Ionia () ist seit 2010 einer der acht Gemeindebezirke auf der griechischen Insel Chios. Er wurde 1989 als Gemeinde Ionia aus dem Zusammenschluss von fünf Landgemeinden um den Hauptort Nenita gebildet und 1997 mit der 1989 aus sechs Landgemeinden gebildeten Gemeinde Anemonas vereinigt, wobei dessen Verwaltungssitz Kallimasia Hauptort der neuen Gemeinde wurde. Diese Gemeinde wiederum ging anlässlich der Verwaltungsreform 2010 in der neu gebildeten Gemeinde Chios auf, die die gesamte Insel umfasst. Ionia bildet seither einen Gemeindebezirk von Chios; die elf Gemeindebezirke, die bis 1989 selbständig waren, wählen als Stadtbezirk und Ortsgemeinschaften eigene Vertretungen.

Die Dörfer des Gemeindebezirks liegen im Anbaugebiet der Mastixsträucher (Pistacia lentiscus var. chia) und werden den Mastixdörfern (Mastichochoria, Μαστιχοχωρία) zugerechnet.Geographie der Mastichochoria, , griechisch

Lage Der Gemeindebezirk Ionia liegt im hügeligen Südosten der Insel. Die Höhen erreichen selten mehr als 300 m, lediglich im Nordwesten an der Grenze zum Gemeindebezirk Kambochora erreicht die südliche Fortsetzung des Provatas (Προβατάς), der Profitis Ilias, knapp über 500 m. Außerdem grenzen die Gemeindebezirke Agios Minas im Nordosten und Mastichochoria im Westen an Ionia. Im Osten liegt die kleinasiatische Küste 10 km entfernt.

Geschichte Aus antiker Zeit wurden Ruinen in der Nähe von Kallimasia und Kini gefunden. Während der Besatzung durch die Genuesen (1346–1566) wurden zum Schutz der ländlichen Bevölkerung wegen anhaltender Piratenüberfälle und um die Kontrolle über Mastixproduktion und -handel zu gewährleisten die Dörfer befestigt oder Neugründungen als Wehrdörfer angelegt.

Von den Zerstörungen des Erdbebens von Chios am mit Epizentrum in der Meerenge von Chios (Steno tis Chiou Στενό της Χίου) und der Stärke 6,5 nach der Oberflächenwellen-Magnituden-Skala waren auf der Insel Agios Minas, Kambochora und Chios die Dörfer Ionias am stärksten betroffen.; englischErdbeben vom 3. April 1881 auf www.trekearth.com

Verwaltungsgliederung Der Gemeindebezirk ist in einen Stadtbezirk und zehn Ortsgemeinschaften untergliedert. Die Einwohnerzahlen entstammen der Volkszählung von 2011.

StadtbezirkOrtsgemeinschaft griechischer Name Code Fläche (km²) Einwohner 2001 Einwohner 2011 Dörfer und Siedlungen Kallimasia Δημοτική Κοινότητα Καλλιμασιάς 57010401 7,138 1073 1100 Kallimasia, Agios Emilianos, Voudotopos, Moni Panagia Kimiseos Plakidiotissis, Monolia Vouno Τοπική Κοινότητα Βουνού 57010402 4,734 299 180 Vouno, Agios Ioannis, Lilikas Exo Didyma Τοπική Κοινότητα Έξω Διδύμας 57010403 2,327 56 40 Exo Didyma Tholopotami Τοπική Κοινότητα Θολοποταμίου 57010404 6,706 809 692 Tholopotami, Sklavia Katarraktis Τοπική Κοινότητα Καταρράκτου 57010405 4,801 425 408 Katarraktis Kini Τοπική Κοινότητα Κοινής 57010406 4,627 283 146 Kini Mesa Didyma Τοπική Κοινότητα Μέσα Διδύμας 57010407 3,388 192 169 Mesa Didyma, Moni Agias Matronis Chalandron Myrmingi Τοπική Κοινότητα Μυρμηγκίου 57010408 1,659 89 92 Myrmingi Nenita Δημοτική Κοινότητα Νενήτων 57010409 9,370 1156 924 Nenita, Vokaria, Gridia, Moni Taxiarchon Pagida Τοπική Κοινότητα Παγίδος 57010410 0,965 138 129 Pagida Flatsia Τοπική Κοινότητα Φλατσίων 57010411 2,002 110 76 Flatsia, Nekta Gesamt 570104 47,717 4650 3956

