Unterschleißheim ist eine Stadt und die bevölkerungsreichste Kommune im oberbayerischen Landkreis München.

Geographie Lage Sie befindet sich zirka 17 km nördlich von München, 2 km nördlich von Oberschleißheim und etwa 23 km südlich von Freising zwischen den Flüssen Isar und Amper.

Stadtgliederung Die Stadt hat drei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Lohhof (1929 als Tochtersiedlung gegründet) Riedmoos (Dorf) Unterschleißheim (Siedlung) Lohhof-Süd, das Inhauser Moos und Hollern westlich der B 13 sind keine amtlich benannten Gemeindeteile. (Gut Hollern 1, 2 und Gut Hollern Neuhof gehören nach wie vor zur Gemeinde Eching.)

Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Stadtgebiet: Landschaftsschutzgebiet LSG "Münchner Norden im Bereich der Gemeinden Garching bei München, Ober- und Unterschleißheim (LSG-00436.01) Landschaftsschutzgebiet LSG „Dachauer Moos im Gebiet der Gemeinden Ober- und Unterschleißheim“ (LSG-00328.01)

Geschichte mini|Unterschleißheim, Alte Kirche St. Ulrich Bis zum 18. Jahrhundert Erste Funde, die auf eine dauerhafte Besiedlung hindeuten, stammen aus dem Zeitraum 1400–1250 vor Christus. Im Rahmen der ersten Ausbaustufe römischer Siedlungen in den Provinzen, im 1. Jahrhundert n. Chr., entsteht im heutigen Unterschleißheimer Stadtteil Hollern planmäßig ein landwirtschaftliches Gut, eine so genannte villa rustica. Die Schalungen für den Brunnen bestehen aus Bäumen, gefällt 63 n. Chr.

Das heutige Unterschleißheim – wie auch Oberschleißheim – entwickelte sich rund um das dazwischen liegende, heutige Mittenheim. Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte um 785 n. Chr. in der „Traditio Rihpaldi“ (Schenkungsurkunde des Rihpald), der Schenkung von Sliuuesheim und Teitinhusir (Deutenhausen b. Eching) durch Rihpald.Theodor Bitterauf: Die Traditionen des Hochstifts Freising. München: Beck 1905, S. 94f. Nr. 69. Im Raum des heutigen Unterschleißheim-Mittenheim-Oberschleißheim, im Vorland des Dachauer Mooses, bestanden zu dieser Zeit wohl mehrere Einzelgehöfte, darunter auch, so die gängige Annahme der Heimatforschung, die Hofstätte des Germanen Sliu, nach dem die Streusiedlung benannt sein könnte.

Bereits im 12. Jahrhundert entwickelte sich die Weilersiedlung „Schleyßaim“ zu einem Dorf. Die Mallertshofener Kirche wurde 1165 erstmals erwähnt. Im selben Jahrhundert wurde auch erstmals der spätere Ortsteil Lohhof als „Lochoven“ – Hof im Lohwald – erwähnt: Graf Ekkard von Scheyern schenkte dem Kloster Scheyern 1183 unter Zeugenschaft von Otto I., Herzog von Bayern den Hof Slivesheim.

1260 wurde dem Kloster Weihenstephan durch eine Bulle des Papstes Alexander IV. eine Pfarrei bestätigt, zu der auch die Kirchen Mallertshofen und Unterschleißheim gehörten.

1485 wurde Nydernsleisheim zum Sitz einer Hauptmannschaft und kurz darauf in den Verwaltungsakten von „Nydernsleisheim“ in „Grossenschleißheim“ umbenannt. Bereits 1510 wurde dem Alten Wirt von Unterschleißheim das Zapfrecht erstmals bestätigt und 1518 stiftete das Kloster Weihenstephan zusammen mit dem Amtmann Krautwadl aus Feldmoching die Einrichtung für eine Seelsorgstadt an der Kirche St. Ulrich.

Große Eingriffe in das lokale Ökosystem und das Leben der Bewohner begannen, als die Landesherren mit Herzog Wilhelm V. (der Fromme) auf dem Gebiet des heutigen Oberschleißheim eine Schwaige erwarben und diese zu einem Neben- bzw. Jagdsitz ausbauten. Von 1616 bis 1623 ließ Wilhelms Sohn, Herzog Maximilian I., das Alte Schloss errichten. Von 1701 bis 1726 wurde im Auftrag von Kurfürst Max Emanuel das Neue Schloss gebaut, ebenso das Schloss Lustheim. Im Bereich Unterschleißheim, damals „Großenschleißheim“ genannt, lebten um 1750 auf 25 Hofstellen 394 Menschen.

