Motorpsycho ist eine seit 1989 bestehende Rockband aus Trondheim in Norwegen, die Psychedelic Rock mit verschiedenen Einflüssen wie Jazz und Country kombiniert.

Bandgeschichte Anfänge, Lobotomizer (1989–1991) Motorpsycho wurde als Alternative-Metal-Band gegründet. Gründungsmitglieder waren Bent Sæther (Gesang, Bass etc.) und Hans Magnus „Snah“ Ryan (Gitarre, Gesang etc.) sowie der Schlagzeuger Kjell Runar „Killer“ Jensen. Nach dem Demotape Maiden Voyage und einem Beitrag zum Sampler Knall Vol.4 veröffentlichte die Band auf dem Independent-Label Voices of Wonder das Debütalbum Lobotomizer, das über weite Strecken eine recht wüste Hard-Rock/Metal-Mischung bot, aber auch bereits erste Progressive-Rock-Einflüsse (Hogwash, Home Of The Brave) und einige seltsame Experimente (das total verhallte Eternity und der, von einer kratzenden Geige getragene, Titeltrack) enthielt.

Das Schallplattencover zeigt die Band im Psychedelic-Look und ist – abgesehen von den beiden Livealben und dem zweiten Tussler-Album – außerdem das einzige, auf dem die Mitglieder zu sehen sind. Kurz nach der Veröffentlichung von Lobotomizer stieg Drummer Killer aus der Band aus, für ihn kam Håkon Gebhardt hinzu; diese Besetzung bildete bis 2005 den Kern von Motorpsycho.

Soothe, Demon Box (1992–1993) Das zweite Album wurde als auf 1.000 Stück limitierte Edition in einer Stahlbox veröffentlicht – und zwar vorerst nur auf Vinyl. Für die CD-Ausgabe gab man zwei Bonustracks der Single 3 Songs for Rut hinzu und so wurde Soothe zu 8 Soothing Songs for Rut. Etwa zu dieser Zeit begann man, sich für Experimente mehr und mehr zu öffnen und so kam es, dass auf dem dritten Album Demon Box (1993) etwa zwei epische Hard-Rock-Stücke (Mountain, elf Minuten, und der Titeltrack, 17 Minuten), aber auch die Folk-Nummer Waiting for the One, das Moondog-Cover All is Loneliness und das stark an Dinosaur Jr. erinnernde Junior enthalten sind. Hier arbeiteten Geb, Snah und Bent auch zum ersten Mal mit Helge „Deathprod.“ Sten (Theremin, Elektronik, Audio Virus etc.), Lars Lien (Keyboards, Gesang) und dem US-amerikanischen Dichter Matt Burt (der seine Verse und Stimme für den Plan #1 lieh) zusammen. Auch für das Artwork wurde ein langjähriger Partner gefunden: Kim Hiorthøy ist für beinahe alle Covergestaltungen von MP-Veröffentlichungen verantwortlich. Sten und Lien wurden kurzzeitig auch fixe Bandmitglieder und tourten mit Motorpsycho quer durch Europa. Zusätzlich erscheinen die EPs Mountain (der erwähnte 11-Minüter wird so also zur „Single“) und Another Ugly EP.

Timothy's Monster, The Tussler (1994–1995) Nach dem Zerwürfnis mit dem Label Voices of Wonder gründeten Motorpsycho zusammen mit Jeanette und Rolf Gustavus das Label Stickman Records, das zuerst in Nürnberg und später in Hamburg zuhause ist. In Norwegen wurden ihre Alben seitdem bei Sony Music veröffentlicht.

In der neuen Fünferbesetzung wurde das Opus magnum Timothy's Monster (1994) eingespielt, das auf zwei CDs / drei LPs 15 Songs zwischen Indie-Rock und Progressive-Rock-Space-Opern vereint. Der Metal in Motorpsychos Musik verschwand zusehends. Nachdem die EP Wearing yr Smell veröffentlicht worden war, nahm man im selben Jahr außerdem noch mit Morten „Lolly“ Fagervik und Kjell „K.K.“ Karlsen Songs im Outlaw-Country-Stil auf. Diese wurden als The Tussler – Original Soundtrack veröffentlicht (und zwar mit einer Auflage von nicht einmal 2000 Stück), es wurde suggeriert, The Tussler sei ein Film des (fiktiven) italienischen Westernregisseurs Theo Buhara. Das ist ein gutes Beispiel für den Humor der Band.

