Athen – , Katharevousa und – ist die Hauptstadt Griechenlands. Athen ist die bevölkerungsreichste und flächengrößte Stadt des Landes. Die Gemeinde Athen im Zentrum des gleichnamigen Ballungsraums ist mit einer Fläche von etwa 39 km² dabei relativ klein. Der Ballungsraum umfasst das Gebiet der Regionalbezirke Athen-Zentrum (88,1 km²), Athen-Nord (133,9 km²), Athen-Süd (70,2 km²), Athen-West (67,7 km²) und Piräus (51,3 km²) mit zusammen fast 3 Mio. Einwohnern (2021). Die ebenfalls relativ kompakte Agglomeration, deren Kern die Gemeinde Athen bildet, hat nach Eurostat ca. 3,8 Mio. Einwohner, andere Schätzungen gehen allerdings auf Grund der fehlenden Meldepflicht von mindestens 5 Mio. Einwohnern aus.
Als kulturelles, historisches und wirtschaftliches Zentrum des Landes ist Athen auch die bedeutendste Metropole Griechenlands. Der Flughafen ist der wichtigste des Landes und der acht Kilometer vom Athener Zentrum entfernte Hafen Piräus der größte Griechenlands. Von hier und vom kleineren Rafina wird auch der Schiffsverkehr zu den zahlreichen griechischen Inseln abgefertigt. Im Schienenverkehr hat Athen nationale, jedoch keine internationale Bedeutung.
Das Gebiet der Stadt ist seit der Jungsteinzeit kontinuierlich besiedeltJ. Seibert: Athen. In: Lexikon der Alten Welt, Band 1. Zürich 1965, so dass Athen zu den ältesten Städten Europas zählt. In der klassischen Zeit der griechischen Antike, im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. war sie eine der kulturell und politisch führenden Poleis Griechenlands. Mit der attische Demokratie wurde in Athen eine auf den Prinzipien der Volkssouveränität und der Mehrheitsentscheidung aufbauende politischen Ordnung begründet. Als Haupt des Attischen Seebunds hatte die Stadt damals die Stellung einer griechischen Großmacht inne. Seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. eine römische Provinzstadt, blieb Athen bis in die Spätantike Sitz bedeutender Redner- und Philosophenschulen wie der Platonischen Akademie. Nachdem Griechenland im 19. Jahrhundert seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangt hatte, wurde Athen nicht zuletzt wegen seiner Bedeutung in der Antike 1834 zur Hauptstadt des neu gegründeten Königreichs erklärt. 1985 war Athen die erste Kulturhauptstadt Europas. 1987 wurde die Akropolis und 1990 das Kloster Daphni in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.
mini|Athen aus dem Weltall gesehen mini|Ballungsraum Athen, im Hintergrund der Saronische Golf
Geografie Lage Athen liegt in der weiträumigsten Ebene der Landschaft Attika mit den Flüssen Ilisos und Kifisos und ist an drei Seiten von Gebirgszügen umgeben, vom Hymettos (1026 m), vom Pentelikon (1107 m), vom Parnitha (1413 m) und Egaleo (468 m), die vierte Seite öffnet sich zum Meer, dem Saronischen Golf.
