mini|hochkant|Franz Anton Mesmer Franz Anton Mesmer – in Publikationen manchmal auch Friedrich Anton Mesmer – (* 23. Mai 1734 in Iznang; † 5. März 1815 in Meersburg) war ein deutscher Arzt. Er führte „magnetische“ Kuren durch und begründete den animalischen Magnetismus, auch Mesmerismus genannt.Justinus Kerner: Franz Anton Mesmer aus Schwaben, Entdecker des thierischen Magnetismus. Erinnerungen an denselben, nebst Nachrichten aus den letzten Jahren seines Lebens zu Meersburg am Bodensee. Frankfurt am Main, Literarische Anstalt 1856. Digitalisiert bei Google
Biografie Familie mini|Moos (am Bodensee), Ortsteil Moos-Iznang, Höristraße 10: Geburtshaus von Franz Anton Mesmer (jetzt Privathaus)
Franz Anton Mesmer war das dritte von neun Kindern des Anton Mesmer, eines Försters beim Fürstbischof von Konstanz. Der Bischof residierte in Meersburg.Thomas Warndorf: „Die Pflicht, zum Nutzen der ganzen Menschheit tätig zu werden“. Der Arzt Franz Anton Mesmer. In: Museumsverein Meersburg (Hrsg.): Meersburger Spuren. Verlag Robert Gessler, Friedrichshafen, 2007. ISBN 978-3-86136-124-4, S. 56–65. Franz Anton Mesmer wuchs auf in Iznang, jetzt ein eingemeindeter Ortsteil von Moos (am Bodensee) auf der Höri am Bodensee, wo er in der Höristraße 10 wohnte. Sein Geburtshaus, ein Fachwerkgehöft, ist noch erhalten.Heinz Schott: Dr. Franz Anton Mesmer (1734–1815) – Arzt und Naturphilosoph, Entdecker des animalischen Magnetismus. Dorfwerkstatt Gaienhofen, Folge 08-1999. In Zusammenarbeit mit dem Hermann-Hesse-Höri-Museum Gaienhofen am Bodensee. S. 5. Seine Urgroßeltern, Großeltern, Eltern, Geschwister und Neffen und Nichten lebten meistenteils in der Bodensee-Gegend. Das kleine Dorf Iznang gehörte wie sein Sterbeort Meersburg bis 1803 zum Hochstift/Fürstbistum Konstanz. 1768 heiratete er Maria Anna von Posch geborene Eulenschenk, eine reiche Witwe und damals auch Besitzerin von Schloss Rothmühle in Schwechat-Rannersdorf bei Wien.Ehefrau von Mesmer, Besitzerin von Schloss Rothmühle www.nestroy.at Stand 9. Januar 2009
Schulzeit und erste Studien Von 1742 bis 1746 erhielt er Musik- und Lateinunterricht im Kloster Grünenberg (ehemals zwischen Moos (am Bodensee), Ortsteil Weiler, und Gaienhofen). Von Bischof Franz Konrad von Rodt erhielt er ein Stipendium und besuchte 1746 bis 1750 das Jesuitenkolleg in Konstanz, am heutigen Sitz des Stadttheaters Konstanz. Danach folgte 1750 bis 1754 das Studium der Logik, Metaphysik und Theologie an der Jesuitenuniversität Dillingen. Ab 1753 studierte er für kurze ZeitWerner E. Gerabek: Mesmer, Franz Anton. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 973. Theologie am Jesuitenkolleg der Universität Ingolstadt.Karl Bittel: Der berühmte Hr. Doct. Mesmer. 1734–1815. Auf seinen Spuren am Bodensee im Thurgau und in der Markgrafschaft Baden mit einigen neuen Beiträgen zur Mesmer-Forschung. Aug. Feyel, Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung, Überlingen 1939. S. 8–9. In Ingolstadt studierte er zudem Mathematik, Philosophie, Physik, alte Sprachen und das Französische.
