mini|Alain de Benoist (2012) Alain de Benoist [də bəˈnwɑ] (Pseudonyme unter anderem Fabrice Laroche, James Barney, Mortimer G. Davidson, Robert de Herte; * 11. Dezember 1943 in Saint-Symphorien, Département Indre-et-Loire, heute zu Tours) ist ein französischer Publizist und PhilosophRevue philosophique de la France et de l'étranger, Band 170, Presses universitaires de France, 1980, S. 56. und gilt als maßgeblicher Vordenker der Neuen Rechten.Anton Maegerle: Politischer und publizistischer Werdegang von Autoren der „Jungen Freiheit“. In: Stephan Braun, Ute Vogt (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“: Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, S. 193–215, hier S. 194.

Biographie Alain de Benoist wuchs in Paris auf und besuchte dort das Lycée Montaigne und die Eliteschule Lycée Louis-le-Grand. Er studierte Verfassungsrecht, Philosophie, Soziologie, Moral, Geschichte und Religion an der Sorbonne.

De Benoists politische Karriere begann Ende der 50er Jahre in der rechtsterroristischen Organisation Jeune Nation, die 1958 nach einem Bombenanschlag auf die französische Nationalversammlung verboten wurde. Zusammen mit Dominique Venner und anderen ehemaligen Jeune-Nation-Mitgliedern gründete de Benoist 1960 die militante rechtsextremistische Studentenorganisation Fédération des Étudiants Nationalistes (FEN).(). Von 1962 bis 1966 war de Benoist Redaktionssekretär der FEN-Zeitschrift Cahiers Universitaires. Während des Algerienkrieges war die FEN bestrebt, neofaschistische Positionen zu modernisieren. De Benoist publizierte zudem in der 1963 von seinem Freund Venner gegründeten Zeitschrift Europe Action.

Zusammen mit Dominique Venner war de Benoist 1968 Mitbegründer des Groupement de Recherche et des Etudes pour la Civilisation Européenne (GRECE), einem laut dem französischen Historiker Pierre Milza neofaschistischen Think Tank,Pierre Milza: Facisme Français. Passé et présent. Flammarion, Paris 1987, S. 371. GRECE entstammt nach Milza dem „courant raciste, ‚européen‘ et intellectuel du néo-fascisme français“. in dem de Benoist eine ideologische Vorreiterrolle einnahm. Über diese Gruppen hinaus versuchte de Benoist seit den 1970er Jahren in ganz Europa für die Ansätze der Nouvelle Droite und der damit verbundenen Modernisierung der neofaschistischen Ideologie zu werben und unterhielt zu vielen Vereinen und Parteien Kontakt.

Einer der Hauptschwerpunkte von GRECE war die Herausgabe der Zeitschriften Nouvelle École und Éléments. Nouvelle École wurde 1968 von de Benoist gegründet. Ab 1973 war er Herausgeber der Zeitschrift Éléments und gehörte später auch zur Redaktion des deutschen Schwesternblattes Elemente. Beide Publikationen bemühen sich um eine Renaissance rechtsgerichteten Denkens und stehen vor allem im Dienste der sogenannten „Metapolitik“, also der „intellektuellen, philosophischen und theoretischen Reflexion“ (de Benoist) im Gegensatz zur direkten politischen Betätigung. Während die Nouvelle École einen eher wissenschaftlich-enzyklopädischen Anspruch hat, der möglichst viele Bereiche abdecken soll, dominiert in den literarischeren Élements die politische Polemik. Zum „Comité de patronage“ der Nouvelle École zählten in den 1970er Jahren unter anderem Armin Mohler, Konrad Lorenz, Arthur Koestler und Jean Cau. 1988 gründete de Benoist eine weitere Zeitschrift, Krisis, die sich verstärkt auf Debatten zwischen Autoren verschiedener politischer Lager konzentriert.

