von 370 Metern, (bis zum „Erlkendl“, ca. 100 m vorm Jungfernsprungtunnel) fällt in den nächsten 4 Kilometern wieder um 120 Meter (bis zur Landstegbrücke), um schließlich bis zum Talschluss knapp 200 Meter anzusteigen. Die Straße hat zahlreiche Windungen, von einer alten Talbodenterrasse zur anderen. Oberhalb des Stockergutes ist die Straße in den Klammkalk eingesprengt – sie muss den das Großarltal sperrenden Klammkalkzug des Glösenberges überwinden. Insgesamt weist die Landesstraße drei Tunnel (Jungfernsprungtunnel, Wachtertunnel, Schappachtunnel) und einige Brücken und Viadukte auf. Darunter befindet sich die Stegbachgrabenbrücke (ca. 150 m lang) bei der Alten Wacht.

Das Großarltal verläuft weitestgehend in Süd-Nord-Richtung und wird von der Großarler Ache nach Norden zur Salzach hin entwässert. Im Katastralgebiet von Großarl liegt das Tal des Ellmaubachs.

Das Ortsgebiet ist in die Katastralgemeinden (von Nord nach Süd) Au (), Schied (), Unterberg (), Großarl () sowie Eben und Bach () unterteilt. Diese werden jedoch seit der neuen Hausnummernvergabe im Jahre 2017 nicht mehr nennenswert beschildert/erwähnt.

Geologie mini|Panorama der umliegenden Berge Im weiteren Verlauf der Straße ist der mehrmalige Wechsel zwischen dem Klammkalk und dem schieferigen Kalkphyllit bestimmend für den Verlauf der Straße. Die Rippen ziehen quer über das Tal und tragen Reste alter Talböden. Von den Vorsprüngen, die sich immer bei einer Klammkalkrippe ergeben, ergibt sich ein Ausblick in die Schlucht. Die Sohle derselben ist allerdings nie zu sehen, meist nur das höhere, von der Eiszeit geformte Tal, in das sich die Großarler Ache eingeschnitten hat. Eine zweite Kalkrippe quert das Tal beim Stegbachgraben. Die aufgelassenen Stollen erinnern noch an einen Kalkspatabbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Mauthaus „Alte Wacht“ im Bereich der heutigen Bogenbrücke auf der Großarler Landesstraße kennzeichnet die Grenze zwischen St. Johann und Großarl. Auf der westlichen Seite ist eine Ausbauchung, die von einem Bergsturz stammt.

Bei der Landstegbrücke überquert die Straße erstmals den Bach und von hier an verlaufen beide im Wesentlichen parallel bis zum Talschluss. Es gibt keine nennenswerten Talstufen, ausgenommen eine etwa 30 Meter hohe Stufe beim Oflegg zwischen Großarl und Hüttschlag. Der markanteste Berg an der Ostseite ist der Saukarkopf (). Er ragt aus einem etwa 1800 Meter hohen Plateau auf. In der Eiszeit strömte das Eis etwa 100 Meter unterhalb des Gipfels vorbei. Von der Landstegbrücke nach Süden ist das Tal wieder eng, es macht den Eindruck eines Kerbtales. Jedoch sind es Hangabsetzungen auf beiden Seiten, die dem Tal das heutige Querprofil geben. Durch die Schwemmkegel des Döppl- und Schiedgrabens steigt die Straße leicht an. Durch den Schied- sowie den benachbarten Augraben wurde die Großarler Landesstraße in den letzten Jahrzehnten des Öfteren vermurt und das Tal wurde teilweise von der Außenwelt abgeschnitten. Südlich des Hotels Schiederhof treten linksufrig die Radstädter Kalke bis an die Talaue heran. Nach einer Erweiterung (beim Aubauer) verursachten Blockmassen, die sich an der Ostseite an den Bach heranschoben, und Kalkfelsen (mit Dolomit und Dolomitbreccien) auf der Westseite eine nochmalige Verengung des Talbodens (ehemaliger Steinbruch).