1995 wurden Touren unternommen, als Motorpsycho, aber auch als „The International Tussler Society“, wo man die Country-Stücke spielte. Die Sets wurden mit Coverversionen von Countryrock-Helden wie Grateful Dead, Gram Parsons, The Allman Brothers Band oder The Band ausgefüllt. Am Kongsberg Jazzfestival spielten MP zusammen mit der Free-Jazz-Gruppe The Source ein höchst experimentelles Doppelkonzert, das später als The MotorSourceMassacre (2001) auf CD veröffentlicht wurde. Inzwischen hatten Deathprod und Lars Lien Motorpsycho wieder verlassen, dafür war Morten Fagervik als Keyboarder / zweiter Gitarrist zu ihnen gestoßen. Deathprod fungiert allerdings bis heute als Produzent der Band. Die Besetzung der International Tussler Society blieb auch unverändert (ungeachtet der Tatsache, dass die ITS zwischen 1996 und 2002 keinerlei Aktivität zu verzeichnen hatte).

Die Besetzung der International Tussler Society: Lars Lien (als Barry „Space“ Hillien) – Gesang & Keyboards K. K. Karlsen – Pedal Steel & Gesang Even Grånas (als Ringo „Fire Karlsen AKA The Kid“) – Schlagzeug, Percussion, Gitarre, Mandolin & Gesang (seit 2003) Morten Fagervik (als Chickenshackin’ Lolly Hanks Jr) – Schlagzeug, Percussion & Bass Hans Magnus Ryan (als Snakebite Ryan) – Gitarre, Mandolin, Kontrabass & Gesang Håkon Gebhardt (als Duellin’ Flint Gebhardt) – Banjo, Gitarre & Gesang Bent Sæther (als Charlie Bob Bent) – Bass, Gitarre, Percussion & Gesang

Blissard, Angels And Daemons At Play (1996–1997) Da bisher alle Alben von Motorpsycho in einem ziemlich kurzen Zeitraum aufgenommen wurden, versuchte Bent Sæther Ende 1995, das nächste Album der Band etwas fokussierter anzugehen. Tatsächlich war er seit jeher der Motor, die treibende Kraft hinter Motorpsycho und auf diesen Album wurde das umso deutlicher. Auf dem Album half erstmals Ole Henrik Moe (als „Ohm“ bekannt) auf der Geige mit (obwohl Snah auch immer wieder die eine oder andere Geige zu den Aufnahmen beigetragen hatte). Allerdings war die Aufnahme von Blissard (1996) nicht ganz einfach und die Band drohte zu zerbrechen. Morten Fagervik verließ außerdem die Band und fungierte ab dann als Schlagzeug- und Lichttechniker. Für Angels and Daemons at Play (1997) ließ man es etwas lockerer angehen. Hier erschienen Deathprod und Ohm sogar als fixe Mitglieder. Die Vinylausgabe des Albums enthielt ein 12-Zoll-Booklet und es gab eine spezielle CD-Edition, in der das Album auf drei EPs verteilt wurde – Babyscooter, Lovelight und Have Spacesuit, Will Travel. Zusätzlich erschien die EP Starmelt. Zu Blissard gab es die EPs The Nerve Tattoo und Manmower. Beide Alben gelten als Highlights der Bandgeschichte und die Jahre 1993–1998 unter den meisten Fans als die beste Phase (bisher).

Trust Us, Roadwork Vol. 1 (1998–1999) 1998 war wieder die Zeit für ein Doppel-Album gekommen. Trust Us hieß es und gilt unter vielen Fans als das beste Album der Band. Dort ist auch der wohl bekannteste Song, Vortex Surfer enthalten (auf dem norwegischen Radiosender P3 wurde der Song zu Silvester 1999 24 Stunden nonstop gespielt). Stilistisch bewegte sich das Album wie immer auf unterschiedlichen Ebenen, so gab es wieder viele ausufernde Space-Rock-Epen, aber auch zurückhaltende kurze Stücke, von denen eins, Siddhartino, auf einem alten samischen Instrument namens Reindeer antler gespielt wurde (von einem Mitglied von The Source, Trygve Seim). Die zum Album gehörigen EPs heißen Hey, Jane und Ozone.

Wie immer wurde der Release kräftig betourt und aus Mitschnitten dieser Tour stellte man das erste Live-Album der Band, Roadwork Vol. 1: Heavy metal iz a poze, hardt rock iz a leifschteil, live in Europe 1998 zusammen. Hier gab es u. a. eine 30-minütige Version des Stücks Un Chien d'Espace (unter dem Titel A K9 Suite), eine musikalische Tour-de-Force durch Raum und Zeit. Der Hang zum Epenhaften erreichte hier seinen Höhepunkt – 7 Songs enthält die CD-Version des Albums (die Vinylversion hat einen Bonustrack, Feel) – mit einer Spielzeit von fast 80 Minuten. Dabei ist einer der Songs (Words of Wisdom) nur ein 13-Sekunden-Intro zu Vortex Surfer.

