miniatur|Der Heilige Rupert In der Antoniuskirche in St. Ulrich in Gröden signiert Johann Vinazer 1684 Die Bildhauerei in Gröden hat eine lange Tradition. Schon im 17. Jahrhundert entstanden in Gröden die ersten Bildhauerdynastien, darunter die Familie Trebinger. Der Stammvater Christian Trebinger wurde in Brixen ausgebildet.

Geschichte Ermöglicht wurde der Aufschwung der Holzschnitzerei im Gröden durch große Bestände an Arven. Noch im 16. Jahrhundert gab es im damals sehr dünn besiedelten und schwer zugänglichen Tal große Arvenwälder, deren Holz vor allem für die Bildhauerei genutzt wurde. Denn die meisten Grödner Statuen und auch kleinere Holzfiguren wurden aus diesem Holz geschnitzt.

Im Jahr 1700 gab es bereits über 50 Holzbildhauer, in der Mitte des 18. Jahrhunderts schon über 300. Bereits in dieser Zeit wurde die Grödener Holzschnitzkunst in ganz Europa, vor allem in den romanischen, katholisch gebliebenen Ländern, durch Wanderhandel vertrieben.Gunther Langes: Ladinien (= Südtiroler Landeskunde. Band 6). Bozen 1985, S. 30–34.

Zur bedeutendsten Künstlerdynastie zählt die Familie Vinazer, deren Mitglieder besonders als Medailleure in Böhmen und Wien und als Bildschnitzer in Toledo wirkten. Martin Vinazer war acht Jahre lang in Venedig und Rom zur Ausbildung.

Der Grödner Marcion Malsiner war in Venedig zwischen 1691 und 1714 als Bildhauer mit eigener Werkstatt als Marchiò Molziner tätig.

Franz Runggaldier-Nevaves schuf das barocke Kruzifix und die Darstellung des Leichnams Christi in der Pfarrkirche St. Ulrich in Gröden.

Die „Fronc“ genannten Künstler stammten wahrscheinlich aus der Werkstatt von Franz Grünewald-Nudrei in St. Ulrich, geboren 1667. Franz Grünewald besuchte sechs Jahre die Akademie in Wien. Er hinterließ mehrere Bildhauerwerke, darunter Kruzifixe, die noch in einigen Privathäusern Grödens vorhanden sind.Franz Moroder: Das Grödner Tal. 2. Auflage. Hrsg. von der Section Gröden des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. St. Ulrich in Gröden 1914, S. 157.

Der besonders in Frankreich bekannte und in Überwasser-St. Ulrich geborene Johann Dominik Mahlknecht ließ eine Madonna und vier EvangelistenEvangelists by J.D. Mahlknecht auf Wikimedia Commons in Gips für die Pfarrkirche in St. Ulrich in Gröden als Kopien seiner Werke anfertigen. An einem Brunnen auf dem Kirchplatz in St. Ulrich wurde eine Kopie in Bronze von Mahlknechts Terpsichore im Ferdinandeum in Innsbruck aufgestellt (Abbildung).

Ein weiterer Bildschnitzer, der ein hohes künstlerisches Niveau erreichte, war der akademische Bildhauer Peter Nocker-Sabedin; von ihm sind im Museum Gherdëina eine Statuette, einen Bischof darstellend, und in der Pfarrkirche St. Christina ein Letztes Abendmahl ausgestellt.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entwickelte sich, auch dank vieler Verlegerfirmen und zahlreicher Werkstätten, die Herstellung von Kircheneinrichtungen, die in die ganze Welt exportiert wurden. Außer den Bildhauern waren in Gröden auch zahlreiche Fassmaler, Vergolder und Grundierer in vielen Werkstätten tätig. Eine der größten Malerwerkstätte war jene des Gadertalers Alois Kostner in St. Ulrich und die des Christian Delago.