Der Schweizer Publizist Armin Mohler hatte die französische Entwicklung von GRECE und de Benoist beobachtet, in den 1970er Jahren Kontakte geknüpft und unterstützte ihn seit den 1980er Jahren durch Vermittlung von Verbindungen zu Organisationen, Zeitungen und Verlagen.Alain de Benoist: In aller Freundschaft. Kritisches über die Deutschen. In: Criticón. Nr. 60–61, 1980, S. 199. In Kassel wurde 1980 als deutscher Ableger von GRECE das rechtsextreme Thule-Seminar gegründet, das sich 1983 von de Benoist trennte. Daneben wurde de Benoist Beiratsmitglied der von der rechtsextremen Organisation Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GfbAEV) herausgegebenen deutschen Zeitschrift Neue Anthropologie (Schriftleiter: Jürgen Rieger).Verfassungsschutz Hamburg: Rechtsextremismus in Stichworten. Ideologien – Organisationen – Aktivitäten. Juni 2001, S. 53 (hamburg.de)mini|hochkant|Alain de Benoist (2011)In Deutschland ist er vor allem als Autor in Zeitungen aus dem rechten Spektrum wie Junge Freiheit und Europa vorn (gegründet 1988),Vgl. Profil: Europa vorn unter apabiz.de, abgerufen am 10. März 2017. teils auch in rechtsextremen Veröffentlichungen wie Nation und Europa (1951–2009) sowie in dem in Deutschland produzierten englischsprachigen Blatt The Scorpion hervorgetreten. Seine Bücher erschienen zunächst vor allem im rechtsextremen Grabert-Verlag. Seit den 1990er Jahren wurde der Verlag der Wochenzeitung Junge Freiheit zu seinem Hausverlag. Auch wenn er nur selten Bezug auf den Holocaust nimmt, gab er doch 1994 Interviews für das Journal of Historical Review, das von Holocaust-Leugnern herausgegeben wird, ohne sich allerdings explizit der Leugnung anzuschließen. Im Zusammenhang mit rechtsextremen Autoren, denen die Junge Freiheit eine Plattform biete, bezeichnete der Verfassungsschutz ihn als „Chefideologe[n] der französischen ,Neuen Rechten‘“, der in einem Artikel in der Jungen Freiheit „abwertend von der bloßen ,Rhetorik der Menschenrechte‘“ spreche.Verfassungsschutzbericht 2004, Mai 2005, S. 101, . De Benoists Positionen wurden und werden nur in einem kleinen Teil des deutschen rechten Spektrums diskutiert. Seit der Wiedervereinigung im Jahre 1990 und nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA versucht er jedoch verstärkt politischen Einfluss zu nehmen.

Seit dem Jahr 1992 hat de Benoist regelmäßig Artikel und Interviews in der als Theorieorgan der US-amerikanischen Neuen Linken gegründeten Zeitschrift TELOS veröffentlicht.Die Zeitschrift rühmt sich auf ihrer Website, Benoist, wie andere „major intellectuals“, von Carl Schmitt bis Jürgen Habermas, in den USA bekannt gemacht zu haben.

Inhaltliche Positionen Neue Rechte und Querfrontstrategie „Die alte Rechte ist tot – sie hat es wohl verdient“ ist eine typische Aussage von de Benoist. So sind die von ihm initiierten Denkrichtungen unter dem Terminus Nouvelle Droite („Neue Rechte“) bekannt geworden. De Benoists Denken ist im Laufe der Jahre einigen Wandlungen unterlegen. Bestimmte Themenfelder durchziehen sein Werk jedoch wie ein roter Faden. De Benoists zentrales Leitmotiv ist der Antiegalitarismus, der für ihn die eigentliche Grundlage des Pluralismus ist und den er etwa folgendermaßen definiert:

„Ich nenne hier – aus reiner Konvention – die Haltung rechts, die darin besteht, die Vielgestaltigkeit der Welt und folglich die relativen Ungleichheiten, die ihr notwendiges Ergebnis sind, als ein Gut und die fortschreitende Vereinheitlichung der Welt, die durch den Diskurs der egalitären Ideologie der seit zweitausend Jahren gepredigt und verwirklicht wird, als ein Übel anzusehen.“Alain de Benoist: Kulturrevolution von rechts. Gramsci und die Nouvelle Droite. Krefeld 1985, S. 14.

Diese Position bedeutet jedoch nicht, dass jede Ungleichheit per se legitim sei:

„Im Gegenteil, es gibt zahlreiche Ungleichheiten, die ganz und gar ungerecht sind. […] Ich billige keinerlei Kastenprivileg. Ich mache die Chancengleichheit zu einer Forderung jeder Sozialpolitik. Ohnehin heißt eine antiegalitäre Lebensauffassung zu vertreten nicht, die oft verabscheuungswürdigen Ungleichheiten verstärken zu wollen […].“Alain de Benoist: Kulturrevolution von rechts. Gramsci und die Nouvelle Droite. Krefeld 1985, S. 15.

