Groß Friedrichsburg, Groß-Friedrichsburg bzw. Großfriedrichsburg war eine von 1683 bis 1717 bestehende kurbrandenburgische Kolonie in Westafrika. Sie bestand aus mehreren durch Befestigungen geschützten Niederlassungen an einem rund 30 Kilometer langen Küstenstreifen am Kap der drei Spitzen (Cabo tres Puntas, Cape Three Points) im heutigen Princes Town in Ghana.

Geostrategische Situation Westafrikas Bereits Ende des 15. Jahrhunderts begannen portugiesische Kräfte in Westafrika Stützpunkte zu errichten. Um 1680 existierten in Westafrika neben den portugiesischen auch niederländische, britische, schwedische und dänische Niederlassungen. Dabei kam es unter den europäischen Nachbarn immer wieder zu militärischen Konflikten, in deren Folge die Stützpunkte die Besitzer wechselten.

Ziele der Europäer in Westafrika waren der Erwerb von Gold, Elfenbein, Pfeffer und Sklaven. Sie waren an dem Dreieckshandel Afrika – Mittelamerika – Europa interessiert. Auf Basis dieses Handels erhielten verschiedene Küstengebiete in Westafrika von Seiten der Europäer entsprechende Namen, von denen der Staat Elfenbeinküste noch heute seine Staatsbezeichnung ableitet.

Maritime Ausgangssituation Brandenburg-Preußens mini|hochkant=2|Die brandenburgisch-preußischen Kolonien an der Goldküste mit Plan der Dorotheenschanze bei Akwidaa (Arcada). Noch 1675 bei Ausbruch des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges verfügte Brandenburg praktisch über keine hochseetaugliche Kriegsflotte. Erst als sich der Niederländer Benjamin Raule den Brandenburgern 1675 anbot, änderte sich diese Situation. Die Brandenburger charterten daraufhin mehrere Fregatten Raules, mit denen es gelang, 21 Schiffe der Schweden zu kapern. Diese Kaperungen trugen zum Sieg Brandenburg-Preußens über die Schweden bei. Noch 1676 bekam Raule den Auftrag, die kurbrandenburgische Marine weiter aufzubauen. Diese neue Marine, bereits 502 Geschütze stark, nahm erfolgreich gegen Schweden an den Belagerungen von Stettin (1677), von Stralsund (1678) und an der Eroberung Rügens (1678) teil. In Pillau, dem befestigten Vorhafen von Königsberg, wurden ab 1680 die brandenburgischen Fregatten gefertigt.

Die überraschenden Erfolge, welche die brandenburgische Flotte erfochten hatte, ermutigten den Kurfürsten zu kühneren Unternehmungen. Der Kurfürst, der während seines Studiums in Leiden (Niederlande) gesehen hatte, was Überseehandel einem kleinen Land einbringen kann, begann alle Ressourcen für seine überseeischen Pläne, den Aufbau eines Kolonialreiches, zu forcieren.

Zu Beginn der ersten überseeischen Unternehmungen Brandenburg-Preußens im Jahre 1680 verfügte die kurbrandenburgische Marine über 28 Schiffe. Die holländische Flotte, die die größte Flotte der damaligen Zeit war, verfügte über 16.000 Schiffe. Somit stellte die brandenburgische Marine keine Konkurrenz für die etablierten Seefahrernationen dar. Trotz dieser Klassenunterschiede hegten die anderen Seefahrernationen Neid und Besorgnis über die Ambitionen des brandenburgischen Kurfürsten. Insbesondere Holland blickte misstrauisch auf die junge Seemacht, ebenso Frankreich, das dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm seine Erfolge missgönnte, und der Habsburger Kaiser Leopold I., der erklärte, dass er nicht wolle, dass an der Ostsee eine neue Seemacht entstehe.