Ortschaften und Dörfer Kallimasia Kallimasia (Καλλιμασιά ) liegt an der Grenze zu Agios Minas im Nordosten des Gemeindebezirks etwa 13 km südlich der Stadt Chios auf einer Ebene in etwa 100 m Höhe umgeben von Olivenbäumen.

Geschichte Westlich des Dorfes konnte eine Siedlung aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. anhand von antikem Baumaterial, Inschriften und einem großen Münzfund nachgewiesen werden. Zum Ende der byzantinischen Zeit, im ausgehenden 12. Jahrhundert wurde die bisherige Siedlungsstruktur aufgegeben. Aus ehemals sieben zerstreut liegenden Siedlungen entstand das befestigte Dorf Kallimasia mit Wehrturm. Wie der französische Forschungsreisende Jean de Thévenot berichtet soll der Wehrturm vier Jahrhunderte vor seiner Reise erbaut worden sein. Während der osmanischen Herrschaft gehörte Kallimasia zu den damals 21 Mastixdörfern, diese hatten die höchsten Steuern der Insel zu entrichten. Zusammen mit Anemonia war Kallimasia Grenzposten der mastixerzeugenden Dörfer. Ausländer durften sich in diesem Gebiet nur mit Erlaubnis und in Begleitung aufhalten. Um den Schmuggel über das Meer zu unterbinden, wurde der Wachturm bei Monolia errichtet.Kallimasia, Tageszeitung Dimokratiki (Δημοκρατική Ανεξάρτητη Χιώτικη Eφημερίδα), 17. März 2008

Katarraktis Der Hafenort Katarraktis (Καταρράκτης ) ist in der Mitte der Bucht von Afaleros (Όρμου του Αφαλερού) an der Stelle der antiken Siedlung Faliros (Φαληρός) gelegen. Der Ortsteil Koukoula (Κουκούλα, ‚Kapuze‘), auch Kalamagra (Καλαμάγρα) genannt, liegt auf einem Hügel nördlich des Baches Kalathos (Καλαθός ) südlich liegt Limandi (Λιμάντι) oder Pera Chorio (Πέρα Χωριό). Nachdem das etwa 3 km südwestlich landeinwärts gelegene Dorf Katarraktis mit Festung beim Erdbeben 1881 zerstört worden war, gründeten die Einwohner am Meer ein neues Dorf und verwendeten den bisherigen Namen Katarraktis.

Zur Unterscheidung wird heute das zerstörte alte Dorf als Palios Katarraktis (Παλιός Kαταρράκτης ‚Alter Wasserfall‘, ‚Altes Katarraktis‘) oder Pano Chorio (Πάνω Χωριό ‚Oberes Dorf‘) bezeichnet.

Während der genuesischen Zeit entstand im Jahr 1442 aus sieben zerstreut liegenden Siedlungen das Dorf Katarraktis, um den Menschen mehr Sicherheit vor ständig wiederkehrenden Piratenüberfällen zu gewähren. Namensgebend waren die Wasserfälle (Καταρράκτες, pl. Katarraktes) der Wildbäche zwischen dem alten Dorf und der nördlich gelegenen Kirche Panagia Rouchouniotissas (auch Moni Rouchouniou, Παναγιάς της Ρουχουνιώτισσας oder Μονή Ρουχουνίου), einem der ehemals reichsten Klöster der Insel. Der Genuese Antonio di Rocca Giustiniani ließ 1484 eine Burg errichten.Katarraktis, griechischKatarraktis, Tageszeitung Dimokratiki (Δημοκρατική Ανεξάρτητη Χιώτικη Eφημερίδα), 2. Juli 2008 Als 1639 der Konsul von Venedig in Smyrna Chios besuchte, beschrieb er Katarraktis als geschickte von della Rocca erbaute Festung die von mehr als 1.500 Seelen bewohnt wurde über 20 Priester, 16 Kirchen und ein Kloster der Panagia verfügte.Palios Katarraktis,

