Das Donaudelta (, ) befindet sich im Mündungsgebiet der Donau in das Schwarze Meer. Das Donaudelta stellt nach dem Wolgadelta das zweitgrößte Delta Europas dar und umfasst ein Gebiet von 5800 km², wovon 72 % mit einer Fläche von 4178 km² unter Naturschutz stehen. Diese Fläche liegt zu 82,5 % im rumänischen Teil der Landschaft Dobrudscha sowie zu 17,5 % in der Ukraine. Das Donaudelta ist seit 1990 ein Biosphärenreservat.
Der nördliche Teil des Reservats – das eigentliche Delta – wird von den drei aus westlicher Richtung einlaufenden Mündungsarmen der Donau durchflossen, die sich bei Tulcea trennen: dem Chiliaarm als rumänisch-ukrainische Staatsgrenze im Norden, dem Sulinaarm in der Mitte, und dem St. Georgs-Arm (Sfântu-Gheorghe) im Süden. Quasi künstliche Mündungsarme sind einige kurze Kanäle im Delta, wie der ukrainische Bystre-Kanal, sowie der über 100 Kilometer Luftline entfernte Donau-Schwarzmeer-Kanal, der nach 64 km bei Constanța mündet und sowohl der europäischen Schifffahrt über 270 km Umweg zum Schwarzmeer erspart als auch dem Delta zusätzlichen Schiffsverkehr.
Unmittelbar südlich schließt sich der von Kanälen gespeiste Razim-Sinoie-Lagunenkomplex an. Die Gegend ist bereits seit der Antike spärlich besiedelt. Landwirtschaft, Viehzucht und Fischwirtschaft bedienen sich vielfach der natürlichen Ressourcen vor Ort.
In dem Biosphärenreservat konnten bisher etwa 5200 Tier- und Pflanzenarten katalogisiert werden. Die hohe Artenzahl wird einerseits auf das große Angebot von aquatischen und terrestrischen Lebensräumen zurückgeführt, zum anderen auf das geografische Zusammentreffen der zentraleuropäischen Wälder und des Balkangebirges mit den mediterranen Regionen. Die eng miteinander verbundenen Lebensräume wie Röhrichte, schwimmende Inseln, Altarme und Seen, Auwälder und extreme Trockenbiotope in den Dünen bilden im Mündungsgebiet ein einzigartiges NetzwerkHerpAG Haus der Natur: (PDF; 265 kB) Skriptum Herpetologie, 2004. von über 30 Ökosystemen.Rumänisches Fremdenverkehrsamt: Manche dieser Arten gelten als selten oder vom Aussterben bedroht. Das Reservat beherbergt das mit einer Ausdehnung von etwa 1800 km²Judith Brandner: Das Donaudelta – Ein fragiler Naturraum. In: Österreichischer Rundfunk. 5. März 2007. weltweit größte zusammenhängende Schilfrohrgebiet und ein bedeutendes Vogelschutzreservat mit der größten Kolonie des Rosapelikans und der zweitgrößten des Krauskopfpelikans Europas.
Rumänien erklärte 1990 als erster Donauanrainerstaat seinen Teil des Deltas zum Biosphärenreservat. Die Liste der Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung der Ramsar-Konvention konnte 1991 um das Delta erweitert werden. Die UNESCO nahm das Gebiet 1993 in die Weltnaturerbeliste auf. Rumänien wies das Reservat im gleichen Jahr als Naturschutzgebiet von nationaler und internationaler Bedeutung aus. Seit 1998 ist auch der ukrainische Teil des Donaudeltas ein anerkanntes Biosphärenreservat.
Ab den 1960er Jahren wurden weite Teile der Sumpflandschaft für landwirtschaftliche Nutzung trockengelegt, wodurch bis 1986 rund ein Fünftel des natürlichen Lebensraums im Delta zerstört wurde.Françoise Hauser: Donaudelta in Rumänien: Bullerbü auf Hartz IV. In: Der Spiegel. 29. August 2008. Im Jahr 2000 verpflichteten sich Rumänien, Bulgarien, die Republik Moldau und die Ukraine zum Schutz und zur Renaturierung der Feuchtgebiete im Verlauf der etwa 1000 Kilometer langen unteren Donau. Mit diesem vom World Wide Fund For Nature (WWF) initiierten Grünen Korridor entstand das größte grenzüberschreitende Schutzgebiet in Europa.
Die Arbeitslosenquote der Ortsansässigen liegt zwischen 30 und 40 Prozent. Sie erhoffen sich Chancen aus den Initiativen der Europäischen Union zur Förderung von Sanftem Tourismus in der Region, jedoch hat der Tourismus punktuell bereits die Grenzen seiner Naturverträglichkeit erreicht. Unfälle der Ölindustrie, die Begradigung und Eindämmung von Schifffahrtswegen, aber auch illegales Wildern beeinträchtigen das ökologische Gleichgewicht.