Geschichte Erste Handelsexpedition nach Westafrika, Vertragsunterzeichnung (1680–1681) Am 2. August 1679 legte der ehemalige Kaperkapitän und spätere brandenburgische Marine-Generaldirektor Benjamin Raule dem Kurfürsten einen Plan vor, Stützpunkte an der westafrikanischen Küste anzulegen, wie dies andere europäische Staaten, darunter Holland, Frankreich und England, bereits getan hatten. Dazu wurde eine Handelsexpedition aus zwei Schiffen gebildet. Sie bestand aus der Fregatte „Morian“ mit 16 Kanonen, deren Kapitän Philipp Pietersen Blonck zugleich Expeditionsleiter war, und der Fregatte „Wappen von Brandenburg“, so der neue Name der ehemals spanischen und ein Jahr zuvor gekaperten „Carolus Secundus“, mit 22 Kanonen unter Kapitän Joeris Bartelsen.Ulrich van der Heyden: Rote Adler an Afrikas Küste: die brandenburgisch-preussische Kolonie Grossfriedrichsburg in Westafrika. 2., veränderte Auflage. Berlin, Selignow, 2001. (Vorschau bei Google) Die Schiffe gehörten Raule privat, beide Kapitäne waren Niederländer, der Kurfürst stellte nur die Soldaten und erlaubte die Benutzung seiner Flagge. Zum Auftrag gehörte auch, sechs „Mohren“ für den kurfürstlichen Hof mitzubringen.

Sie starteten am 17. September 1680 vom Hafen Pillau. Im Januar 1681 erreichten sie die Küste von Guinea. Dort ging jedoch eines der beiden Schiffe verloren: Die „Wappen von Brandenburg“ hatte im Januar 1681 bei der Aufnahme von Frischwasser auch Afrikanern ein Fass Branntwein verkauft. Die Niederländische Westindien-Kompanie sah darin ein „Handeltreiben“ innerhalb des von ihr beanspruchten Territoriums und konfiszierte das ganze Schiff samt Ladung. Übrig blieb nur die „Morian“, deren beiden Schiffsoffizieren Jakob van der Bleke und Isaak van de Geer es am 16. Mai 1681 gelang, an der Goldküste etwas westlich des Kaps der drei Spitzen einen Freundschafts- und Handelsvertrag mit den drei Ahanta-Häuptlingen Pregate, Sophonie und Apany zu schließen. Den Häuptlingen wurde dabei die Versicherung abgenommen, dass sie nicht unter holländischem Kommando ständen, und sie erkannten die Oberhoheit des brandenburgischen Kurfürsten an.

In dem Vertrag wurde den Brandenburgern erlaubt, eine Niederlassung und ein Fort auf dem Territorium der Ahanta zu errichten, um ihren Handel und auch sich selbst gegen ihre Feinde zu schützen. Bedingung war, dass die Brandenburger binnen acht bis zehn Monaten mit der Errichtung ihres Forts zu beginnen hätten. Trotz der Verärgerung über das Verhalten der Niederländer und deren Beschlagnahmung des zweiten brandenburgischen Schiffes war die Freude am Potsdamer Hofe nach der Rückkehr der Expedition im August 1681 in Glückstadt (Elbe) groß, als der Vertrag präsentiert wurde.

Gründung der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie (1682) Sofort wurde die Ausrüstung einer diesbezüglichen Expedition in Auftrag gegeben und gleichzeitig die Gründung einer brandenburgisch-afrikanischen Handelsgesellschaft angeregt. Die Gründung der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie erfolgte im Beisein des Kurfürsten, Raules und Kaufleuten aus Emden am 17. März 1682 in Berlin. Die Gesellschaft hatte ihren Sitz zuerst in Königsberg, dann in Pillau und zuletzt ab 22. April 1683 in Emden. Zum Schutz eventueller Besitzungen wurde auch der Einsatz von Kriegsschiffen und Soldaten der Kurbrandenburgischen Marine geregelt.

Erneute Expedition und Gründung des Forts Groß Friedrichsburg (1682–1683) mini|hochkant|Otto Friedrich von der Groeben, Leiter der zweiten Expedition und Gründer von Groß Friedrichsburg mini|hochkant|Gründung der Kolonie Groß Friedrichsburg am 1. Januar 1683 Am 12. Juli 1682 brach im dänischen Glückstadt die Expedition unter dem Kommando Major Otto Friedrich von der Groebens mit den Fregatten Morian (Kapitän Philipp Blonck) und Chur Prinz von Brandenburg (Kapitän Mattheus de Voß) zur sogenannten Goldküste auf, mit dem Ziel, dort brandenburgische Kolonien zu gründen.

