Huelva [] ist die Hauptstadt der Provinz Huelva im Südwesten Andalusiens mit Einwohnern (Stand: ). Die Stadt ist, im Gegensatz zu den anderen Küstenstädten Andalusiens, kaum touristisch geprägt. Größter Arbeitgeber ist das Chemie-Industrie-Gebiet im Osten der Stadt.

Namensherkunft

mini|Flagge der Stadt Huelva mini|hochkant|Römische Münze mit der Aufschrift „Onuba“ Die älteste Namensüberlieferung Onuba stammt von den Phöniziern und ist somit etwa 3000 Jahre alt. Der Hintergrund des Wortes ist wahrscheinlich die Verbindung von Onos Baal (Stärke Baals). Noch heute kann man daraus die spanische Bezeichnung Onubense für ‚Huelvaner‘ oder ‚aus Huelva stammend‘ ableiten. Die Griechen behielten den Namensstamm bei und glichen es zu Ὄνοβα an. Unter den Römern wurde Onoba Aesturia Teil der Provinz Baetica. Durch die Diphthongierung des anlautenden /o/ zu /we/ ⟨(h)ue⟩, den sporadischen Wandel von /n/ zu /l/ und Synkope des inlautenden /o/ wurde aus Onuba der heutige Name Huelva. Schon die Mauren kannten die Stadt unter diesem Namen, den sie gewöhnlich als Walbah wiedergaben. Andere Quellen sprechen von Gaelbah und Umba. Die Einwohner Huelvas werden als huelveños oder häufiger als onubenses bezeichnet.

Geographie und Natur mini|Lage der Stadt Huelva in Spanien mini|Stadtplan Huelva

Die Stadt liegt am vier Kilometer breiten Mündungstrichter des Odiel und des Río Tinto, die sich hier in den Atlantischen Ozean ergießen. Es herrscht ein besonders mildes Klima vor.

Zum Stadtgebiet gehört auch der 7000 ha große Naturpark Marismas del Odiel, mit den Schutzgebieten Reserva del Burro und Reserva de la Isla de Enmedio. Viele Vogelarten haben dort Nistplätze.

Klima

Im Oktober 2005 traf in der Nähe von Huelva mit Hurrikan Vince zum ersten Mal seit 1842Vaquero, J.M., R. García-Herrera, D. Wheeler, M. Chenoweth et al. (2008): An Historical Analogue of 2005 Hurricane Vince, in: Bulletin of the American Meteorological Society, 89, S. 191–201. Siehe auch Vaquero et al. (2008): Severe weather event in Iberia related to a Hurricane in 1842. EMS8/ECAC7 Abstracts, Vol. 5, EMS2008-A-00197 (PDF; 117 kB) ein Hurrikan auf die iberische Halbinsel. Da es sich jedoch um einen kleinen, schwächeren Hurrikan handelte, gab es keine Toten oder Verletzten.

Geschichte Archäologische Funde aus Huelva und Umgebung belegen, dass vermutlich bereits ab dem späten 10., zumindest aber seit dem frühen 9. Jahrhundert v. Chr. Handelskontakte mit den Phöniziern bestanden und es wird sogar vermutet, dass an diesem Ort Tartessos lag.Fernando González de Canales Cerisola: Del Occidente Mítico Griego a Tarsis-Tarteso – Fuentes escritas y documentación arqueológica. Madrid 2005, ISBN 978-84-9742-344-1. Aus der Zeit zwischen ca. 900 und 770 v. Chr. wurden bei Ausgrabungen ab 1998 in der Nähe der Plaza de las Monjas neben Gegenständen aus Silber, Kupfer, Eisen, Elfenbein und Stein auch viele Tausende Fragmente von Tongefäßen gefunden. Von Letzteren ist nur ein kleiner Teil – rund 8.000 – katalogisiert worden. Unter diesen waren über 3.000 Keramikfragmente phönizischer Art, aber auch 33 Exemplare griechisch-geometrischer Keramik kamen ans Licht. Daneben wurden noch vereinzelte Scherben aus Zypern und Sardinen gefunden. Zwar sind indigene Funde am häufigsten, aufgrund des hohen Anteils phönizischer Waren wird aber angenommen, dass Huelva ein sehr frühes phönizisches Emporion war.F. González de Canales, L. Serrano, J. Llompart: El Emporio Fenicio-Precolonial de Huelva, ca. 900–770 a.C. BABesch 81, 2006, S. 13–29. Unter den Karthagern und Römern, die mit dem Abbau von Erzvorkommen begannen, war es eine blühende Stadt. Unter den Westgoten und Arabern, von denen die Stadt 1257 durch Alfonso X, dem Weisen, zurückerobert wurde, kam die Stadt zum Stillstand.