Geographie mini|Biosphärenreservat Donaudelta, Satellitenaufnahme 2021 mini|Im Donaudelta, 2005 mini|Im Donaudelta, 2008
Landschaft Die Donau ist der bedeutendste Vorfluter Südosteuropas und die Sammelader für die großen Flüsse der Ostalpen (Inn, Drau), der Karpaten (Theiß) und der östlichen Dinariden (Save). Das Biosphärenreservat Donaudelta liegt im Mündungsgebiet der Donau in das Schwarze Meer und bildet einen Refugialraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren.
Mehr als die Hälfte der Gesamtfläche des Reservats von 5800 km² umfasst mit 3510 km² den gemeinhin als Donaudelta bezeichneten Bereich, während sich der restliche Bereich auf die stromaufwärts gelegenen Donauauen zwischen Isaccea und Tulcea (102 km²), den Razim-Sinoie Lagunenkomplex (1145 km²), einen schmalen Streifen im Schwarzen Meer (1030 km²) bis zu einer Tiefenlinie von 20 m, und das an der Donau liegende Gebiet zwischen der Insel Cotul Pisicii und Isaccea (13 km²) unterteilt. Hierbei erstreckt sich das Reservat im südöstlichen Teil Rumäniens mit einer Fläche von 3446 km² über die Kreise Tulcea und Constanța, und ein 732 km² großes Gebiet im Süden der Ukraine in der Oblast Odessa. Zwischen Rumänien und der Ukraine bildet die Donau die 54 km lange natürliche Grenze. In diesem Teil der Grenze bestehen keine offiziellen Grenzübergänge, die nächstgelegenen Übergänge befinden sich in Galați und Brăila.Frieder Monzer, Timo Ulrichs: Moldova – Moldau: Mit Chisinau, Bessarabien und Transdnestrien., Trescher Verlag, 2013, ISBN 978-3-89794-245-5, S. 234.
Das Reservat ist in die historische Landschaft Dobrudscha eingebunden. Die meist hügelige umgebende Region lässt sich physiographisch in folgende Gebiete untergliedern:
Das Hinterland ist überwiegend von paläozoischen und mesozoischen Bodenformationen gezeichnet. Ihr nördlicher Teil weist mit Höhenlagen von 180–467 Metern über dem Nullniveau des Meeresspiegels am Schwarzen Meer die höchsten Erhebungen der Region auf. Der Süden der Dobrudscha besteht aus Kalksteinplateaus, die etwa 100 bis 200 Meter über dem Meeresspiegel liegen und von Lössböden bedeckt sind. Insgesamt erhebt sich 60 Prozent der Landfläche der Dobrudscha nicht über 100 Höhenmeter hinaus. Im inneren Bereich der Dobrudscha flacht das Gelände von Nord nach Süd auf Höchstwerte um 300 Meter ab. Das vorrangige bodenbildende Gestein ist schiefrig.Europäische Union: (PDF; 1,2 MB), November/Dezember 2004 (englisch), S. 13. In: Geographisches Institut der Universität Kiel, Tina Geisler, Johannes Tiffert: ., 2007. Der östliche Bereich entlang der Küste wird vom weitläufigen Deltagebiet der Donau und seinen zahlreichen Lagunen geprägt. Die niedrige flache Ebene liegt mit 0,52 m über dem mittleren Meeresspiegel des Schwarzen Meeres und hat einen mittleren Anstieg der allgemeinen Gradienten von 0,006 m/km. Die maximale Höhendifferenz ist 15 m, die sich aus dem höchsten Punkt (+12,4 m) in den Dünen bei Letea und dem Seegrund (−3 m) im marinen Teil ergibt. 20,5 % des Deltagebietes liegen unterhalb des Meeresspiegels des Schwarzen Meeres, die restlichen 79,5 % liegen darüber. Von dem sich über dem Meeresspiegel befindlichen Bereich liegen 54,6 % zwischen 0 und 1 m Höhe, sowie 18,2 % zwischen 1 und 2 m. Insgesamt gesehen liegen 93 % des Deltas innerhalb einer Hypsometrie von 0–3 m.Rumänische Akademie, Petre Gâștescu: (PDF; 5,3 MB) In: Romanian Journal of Geography. 14. September 2009 (englisch)
Unter dem hydromorphologischen Aspekt unterteilt sich das Reservat in:
Gebiete aus der Zeit vor der Entstehung des Deltas Diese Gebiete liegen in der historischen Landschaft Budschak nördlich des Chiliaarms. Die Lössablagerungen dieses Bereiches wurden durch Wasser erodiert und lagerten sich als die Basis der Sandbänke Câmpul Chiliei und Stipoc ab. Auf sie entfallen 2,4 Prozent der Fläche des Deltas.