An Bord befanden sich unter anderem die beiden Festungsbauingenieure Walter und Leugreben, der Fähnrich von Selbig als militärischer Leiter, ein Sergeant, zwei Korporale, 40 Soldaten, zwei Spielleute und zahlreiche angeworbene Arbeiter. Am 27. Dezember 1682 betrat Otto Friedrich von der Groeben am Kap der drei Spitzen nahe dem Dorf Accada erstmals afrikanischen Boden (nachdem drei Soldaten und zwei Matrosen bei der Überfahrt aufgrund der harten Brandung den Tod gefunden hatten). Weil man hier jedoch mit plötzlich auftauchenden Holländern aneinandergeriet, segelte man weiter und landete einige Seemeilen weiter nordwestlich zwischen den Orten Taccrama und Axim an. Dort fand man in der Nähe des Dorfes Poquesoe (heute: Princes Town, Ahanta West District) einen fast idealen Standort für das zukünftige Fort. An diesem Platz fand auch am 1. Januar 1683 mit einem militärischen Zeremoniell die feierliche Hissung der brandenburgischen Flagge statt. Otto von der Groeben schrieb darüber in seinem Buch über seine Erlebnisse in Afrika:

Aus dieser Benennung nach dem Namen des Kurfürsten entstand der spätere Name des Fort Groß Friedrichsburg und der gesamten Kolonie. Unmittelbar nach der Flaggenhissung wurde mit dem Bau der Festung begonnen. Die Ahanta brachten Baumstämme, die anschließend von Soldaten zu Palisaden verarbeitet wurden. Am 5. Januar 1683 wurde der Vertrag mit den Ahanta erneuert (Tractat zwischen Seiner Churfürstlichen Durchlaucht von Brandenburg Africanischen Compagnie, und denen Cabusiers von Cabo tris Puntas). Pregate und Sophonie waren zwischen dem ersten und zweiten Anlanden der Brandenburger bei einer Auseinandersetzung getötet worden. Der Vertrag wurde entsprechend mit ihren Nachfolgern sowie mit Apany geschlossen.

mini|Tauschhandel an der afrikanischen Küste unweit von Groß Friedrichsburg Der Vertrag regelte unter anderem, welche Verpflichtungen die Ahanta übernehmen sollten. Dazu zählten der Schutz der Festung Groß Friedrichsburg, Frondienste für den Festungskommandanten und die Garnison, der ausschließliche Handel mit brandenburgischen Schiffen und Kaufleuten und die Durchsetzung eines Siedlungsmonopols für Brandenburger. Die Brandenburger wiederum verpflichteten sich zum militärischen Schutz der Einheimischen gegen Angriffe benachbarter Stämme.

Es begann ein reger Tauschhandel. Mitgebrachte Handfeuerwaffen mit Munition, einfache Eisenerzeugnisse und auch Rubinglas wurde gegen Elfenbein, Gold und Sklaven eingetauscht.

Während der Bauarbeiten grassierte das Fieber unter den Brandenburgern, und zeitweise waren von 40 Mann nur noch fünf einsatzfähig. Auch von der Groeben erkrankte, nebst dem Sekretär, dem Sergeanten, vier Soldaten und zwei Matrosen. Die beiden Festungsbauingenieure starben, und alle anderen waren zu schwach oder mit der Krankenpflege beschäftigt, so dass die Bauarbeiten schon bald zum Erliegen kamen. Nach der Gesundung Groebens kehrte er im Juli oder August 1683 mit der Morian zurück nach Hamburg, während die Chur Prinz mit einer ersten Ladung Sklaven zur Insel St. Thomas (Westindien) segelte. Die Chur Prinz erreichte den Hafen Emden im November 1683. Neuer Kommandant und Leiter des Aufbaus des Forts wurde der Kapitän der „Morian“, Philipp Pietersen Blonck.

Gründung weiterer Niederlassungen (1683–1695) mini|Das Fort Groß Friedrichsburg um 1684 Zwischen 1683 und 1685 errichteten die Brandenburger weitere Niederlassungen und Befestigungen. Das Fort Groß Friedrichsburg blieb jedoch die bedeutendste. Schon 1684 verfügte es über vier mächtige gemauerte Bastionen, die durch dicke Mauern miteinander verbunden waren, und war mit 32 großkalibrigen Kanonen bestückt. Das imposante Tor war von einem mehr als 10 m hohen Glockenturm gekrönt. Im Innenhof wurden mehrere zweigeschossige Gebäude errichtet, die der Garnison (von etwa 90 Europäern) als Unterkünfte und den Händlern als Warenlager und Sklavengefängnisse dienten.

Die europäischen Soldaten wurden dabei durch zum Militärdienst herangezogene Einheimische unterstützt, denen aus Angst vor einem Aufstand allerdings nur in Notfällen Gewehre ausgegeben wurden, und die in der Nacht unter Bewachung eingeschlossen waren.Brandenburg-Preußen auf der Westküste von Afrika, S. 38f.