Andreas de Mare (* vor 1540; † nach 1599) war ein niederländisch-deutscher Orgelbaumeister der Spätrenaissance, der in Groningen sowie später in Verden und in Bremen seinen Sitz hatte. Neun Neubauten und zehn sonstige Tätigkeiten an eigenen oder fremden Orgeln sind bezeugt, aber nur noch einzelne Register oder Orgelteile von de Mare heute erhalten.

Leben Andreas de Mare („Gandavensis“) stammte aus Gent und übersiedelte – möglicherweise aufgrund seines protestantischen Glaubens – nach Groningen, wo er zwei große Orgelprojekte durchführte.Pape, Topp: Orgeln und Orgelbauer in Bremen. 2003, S. 403. 1560 erwarb er für sich und seine Söhne Christoffer und Marten de Mare in Groningen das sogenannte kleine Bürgerrecht. Ab 1566 war er vor allem in Ostfriesland tätig. Spätestens 1583 zog er nach Verden (Aller) und später nach Bremen, wo sein Sohn Marten seit 1595 als Orgelbauer ansässig war.Bürgerbuch der Altstadt 1586–1609 Juni 19. Bremer Staatsarchiv, Bremen, Signatur: 2-P.8.A.19.a.2.a, S. 68. Nach 1587 war er in Hannover, Loccum und Stadthagen tätig.

Er ist Begründer einer Orgelbaufamilie, die von 1540 bis 1740 in Groningen und Bremen nachweisbar ist.Vente, Brabanter Orgel, S. 133, 212. Bekanntheit erlangten sein Sohn Marten († 1612) und ein anderer Angehöriger, der ebenfalls Andreas (oder Andries) hieß und im 17. Jahrhundert im Groningerland etliche Orgelneubauten durchführte. Andreas de Mares I Stiefsohn Anthoni Waelckens war in den 1620er bis 1640er Jahren im Groningerland mit Umbauten und Reparaturen und vereinzelten Neubauten tätig, die sich durch einen konservativen Stil auszeichnen und an de Mare anlehnen.

Werk mini|Orgel der Großen Kirche (Leer) Andreas de Mare gilt als fortschrittlicher Orgelbauer. So baute er für das in der Regel angehängte Pedal Transmissionen aus dem Hauptwerk.

Er baute 1566/67 eine neue Orgel in der Ludgerikirche Norden als Chororgel mit Flügeltüren, die ein früheres Positiv ersetzte. Als dies Instrument durch Kriegsschäden beeinträchtigt wurde, baute Edo Evers 1618 ein neues Werk, wobei er einige alte Register von de Mare verwendete, die heute noch erhalten und von besonderer klanglicher Qualität sind. Andere übrig gebliebene Register und Gehäuseteile der Norder Orgel integrierte Evers in seine Orgel in Osteel (1619), die ebenfalls bewahrt geblieben sind.

Im Jahr 1590 (vielleicht schon 1570) baute de Mare wahrscheinlich für das Kloster Thedinga (bei Leer) eine Orgel. Als das Instrument 1609 durch eine Schenkung von Graf Enno III. der Großen Kirche in Leer vermacht wurde, übernahm Martin de Mare Register für seinen dortigen Neubau, während er das prächtige Gehäuse mit den verzierten Prospektpfeifen 1610 in die Gutskapelle von Stellichte (heute: St.-Georg-Christophorus-Jodokus-Kirche) überführte, wo es noch heute zu bewundern ist. Das innere Pfeifenwerk wurde im Stil des ursprünglichen Renaissanceinstruments 1985 von Jürgen Ahrend rekonstruiert. Ein wissenschaftliches Institut des Organeum unter Leitung von Winfried Dahlke untersuchte 2006–2008 die Inskriptionen (Tonbuchstaben) an den alten Pfeifen der Orgel in Leer, um den gewachsenen Zustand des Instruments geschichtlich zu erhellen. Offensichtlich stammt der Grundbestand noch von Andreas und Martin de Mare.Dahlke, Ahrend: Die Dokumentation der Orgel in der Evangelisch-Reformierten Großen Kirche zu Leer. 2011.

