Oederan ist eine Kleinstadt im sächsischen Landkreis Mittelsachsen.
Geographie Die Stadt Oederan liegt auf halbem Weg zwischen Chemnitz und Freiberg am Nordrand des Erzgebirges. Durch die Stadt fließt der Hetzbach, ein Nebenfluss der Flöha.
Nachbargemeinden
Alle Nachbargemeinden gehören dem Landkreis Mittelsachsen an.
Stadtgliederung Zu Oederan gehören neben dem Hauptort die Ortsteile: Breitenau Börnichen Frankenstein Gahlenz Görbersdorf Hartha Hetzdorf Kirchbach Lößnitztal Memmendorf Schönerstadt Wingendorf
Geschichte mini|Markt und Rathaus um 1900 Im 12. Jahrhundert legten Bauern als Vorläufer der Stadt ein Waldhufendorf an. Der Sage nach erhielt die Stadt ihren Namen nach einem Kaufmann Ranius und einer Inschrift auf seinem Grabe „Edda Ranio“ (also Edda dem Ranius). 1286 wurde der Ort urkundlich und 1292 erstmals als Stadt erwähnt. Grabungen haben ergeben, dass Oederan mindestens seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts existierte. Die bedeutendsten Gewerbe seit dem Mittelalter waren die Tuchmacherei (1457) und die Leinenweberei (1507). 1583 erhielt die Stadt vom Kurfürsten August I. von Sachsen das Privileg einer „Freien Bergstadt“. Der Ort gehörte ab 1590 zum Amt Augustusburg.Oederan im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen
In Oederan sind 1529 in den Hexenverfolgungen sechs Verfahren wegen Hexerei und Zauberei belegt. Mindestens eine Frau wurde in den Hexenprozessen hingerichtet, einige Schicksale sind unbekannt. In den Ortsteilen Schönerstadt und Gahlenz gerieten 1529–1678 sechs Personen in Hexenprozesse, zwei starben in der Folter und zwei wurden mit Landesverweis bestraft.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 458ff
Auf der Udohöhe bei Schönerstadt (496 m NN) wurde in den 1860er-Jahren eine Station 1. Ordnung der Königlich-Sächsischen Triangulation, eine Vermessungssäule errichtet, die noch heute vorhanden ist.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im September 1944 wurde in der Nähe der heutigen Zwirnfirma „Nähfaden“ ein Frauenaußenlager des KZ Flossenbürg errichtet, in dem mehr als 500 jüdische Frauen und Mädchen in einem Teilwerk der Auto Union AG Chemnitz (Tarnname: Agricola GmbH) Zwangsarbeit verrichten mussten. Sie wurden aus Auschwitz-Birkenau nach Oederan deportiert und durchliefen vorher zum größten Teil das Ghetto Łódź, Theresienstadt sowie das KZ Płaszów. Am 14. April 1945 werden die Frauen in Viehwaggons in Richtung Böhmen evakuiert und nach längerer Irrfahrt in Theresienstadt von der Roten Armee befreit.Webseite KZ-Gedenkstätte Flossenbürg Abgerufen am 6. Juli 2016.
Gedenkstätten Gedenktafel an einer Baracke des ehemaligen KZ-Außenlagers zur Erinnerung an die Leiden der Häftlings-Frauen Gedenkanlage auf dem Ortsfriedhof zur Erinnerung an drei namentlich bekannte weibliche jüdische KZ-Häftlinge, die 1944 und 1945 im KZ-Außenlager starben Ehrenmal am Teichplan für alle Opfer des Faschismus Den Namen des sozialdemokratischen und später kommunistischen Stadtverordneten Johannes Mosch, der 1944 von der Gestapo zu Tode gefoltert wurde, trug in der DDR-Zeit das Kulturhaus der Stadt Haus der Geschichte im Kreuzgang, dokumentiert das Unterdrückungssystem in der sowjetischen Besatzungszeit und in der DDR und erinnert an die über 50 Oederaner, die in dieser Zeit verhaftet wurden, mindestens 15 von ihnen verstarben in den LagernOliver Hach. Der Mahner im Kreuzgang, in Freie Presse, 9. Dezember 2010
Eingemeindungen Die heutige Stadt Oederan setzt sich aus der Stadt und 13 früher selbstständigen Gemeinden zusammen.
Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung BörnichenGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt 1. Januar 1974 BreitenauStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. Januar 1997 Frankenstein 1. Januar 2012 Gahlenz 1. Januar 2007 Görbersdorf 1. Januar 1974 Hartha 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Frankenstein HetzdorfDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 1. April 1927 Eingemeindung nach Breitenau Hohelinde 1864 Kirchbach 1. Januar 1994 Memmendorf 1. Januar 1994 Eingemeindung nach Frankenstein Schönerstadt 1. Januar 1994 Thiemendorf (mit Werksiedlung Lößnitztal) 1. Januar 1921 Eingemeindung nach Breitenau Wingendorf 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Frankenstein
Einwohnerentwicklung Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2010:Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen Stadt Oederan, abgerufen am 27. März 2018. 1982 bis 1988 1982 – 9.618 1983 – 9.555 1984 – 9.477 1985 – 9.491 1986 – 9.459 1987 – 9.528 1988 – 9.457 1989 bis 1995 1989 – 9.423 1990 – 9.196 1991 – 9.092 1992 – 8.968 1993 – 8.900 1994 – 8.862 1995 – 8.800 1996 bis 2002 1996 – 8.846 1997 – 8.759 1998 – 8.666 1999 – 8.599 2000 – 8.504 2001 – 8.423 2002 – 8.338 2003 bis 2009 2003 – 8.200 2004 – 8.081 2005 – 7.955 2006 – 7.913 2007 – 7.832 2008 – 7.739 2009 – 7.625 2010 bis 2014 2010 – 7.558 2012 – 8.366 2013 – 8.258 2014 – 8.275 Im eigentlichen Stadtgebiet wohnten Stand 30. Juni 2014 insgesamt 4.149 Einwohner.
Politik Stadtrat
Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 21 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:
+letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU733,0523,0835,6AfD629,1523,3––Freie Wähler523,61044,7939,4Oederaner parteilose Wählervereinigung17,2––––Linke14,129,0313,8Grüne13,0––––Bürgerinitiative „Freie Wähler“––––28,7SPD–––––2,5Wahlbeteiligung75,2 %68,8 %55,9 %
Bürgermeister
Seit dem 1. August 2008 ist Steffen Schneider (Freie Wähler) Bürgermeister der Stadt Oederan. Schneider wurde zuletzt am 12. Juni 2022 mit 55,2 % erneut zum Bürgermeister gewählt.Wahlergebnis Bürgermeisterwahl am 12. Juni 2022 in Oederan
+ letzte Bürgermeisterwahlen Wahl Bürgermeister Vorschlag Wahlergebnis (in %)2022Steffen SchneiderFW55,2201563,2200874,92001Gernot KrassseltCDU76,3
Städtepartnerschaften Achères in Frankreich Großkrotzenburg in Hessen
Religionen Die Stadtkirche Oederan, deren Geschichte auf das 13. Jahrhundert zurückgeht, ist seit Einführung der Reformation in Oederan im Jahre 1537 evangelisch-lutherisch und gehört zum Kirchenbezirk Marienberg der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.
Auf römisch-katholischer Seite gibt es in Oederan die Anfang der 1930er-Jahre errichtete Filialkirche „Maria von der immerwährenden Hilfe“, die zur Gemeinde St. Theresia in Flöha gehört. Seit 2020 ist die Gemeinde Flöha mit Oederan Teil der Katholischen Pfarrei St. Johannis der Evangelist Freiberg.katholische-kirche-freiberg.deGeschichte. katholische-kirche-freiberg.de. Die Pfarrei gehört zum Bistum Dresden-Meißen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Tourismus Eine der größten und bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Ortes ist das „Klein-Erzgebirge“, der älteste Miniaturenpark Deutschlands. In einer Parkanlage sind im Miniaturmaßstab 1:25 etwa 205 Sehenswürdigkeiten des Erzgebirges sowie ganz Sachsens und Nordböhmens nachgebaut worden.
mini|hochkant|webMUSEUM Im Jahr 2006 wurden die „Märchenhaften Wasserwelten“ als prämierte Idee des Städtewettbewerb „Ab durch die Mitte“ eröffnet. Hierbei handelt es sich um einen Erlebnispfad mit Wassertechnik, z. B. einem Wasserrad, Wasserpumpe und einer archimedischen Schraube, der als Verbindung vom „Klein-Erzgebirge“ zur Altstadt dient. 2022 wurde ein „Essbarer Wildpflanzenpark“ in Stadtpark, Stadtwald und Teilen der Innenstadt beschildert, für den auch Führungen angeboten werden. Diese Idee wurde mit einem ersten Preis im Städtewettbewerb ausgezeichnet.
Neben dem Rathaus ist seit 2004 ein Museum für Weberei, zunächst als „webMUSEUM Oederan“ benannt, eingerichtet. Hier können sich Besucher am Weben an einem frühneuzeitlichen Webstuhl versuchen. Zudem wird darin auf die von der Industrialisierung bis zur politischen Wende 1989/90 bedeutende örtliche Textilindustrie Bezug genommen, die inzwischen in Brachen liegt oder umgenutzt wurde.