Klima Das Stadtklima Athens ist ein ganz besonderes in Griechenland und auch in Europa und galt vor der Entwicklung der Stadt zum fast das gesamte attische Becken überwuchernden „Wasserkopf“ als eines der besten der Welt und ist auch heute noch trocken und weitgehend mild, so schon Diogenes von Sinope.Dion Chrysostomos, Rede 6, 1–5. Vgl. Hans Rupprecht Goette, Jürgen Hammerstaedt: Das antike Athen: ein literarischer Stadtführer. S. 11. Nicht wenige zogen deshalb nach Athen oder verbrachten längere Zeit dort, beispielsweise Sophie de Marbois-Lebrun, die eine Villa am nördlichen Rand der Stadt erbauen ließ und ihren Lebensabend dort verbrachte. Rainer Maria Rilke schrieb 1906 dem in Athen lebenden Ernst Hardt, „für zwei oder drei Monate nach Athen zu gehen“, um dort zu überwintern. Walther Judeich schrieb 1931 in seiner Topographie von Athen:
Josef von Ow schrieb 1854, dass Einheimische wie Fremde im Hochsommer die Stadt für einige Tage verlassen und „die heißeste Zeit im Gebirge oder auf den Inseln“ zubringen.Josef von Ow: Aufzeichnungen eines Junkers am Hofe zu Athen, Band 1, S. 71
Durch die Lage Athens, im Westen, Norden und Osten umringt von Bergen, und die vorherrschenden Winde in Griechenland, ist das Klima in Athen noch trockener und wärmer als in anderen Regionen des Landes. Sommertemperaturen erreichen während Hitzeperioden, die von Juni bis September auftreten und jeweils drei, vier Tage andauern können, bis zu über 40 °C im Schatten. Durch die dichte Besiedlung und den Mangel an innerstädtischen Grünflächen kühlt es in der Nacht kaum ab. Temperaturen von 25 °C um Mitternacht sind die Norm im Sommer, 30 °C keine Seltenheit. Erst gegen Morgen fällt das Thermometer kurzzeitig unter 25 °C. Im Winter dagegen kommt es häufiger zu Kaltlufteinbrüchen aus dem Norden, die dann vor allem in den nördlichen Stadtbezirken auch in regelmäßigen Abständen zu einer Schneedecke führen können. Für europäische Verhältnisse sind vor allem die Novembertage noch erstaunlich warm. Während es in anderen südeuropäischen Städten schon „Wintertemperaturen“ hat, sind es in Athen oftmals bis Mitte November noch 20 bis 25 °C am Tag. Dafür fängt das Frühjahr später an, und März und April sind noch erstaunlich kühl. Die Temperaturmittelwerte liegen in der kalten Jahreszeit (Dezember bis Februar) zwischen 9,6 °C und 11,4 °C. Vereinzelt gibt es auch Frosttage mit Tiefsttemperaturen bis −5 °C. In der warmen Jahreszeit (Mai bis September) bewegen sich die Temperaturmittelwerte zwischen 20,5 °C und 29 °C. In Athen werden pro Jahr über 2800 Sonnenstunden und nicht weniger als 348 Sonnentage gezählt. An manchen Tagen wehen auch Sand und Staub aus der Sahara bis nach Athen und bedecken die Straßen.
Insgesamt bleibt die Jahresniederschlagsmenge mit 402 mm pro Jahr in Athen auf einem sehr niedrigen Niveau. Die meisten Niederschläge fallen dabei von Ende Oktober bis Anfang Februar. Als besonders niederschlagsarm erweisen sich die Sommermonate Juni bis September.
Die Industrialisierung und Verstädterung der Halbinsel Attika, auf der sich Athen befindet, sowie ansteigender Individualverkehr seit den 1950er Jahren führten zu einer immer stärkeren Belastung der Luft vor allem durch Rauch und Schwefeldioxid. Immer öfter kam es bei der für die Region typischen Hochdruckwetterlage mit hoher Inversionsgefährdung (Sommersmog) zur Bildung von Smog (, to nefos, „die Wolke“).
Obwohl schon in den 1970er Jahren Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung getroffen wurden, nahm sie wegen der steigenden Massenmotorisierung infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 1970er und 1980er Jahren zu. Die Situation spitzte sich 1987 zu, als durch Smog zahlreiche Menschen zu Tode kamen, und die Presse über eine zunehmende Schädigung der antiken Baudenkmäler berichtete. Die Behörden reagierten mit teils drastischen Maßnahmen. Um das Verkehrsvolumen zu reduzieren, bestand bereits seit 1981 im tageweisen Wechsel für Pkw mit geraden bzw. ungeraden Autonummern an Wochentagen ein von 6:30 bis 16:00 Uhr geltendes Einfahrtsverbot in die Innenstadt mit engen Ausnahmen etwa für Ärzte, Journalisten und Touristen.
Weitreichende Maßnahmen der Behörden und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs haben seit den 1990er Jahren Erfolge gezeigt und die Luftverschmutzung verringert. Jedoch ist an sehr heißen Tagen, besonders vor der Ferienzeit, Luftverschmutzung nach wie vor ein Thema. Das griechische Umweltministerium veröffentlicht täglich auf seiner Webseite die aktuellen Luftmesswerte von Athen.
Stadtgliederung
mini|Athen-Süd und Piräus im Hintergrund mini|Athen-Nord Das alte Athen des 18. Jahrhunderts umfasst in etwa die Viertel südlich und nördlich der Akropolis, die Erweiterung nach Osten und Nordosten (Syntagma bis Omonia) ist seit dem 19. Jahrhundert das Zentrum der Stadt.
Wenngleich sich die Bewohner der Halbinsel Attika als Athener verstehen, beschränkt sich die Stadt Athen administrativ auf ein Gebiet, das weniger als eine Million Einwohner umfasst.