Aufgrund des Flüchtlingsstroms aus Kleinasien nach dem Griechisch-Türkischen Krieg erreichte die Einwohnerzahl in den 1920er Jahren ihren höchsten Stand., 17. Oktober 2005

Da die Beschäftigung in der Schifffahrt und in der 14 km entfernt gelegenen Stadt Chios einträglicher sind, ist die Produktion des traditionell angebauten Mastix rückläufig.

Tholopotami Tholopotami (Θολοποτάμι ), liegt im Nordwesten des Gemeindebezirks in fast 300 m Höhe südöstlich des Profitis Ilias, der mit etwas mehr als 500 m die höchste Erhebung des Gemeindebezirks darstellt. Die Straße von der Stadt Chios in den Inselsüden verläuft in unmittelbarer Nähe südöstlich des Dorfes. Im 12. Jahrhundert wurde der Ort wegen der Piratenüberfälle auf einem felsigen Hügel als Wehrdorf gegründet. Die beiden Zugänge waren mit Eisentoren gesichert. Die meisten Bewohner wurden 1822 während des Massakers von Chios ermordet. Die wenigen Überlebenden hatten sich in Höhlen der nahegelegenen Berge versteckt. Beim Erdbeben 1881 wurde der Ort fast vollständig zerstört. Bis zum Ende der 1950er Jahre hatte das Dorf etwa 1200 Einwohner, dann wanderten viele nach Kanada und in die USA aus. Heute leben dort etwa 2500 Nachfahren., 14. Februar 2005, griechisch

Die Handlung des Spielfilms Das Frühlingstreffen der Feldhüter (Η εαρινή σύναξις των αγροφυλάκων) in der NZZ von Dimos Avdeliodis spielt in Tholopotami.

Sklavia (Σκλαβιά ) liegt 240 m hoch etwa 2 km nördlich von Tholopotami. Der Ort war während der genuesischen Zeit überwiegend im Besitz der Familie Giustiniani. Obwohl die meisten der Gebäude aus dieser Zeit zerstört sind, werden sie architektonisch als Vorläufer der Herrenhäuser von Kambos angesehen.

Myrmingi Myrmingi liegt 235 m hoch 2 km südlich von Tholopotami. 1999 wurden bei einem Feuer infolge von Brandstiftung 650 Hektar Land zerstört. Betroffen waren die Orte südlich von Myrmingi bis Kini., 10. Mai 2005

Mesa Didyma Mesa Didyma (Μέσα Διδύμα ) liegt östlich der Straße von Tholopotami nach Kini in etwa 170 m Höhe an einem nach Osten ausgerichteten Hang. Mündliche Überlieferungen besagen, dass zerstrittene Zwillingsbrüder (δίδυμος ‚Zwilling‘) Gründer von Mesa Didyma und dem 800 m südlich gelegenen Exo Didyma waren. Der Ort wurde während der genuesischen Zeit zwischen 1280 und 1320 n. Chr. besiedelt. Etwas außerhalb in Pigi befand sich ein Wehrdorf aus genuesischer Zeit. In den 1950er Jahren als das Dorf noch etwa 500 Einwohner hatte, wurde mit deren Mitarbeit die heutige Straße gebaut, die 1975 asphaltiert wurde. Zu Beginn der 1980er erfolgte der Anschluss ans Telefonnetz. Moni Agias Matronis Chalandron (Μονή Αγίας Ματρώνης Χαλάνδρων ) liegt 1 km nordöstlich

