mini|hochkant=1.5|Portalansicht des ehemaligen Jagdschlosses, heute Justizanstalt Schwarzau Das Schloss Schwarzau am Steinfeld ist ein ehemaliges Jagdschloss in Schwarzau am Steinfeld in Niederösterreich. In seinen Gebäuden ist heute die Justizanstalt Schwarzau untergebracht.
Geschichte Landesfürstlicher Besitz Der Herrschaftssitz Schwarzau war ursprünglich ein landesfürstliches bzw. kaiserliches Jagdschloss und wurde zu einem nicht mehr genau zu datierenden Zeitpunkt zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert der Adelsfamilie Wurmbrand-Stuppach geschenkt.
Wurmbrand-Stuppach Wilhelm Graf von Wurmbrand und Stuppach ließ 1567 die Grundform des heutigen Gebäudes errichten. Der Bau des heutigen Barockschlosses erfolgte ab 1697, an dem die Wurmbrand-Stuppach 1720/1730 vermutlich von Baumeister Christian Alexander Oedtl eine Neugestaltung vornehmen ließen.
Bourbon-Parma Am 27. August 1889 ging Schloss Schwarzau in den Besitz des früheren Herzogs Robert von Bourbon-Parma (1848–1907) über. Dieser veränderte das Schlossgelände in Schwarzau durch zahlreiche Um- und Zubauten.
Nach dem Tod Roberts von Bourbon-Parma im Jahre 1907 ließ sein Sohn Elias von Bourbon-Parma (1880–1959) vor einem österreichischen Gericht sechs seiner Geschwister aus der ersten Ehe seines Vaters für unmündig erklären, da sie geistig und körperlich behindert seien. Unterstützt wurde er durch seine Stiefmutter, Maria Antonia von Portugal (1862–1959). Elias von Bourbon-Parma wurde dadurch gesetzlicher Vormund seiner älteren Geschwister und Alleinerbe des Familienvermögens, zu dem auch das Schloss Schwarzau gehörte. Seine jüngeren Halbbrüder Sixtus und Franz Xaver verklagten ihn, um einen größeren Anteil am herzoglichen Vermögen zu erhalten. Ein französisches Gericht in Paris wies ihre Ansprüche jedoch zurück.
mini|Hochzeit Zitas von Bourbon-Parma mit Erzherzog Karl in Schloss Schwarzau 1911 Am 21. Oktober 1911 fand in der kleinen Kapelle des Schlosses die Vermählung des späteren Kaisers Karl von Österreich mit Prinzessin Zita von Bourbon-Parma statt, von der Filmaufnahmen erhalten sind. Eigens zu diesem Anlass war das Schloss umgebaut worden. So wurden die Salons renoviert und die Bänke in der Schlosskapelle durch Stühle ersetzt, um mehr Gästen eine Sitzgelegenheit bieten zu können. Damit das Paar Gratulationen entgegennehmen konnte, waren Telefonapparate im Schloss installiert worden, und im Schlosspark gab es ein eigenes Postamt, wo Hochzeitsgeschenke und Glückwunschtelegramme eingingen. Zelebrant war der Majordomus des Papstes, Monsignore Gaetano Bisleti, der nach der Zeremonie ein Grußwort von Papst Pius X. verlas und dessen Hochzeitsgeschenk überreichte, eine Kopie des Gemäldes Das Abendmahl von Leonardo da Vinci mit einem aufwändig gestalteten goldenen Rahmen.Eszter Gaálné Barcs, Beáta Vitos-Merza: Die letzte große Vermählung in dem Habsburger Reich. Otto von Habsburg Stiftung, abgerufen am 3. Juni 2026. Unter den Gästen befanden sich Kaiser Franz Joseph I., der einen filmisch dokumentierten Trinkspruch auf das Paar ausbrachte, sowie König Friedrich August III. von Sachsen und der Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este, die als Trauzeugen fungierten.Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand. Der verhinderte Herrscher, Österreichischer Bundesverlag, Wien 1893, ISBN 3-215-04828-0, S. 156. Bei der Seligsprechung Kaiser Karls 2004 wurde nicht sein Todestag, sondern – in Erinnerung an seine Heirat – der Hochzeitstag des Paares als kirchlicher Gedenktag für den Seligen festgelegt.
Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Schloss von den Besitzern zu einem Kurheim und Spital umgewidmet. Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs wurde Schloss Schwarzau von der russischen Besatzungsmacht okkupiert.
Am 24. November 1951 verkaufte Elias von Bourbon-Parma das Anwesen mit Gebäuden und Grundstück an die Republik Österreich, die es einer neuen Verwendung als Justizanstalt zuführte.
Republik Österreich Nach umfangreichen Umbauarbeiten wurde im Dezember 1957 die „Frauenstrafanstalt Schwarzau“ (heute „Justizanstalt Schwarzau“) in den Gebäuden des ehemaligen Schlosses in Betrieb genommen.
Weblinks
Die Kaiserhochzeit im Schloss Schwarzau am 21. Oktober 1911 (Website der Gemeinde Schwarzau)
Einzelnachweise
Kategorie:Schwarzau am Steinfeld