Das olympische Eishockeyturnier der Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen, Deutschland, galt zugleich als 10. Eishockey-Weltmeisterschaft sowie als 21. Eishockey-Europameisterschaft. Das Turnier fand vom 6. bis 16. Februar 1936 statt. 15 Mannschaften nahmen daran teil. Austragungsort für die Spiele war das neu erbaute Olympia-Eissport-Zentrum. Zudem fanden auch Spiele auf dem gefrorenen Riessersee statt.

Das Turnier startete in vier Vorrundengruppen; die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe erreichten die Zwischenrunde. Dort wurde in zwei Gruppen mit je vier Teams die Finalrundenteilnehmer ermittelt. In die Finalrunde zogen die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe unter Mitnahme ihrer direkten Vergleiche ein. Zum ersten Mal wurde dabei nicht Kanada Olympiasieger, sondern Großbritannien brachte dem Titelverteidiger die erste olympische Niederlage bei und gewann mit überwiegend früh nach Kanada ausgewanderten britischstämmigen Spielern die Goldmedaille, den Weltmeistertitel und zudem im europäischen Vergleich den Europameistertitel.

Vorrunde Gruppe A

Abschlusstabelle Pl Mannschaft Sp S U N Tore Diff Pkt. 1 3 3 0 0 24: 3 +21 6:0 2 3 2 0 1 11: 7 +4 4:2 3 3 1 0 2 11:12 −1 2:4 4 3 0 0 3 3:27 −24 0:6

Gruppe B

Abschlusstabelle Pl Mannschaft Sp S U N Tore Diff Pkt. 1 3 2 0 1 5:1 +4 4:2 2 3 2 0 1 5:2 +3 4:2 3 3 1 0 2 2:5 −3 2:4 4 3 1 0 2 1:5 −4 2:4

Gruppe C

Abschlusstabelle Pl Mannschaft Sp S U N Tore Diff Pkt. 1 3 3 0 0 10: 0 +10 6:0 2 3 2 0 1 14: 5 +9 4:2 3 3 1 0 2 4: 7 −3 2:4 4 3 0 0 3 4:20 −16 0:6

Gruppe D

Abschlusstabelle Pl Mannschaft Sp S U N Tore Diff Pkt. 1 2 2 0 0 4:0 +4 4:0 2 2 1 0 1 2:1 +1 2:2 3 2 0 0 2 0:5 −5 0:4

Zwischenrunde Gruppe A

1 Es wurden dreimal 10 Minuten Verlängerung gespielt.

Abschlusstabelle Pl Mannschaft Sp S U N Tore Diff Pkt. 1 3 2 1 0 8: 3 +5 5:1 2 3 2 0 1 22: 4 +18 4:2 3 3 1 1 1 5: 8 −3 3:3 4 3 0 0 3 2:22 −20 0:6

Gruppe B

Abschlusstabelle Pl Mannschaft Sp S U N Tore Diff Pkt. 1 33005:1+46:0 2 3 2 0 1 6:4 +2 4:2 3 3 1 0 2 3:6 −3 2:4 4 3 0 0 3 1:4 −3 0:6

Finalrunde Die Ergebnisse der direkten Vergleiche aus der Zwischenrunde wurden übernommen.

Abschlusstabelle Pl Mannschaft Sp S U N Tore Diff Pkt. 1 3 2 1 0 7: 1 +6 5:1 2 3 2 0 1 9: 2 +7 4:2 3 3 1 1 1 2: 1 +1 3:3 4 3 0 0 3 0:14 −14 0:6