Die Ortsteile Großarl Markt und Unterberg liegen auf der größten und flachsten Talaue des Großarltales. Mehrere Steingräben haben in diese Talaue ihre Schwemmkegel abgelagert – der Unterberggraben, gegenüberliegend der Finsterleitgraben und der Ellmaubach. Durch den Ellmaubach entstand das größte Seitental zum Haupttal. Der Ortskern von Großarl steht auf dem Schwemmkegel des Ellmautales.

Um die Großarler Ebene sind die Berge etwas abgerundet und bis unter die Gipfel bewaldet. Die Berge im Süden haben eine markantere Form. Die Pyramide des Frauenkogels schließt den Blick nach Süden ab. Der geologische Untergrund wird gegen Süden härter, Chloritschiefer, Kalkglimmerschiefer und Glimmerschiefer herrschen vor. Hier ist das Tal asymmetrisch. Ostseitig ragen fast senkrechte Wände von harten Schiefern auf, die Westhänge dagegen steigen – trotz gleichen Untergrunds – in Buckeln an. Die Großarler Talaue findet ihr Ende bei der Talstufe, am Oflegg. Hier fließt die Großarler Ache durch den Kalkglimmerschiefer, der zu beiden Seiten ansteht. Am rechten Ufer schiebt sich eine Rückfallkuppe mit einem ausgebildeten Sattel ganz an den Bach heran. In der folgenden Talerweiterung liegt der Schwemmkegel des Tofernbaches und man blickt auf den Nachbarort Hüttschlag.

Gemeindegliederung Seit 2018 besteht Großarl nur aus einer einzigen Ortschaft. Die ehemaligen Ortschaften Au, Bach, Eben, Großarl, Schied und Unterberg werden nicht mehr gesondert betrachtet. Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Au, Bach, Eben, Großarl, Schied und Unterberg.

Mit 1. November 2016 erhielt die Gemeinde neue Straßennamen, welche etwa nach dem höchstgelegenen Bauernhof oder nach Einrichtungen wie Schule oder Kirche benannt sind. Zum Beispiel: Schulgasse, Kirchgasse oder Salzleckweg (nach dem fernstgelegenen Bauernhof Salzleck an dieser Straße). Die Straßenbezeichnungen Au, Bach, Eben usw. werden danach nicht mehr verwendet. Insgesamt wurden über 1000 neue Adressen vergeben.

Nachbargemeinden

Geschichte Frühgeschichte mini|Blick auf den Hochkönig mini|Höllwand mit Blick auf das Salzachtal Das Großarltal ist kein geschichtlicher Boden wie das Salzburger Becken oder der Lungau. Vorgeschichtliche Spuren gibt es keine. Auch die Römer hinterließen kein Zeugnis ihrer Anwesenheit. In Großarl befindet sich keine Burgruine. Aber zähe Bauerngeschlechter drückten der Landschaft ihren deutlichen lesbaren Stempel auf. Allenthalben sieht man noch, wie sie in die Bergurwälder eindrangen und dem kargen Boden die Scholle abrangen. Im 6. und 7. Jahrhundert, am Ende der Völkerwanderungszeit, nahm das Volk der Bajuwaren Besitz von dem Land zwischen Donau und Alpen, doch dieses Bauernvolk fand sich genügend Platz im Alpenvorland und in den breiteren Haupttälern. Die abgelegenen Waldgebiete waren höchstens für die Jagd interessant. Von Süden her rückten die Slawen und überschritten an manchen Stellen den Tauernhauptkamm, so dass es zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam, in denen die Bajuwaren Sieger blieben. Einige Flurnamen erinnern noch an die Unterlegenen.

Mittelalter Das Gebiet des Großarltales wird erstmals urkundlich in einer Tauschurkunde des Erzbischofs Adalbert II. aus dem Jahre 930 erwähnt. Der vordeutsche Bachname Arla (930), Arela (1074), Arula maiori (1306) gab dem Gebiet zwischen dem heutigen Großarl- und dem heutigen Kleinarltal seinen Namen. Später bekam das Gebiet den Namen „Michel Arl“, „Mehrer Arl“ und schließlich Großarl.

