mini|Henry Bender (rechts) mit Leopold von Ledebur, 1932 Henry Bender (* 1. Oktober 1867 als Max Georg Berg in Berlin; † 24. Mai 1935 ebenda) war ein deutscher Schauspieler.

Leben und Wirken Bender, der mit bürgerlichem Namen Georg Berg hieß, wurde am 1. Oktober 1867 in Berlin geboren. Sein Vater betrieb dortLaut Leimbach in der Heiligegeiststraße in der Altstadt Berlins. eine Gastwirtschaft. Bender begann eine Lehre in einem Geschäft für Tülle und Spitzen, doch schrieb er schon als junger Mann Couplets auf Lokalereignisse und übernahm auf der Gartenbühne des Ostend-Theaters in der Großen Frankfurter StraßeHeute Karl-Marx-Allee. kleinere Rollen. Sein Vater schickte ihn zu einem Verwandten nach Amerika, wo er seine Lehre fortsetzen sollte. Bender aber entzog sich und schloss sich einer Wanderbühne an,So Leimbach. um den Schauspielerberuf zu ergreifen.

Er begann seine Bühnenkarriere 19-jährig in den USA und setzte sie 1891 in Paris am Folies Bergère fort. Dann ging er nach London, bevor er nach Berlin zurückkehrte, wo er ein Engagement am Metropol-Theater übernahm. Dort spielte er an der Seite von Guido Thielscher, Josef Josephi und Fritzi Massary in den großen Jahresrevuen des Hauses mit. Aus der Revue Neuestes, Allerneuestes (1904) von Victor Hollaender ist eine Grammophon-Aufnahme mit Bender erhalten.Siehe das Text-Buch der bis Juli erschienenen Konzert-Platten (Hrsg. Arthur Blumenthal, Breslau 1904). Als »Komiker am Metropoltheater« ist er als wohnhaft in der Wilhelmstraße 125Im Bezirk Spandau, Berlin und die Berliner. S. 140. registriert. Weitere Auftritte hatte Bender im Passage-Theater und im Wintergarten.

Seit 1905 wirkte er als Komiker in mehr als hundert Stummfilmen mit. 1908 hielt die Deutsche Mutoskop & Biograph GmbH Benders Schutzmannslied aus der Revue Donnerwetter-Tadellos!Schutzmann-Lied, aus: Metropol-Revue 1908, Donnerwetter! – Tadellos! D 1909, Darst.: Henry Bender (digitale Tonbild-Rekonstruktion: Christian Zwarg), anzusehen hier. Vgl. dazu Dirk Foerstner: Die Berliner Po-Po-Polizei schwenkt anmutig denselben im Metropol-Revue-Tonbild Schutzmann-Lied. im Tonbild„Tonbilder“ waren eine frühe Form des Nadeltonfilms, bei dem zum Bildfilm eine Tonaufzeichnung auf Grammophonplatte synchron lief. Vgl. filmlexikon.uni-kiel.de und Abb. museum-digital.de. fest. Außerdem spielte er 1918/19 noch in zwei Lichtspiel-OperettenSogenannte Sing-Filme, zu denen Sänger und Musiker im Kino live auftraten, vgl. Wedel: Abschn. “Filmoper, Filmoperette, Filmsingspiel”, S. 69 ff. der Jakob Beck-Film KG und der Delog Deutsche Lichtspiel-Opern KG (beide Berlin) an der Seite von Molly Wessely und Paul Westermeier mit.Wer nicht in der Jugend küßt D 1918, Regie und Musik Karl Otto Krause, Texte von Alfred Berg, und Hannemann, ach Hannemann D 1919, Regie Edmund Edel, Musik Richard Jäger, mit Eugen Rex und Maria Lux. Vgl. Wedel S.111 Anm. 195: „Molly Wessely, die temperamentvolle rassige Soubrette des Metropoltheaters, beherrscht mit ihrer Laune jede Szene. Der lustige Henry Bender - wer kennt ihn nicht in Berlin? - übertraf sich selbst“ (in: Der Film, 3. Jg., Nr.32, 10. August 1918, S. 70) und Anm. 198 „… die bekannten Berliner Künstler Molly Wessely … und Henry Bender … Henry Bender ist als Vertreter des behäbigen Humors zu bekannt, als daß man noch Loblieder seiner Kunst singen müßte“ (Die erste Lichtspiel-Operette. In: Der Kinematograph, Nr. 605, 7. August 1918) (Wedel S. 180). Nach 1930 war er noch in mehreren Tonfilmen zu sehen, darunter als Kneipenwirt in Richard Oswalds erster tönender Verfilmung von Hanns Heinz Ewers’ Schauer-Stoff „Alraune“.Vgl. Filmportal.de. Ein Ausschnitt aus dem Film, in dem Bender als Wirt kurz zu sehen ist.