Sandbänke an Flussarmen oder am Meer Die Flusssandbänke liegen entlang der Ränder der wichtigsten Donauarme und Verzweigungen. Die Akkretion und Höhe der Sandbänke lässt zum Meer hin nach. Für die Bildung der parallel zur Meeresküste verlaufenden Meersandbänke (auch Grind) sind in erster Linie die Meeresströmungen verantwortlich, die aus angeschwemmten Donausedimenten natürliche Meeresdämme bildeten und sich im Laufe der Zeit durch weitere Ablagerungen im Meer vergrößerten. Die größeren Sandbänke lagerten sich als eine Reihe von hohen Dünen mit dazwischenliegenden Dünenquertälern ab.
Flussläufe und Kanäle mini|Am Chiliaarm, 2005 mini|Am Sulinaarm, 2004 Am Beginn des Deltas westlich von Tulcea beträgt der mittlere Durchfluss der Donau 7320 m³/s. Die Differenzen zwischen Niedrigwasser (2000 m³/s) und Hochwasser (24.000 m³/s) sind erheblich.
Der nördlich gelegene Chiliaarm ist mit einer Länge von 116 km der größte der drei Donauarme. An der Verzweigung in Ismajil trennt sich der Tulceaarm vom Chiliaarm, wonach der Chiliaarm noch 67 Prozent der Gesamtwassermenge der Donau über etwa 25 Mündungen zum Schwarzen Meer trägt. Mitgeführter Kies, Sand und Schlamm lagern sich zusammen mit organischen Resten in einem etwa 2.430 km² großen eigenen Delta ab. Zwei Fünftel dieser Fläche liegt auf ukrainischem Gebiet.Botond J. Kiss: Das Donaudelta. Menschen, Tiere, Landschaften (PDF; 10,6 MB), Kriterion Verlag, Bukarest 1988.
Der Sulinaarm läuft in gerader Linie von Westen nach Osten und führt nach der Abzweigung nur etwa 13 Prozent des gesamten Stromwassers, ist aber der für die Schifffahrt wichtigste Donauarm. Zwischen 1858 und 1902 wurde er reguliert und sein Strombett vertieft. Durch Begradigungen seiner ausgeprägten Krümmungen wurde der ursprünglich 84 km lange Wasserweg auf 62 km verkürzt. Bis heute finden regelmäßig Bagger- und Instandhaltungsarbeiten statt. Die Wassertiefe erreicht mindestens 23 Fuß = 7,32 Meter und ermöglicht so den Verkehr von Seeschifffahrt mittlerer Tonnage.
Etwa 20 Prozent der Wassermenge gelangt durch den 70 km langen Sfântu-Gheorghe-Arm ins Meer, der bis Murighiol die nördliche Grenze des Dobrudscha-Hochlands (rumänisch Podișul Dobrogei) bildet. Der Arm durchfließt den südlichsten und landschaftlich schönsten Teil des Donaudeltas. In seiner Umgebung sind Spuren menschlicher Eingriffe am wenigsten sichtbar. Dieses Gebiet ist schwach besiedelt; die Pflanzen- und Tierwelt ist jedoch reichhaltig.
Das Gebiet zwischen dem Chilia- und Sulinaarm trägt den Namen Letea; zwischen dem Sulina- und dem Sfântu-Gheorghe-Arm liegt das Gebiet Caraorman; zwischen dem Sfântu-Gheorghe-Arm und den Razim- und Dranov-Seen befindet sich der Bereich Dranov.
Das Netzwerk aus zahlreichen Seitenarmen, einiger kleinerer Flüsse, Kanälen und Seitenkanälen durchzieht die Ebene und bestimmt die Bewegung des Wassers durch und um das Delta. Diese Wasserwege erweitern sich vielfach zu Seen und bilden unter anderem den Razim-Sinoie-Lagunenkomplex.Thede Kahl, Michael Metzeltin, Mihai Răzvan Ungureanu: Rumänien. Teilband 2. Historische Regionen, LIT-Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-8258-0069-7.
Seen mini|Am Ufer des Jalpuhsees (2008) Die meisten Seen im Reservat sind Flusslimane, Meereslimane oder Brackwasserlagunen. Die langgezogenen und tiefen Jalpuch- und Kotlabuch-Seen sind Limane auf der ukrainischen Seite des Deltas.