Um das Jahr 1000 übernahm die Salzburger Kirche das Wald- und Weidegebiet unter ihre Grundobrigkeit. Die Ausdehnung des Pongaues bis zur natürlichen Grenze des Tauernhauptkammes und die Nutzung der Grasländer oberhalb der Hochwaldgrenze bewogen die Grundherrschaft zum frühen Landesausbau durch Großrodungen. So gründete man Anfang des 12. Jahrhunderts auf den Schwemmkegeln des Tales Großschwaigen (Bauerngehöfte), ebensolche an den unteren Talhängen. Die dort angesiedelten Bauern mussten an die Grundherrschaft Naturalabgaben leisten, vor allem Käse, lebende Tiere, Butter und Schmalz. Durch weitere Rodungen bis in Hochlagen hinauf wurden „Normalgüter“ errichtet. Diese hatten Geldabgaben an die Kirche zu Salzburg zu entrichten. Der landwirtschaftliche Ausbau des Großarltales war um die Mitte des 12. Jahrhunderts vollendet, die Wirtschaft blühte im Gebirgstal. Im Jahre 1348/49 wurde auch das Tal von der Pest heimgesucht. Viele Höfe wurden erheblich entvölkert und verödeten hernach, die wirtschaftliche Entwicklung wurde sehr gestört. Bei der „Kalichgruben“ im Mündungsgebiet des Ellmaubaches, wo der Bach durch die günstige Lage im Winter nicht so stark vereiste, gründete man die ersten Gewerbe- und Handwerksbetriebe. Um diese entstand wahrscheinlich bald ein Dorf, da schon 1399 von Erzbischof Gregor jährlich das Marktrecht für 5 Freimärkte verliehen wurde. Um 1400 wurde ein eigener Pfarrbezirk, der das ganze Großarltal seelsorglich umfasste, errichtet. Bereits 1339 wird eine Kirche erwähnt. Die heutige Pfarrkirche – ein einschiffiger Saalbau – geht auf das Jahr 1768/69 zurück. Eine größere Kapelle soll schon um das Jahr 1050 im Gebiet der Hubgüter bestanden haben. Die seelsorgliche Betreuung vor Errichtung eines eigenen Pfarrbezirkes oblag der Pfarre St. Veit im Pongau.

Neuzeit Durch den Bergbau im hinteren Großarltal seit Beginn des 15. Jahrhunderts wurde eine neue wirtschaftliche Blütezeit eingeleitet. 1520 wurde in Hüttschlag die für die damalige Zeit modernste Schmelzhütte in Betrieb genommen. Sie hatte eine Vorläuferin in der Auweil (heute Wolfau), am Schwemmkegel des Hubalmbaches. Hier in der Wolfau und an anderen Stellen des Tales wurden Sölen (Kleinhäusler) für bodenständige Bergknappen und Schmelzhüttenarbeiter gegründet. Sie umfassten Wohnhäusl, Ställchen, Gärten und Weideanteile auf den Freibergen der „hochfürstlichen Frei“. Das Winterfutter erarbeitete man bei den Bauern im Gebirgsmahd oder bei der Ernte. Das Kößlerhäusl ist hier eine typische Anlage (auf halbem Weg zwischen Großarl und Hüttschlag, noch sehr ursprünglich erhalten und daher heute als Museum eingerichtet). Um 1620 übernahm die erzbischöfliche Hofkammer in Salzburg den Bergwerkshandel in Eigenregie. Eine neue Blütezeit begann. 1675 wurde der Seelsorgebezirk Großarl und Hüttschlag abgetrennt und 1679 wurde die Barockkirche erbaut.

Im 16. Jahrhundert war Großarl ein besonderer Gerichtsstab, ab 1562 amtierten Richter aus Werfen und 1672 wurde ein eigenes Landgericht errichtet. 1709 wurde sogar ein eigenes Gerichtsgebäude erbaut. Mit dem Niedergang des Bergbaues in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts sank auch die Wirtschaft des gesamten Tales in seine bäuerlich-ländliche Ursprünglichkeit zurück.