Bender erfreute sich zur Zeit der Weimarer Republik großer Beliebtheit. 1929 eröffnete er in der Bleibtreustraße 33 sein Restaurant Bei Henry Bender, das über seinen Tod hinaus zu einem beliebten Berliner Künstlertreffpunkt wurde.

mini|hochkant|Grab von Henry Bender auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend Bender war Urberliner mit Mutterwitz und vielseitig komödiantischem Talent. Er hat bereits in den 1910er-Jahren mehrere Schallplatten besprochen, einige davon zusammen mit den Komikerkollegen Georg Barsch, Paul Bendix und Martin Kettner. Bender wurde 1903 in die Berliner Freimaurerloge Galilei zur ewigen Wahrheit aufgenommen.

Henry Bender starb im Mai 1935 im Alter von 67 Jahren in Berlin.Landesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Berlin-Charlottenburg III, Nr. 1292/1935 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).Salzburger Volksblatt. 31. Mai 1935. S. 7; abgerufen am 4. Dezember 2019. Henry Bender gestorben. In: Mein Film, Nr. 494, Mai 1935. S. 14. Abgerufen am 4. Dezember 2019. Im Berliner Adressbuch von 1935 ist Henry Bender noch zweifach gelistet, sowohl als Gastwirt mit der Adresse Bleibtreustraße 33 als auch als Schauspieler unter der benachbarten Adresse Bleibtreustraße 34/35. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof Heerstraße im heutigen Ortsteil Berlin-Westend (Grablage: 16-F-43). Das Grab ist – entgegen der Darstellung in einigen QuellenHans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1. S. 483. – erhalten. Seine Witwe Dagmar, geb. Hansen, mit der er seit 1894 verheiratet gewesen war, starb 1941.Landesarchiv Berlin, Sterbebuch Standesamt Tiergarten von Berlin, Nr. 382/1941 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).

Sein Name stand 1938 mit dem Vermerk „vermutlich nichtarisch“ auf einer die Entlassungen zusammenfassenden „Judenliste“ der Reichsfilmkammer.Bender, Henry, in: Frithjof Trapp, Bärbel Schrader, Dieter Wenk, Ingrid Maaß: Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933–1945. Band 2. Biographisches Lexikon der Theaterkünstler. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11375-7, S. 1063.

Auch der Sohn Robert Berg (1902–1974)Landesarchiv Berlin, Geburtsregister Standesamt Berlin I/II, Nr. 1228/1902 (online bei Ancestry, kostenpflichtig). trat in der Stummfilmzeit als Bobby Bender in Filmen auf, häufig an der Seite seines Vaters (Die versunkene Flotte, Kleinstadtsünder). Nach dem Tod seiner Eltern leitete er die Gaststätte Bei Henry Bender gemeinsam mit seiner Ehefrau Margarete geb. Rörig.

Tondokumente (Auswahl) Nur die Ruhe kann’s machen, 1. u. 2. Teil: Zonophon 17 365 (mx. 12 659 u, 12 660 u), auch Meteor Nr.35 (mx. 1563, 1564) [mit Barsch] Reminiszenzen, 1. u. 2. Teil: Zonophon x-24 395 (mx. 7337 L, 7338 L) [mit Bendix] Der Gerichtsdiener der “Großen Affaire” 1. u. 2. Teil (Musik: Paul Lincke): Zonophon x-21 179 (mx. 13 617 u) [mit Kettner] Börsen-Duett “Ach Börse, liebe Börse” (Musik: Paul Lincke): Grammophon 2-44 421 (mx. 13 591 u) [mit Massary] Schutzmannslied (Musik: Paul Lincke): Zonophon x-22 892 (mx. 13 613 u) Das Auge des Gesetzes (Musik: Viktor Hollaender): Grammophon 2-42 615 (mx. 1699) Der Amerikaner (Musik: H.Bender): Grammophon 2-42 882 (mx. 1898 1/2 L)