Gründungsmythos und Namensgebung alternativtext=|mini|Platon und Athene im Hintergrund, vor der Akademie von Athen Als erster König bzw. als Gründer Athens gilt König Kekrops,Vgl. Thukydides 2,15,1 und Bibliotheke des Apollodor 3,14,1 weshalb Kekropia () ein alter Name Athens bzw. Attikas ist.
Der Sage nach buhlten die Göttin Athene und der Meeresgott Poseidon um die Gunst der Bewohner der damals noch namenlosen Stadt. Beide machten den Einwohnern je ein Geschenk. Poseidon schenkte der Stadt eine Quelle, die er mit seinem Dreizack geöffnet hatte, aus der allerdings nur Salzwasser sprudelte.Herodot 8,55; Bibliotheke des Apollodor 3,14,1; Pausanias 1,24,5; 1,27,1; Plutarch, Themistokles 19; Ovid, Metamorphosen 6,70–82. Bei Vergil, Georgica 1,12–14 schenkt er ein Pferd. Athenes Geschenk war ein Olivenbaum. Dieser spendete Nahrung, Olivenöl und Holz. Athene gewann,Schiedsrichter waren die (übrigen zehn der) zwölf Olympischen Götter: Bibliotheke des Apollodor 3,14,3. Nach anderer Überlieferung ließ König Kekrops Männer und Frauen abstimmen: Augustinus, De civitate dei 18,9. und die Stadt wurde nach ihr benannt.
Der Name Athen stand einst immer im Plural (Athēnai), spätestens seit den 1960er Jahren hat sich jedoch im Griechischen die Singularform durchgesetzt (Athína), amtlich ist die Pluralform auch heute noch anzutreffen. Auch in anderen Sprachen steht der Name im Plural.
Geschichte alternativtext=|mini|Die Akropolis, von Monastiraki aus gesehen alternativtext=|mini|Antike Überreste der römischen Agora alternativtext=|mini|Athen um 1861 mini|Athen um 1868 mini|Historische Karte von Athen (1890) mini|Die Zwischenolympiade von 1906 mini|Das frühere königliche Schloss am Syntagma-Platz, seit 1932 Sitz des Parlaments
Die Besiedlungsgeschichte des Gebiets der Stadt Athen reicht etwa 7500 Jahre zurück, bis in die Jungsteinzeit. Um 1300 v. Chr. wurde auf der Akropolis ein mykenischer Palast errichtet. Die älteste Stadtanlage beschränkte sich auf die obere Fläche eines steilen, nur von Westen her zugänglichen Felshügels, der später als Burg (Akropolis) den militärischen und religiösen Mittelpunkt Athens bildete. Die Fläche wurde bereits sehr frühzeitig eingeebnet und mit einer starken Mauer umgeben, die mit neun hintereinander angeordneten Toren gesichert wurde (Enneapylai). Diese Anlage hieß nach den Pelasgern, denen man den Bau zuschrieb, Pelargikon. Innerhalb dieser Burg wohnten die alten Könige dieses Teils von Attika. Athen stand für seine Bewohner seit jeher unter dem besonderen Schutz des Zeus, dem ein früh erbauter Altar gewidmet war, sowie der stadtschützenden Athene (Athene Polias), der auch der älteste Tempel der Stadt, der Hekatompedos, geweiht war. Dem äußeren Stadttor gegenüber lag der älteste Markt der Stadt, die Agora.
Dem sagenhaften König Theseus wird zugeschrieben, die verschiedenen Teile der Landschaft Attika zu einer Polis vereinigt zu haben. Athen war fortan der Fläche nach der größte griechische Stadtstaat (vom Sonderfall Sparta abgesehen). Womöglich liegt der Erinnerung an diesen sog. Synoikismos des Theseus aber auch bereits die Schaffung eines Mykenischen Palastzentrums zugrunde, von dem aus ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. weite Teile Attikas kontrolliert und verwaltet wurden, wodurch regionale Fürsten an Macht verloren.s. dazu ausführlich: Hans Lohmann: Kiapha Thiti und der Synoikismos des Theseus. In: Hans Lohmann, Torsten Mattern (Hrsg.): Attika. Archäologie einer „zentralen“ Kulturlandschaft. Wiesbaden 2010, S. 35–46.
Ganz ähnliche Entwicklungen fanden zu Beginn der Mykenischen Palastzeit auch in anderen Regionen statt, in denen ebenfalls mächtige Palastzentren entstanden, z. B. in der Argolis, in Messenien und Böotien.