Abschlussplatzierung und Medaillen mini|Die US-amerikanische Eishockeynationalmannschaft. mini|Die kanadische Eishockeynationalmannschaft. Platzierung Mannschaft Spieler 40px|Goldmedaille Großbritannien Alexander Archer, James Borland, Edgar Brenchley, James Chappell, John Coward, Gordon Dailley, Gerry Davey, Carl Erhardt, Jimmy Foster, Jack Kilpatrick, Archibald Stinchcombe, Robert Wyman 40px|Silbermedaille Kanada Maxwell Deacon, Hugh Farquharson, James Haggarty, Walter Kitchen, Raymond Milton, Dinty Moore, Herman Murray, Arthur Nash, David Neville, Kenneth Farmer, Ralph Saint-Germain, Alexander Sinclair, William Thomson 40px|Bronzemedaille USA John Garrison, August Kammer, Philip LaBatte, John Lax, Thomas Moon, Eldridge Ross, Paul Rowe, Francis Shaughnessy, Gordon Smith, Francis Spain, Frank Stubbs 4 Tschechoslowakei Josef Boháč, Alois Cetkovský, Karel Hromádka, Drahomír Jirotka, Zdeněk Jirotka, Jan Košek, Oldřich Kučera, Josef Maleček, Jan Peka, Jaroslav Pušbauer, Jiří Tožička, Ladislav Troják, Walter Ulrich 5 Deutsches Reich Wilhelm Egginger, Joachim Albrecht von Bethmann-Hollweg, Gustav Jaenecke, Philipp Schenk, Rudi Ball, Karl Kögel, Toni Wiedemann, Herbert Schibukat, Alois Kuhn, Werner George, Georg Strobl, Paul Trautmann 6 Schweden Herman Carlsson, Sven Bergquist, Bertil Lundell, Holger Engberg, Torsten Jöhncke, Yngve Liljeberg, Bertil Norberg, Wilhelm Petersén, Åke Ericson, Stig Andersson, Lennart Hellman, Wilhelm Larsson, Ruben Carlsson 7 Österreich Hermann Weiß, Hans Trauttenberg, Rudolf Vojta, Oskar Nowak, Fritz Demmer, Franz Csöngei, Hans Tatzer, Willibald Stanek, Lambert Neumaier, Franz Schüßler, Emil Seidler, Josef Göbl 8 Ungarn Ferenc Monostori, István Csák, Miklós Barcza, László Róna, Frigyes Helmeczi, Sándor Magyar, András Gergely, László Gergely, Béla Háray, Zoltán Jeney, Sándor Miklós, Ferenc Szamosi, Mátyás Farkas 9 Polen Józef Stogowski, Henryk Przeździecki, Witalis Ludwiczak, Kazimierz Sokołowski, Czesław Marchewczyk, Adam Kowalski, Andrzej Wołkowski, Edmund Zieliński, Władysław Król, Mieczysław Kasprzycki, Roman Stupnicki 10 Frankreich Michel Paccard, Jacques Morisson, Jacques Lacarrière, Pierre Claret, Pierre Lorin, Marcel Couttet, Albert Hassler, Guy-Pierre Volpert, Jean-Pierre Hagnauer, Michel Delesalle, Philippe Boyard 11 Italien Augusto Gerosa, Franco Rossi, Gianmario Baroni, Decio Trovati, Camillo Mussi, Giovanni Scotti, Ignazio Dionisi, Mario Zucchini, Mario Maiocchi, Luigi Zucchini 12 Japan Teiji Honma, Masahiro Hayama, Tatsuo Ichikawa, Shinkichi Kamei, Toshihiko Shoji, Susumu Hirano, Masatatsu Kitazawa, Kenichi Furuya, Kozue Kinoshita 13 Schweiz Albert Künzler, Arnold Hirtz, Oskar Schmidt, Ernst Hug, Adolf Martignoni, Hans Cattini, Bibi Torriani, Ferdinand Cattini, Herbert Kessler, Otto Heller, Charles Kessler, Thomas Pleisch 14 Belgien Robert Baudinne, Roger Bureau, Joseph Lekens, Georges Pootmans, Pierre Van Reyschoot, Willy Kreitz, Carlos Van den Driessche, Walter Bastenie, Fernand Carez, Louis De Ridder 15 Lettland Aleksejs Auziņš, Reinis Bluķis, Arvīds Jurgens, Herberts Kušķis, Roberts Lapainis, Kārlis Paegle, Arvīds Petersons, Ādolfs Petrovskis, Jānis Rozītis, Leonīds Vedējs, Jānis Bebris

Abschlussplatzierung der Europameisterschaft Zur Ermittlung der Abschlussplatzierung der Europameisterschaft wurde das Tableau des olympischen Eishockeyturniers von den nichteuropäischen Teams bereinigt. RF Team1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Kurzberichte zu den Finalspielen Beim 7:0 von Kanada am Vormittag des 15. Februar wirkte die ČSR ermüdet, war durch das Fehlen von Karel Hromádka und Jiří Tožička geschwächt und leistete kaum Widerstand. In den ersten beiden Dritteln spielten die Ahornblätter auf einen hohen Sieg, denn sie hatten noch immer eine Titelchance, aber im letzten Drittel begnügten sie sich mit einer Demonstration schönen Eishockeys.

Beim vorletzten Turniermatch war Englands Taktik eher defensiv, so dass die USA, welche zum Siegen gezwungen waren, ständig leicht überlegen agierten, aber auch sie riskierten nicht alles. Bei zwei Chancen reagierte der englische Schlussmann Jimmy Foster, der einer der besten Hüter im Olympiaturnier war, hervorragend. Trotz der drei Verlängerungen von zweimal fünf Minuten gab es den 0:0-Endstand, womit England praktisch bereits Olympiasieger war und dementsprechend vom Publikum stürmisch gefeiert wurde.

Nur ein 5:0-Sieg der USA hätte bei dem bei warmer Sonne und vor 10.000 Zuschauern ausgetragenen ultimativ letztem Spiel den Yankees noch Gold bringen können. Das Eis hatte unter dem Föhn der letzten zwei Tage etwas gelitten, die Partie war von Beginn weg langsam. Der einzige Treffer entsprang einem glücklichen Pfostenschuss, von wo der Puck in den Kasten sprang. Die Kanadier beherrschten ihren Gegner, doch ihnen lag nichts an einem hohen Sieg. Es gab zwar einige hitzige Szenen, aber technisch und in Bezug auf Kombinationszüge blieb dieses überseeische Duell vieles schuldig.«England erstmals Eishockey-Weltmeister» in «Sport Zürich», Nr. 24 vom 17. Februar 1936, Seite 4.

Enttäuschung bei der Schweiz Hinsichtlich des vorzeitigen Ausscheidens des Schweizer Teams stellte der «Sport Zürich» in seiner Nr. 26 vom 21. Februar 1936, Seite 2, fest, dass es schon bei der Selektion, bei welcher die Spieler des langjährigen Meisters Davos der Hauptanteil gebührte, zu Misstönen gekommen war, dazu habe der Geist aufrichtiger Kameradschaft gefehlt, die Teamführung habe die Akteure wie Rekruten und nicht als Menschen behandelt. Zudem sei die Vorbereitung mangelhaft gewesen.

Literarische Rezeption Erich Kästner schrieb 1936 als Fortsetzung des Romans Das fliegende Klassenzimmer eine Kurzgeschichte unter dem Titel Zwei Schüler sind verschwunden. Darin reißen zwei Tertianer aus dem Internat nach Garmisch-Partenkirchen aus, um bei den Winterspielen zuzusehen, und freunden sich mit einem englischen Eishockeyspieler an.Kästner für Kinder, Büchergilde Gutenberg, Lizenzausgabe des Atrium Verlags Zürich 1985, ISBN 3-7632-3109-9, Band 2, S. 649–670.

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Einzelnachweise

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