Filmografie (Auswahl) 1897: Nächtliche Hotelszene 1908: Schutzmann-Lied (Tonbild) 1908: Donnerwetter, tadellos 1914: Eine tolle Nacht 1915: Wie werde ich Amanda los? 1918: Fauvette 1918: Meiers lassen sich scheiden 1918: Wer nicht in der Jugend küßt (Singfilm) 1919: Hannemann, ach Hannemann (Singfilm) 1919: König Nicolo 1920: Die Herrin der Welt, 8. Teil: Die Rache der Maud Fergusson 1920: Whitechapel. Eine Kette von Perlen und Abenteuern 1921: Der Mann ohne Namen (6 Teile) 1921: Die Abenteurerin von Monte Carlo (3 Teile) 1921: Das Rätsel der Sphinx 1921: Der Herr der Bestien 1921: Junge Mama 1922: Versunkene Welten 1922: Der blinde Passagier 1922: Marie Antoinette 1923: Die Frau mit den Millionen (3 Teile) 1923: Gobseck 1924: Die schönste Frau der Welt 1924: Horrido 1925: Der Flug um den Erdball (2 Teile) 1925: Der Hahn im Korb 1925: Blitzzug der Liebe 1925: Die tolle Herzogin 1926: Der Ritt in die Sonne 1926: Wien – Berlin 1926: Der Stolz der Kompagnie 1926: Der Hauptmann von Köpenick 1926: Frauen der Leidenschaft 1926: Trude, die Sechzehnjährige 1926: Die Flucht in den Zirkus 1926: Im weißen Rößl 1926: Als ich wiederkam 1926: Eine tolle Nacht 1926: Die Insel der verbotenen Küsse 1926: Die versunkene Flotte 1926: Die Piraten der Ostseebäder 1927: Der Juxbaron 1927: Feme 1927: Ein schwerer Fall 1927: Familientag im Hause Prellstein 1927: Im Luxuszug 1927: Gustav Mond … Du gehst so stille 1927: Kleinstadtsünder 1927: Das Fräulein von Kasse 12 1927: Die Sandgräfin 1928: Panik 1928: Kaczmarek 1928: Unmoral 1929: Aus dem Tagebuch eines Junggesellen 1929: Flucht in die Fremdenlegion 1929: Die Mitternachts-Taxe 1929: Ja, Ja, die Frau’n sind meine schwache Seite 1929: Die Frau ohne Nerven 1930: Der weiße Teufel 1930: Alraune 1930: Die singende Stadt 1930: Nur Du 1930: Drei Tage Mittelarrest 1931: Der Herr Bürovorsteher 1931: So’n Windhund 1931: Der Schlemihl 1932: Holzapfel weiß alles 1932: Lumpenkavaliere 1933: Marion, das gehört sich nicht

Abbildungen Henry Bender auf Ansichtskarte Henry Bender auf Ansichtskarte (Photochemie Berlin, K.2426) Künstler-Ansichtskarte Berlin-Charlottenburg, Restaurant Henry Bender, Bleibtreustr. 33, gelaufen 1936

Anmerkungen

Literatur Berlin und die Berliner. Leute, Dinge, Sitten, Winke. Bielefeld / Karlsruhe 1905 (Nachdruck: Salzwasser-Verlag, Paderborn 2011, ISBN 978-3-8460-0119-6). Frank Arnau (Hrsg.): Universal Filmlexikon 1932. Universal Filmlexikon G.m.b.H., Berlin 1932, S. 103; . Edith Krull, Hans Rose: Erinnerungen an das Rosetheater. Henschelverlag, Berlin 1960. Otto Schneidereit: Berlin, wie es weint und lacht. Spaziergänge durch Berlins Operettengeschichte. VEB Lied der Zeit Musikverlag, Berlin (DDR) 1968. Berthold Leimbach (Hrsg.): Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1895–1945. Selbstverlag, Göttingen 1991. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Erster Band A–C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 319. Michael Wedel: Der deutsche Musikfilm. Archäologie eines Genres 1914–1945. edition text + kritik, München 2007, ISBN 978-3-88377-835-8 (zugleich: Amsterdam, Universität, Dissertation, 2005: Der deutsche Musikfilm).

Weblinks

Henry Bender bei Cyranos.ch

Einzelnachweise

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