„Ich habe bei unzähligen Anlässen klargestellt, daß ,Differenz‘ keineswegs ein Synonym für ,Ungleichheit‘ ist […], und ich hüte mich davor, Gleichheit (insbesondere die Gleichheit der Bürger) mit Egalitarismus zu verwechseln.“Alain de Benoist: Ein Gespräch mit Alain de Benoist über die „Nouvelle Droite“ und die „Neue Rechte“. In: Dieter Stein: Phantom „Neue Rechte“. Edition JF, Berlin 2005, S. 177 f.

Den Gegensatz zu dieser Position stellt für de Benoist der Totalitarismus dar, der kein Anders-Sein neben sich duldet. Diesen sieht de Benoist im Kommunismus, Nationalsozialismus (vgl. sein Buch Totalitarismus), aber auch – in subtilerer Form – im Liberalismus am Werk. Die extreme Folge des letzteren sei die Globalisierung, die darauf abziele, die Völker und Kulturen der Welt zugunsten der „Entfesselung der Logik des Kapitals“ zu zerstören, um eine rein an kapitalistischen und konsumistischen Werten aufgebaute Zivilisation zu errichten. Der Kardinalbetreiber dieser Tendenz sind in de Benoists Augen die USA.

„Nicht nur verabscheue ich Diktaturen, Despotismus und jegliche ,autoritäre‘ Regierungsform, ich habe in mehreren Büchern die zeitgenössischen Totalitarismen verurteilt und die demokratischen Grundsätze gegen die Angriffe verteidigt, denen sie ausgesetzt sind. […] Statt einer ,Hegemonie‘ das Wort zu reden, die andere Meinungen zum Schweigen verurteilen würde, haben wir unermüdlich den Pluralismus, die Vielfalt, das Recht auf Differenz, die Basisdemokratie, das Prinzip der Subsidiarität etc. verteidigt, kurz gesagt, alles, was den Bürgern ermöglicht, sich aktiver am öffentlichen Leben zu beteiligen und auf allen Ebenen soviel wie irgend möglich demokratisch selber über die Dinge zu entscheiden, die sie betreffen.“Alain de Benoist, Ein Gespräch mit Alain de Benoist über die „Nouvelle Droite“ und die „Neue Rechte“. In: Dieter Stein, Phantom „Neue Rechte“. Edition JF, Berlin 2005, S. 175 f.

In einem Gespräch mit dem NPD-Organ Hier & Jetzt betonte de Benoist 2010, er fühle sich in seiner Identität durch den Westen mehr bedroht als durch den Mittleren Osten, und erwähnte „englische Worte, die sich in unsere Sprache einschleichen“. Er sagte: „Unsere Städte erinnern immer stärker an Los Angeles oder New York, nicht an Istanbul oder Tunis.“ Die „größte Bedrohung unserer Identität“ sei „keine andere Identität, sondern der politische Universalismus in allen seinen Formen, der die Volkskulturen und unterschiedlichen Lebensstile“ bedrohe und der sich anschicke, „die Erde in einen homogenen Raum zu verwandeln“.Volker Weiß: Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes. Klett-Cotta, Stuttgart 2018, S. 219.

Ende 2020 zitierte das NPD-Organ Deutsche Stimme de Benoist mit den Worten: „Wenn man Schluss machen will mit den schönen Phrasen, den Gebeten und den Schweigeminuten, den Blumen und Kerzen, muss die Politik aufhören, dem Recht zu unterliegen.“ – für den Journalisten Hans Demmel „die Forderung nach dem Ende des Rechtsstaats“.Hans Demmel: Anderswelt. Ein Selbstversuch mit rechten Medien, begleitet von Friedrich Küppersbusch. Kunstmann, München 2021, S. 176 f.

Ähnlich der Querfrontstrategie aus der konservativen Revolution der 1920er Jahre greift de Benoists „Metapolitik“ in eklektizistischer Weise auf linke wie rechte Theorien und Denker zurück: „Ich sehe rechts wie links Ideen, die dem entsprechen, was ich denke […]. Die Wörter sind schließlich nicht die Dinge selbst.“Alain de Benoist: Kulturrevolution von rechts. Gramsci und die Nouvelle Droite. Krefeld 1985, S. 27.