Die Entwicklung der Stadt fand erst in der jüngsten Zeit statt; noch im Jahr 1880 zählte sie erst 13.000 Einwohner. Ihren Aufschwung verdankt sie den Mineralvorkommen am Rio Tinto (Minas de Riotinto) und in Minas de Tharsis (Kupfer, Eisen, Schwefel und Mangan).

Von Huelva aus stach Christoph Kolumbus in Richtung Amerika in See.

Es sind nur wenige historische Denkmäler erhalten geblieben, beispielsweise der römische Aquädukt, der noch heute die Stadt mit Wasser versorgt.

Das Erdbeben von Lissabon

Am 1. November 1755 um 10:00 Uhr ereignete sich ein schweres Erdbeben (Stärke 8,5 auf der Richterskala), mit dem Epizentrum nahe Lissabon. Das Beben dauerte ca. sechs Minuten und zerstörte große Teile der Iberischen Halbinsel. In Huelva starben acht Menschen und ein Großteil der Bebauung wurde zerstört, darunter auch das Kloster La Merced, die Kirche San Pedro, die Konzeptions-Kirche und die Burg. Insgesamt waren die Schäden dermaßen groß, dass man von einem Neuaufbau der Stadt sprechen kann.

Der britische Einfluss 1873–1954 Seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Stadt zu einer kleinen britischen Kolonie. Grund dafür war die Erlaubnis der spanischen Regierung im Jahre 1873, dass die Minen von Riotinto wirtschaftlich durch die Rio Tinto Company Limited erschlossen und genutzt werden dürfen. Dadurch ausgelöst begannen die Stadt und ihre Infrastruktur zu wachsen, und aus dem verschlafenen kleinen Dorf wurde eine moderne Industriestadt des 19. Jahrhunderts. mini|Verladekai Unter den Neubauten waren zum Beispiel Bahnanlagen mit dem noch heute existierenden Bahnhof und ein Verladekai im Hafenbecken (siehe Bild). Der Anschluss an das Bahnnetz ermöglichte die Ankunft von neuen Arbeitern (vor allem aus Andalusien, Extremadura und Galicien) und eine Expansion der Stadt. Die Stadtteile Las Colonias und El Matadero entstanden nahe der Sumpfgebiete (Marisma). Aufgrund der Entwicklung veränderte sich das Stadtbild erheblich. Zeugnisse dieser Zeit sind das Casa Colón (1880 erbaut) und das Barrio Reina Victoria (1914). Seit der Verstaatlichung der Bergbaugesellschaft (1954) und der Bergbaukrise der letzten Jahrzehnte ist heute diese Epoche in der Stadt und der Provinz Huelva großenteils Vergangenheit.

Die Briten brachten auch den Fußball mit nach Spanien, was 1889 zur Gründung des ersten Fußballvereins – Recreativo Huelva – in Spanien führte.

Politik und Verwaltung mini|Rathaus (Baujahr 1949) In der Stadt sind zwei Verwaltungen mit unterschiedlichen Niveaus an Kompetenzen und Zuständigkeiten angesiedelt: Die Provinzverwaltung der Provinz Huelva, mit ihrem Vorsitzenden Doña Petronila Guerrero (PSOE), zuständig für die Verwaltung und Organisation der Provinz-Angelegenheiten, sowie die Koordination der Gemeinden in der Provinz. Mit Sitz an der Avenida Martín Alonso Pinzón (Grand Vía) im Stadtzentrum (wird derzeit renoviert (Stand: Januar 2008)). Die Stadtverwaltung der Stadt Huelva, welche für die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten der Stadt zuständig ist. Vorsitzender ist der Bürgermeister, seit der Gemeindewahl 1995 Pedro Rodríguez González (PP). Aus der Gemeindewahl 2007 ergibt sich folgende Sitzverteilung im Rathaus der Stadt: Volkspartei PP: 15 Sitze. Spanische Sozialistische Arbeiterpartei PSOE: 10 Sitze. Vereinigte Linke IU: 2 Sitze.

Liste der Bürgermeister seit 1979 +Gabriel Cruz PSOE 2015 Aktuell Bürgermeister Partei Von Bis José Antonio Marín Rite PSOE 1979 1988 Juan Ceada PSOE 1988 1995 Pedro Rodríguez González PP 19952015 Gabriel Cruz Santana PSOE 2015

Demografie Huelva hat eine Einwohnerzahl von Personen (Stand ). Die Bevölkerungsentwicklung in der Vergangenheit zeigt vor allem eine starke Zunahme ab Zeitpunkt der Eröffnung der Minen im 19. Jahrhundert und dem Bau der Chemieanlagen in den 1960er-Jahren.

