Ziethen ist eine Gemeinde am nordöstlichen Rand des Landkreises Barnim, an der Grenze zur Uckermark. Sie wird vom Amt Joachimsthal (Schorfheide) verwaltet.
Gemeindegliederung Ziethen besteht aus den Ortsteilen Groß-Ziethen und Klein Ziethen sowie den Wohnplätzen Albrechtshöhe, Försterei Groß-Ziethen, Luisenfelde, Sperlingsherberge und Töpferberge.
Geschichte Groß-Ziethen und Klein Ziethen gehörten seit 1817 zum Kreis Angermünde in der Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Eberswalde im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1993 liegen beide Orte im brandenburgischen Landkreis Barnim.
Die Gemeinde Ziethen wurde am 1. Februar 2002 aus den benachbarten Dörfern Groß-Ziethen und Klein Ziethen gebildet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
In Groß Ziethen und Klein Ziethen fanden französische Glaubensflüchtlinge, sogenannte Refugiés oder Hugenotten, eine neue Heimat in Brandenburg. 1686 wurden die ersten 16 Flüchtlingsfamilien (aus dem Hennegau im heutigen Belgien) in Klein Ziethen angesiedelt. Der Ort muss zu damaliger Zeit bereits existiert haben, war jedoch weitgehend verödet. In beiden Dörfern entstanden nach und nach Kolonistengemeinden mit je einer Kirche und einem Prediger, Schule und Lehrer.
Die Zugewanderten brachten aus Frankreich feine Obst- und Gemüsesorten mit und führten in der Uckermark den Tabakanbau ein. Vor allem letzterer war ein wesentlich einträglicheres Geschäft als der Getreideanbau der einheimischen Bevölkerung. Ihr dadurch möglicher wirtschaftlicher Aufstieg und ihre Privilegien wurden von den Einheimischen mit großem Misstrauen betrachtet. Die Amtmänner der umgebenden Gemeinden versuchten, die Privilegien der Hugenottenfamilien zu beschneiden. Dagegen konnten sich die Ziethener jedoch erfolgreich wehren.
Die Kirchengemeinden von Groß-Ziethen und Klein Ziethen gehören bis heute zum Französisch-reformierten Kirchenkreis der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Groß-Ziethen Klein Ziethen Jahr Ziethen1875 623 439 2002 4911910 687 365 2005 4831939 565 362 2010 4591946 711 517 2015 4491950 699 493 2020 4461971 466 341 2021 4561990 283 210 2022 4571995 271 222 2023 4522000 278 211 2024 4362001 283 202 2025 433 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember). Ab 2011 auf Basis des Zensus 2011. Ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Ziethen besteht aus sieben Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:
Wählergruppe Sitze 2019Sitze 2024 Stimmenanteil 2024Wählergemeinschaft Klein-Ziethen—223,9 % Einzelbewerber Matthias Stein 11 22,3 % Einzelbewerber Hans-Jürgen Wölk 11 19,6 %Einzelbewerber Reiner Gust—118,3 %Einzelbewerberin Nadine Wüstner—18,1 % Einzelbewerberin Dagmar Rouvel 11 7,8 % Einzelbewerberin Kerstin Paal 1— — Wählergruppe Feuerwehr Groß Ziethen 1— — Einzelbewerber Peter Kranz 1— —
Bürgermeister seit 2003: Michael DupontKommunalwahlen 26. Oktober 2003. Bürgermeisterwahlen, S. 22
Dupont wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidat mit 70,5 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf JahrenBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1) gewählt. Er wurde in der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 ohne Gegenkandidat mit 71,4 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9.6.2024
Sehenswürdigkeiten In der Liste der Baudenkmale in Ziethen und in der Liste der Bodendenkmale in Ziethen stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburgs eingetragenen Kulturdenkmale.
In Groß-Ziethen befindet sich das Besucher- und Informationszentrum Geopark und in der Nähe das Naturschutzgebiet Grumsiner Forst/Redernswalde. Es ist Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Buchenurwälder und Alte Buchenwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas. Die Dorfkirche Groß-Ziethen ist eine Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert. Im Innern steht unter anderem ein spätklassizistischer Kanzelaltar Die Dorfkirche Klein Ziethen ist eine verputzte Saalkirche, die im 13. Jahrhundert aus Baumaterial entstand und 1880 um einen quadratischen Westturm aus Backstein ergänzt wurde. Im Innenraum steht unter anderem eine polygonale Kanzel aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Verkehr Ziethen liegt an der Bundesstraße 198. Westlich erreicht man auf ihr in 6 bis 9 Kilometer Entfernung die Anschlussstelle Joachimsthal an der Autobahn A 11 Berlin–Stettin, östlich in etwa gleicher Entfernung die Stadt Angermünde.
In Angermünde befindet sich der nächstgelegene Bahnhof mit Verbindungen nach Berlin und Stettin, Stralsund und Schwedt.
Literatur Wilhelm Benoit: Geschichte der Familie Benoit von 1621 bis 1909. Karlsruhe 1909. (Kap. 9: Die französischen Kolonien in Groß-Ziethen und Klein-Ziethen [S. 98–134]).
Weblinks
Gemeinde Ziethen Historisches Lexikon Brandenburgs
Einzelnachweise
Kategorie:Gemeindegründung 2002