Exo Didyma Das Dorf Exo Didyma (Έξω Διδύμα ) liegt nur 800 m südlich von Mesa Didyma. Gesichert ist die Existenz des Dorfes während der genuesischen Zeit. Nach dem Erdbeben 1881 siedelten sich die Bewohner etwas außerhalb in der als Anathymiaria (Αναθυμιάρια) bezeichneten Gegend an. In den 1950er Jahren lebten etwa 300 Menschen im Dorf, damals wurde auch noch Tabak angebaut. Heute hat sich die Bevölkerungszahl auch gegenüber den offiziellen Angaben deutlich auf 23 (2005) reduziert. Über 80 % der Dorfbewohner sind älter als 50 Jahre., 11. April 2005

Pagida Das gleichnamige Dorf Pagida (Παγίδα ), auch Pagis (Παγίς), liegt auf etwas über 100 m Höhe etwa 2 km nördlich von Nenita an der Straße nach Katarraktis.

Während das Dorf in den späten 1940er Jahren über 150 ständige Einwohner hatte, sind es heute im Winter lediglich noch etwa 40 überwiegend ältere Menschen, von offizieller Seite werden 129 angegeben (2011). Wegen der ständig sinkenden Schülerzahlen von mehr als 30 zwischen 1945 und 1950 auf fünf im Jahre 1985 wurde die Dorfschule endgültig geschlossen. Ein Brand zerstörte 1994 die Umgebung des Dorfes., 27. September 2005

Kini Kini (Κοινή ) liegt auf der Ostseite eines in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bergrückens in etwa 140 m Höhe 3 km nordwestlich von Nenita und ist eines der jüngsten Dörfer der Region sein. Der Name soll von Kini gi (Κοινή γη), dem ‚gemeinsamen Boden‘ der umliegenden Dörfer abgeleitet sein.

Ruinen eines Tempels der hellenistischen Zeit und eine Marmorplatte mit Inschrift, die in Richtung des etwa 500 Meter südöstlich liegenden Klosters Monastiri tis Episkepsos (Μοναστήρι της Επισκέψεως) wurden 1930 entdeckt. Die Kirche des 1667 gegründeten Klosters soll zeitgleich mit dem Kloster Nea Moni erbaut worden sein. An der Stelle der heutigen Kirche Panagia Dafni (Παναγία Δάφνη) befand sich die nach byzantinischem Vorbild befestigte Siedlung Dafni (Δάφνη ‚Lorbeer‘) mit Wehrturm und Wehrmauer.

Alte Quellen berichten von einem chalasmeno Chorio (χαλασμένο χωριό ‚verlassenes Dorf‘) bezeichneten Gebiet in Richtung Patrika in der Nachbargemeinde Mastichochoria. Eine andere Quelle nennt den Namen Somata (Σώματα pl.‚Körper‘) einen heute ebenfalls gebräuchlichen Namen. In diesem Ort sollen zwischen einer Pestepidemie auf der Insel um etwa 1600 und dem Erdbeben 1881 zahlreiche Menschen gestorben sein. Die wenigen Überlebenden gingen nach Kini andere gründeten Patrika., 17. November 2005

Vouno Vouno (Βουνό ) liegt auf halber Strecke südlich der Straße von Kini nach Nenita leicht erhöht auf felsigem Untergrund in etwa 150 m Höhe. Die Dorfgründung ist auf die genuesische Besatzungszeit zurückzuführen und wurde wegen der Piratenüberfälle unsichtbar vom Meer angelegt. Ursprünglich war das Dorf von einer Wehrmauer mit zwei Toren umgeben, die Straßen wurden schmal angelegt und die Häuser eng aneinander gebaut. Agios Ioannis (Άγιος Ιωάννης ) liegt etwa 4,5 km südlich am Meer