Viele Grödner Holzschnitzer oder Holzschnitzerfamilien spezialisierten sich auf besondere Objekte wie z. B. Christusfiguren; daher rührt auch die Bezeichnung Herrgottschnitzer. Zu ihnen zählt auch Maria Senoner Fill.Malia Obletter (Malia de Cudan): La scultëura de crisc. Calënder de Gherdëina 2002, Union di Ladins de Gherdëina, St. Ulrich 2001, S. 127 (Ladinisch).

In St. Ulrich waren viele Zeichner mit akademischer Ausbildung tätig, die die Projekte für die in Gröden erzeugten Holzaltäre erstellten.Vinzenz Mussner: Dessëniadëures tl artejanat de Gherdëina (Zeichner im Grödner Kunsthandwerk). Calënder de Gherdëina, Urtijëi, 1983 (PDF; 5,1 MB; ladinisch).

Eine weitere Grödner Bildhauerdynastie ging besonders in St. Ulrich aus der Familie Moroder hervor.

In der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils ging die Nachfrage nach sakraler Kunst stark zurück.

Der Künstlerverband UNIKA bemüht sich seit 1994, die Holzschnitzkunst in Gröden aufrechtzuerhalten.

Kunstschulen mini|150px| Aufnahme aus der Fachschule von 1932 Zahlreiche Grödner besuchten schon im 19. Jahrhundert die Akademien in München und Wien.

Jakob Sotriffer-Plajes besuchte die Akademie in Wien und war dann im Kunstunterricht in St. Ulrich in der ersten, 1825 im Haus „Steifl“ entstandenen Zeichenschule tätig.

Der akademische Bildhauer Ferdinand Demetz-Furdenan, Großvater von Luis Trenker, errichtete in St. Ulrich eine größere Werkstatt, die von der Regierung in Wien auch als Kunstschule anerkannt wurde.Georg Demetz: , S. 5.

In den Grödner Werkstätten wurden auch viele Bildhauer meist aus den ladinischen Tälern, aber auch aus den verschiedenen Talschaften Tirols wie Josef Bachlechner aus Bruneck, Valentin Gallmetzer aus Obereggen und Josef Schieder aus Klausen ausgebildet.

Gröden und die Akademie der Bildenden Künste München Zahlreiche Künstler aus Gröden bzw. Südtirol haben im 19. und frühen 20. Jahrhundert an der Akademie der Bildenden Künste München studiert.Matrikelbuch der Akademie der Bildenden Künste München.

Diese relativ hohe Anzahl akademischer Künstler aus einem Bergtal ermöglichte den qualitativen Aufschwung des Grödner Holzkunstgewerbes am Ende des 19. Jahrhunderts.

Der gemeinsame Bezugspunkt der Münchner Akademie ermöglicht einen Einblick und eine genauere Untersuchung der bis heute wenig erforschten Geschichte und Stilentwicklung der Grödner Holzschnitzerei.

In der folgenden Liste sind jeweils das Eintrittsdatum, der Herkunftsort, der Stand der Eltern, das Alter, das Fach und die Matrikelnummer angegeben:

Johann Burgauner, Eintritt: 4. April 1845 aus Kastelreuth, Vater Bäckermeister, 30 Jahre, Fach Malerei, erhielt am 15. November 1845 die Matrikel-Nr. 330 Joseph Anton Mahlknecht, Eintritt: 16. November 1850 aus Überwasser-St. Ulrich, wohnhaft zu Gröden in Tyrol, k.k. Landgerichts Castelruth, Vater Gutsbesitzer, 23 Jahre, Fach bei Einschreibung: Malerei Franz Prinoth, Eintritt: 19. November 1850, Matrikel-Nr. 851 Vincenz Runggaldier, Eintritt: 18. Mai 1861 aus Svöden, Vater Handelsmann, 23 Jahre, Antikenklasse, Matrikel-Nr. 1774 Franz Demetz, Eintritt: 30. Oktober 1862, 26 Jahre, Bildhauerklasse, Matrikel-Nr. 1880 Ferdinand Demetz, Eintritt: 16. Dezember 1866, Vater Bildhauer, 24 Jahre, Bildhauerschule, Matrikel-Nr. 2295 Johann Moroder, Eintritt: 4. November 1870, 26 Jahre, Vater Gutsbesitzer, Matrikel-Nr. 2613 Leopold Moroder, Eintritt: 3. März 1876, Vater Gutsbesitzer, 25 Jahre, Matrikel-Nr. 03263 Emil Terschak, Eintritt: 24. April 1876, Vater Componist, 18 Jahre, Antikenklasse, Matrikel-Nr. 3272 Josef Moroder-Lusenberg, Eintritt: 21. Juni 1876, Vater Gutsbesitzer, 30 Jahre, Matrikel-Nr. 3303 Franz Insam, Eintritt: 23. Oktober 1878 aus Skt. Christina in Tyrol, Vater Holzschnitzer, 25 Jahre, Bildhauerschule, Hans Perathoner, Eintritt: 18. Oktober 1897, 24 Jahre, Bildhauerschule v. Ruemann, Matrikel-Nr. 1742 Valentin Gallmetzer (* 1870; † 1958) Robert Vittur, Eintritt: 30. Oktober 1907 aus St. Ulrich, Vater Kirchen-Dekorateur, 19 Jahre, Matrikel-Nr. 3392 Guido Balsamo Stella, Eintritt: 18. Oktober 1909 aus Turin, Vater Kaufmann, 27 Jahre, Malschule v. Habermann, Matrikel-Nr. 3751 Wilhelm Obletter, Eintritt: 3. Mai 1912 aus München, 21 Jahre, Zeichenschule B. Gundahl, Matrikel-Nr. 5069

Werke miniatur|Kruzifix, Franz Grünwald-Nudrei zugeschrieben Werke der Grödner Bildhauerei können unter anderem im Museum Gherdëina, in der Pfarrkirche von St. Ulrich, in der Pfarrkirche von St. Christina und im Friedhof St. UlrichFriedhof St. Ulrich in Gröden auf Wikimedia Commons besichtigt werden.