Bauwerke Im Ort steht eine Kursächsische Halbmeilensäule.
Das wichtigste ältere Bauwerk Oederans ist die gotische Stadtkirche Oederan, die im Zeitalter des Historismus überformt wurde. In ihr befindet sich eine Orgel von Gottfried Silbermann in der Stadtkirche Oederan, auf silbermann.org, gesehen am 23. Juni 2010 von Gottfried Silbermann aus dem Jahre 1727.
Überregional bedeutend ist außerdem das Renaissance-Rathaus mit einem verzierten Eckerker. Das Gebäude wurde im Barock stark verändert. Markant ist der vom Freiberger Ratszimmermeister Johann Gottlieb Ohndorff errichtete Dachreiter.
Eine weitere Einrichtung im Ort ist die Volkskunstschule. In einem sanierten ehemaligen Spital können Kinder kreativ basteln und spielen, oder sich künstlerisch beim Schnitzen und Malen betätigen. Aber auch für Erwachsene bieten sich einige Möglichkeiten, wie etwa das Töpfern an.
Hervorzuheben sind weiterhin das denkmalgeschützte Gerichtsgebäude und das historische Empfangsgebäude der Nähgarnproduktion.
Sport und Freizeit Im Ort wurde Mitte der 1990er Jahre das Erlebnisbad Oederan aus dem seit den 1920er Jahren bestehenden Freibad gebaut. Der Oederaner SC ist der bekannteste Fußballklub des Ortes.
Den bis heute bestehenden Oederaner Handballverein gibt es seit 1926.
An der TSG Oederan gibt es u. a. Fechten und Judo.
Infrastruktur Verkehr mini|BahnhofOederan hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Dresden–Werdau (Teil der Sachsen-Franken-Magistrale). Dieser wird im Stunden-Takt von der RB-Linie 30 Dresden–Zwickau bedient. Chemnitz Hbf erreicht man in 20 Minuten, Dresden Hbf in 59 Minuten und Zwickau Hbf in 70 Minuten. Seit Dezember 2014 hält kein Regionalexpress am Bahnhof in Oederan.
Dass die Bahnstrecke zwischen Chemnitz und Freiberg über Oederan führt (obwohl es die damals ungünstigste Variante war) und nicht über Frankenberg und Hainichen, hat die Stadt ihrem Bürgermeister Franz Messerschmied zu verdanken. Sein harter Kampf, auch als Landtagsabgeordneter, gipfelte 1864 in einer Abstimmung des Landtags, bei dem man sich mit 46 zu 32 Stimmen für Oederan entschied. Frankenberg und Hainichen wurden mit einer Nebenstrecke entschädigt.Deine Heimat. 3. Jg. 1958, Heft 12, S. 438.
Außerdem verläuft die Bundesstraße 173 durch Oederan, über welche man in westlicher Richtung Chemnitz (22 km), sowie in östlicher Richtung Freiberg (15 km) und Dresden (50 km) erreicht. Über die Autobahn A 4, Abfahrten Hainichen oder Frankenberg/Sa., erreicht man die Stadt innerhalb einer halben Stunde.
Bildung Grundschule Oederan Oberschule Oederan Volkskunstschule Oederan Gymnasium Oederan (1992 bis 2001)
Persönlichkeiten
Literatur
Tilo Hofmann: Oederan – Stadt des Klein-Erzgebirges. Verlag Geiger, Horb am Neckar 2007, ISBN 3-86595-129-5. Stadtverwaltung Oederan (Hrsg.): Oederaner Stadtführer. Oederan 1994. Werner Ulbricht: Beiträge zur Geschichte der Stadt Oederan, bisher 3 Bände; Verlag Stadtverwaltung Oederan, 1998/2002/2004. Sonja Voigt (Hrsg.): Oederan in alten Ansichten. Verlag Europäische Bibliothek, Zaltbommel 1995, ISBN 90-288-5853-9. Alexander Weinhold: Bergbau im Oederaner Wald. Erfassung lokaler montangeschichtlicher Ereignisse. Verlag TU Bergakademie Freiberg, Freiberg 2007.
Weblinks
Atlas Mittelsachsen Offizielle Internetpräsenz der Stadt Oederan
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Mittelsachsen Kategorie:Ort im Erzgebirge Kategorie:Stadt in Sachsen Kategorie:Bergstadt (Sachsen) Kategorie:Ersterwähnung 1286