Im Jahre 1787 hatte die Stadt 5.377 Einwohner, 1857 8.519. Ende der 1880er Jahre begann dann der starke Bevölkerungsanstieg. 1887 erreichte man mit 18.195 eine Verdopplung in nur 30 Jahren. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts stieg die Zahl auf 21.359 Einwohner, vierzig Jahre später bereits 56.427. Im Jahr 1960 wurden 74.384 Personen registriert, zehn Jahre später, als die ersten Chemiefabriken errichtet worden waren, 96.689.Población de hecho según el Instituto Nacional de Estadística de España. Alteraciones de los municipios en los Censos de Población desde 1842, . Daten von 1787 stammen aus dem Census von Floridablanca, verfügbar unter Ein weiterer Anstieg der Bevölkerung folgte. 127.806 Einwohner im Jahr 1981 und 144.479 im Jahr 1991.

Bevölkerungsentwicklung Quelle: – grafische Aufarbeitung für Wikipedia

Wirtschaft mini|Der Hafen Die wirtschaftliche Aktivität der Stadt ist eng verbunden mit der Chemie-Industrie, der Fischerei und dem Dienstleistungssektor.

Primärsektor Die Fischereiprodukte der Stadt werden in ganz Spanien verkauft. Vorwiegend bringen die Fischerboote Gambas, Hummer und Langusten ans Land. Neben diesen Produkten höherer Qualität werden auch Dorade, Brasse, Thunfisch und Scholle gefischt. Die Region rund um Huelva ist Europas größter Produzent für Erdbeeren. Außerdem leben viele Bauern vom Anbau von Zitronen, Orangen und von der Viehzucht.

Sekundärsektor Die Chemieanlagen nahe der Stadt (genauer in Palos de la Frontera) sind unübersehbar. Abhängig von der Windrichtung kommt es häufig (aufgrund der Hauptwindrichtungen häufiger im Winter) zu Geruchsbelästigungen durch die Papierfabrik. Man sagt, die Krebsrate in Huelva sei die höchste in Spanien, einen Zusammenhang mit der Umweltverschmutzung konnte bisher jedoch nicht erwiesen werden. Östlich der Stadt gibt es große Felder mit Phosphor-Gips-Ablagerungen. Die Qualität des Trinkwassers wird je nach Quelle als schwermetallbelastet und hochgefährlich oder völlig in Ordnung angegeben. Die Betriebserlaubnis der Chemieanlagen sollen nach einem Beschluss der Politik in einigen Jahren nicht mehr verlängert werden. Doch selbst die Gewerkschaften laufen dagegen Sturm, da es sich um den größten Arbeitgeber der Region handelt.

Zu den Betreibern der Chemiefabriken gehören unter anderem Atlantic Copper, Air Liquide, Fertiberia und Fertinagro. Die ENCE Energía y Celulosa betreibt im Ort zwei große Biomassekraftwerke mit 50 MW und 40 MW Leistung., abgerufen am 5. Oktober 2018

Tertiärsektor Innerhalb des Dienstleistungssektors spielt der Tourismus traditionell eine für Andalusien ungewöhnlich untergeordnete Rolle in Huelva. In den letzten Jahren jedoch stiegen die Besucherzahlen kontinuierlich, nicht zuletzt da die Umweltverschmutzungen der Chemieindustrie seit dem Eintritt Spaniens in die EU stark zurückgegangen sind. Des Weiteren hat sich in Huelva eine Art „Industrietourismus“ etabliert. Der Umbau des Casa Colon zum Kongresszentrum, der Aufbau der Universität sowie das alljährlich stattfindende Filmfestival sind weitere Anziehungsgründe, vor allem für Geschäftsreisende. Des Weiteren setzte die Stadt seit einiger Zeit auf das neue Motto „Huelva, la capital del Atlántico“ (Huelva, die Hauptstadt des Atlantiks), um auf die Geschichte der Stadt, die eng mit dem Meer und der Entdeckung Amerikas verbunden ist, aufmerksam zu machen.

Infrastruktur Das Stadtbild Huelvas wirkt durch die breiten Straßen, die hohen Häuser und die großen Parkanlagen sehr modern.

Verkehr Schienenverkehr mini|Der alte Verladepier „Muelle de Riotinto“ Huelva besitzt einen Bahnhof, von dem aus der Zug Altaria einmal täglich die Hauptstadt Madrid bedient. Außerdem bestehen Regionalzugverbindungen nach Sevilla und nach Zafra, die jeweils dreimal täglich bedient werden. Eine Anbindung an das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz AVE ist geplant, scheitert aber daran, dass man dazu durch den Nationalpark Doñana bauen müsste. Früher gab es eine Bahnverbindung über Ayamonte nach Portugal (dort Linha do Algarve), welche aber stillgelegt und abgebaut ist.