19. und 20. Jahrhundert mini|Das 1858 erbaute zweistöckige Aufnahmegebäude am Bahnhof Lohhof, mit Abtrittshäuschen links und Güterschuppen im südlichen Teil. Unterschleißheim wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbständige politische Gemeinde, die zunächst von einem Gemeindevorsteher, ab 1869 von einem Bürgermeister geführt wurde. 1831 wurde der Ort als „Kirchdorf mit 34 Häusern und 200 Einwohnern dazu der Weiler Lohhof“ beschrieben. Die Bayerischen Ostbahnen errichteten in den Jahren 1856–1858 eine einspurige Eisenbahnstrecke von München nach Landshut. Der in Lohhof errichtete Bahnhof erhielt ein „zweistöckiges Aufnahmegebäude massiv in Stein, auf einer Grundfläche von 960 Fuß“. „Außerdem einen Güterschuppen gleichfalls massiv in Stein gebaut und ein Abtrittsgebäudchen von Holz“.Geschäfts-Bericht der Direktion der Bayerischen Ostbahnen seit Beginn des Unternehmens bis zum Schlusse des Etatsjahres 1859/60; Seite 63–64; Abschnitt "Lohhof" Am 28. Juni 1858 wurde Lohhof erstmals von Mitgliedern des Verwaltungsrates der Ostbahnen auf der ersten vollendeten Strecke von München nach Freising auf einer Probefahrt durchfahren.Augsburger Tageblatt, 2. Juli 1858; S. 2357 – Artikel Vermischte Nachrichten "München, 30. Juni 1858" Onlineausgabe der Originalzeitung von 1858 Erst nach Vollendung des Streckenabschnittes von Freising nach Landshut konnte am 3. November 1858 um sieben Uhr morgens Fahrtbeginn die neu gebaute Gleisstrecke offiziell für den „Personen- und Reisegepäckverkehr“Augsburger Tageblatt, 5. November 1858; Artikel Vermischte Nachrichten "München, 3. November" und am 15. November 1858 auch für den Güterverkehr eröffnet werden.Augsburger Tageblatt, 19. Oktober 1858; Artikel Vermischte Nachrichten "München, 17. Oktober" Später wurde die Strecke von Feldmoching bis Lohhof zweispurig ausgebaut und am 3. November 1891 eröffnet. Die Elektrifizierung der Strecke von München über Lohhof bis Freising begann am 28. September 1925. Lohhof wurde somit zum Bahnhof dritter Klasse mit unbeschränktem Güterverkehr. Anfang des 20. Jahrhunderts war das Dorf noch ländlich-bäuerlich geprägt. 1929 entstand auf Grundstücken des „Lochmannhofes“ offiziell das Siedlungsgebiet Lohhof als neuer Ortsteil.

Nationalsozialismus Von 1933 bis 1939 vermehrte sich die Bevölkerung sprunghaft von 753 auf 1737 Einwohner, vor allem durch den Zuzug nach Lohhof, bedingt durch die Förderung des Eigenheimbaus während der NS-Zeit.

Flachsröste Lohhof 1937 entstand in Lohhof nahe dem Bahnhof ein Zwangsarbeitslager zur Flachsgewinnung für die Textilindustrie, genannt „Flachsröste“, in der insgesamt etwa 300 deutsche, französische und polnische Frauen jüdischen Glaubens zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Die Flachsröste gehörte damit zu den größten Münchner Arbeitgebern, die jüdische Zwangsarbeitskräfte beschäftigten. In der Lagerbaracke waren bis zu 90 der jüdischen Frauen interniert. Die übrigen Juden aus München mussten täglich den langen Weg nach Lohhof auf sich nehmen. Während des Zweiten Weltkrieges galt die Flachsröste Lohhof als kriegswichtiger Betrieb und wurde bei der Zuteilung von Arbeitskräften bevorzugt behandelt. Im Jahr 1942 mussten dort laut Vorgaben des Reichswirtschaftsamtes mindestens 800 Tonnen Fertigfaser hergestellt werden. Im November 1941 wurden 64 und Ende März 1942 weitere 43 jüdische Arbeitskräfte deportiert. Im Oktober 1942 wurde das „jüdische Arbeitskommando Lohhof“ aufgelöst. Bei Kriegsende wurde die Flachsröste durch amerikanische Truppen während der Befreiung Münchens zerstört, weil sich in den Gebäuden eine SS-Division verschanzt hatte und erbitterten Widerstand leistete. Dabei verbrannten sämtliche Firmenunterlagen sowie die Personalkartei. Durch aufwendige Recherchen konnten die Namen eines großen Teils der Zwangsarbeiter rekonstruiert werden.

