Peter Wolfgang Heise (* 8. Oktober 1925 in Berlin; † 10. April 1987 in Ost-Berlin) war ein deutscher Philosoph, der an der Humboldt-Universität zu Berlin lehrte und zu den wichtigsten Philosophen der DDR zählte.

Leben Die Familie von Wolfgang Heise wurde in der NS-Zeit verfolgt. Seine Mutter Edith geb. Hirschhorn (1899–1978) musste wegen ihrer jüdischen Abstammung Zwangsarbeit leisten, und sein Vater Wilhelm Heise erhielt wegen seiner Ehefrau Berufsverbot. Nach 1945 wurde Heise Mitglied der KPD, die 1946 mit der SED zwangsvereinigt wurde. 1946 war sein Vater als Dekan der Pädagogischen Fakultät der Berliner Universität tätig, als Heise dort ein Philosophie-Studium begann, das er 1952 mit einer Dissertation über Johann Christian Edelmann abschloss. 1963 folgte die Habilitation zum Thema Entwicklungstendenzen der modernen bürgerlichen Philosophie in Deutschland.

Heise wurde Ordentlicher Professor für Geschichte der Philosophie an der Sektion Ästhetik und Kunstwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1963 bis 1964 war er Leiter der Fachrichtung Philosophie. Wegen seines Eintretens für Robert Havemann wurde er 1964 als Prorektor für Gesellschaftswissenschaften entpflichtet. Von 1965 bis 1966 war er Dekan der Philosophischen Fakultät. Während des Prager Frühlings 1968 wechselte er in den Bereich Ästhetik/Kulturtheorie bzw. das Institut für Ästhetik. Ab 1972 war er ordentlicher Professor für Geschichte der Ästhetik.

Als korrespondierendes Mitglied gehörte er der Akademie der Wissenschaften an. Er wurde 1982 mit dem Nationalpreis der DDR für Wissenschaft und Technik III. Klasse geehrt.

Heise war mit der Literaturwissenschaftlerin Rosemarie Heise verheiratet. Aus ihrer Ehe gingen zwei Kinder hervor: Andreas und Thomas. In dem 2019 entstandenen Film „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ setzt sich sein Sohn Thomas Heise anhand von Archivmaterial dreier Generationen mit seiner Familie auseinander.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Heise fand Ende Mai 2026 in Berlin im Literaturforum des Berliner Brecht-Hauses eine dreitägige wissenschaftliche Tagung statt.

Schüler und Rezeption Zu den Studenten, die Heise unterrichtete, gehörten neben Fritz Marquardt und Jürgen Kuttner die späteren Dissidenten Rudolf Bahro und Wolf Biermann, der Heise bei der nachträglichen Überreichung seiner Urkunde als Diplom-Philosoph im Jahre 2008 als den „wahrscheinlich einzig richtigen Philosophen in der ganzen DDR“ bezeichnete und hinzufügte, dass Heise zu jenen gehört habe, die an der Marxschen Utopie von einer befreiten Gesellschaft festhielten, aber zugleich mit den restriktiven Verhältnissen in der DDR nicht zurechtkamen. Dazu sang Biermann: Mein Lehrer Wolfgang Heise Im Krieg der Illusionen Ein Waisenkind der Weisheit Und ist daran zerbrochen Brach auf zur letzten Reise Im Jahre Sieb’n-und-achtzig Hat haßgeliebt sein Vaterland Sein Herz blieb stehn aus Rebellion Er war mein DDR-Voltaire, Denn er durchschaute immer schon Auch seine eig’ne Illusion Ce qui touche le cœur …

Zu seinem Tod 1987 schrieb Heiner Müller

Porträt Ronald Paris: Prof. W. Heise, Berlin (1967, Öl, 68 × 58 cm)

Werk (Auswahl) Gerd Irrlitz, Ernst Müller (Hrsg.): Schriften in zwei Bänden. Band 1: Schriften 1975–1987. Band 2: Aus seinem Leben und Denken. Stroemfeld, Frankfurt am Main / Basel 2013, ISBN 978-3-86600-153-4. Hölderlin. Schönheit und Geschichte. Mit einer Nachbemerkung von Rosemarie Heise. Aufbau Verlag, Berlin / Weimar 1988, ISBN 3-351-00641-1

Literatur

Norbert Krenzlin: Das Bildnis Wolfgang Heises oder von der Bedrängnis des wissenden Menschen in unserer Zeit. In: Peter Betthausen, Ulrike Hager (Hrsg.): Ronald Paris. Lob des Realismus – Retrospektive. Ausstellungskatalog zu Ausstellungen in Sondershausen, Schwerin und Potsdam. Faber & Faber Verlag, Leipzig 2008, S. 57–64, ISBN 978-3-86730-063-6.

Dokumentarfilm Heimat ist ein Raum aus Zeit. Dokumentarfilm von Thomas Heise über drei Generationen seiner Familie, D/AT 2019, 219 Minuten

Weblinks

Darin: Wolfgang Thierse: Kultur – Politik – Philosophie. Leben zwischen Realität und Opposition. Renate Reschke: Wolfgang Heise und einige Quellen seines Denkens. Ein marxistischer Denker und seine Lektüre(n). Achim Trebeß: Kunst kann nicht lügen. Wolfgang Heises eigenwillige Ästhetik. Claudia Salchow: Ohne den Nachlaß geht es nicht … Über die Zukunft des Wolfgang-Heise-Archivs.

Einzelnachweise

Kategorie:Philosoph (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Humboldt-Universität zu Berlin) Kategorie:Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR Kategorie:Träger des Nationalpreises der DDR III. Klasse für Wissenschaft und Technik Kategorie:KPD-Mitglied Kategorie:SED-Mitglied Kategorie:Marxistischer Theoretiker (Deutschland) Kategorie:Ästhetiker Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 1987 Kategorie:Mann