Kurzbiografien von Grödner Bildhauern (Auswahl) miniatur|Viktor Moroder, Faschistische Madonna, 1940 Sepl Mahlknecht-Rainèl (* 1864 † 1944), Schüler von August Runggaldier-Furdenan Vigil Dorigo (* 1866 in Corte-Buchenstein † 1958 in St. Ulrich), Schüler von Ferdinand Demetz – von ihm stammt der Schutzengel in der Pfarrkirche St. Ulrich – sein Schüler der Neffe Virgilio Prugger. Giacobe Mussner-Scizer (* 1866 in Wolkenstein; † 1932 in St Ulrich), Schüler von Johann Dominik Demetz-Furdenan und des Josef Moroder-Lusenberg in der Kunstschule St. Ulrich. Er schuf die Andreas-Hofer-Statue im Sandwirt in St. Leonhard in Passeier. Mitbegründer der Kunstausstellung St. Ulrich. Michl Gaslitter (* 1870 in Seis am Schlern † 1932 in St. Ulrich), Mitarbeiter der Firma „Gebrüder Moroder“ in Offenburg. Levisc Antone Insam-Tavela (* 1870 in St. Christina; † 1932 in St. Ulrich), Schüler von Alois Kostner-Stlujuc und Johann Baptist Moroder. Seine Schüler waren die Söhne Luis Insam-Tavella und Rudolf und viele andere. Eine Krippe von Levisc Antone Insam ist im Museum Gherdëina ausgestellt. Batista Moroder-Jumbierch Josef Kostner-Stlujuc (* 1870 † 1958) seine Schüler waren die Söhne Sepl Batista und Ludwig. Das Denkmal am Grab des Josef Runggaldier-Passua in St. Ulrich ist von ihm. Josef Höglinger (* 1871 in Putzleinsdorf † 1933 in St. Ulrich), Zeichner und Verzierungsbildhauer, Lehre in Ottensheim und Amberg Österreich und bei David Knottner (* 1857 † 1934). Er entwarf auch Altäre. Filip Noflaner (* 1871 in Villnöss † 1955 in St. Ulrich), Schüler von Ferdinand Demetz, unterrichtete seinen Sohn Franzl und viele Andere. Heinrich Kostner (da Stlujuc) (* 1872 † 1958), erlernte die Bildhauerei beim Vater Batista und unterrichtete die eigenen Kinder Heinrich, Hermann, Friedl, Emmerich und Oliva. Iocl Crepaz-Maidl Ludwig Moroder-Meune Marchiò Molziner Anselmo Obletter-Lip (* 1879 † 1950), Schüler von Sepl Obletter-Juaut und Franz Tavella. Sein Sohn Arnold war auch sein Schüler. Albino Pitscheider-Menza (* 1877 in St. Ulrich; † 1962 in Wolkenstein). Tone Pitscheider-Menza (* 1879 † 1953), Schüler des Ferdinand Demetz, tätig in der Werkstatt des Sepl Ruggaldier-Paussua, wo er die Heilige Anna in der Pfarrkirche St. Ulrich schnitzte. Friedrich Moroder-Rico (* 1880 † 1937), Schüler des Vaters Josef Moroder-Lusenberg und des Bruders Batista. Seine Schüler waren die Söhne Bruno und Viktor. Giuani Piazza-Cudan (* 1880 in St. Ulrich; † 1948 ebenda), Schüler von Josef Moroder Lusenberg, auf die Ästhetik seines Handwerkes sehr bedacht. In seiner Werkstatt lernten unter anderem auch die Söhne David und Luis. Sepl Pitscheider-Menza (* 1880 in St. Ulrich; † 1952 ebenda), Schüler von Ferdinand Demetz. Sein Schüler war der Sohn Hubert. Gustl Runggaldier-Furdenan (August Runggaldier, * 1880 † 1940) Mitbegründer des Künstlerbundes Gröden 1920. 1922 bis 1933 Leiter der Kunstschule in Pinerolo (Piemont). Vijo Canins (* 1868 in Pedraces † 1946 St. Ulrich), war Schüler von Franz Tavella und arbeitete als Meister in der Werkstatt der Verlegerei Ferdinand Stuflesser-Petlin mit seinem Sohn Bernard (1895–1966), Schüler von Filip Noflaner. Siegfried Demetz-Feur (* 1868 in St. Ulrich; † 1946 St. Ulrich), Giuani Enrich (* 1881 Buchenstein-La Pli † 1970 St. Ulrich), arbeitete in der Werkstatt von Johann Baptist Moroder, wo er auch als Meister galt. Von ihm stammt ein Relief mit der Darstellung von Christoph Kolumbus. Valentino Sommavilla (* 1868 in Moena † 1946 in St. Ulrich) Schüler von Ferdinand Demetz, in dessen Werkstatt er als Geselle arbeitete. Schüler von ihm waren sein Sohn Zenz und andere. Paul Pescosta (Schüler des Anton Runggaldier Passua (1856–1928)) arbeitete auch mit Franz Tavella und war Meister in der Werkstatt des Pepi Stuflesser Petlin. Jakob Adlhart d. Ä. (* 1871 in Achdorf; † 1956 in Hallein) führte eine Werkstatt in St. Ulrich, wo sein Sohn Jakob Adlhart die Volksschule bis 1908 besuchteAdolf Hahnl: Der Bildhauer Jakob Adlhart. Mit einer Autobiographie des Künstlers. Otto Müller Verlag, Salzburg 1980, S. 13..