Let Them Eat Cake, Barracuda, Roadwork Vol. 2 (2000–2001) 1999 sah nicht nur eine kurze USA-Tour, sondern auch, dass sich Motorpsycho erst einmal eine Pause gönnten, nachdem man fast zehn Jahre ständig Alben und EPs herausgebracht und dazwischen auch immer wieder getourt hatte (was dazu geführt hat, dass Motorpsycho bis heute eine extrem ergebene und loyale Fanbasis in Europa haben). Dann entschlossen sich Bent, Snah und Geb, sich von den ausufernden Progressive-Rock-Opern erst einmal zu entfernen und versuchten, ihre Musik in wesentlich kontrolliertere Bahnen zu lenken. Die Auflagen, die sie sich selber legten, waren: Ein Album von etwa 40 Minuten Spieldauer mit Songs unter jeweils vier Minuten. Ganz klappte das Konzept nicht, aber am Ende hatte die Band neun Songs für das Album Let them eat Cake, die sich stilistisch komplett vom Vorgängeralbum unterschieden. Harmonie und Eingängigkeit regierten hier, und Einflüsse von Beach Boys und Beatles waren eindeutig zu hören. Auch eine kleine „Taschensymphonie“ namens The Other Fool – von Streichern dominiert und mit fünf unterschiedlichen Teilen – fand sich auf der CD/LP. EPs gab es auch diesmal, zum einen Walking with J, auf der einige Obskuritäten aus Gebhardts musikalischem Schaffen präsentiert wurden und The Other Fool, auf der einige Demos zu hören waren. Hakon Gebhardt, der bisher zu fast allen EPs einen Solo-Song beigesteuert hatte, veröffentlichte noch im selben Jahr ein ganzes Soloalbum. Später wirkte er zusammen mit Martin Hagfors von Home Groan und Lars Håvard Haugen in der Bluegrass-Band HGH.

Bei den Sessions zu LTEC waren auch einige Songs entstanden, die nicht zum Rest des Albums passten, die eher dem Classic Rock zuzuordnen sind, und bei denen man Einflüsse von Bands wie KISS oder Motörhead nicht leugnen kann. Diese erschienen 2001 auf dem (Mini-)Album Barracuda. Auch erschien 2001 eine Aufnahme des bereits erwähnten Auftritts vom Kongsberg Jazzfestival, TheMotorSourceMassacre.

Für Konzerte wurde das Lineup ausgeweitet, der Keyboarder Baard Slagsvold begleitete Motorpsycho für die nächsten drei Jahre auf Tourneen und spielte auch auf den Alben mit. Die Fans von Motorpsycho sahen all diese Geschehnisse mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zum einen gefiel vielen der Stilwechsel, zum anderen wünschten sich auch viele das „Power-Trio“-Format und den Hard Rock zurück.

Phanerothyme, It’s a Love Cult, In the Fishtank (2001–2003) Mehrere Monate werkelte man dann an dem Album Phanerothyme (ein Begriff, den Aldous Huxley erfunden hat – „to make this trivial world sublime, take half a gram of phanerothyme“; und ein Titel den sich offenbar die wenigsten merken konnten – beim Bizarre-Festival 2002 stellte Bent einen Song dieses Albums folgendermaßen vor: „The next song is from the last album, the one that no-one remembers the name of, that thing called Phanümeröl?!?..“), das wiederum neun Songs zwischen The Doors und The Beach Boys bot. Bei all den genannten Einflüssen muss allerdings auch erwähnt werden, dass Motorpsycho zwar immer mit diesen agierten und spielten, aber dennoch immer einen eigenständigen Sound hatten und haben, der unverwechselbar ist.

Für das Album It's a Love Cult (2002) kehrte wieder etwas Lockerheit in die Band, die Lieder wurden nahezu live im Studio eingespielt. Hierzu erschien auch wieder eine EP, Serpentine, nachdem man zum vorhergegangenen Output keine herausgebracht hatte. Im Sommer spielten Motorpsycho einige Festivals, bei denen sie von den Bläsern der Jazzband Jaga Jazzist begleitet wurden. Zusammen mit ihnen nahmen sie dann auch die CD In the Fishtank (eine Serie des niederländischen Konkurrent-Labels) auf. Diese EP bzw. dieses Album (es enthält zwar nur fünf Songs, die sind zusammen aber etwa 45 Minuten lang) atmet Fusion und fügte so noch eine weitere interessante Komponente zum MP-Sound hinzu. 2003 erschien diese Kollaboration.

Motorpsycho Presents The International Tussler Society (2004–2005)