Die Stadt Unterschleißheim hat am 21. September 2023 den Erinnerungsort NS-Zwangsarbeitslager Flachsröste Lohhof zum Gedenken an die internierten Zwangsarbeiterinnen eingeweiht.Süddeutsche Zeitung, 21. September 2023; Artikel "Ein Mahnmal von besonderer Aktualität"

Nachkriegszeit Eine weitere starke Siedlungstätigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem im Ortsteil Lohhof, machte eine größere Kirche erforderlich, die an der Bezirksstraße gebaut wurde und das Patrozinium des Bistumspatrons St. Korbinian erhielt. Am 28. Oktober 1951 wurde sie durch Weihbischof Johannes Neuhäusler geweiht. Mit dem Bau des Pfarrhauses neben der Kirche konnte Unterschleißheim-Lohhof 1958 zur Pfarrei erhoben werden; erster Pfarrer wurde Hochw. H. Josef Sauer. Wegen der weiter anhaltenden Bautätigkeit wurde ein Teil des Pfarreigebietes 1975 als Kuratie abgetrennt und bildet seit 1986 mit der Weihe der neu gebauten Ulrichskirche die neue Pfarrei St. Ulrich. Da die Zahl der evangelischen Christen ebenfalls rapide zunahm, darunter auch viele Siebenbürger Sachsen, wurde mit dem Bau der Genezareth-Kirche begonnen. Sie wurde am 3. Dezember 1962 eingeweiht.

Im Zuge des Aufstiegs des Großraums München zur wirtschaftlichen Spitzenregion zu Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte das ursprüngliche Dorf Unterschleißheim einen rasanten Anstieg der Einwohnerzahl. Infolgedessen stiegen die Grundstückspreise in dieser Zeit extrem, was einigen dort ansässigen Bauern und Feldbesitzern teilweise erheblichen Reichtum durch Besitzverkäufe einbrachte. Mit Zustimmung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern erhielt Unterschleißheim am 10. August 1965 das heutige Ortswappen.Gemeinde Unterschleißheim (Hg.): „1200 Jahre Unterschleißheim 785-1985. Eine Ortschronik“, Verlag F. Bruckmann KG, München 1985, S. 19ffhttp://www.unterschleissheim.de/index.html?xml=/kultur/ortschronik.xml

Ab dem Jahr 1969 wurde auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Hans Bayer (SPD) unter anderem der Bau einer weiteren, 14-klassigen Volksschule, der Ausbau der Straßen und Straßenbeleuchtung, aber vor allem der Bau des Sport- und Erholungsparks mit Stadion und Hallenbad mit einem Investitionsvolumen von 26,9 Millionen DM in Angriff genommen. In dem Stadion, das heute den Namen dieses Bürgermeisters führt, trägt der Fußballbezirksoberligist SV Lohhof seine Heimspiele aus.Gemeinde Unterschleißheim: „1200 Jahre Unterschleißheim – Eine Ortschronik“, Verlag F. Bruckmann KG, München 1985, S. 82–83

Im Jahr 1973 wurde Le Crès (Département Hérault) die erste Partnergemeinde. Im Jahr zuvor wurde wegen des zu erwartenden stark zunehmenden Zug- und S-Bahnverkehrs eine Brücke fertiggestellt und am 25. Mai 1972 dem Verkehr übergeben. Sie verbindet seitdem die Ortsteile Lohhof und Unterschleißheim miteinander im Süden und erhielt den Namen der französischen Partnerstadt. Zu erwähnen sei noch der Beginn des Baus des Wasserwerks in 1974. Wegen dieser Projekte verschuldete sich die Gemeinde mit 13,2 Millionen DM hoch. Diese Summe konnte jedoch wegen stark gestiegener Steuereinnahmen, teils durch den rasanten Bevölkerungszuwachs, teils durch die vermehrte Ansiedlung von Unternehmen bedingt, zügig abgebaut werden. Mit Inbetriebnahme der S-Bahn-Station Unterschleißheim am 17. Dezember 1977 erhielt die Kommune einen zweiten Bahnhof.Gemeinde Unterschleißheim: „1200 Jahre Unterschleißheim – Eine Ortschronik“, Verlag F. Bruckmann KG, München 1985, S. 84–85 und 150

In den Jahren 1979 bis 1983 entstand im Gemeindeteil Riedmoos der heute stark frequentierte „Unterschleißheimer See“ als Baggersee im Zuge des Kiesabbaus für den Autobahnbau von München nach Deggendorf.Forum Unterschleißheim (Hrsg.), Autoren Wolfgang Christoph u. a.: „Stadtbuch Unterschleißheim“, 2012, S. 589ff. Im Jahr 1990 wurde die Partnerschaftsbeziehung zur thüringischen Stadt Lucka aufgenommen. Die Stadterhebung erfolgte am 16. Dezember 2000.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands Unterschleißheim ist heute die größte Ortschaft im Landkreis München und eine von zwei Städten im Landkreis.

Am 22. Juli 1999 beschloss der damalige Gemeinderat unter Vorsitz des Bürgermeisters Rolf Zeitler basierend auf den Ergebnissen einer Machbarkeitsstudie die Realisierung eines Geothermieprojekts für den Ort. Es war das erste dieser Art im Landkreis und somit ein Pioniervorhaben.

21. Jahrhundert mini|Unterschleißheim, Rolf-Zeitler-Park