Werkliste In der fünften Spalte bezeichnet die römische Zahl die Anzahl der Manuale, ein großes „P“ ein selbstständiges Pedal, ein kleines „p“ ein nur angehängtes Pedal und die arabische Zahl in der vorletzten Spalte die Anzahl der klingenden Register. Kursivierung zeigt an, dass die betreffende Orgel nicht mehr erhalten ist.

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Anmerkungen 1542–1543 Groningen Martinikerk zentriert|160x160px III/p Erweiterung der Orgel; Hauptwerk- und Oberwerk-Gehäuse und einige Register von de Mare erhalten; später erheblich erweitert → Orgeln der Martinikerk (Groningen) 1557 Uithuizermeeden Hervormde Kerk 160x160px 1781 nach Uithuizen verkauft und 1908 nach Niehove, wo die Orgel teilweise erhalten ist, S. 134 f (niederländisch) (PDF-Datei; 5,95 MB). 1558 Groningen Der Aa-kerk Umbau der Transeptorgel (um 1470); sieben Register erhalten → Orgeln der Der Aa-kerk (Groningen) 1562 Loppersum Hervormde Kerk zentriert|160x160px II/p Zuschreibung; 1665 Neubau unter Verwendung älteren Materials durch möglicherweise Hendrick Huis; 1735/36 Pfeifenwerk des Hauptwerks durch Albertus Antonius Hinsz und 1803 Pfeifenwerk des Rückpositivs durch Heinrich Hermann Freytag ersetzt; Prospekt erhalten 1566–1567 Norden Ludgerikirche 160x160px III/p 18 Neue Chororgel, von der einige Register bei einem späteren Neubauten von Edo Evers und Arp Schnitger jeweils übernommen wurden und teils heute noch erhalten sind → Orgel der Ludgerikirche (Norden) um 1571 Appingedam Nicolaikirche 160x160px II/p um 14 Neubau mit Brustwerk, Orgel mehrfach umgebaut; 4 Register ganz und 5 teilweise erhaltenOrgel in Appingedam, abgerufen am 9. Januar 2019. 1578 Zuidbroek Petruskerk Neubau; 1793-1795 durch einen Neubau von Franz Caspar Schnitger jr. und Heinrich Herman Freytag ersetztOrgel in Zuidbroek, abgerufen am 9. Januar 2019. 1578–1582 Emden Große Kirche II/P 11 oder 12 Erweiterung der Orgel, die 1568 aus dem ehemaligen Kloster Blauhaus im heutigen Woltzeten übernommen wurde; nicht erhalten 1585–1587 Bremen St. Stephani Neubau; nicht erhalten 1589–1594 Hannover Marktkirche Vollendung des Neubaus von Henning Henke und Severin Krosche; um 1640 von Adolph Compenius erweitert; später ersetztOrgeln der Marktkirche Hannover, abgerufen am 9. Januar 2019. 1590 (1570?) bei Leer Kloster Thedinga 160x160px I/p 9 Die Orgel wurde 1609 der Großen Kirche in Leer vermacht; de Mare verwendete einiges aus dieser Orgel für seinen dortigen Orgelneubau; einige Register erhalten, evtl. auch Teile des Hauptwerks-Gehäuses. → Orgel der Großen Kirche (Leer) Das alte Gehäuse gelangte in die St.-Georg-Christophorus-Jodokus-Kirche in Stellichte, wo es bis heute erhalten ist (Foto). 1594–1599 Loccum Klosterkirche Loccum II/P 23 Neubau; nicht erhaltenOrgel in Loccum, abgerufen am 9. Januar 2019. 1590er Stadthagen St.-Martini-Kirche Neubau (?); nicht erhalten

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Orgelbauer (16. Jahrhundert) Kategorie:Orgelbauer (Deutschland) Kategorie:Orgelbauer (Niederlande) Kategorie:Orgellandschaft Ostfriesland Kategorie:Orgellandschaft Bremen Kategorie:Orgellandschaft Niederlande Kategorie:Person (Bremen) Kategorie:Niederländer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren im 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 16. oder 17. Jahrhundert Kategorie:Mann