Wiener Zeit mini|links|Manuskriptseite: De planetarum influxu … 1759 zog Mesmer nach Wien, wo er zunächst Jura und dann Medizin studierte. Er wurde als Schüler von Gerard von Swieten, Hofarzt der Kaiserin Maria Theresia, akzeptiert. Auch der Boerhaave-Schüler Anton de Haen gehörte zu seinen medizinischen Lehrern. Beeinflusst vom katholischen Priester Johann Joseph Gaßner beschäftigte er sich mit den Auswirkungen der Planeten auf den Menschen. Im Jahr 1766 erhielt er bei der öffentlichen Disputation vor der Hohen Medizinischen Fakultät der Universität Wien unter Vorsitz von Gerard von Swieten und Anton von Störk den medizinischen Doktorgrad.Stadtmuseum Meersburg (Hrsg.): Faltblatt über das Museum, Sonderausstellung Mesmer in Raum 1 und 2, ca. 2000 In seiner durch die Lehren des Paracelsus inspirierten Dissertation De planetarum influxu in corpus humanum (Der Einfluss der Planeten auf den menschlichen Körper) entwickelte er die Idee, die gegenseitigen Anziehungskräfte der Planeten übten ein „subtiles physisches Fluidum“ aus.James Webb: Die Flucht vor der Vernunft: Politik, Kultur und Okkultismus im 19. Jahrhundert. Marix Verlag GmbH Wiesbaden; 1. Auflage 2009. S. 69–70. Das von Mesmer postulierte magnetische Fluidum stand für ihn sowohl im Zusammenhang mit den damaligen Theorien zur Gravitation, zum Ferromagnetismus, zur Elektrizität und zur Wärme als auch mit der als Rapport bezeichneten zwischenmenschlichen Kommunikation.Sabine Kleine: Der Rapport zwischen tierischem Magnetismus und Hypnotismus. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 13, 1995, S. 299–330; hier: S. 302 f.
Am 10. Januar 1768 heiratete er die im April 1767 verwitwete Maria Anna von Posch, geborene von Eulenschenk. Sie zogen in Wien in die Landstraße 261, in ein Haus mit Laboratorium, Praxis, großem Garten und Theater, und pflegten wegen Mesmers Liebe zur Musik Umgang mit Christoph Willibald Gluck, Joseph Haydn, Leopold Mozart und dem damals bereits als Wunderkind gefeierten Wolfgang Amadeus Mozart. Immer wieder fälschlich mit Anton Mesmer in Verbindung gebracht wurde und wird Mozarts Singspiel (in der Partitur: Operette) Bastien und Bastienne. Auftraggeber war nach Georg Nikolaus Nissen und Otto Jahn indes sein Vetter, der Rektor der Bürgerschule zu St. Stephan, Joseph Conrad Mesmer.G. N. Nissen: Wolfgang Amadeus Mozart, Leipzig 1828 / Reprint Hildesheim 1972, S. 127; Wolfgang Jahn: Wolfgang Amadeus Mozart, Band I, Leipzig 1856, S. 113. Anton Mesmer hingegen spielte im Jahr 1773 auf der Glasharmonika der Marianne Davies (in Leopold Mozarts Brief: Miss Devis).Karl Bittel: Der berühmte Hr. Doct. Mesmer. 1734–1815. Auf seinen Spuren am Bodensee im Thurgau und in der Markgrafschaft Baden mit einigen neuen Beiträgen zur Mesmer-Forschung. Aug. Feyel, Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung, Überlingen 1939. S. 9–10. Mozart komponierte zwei Stücke für die Glasharmonika (KV 647 und KV 356).
mini|Gedenktafel an der Stelle des Palais Mesmer in der Rasumofskygasse 29 in Wien-Landstraße
1774 hörte Mesmer von den Heilerfolgen des Jesuitenpaters und Astronomen Maximilian Hell, die dieser mit Magneten erzielt hatte, deren natürlicher Strahlung er eine heilsame Wirkung auf tierische und menschliche Organismen zuschrieb. Nach einigen eigenen Experimenten gelangte er zu der Überzeugung, dass die Magnetkuren, die er ebenfalls anzuwenden begann, nicht durch seine Magneten, sondern seinen eigenen körperlichen Einfluss zustande kamen.James Webb: Die Flucht vor der Vernunft: Politik, Kultur und Okkultismus im 19. Jahrhundert. Marix Verlag GmbH Wiesbaden; 1. Auflage 2009. S. 70. Diese Thesen legte er im Sendschreiben an einen auswärtigen Arzt über die Magnetkur (Wien 1775) für die Fachwelt nieder und nannte sie „Animalischen Magnetismus“.
Die Wiener Medizinische Fakultät stand den Thesen Mesmers sehr kritisch gegenüber, und als er ein Hospital für seine Methode des Heilens in Wien gründete und damit sehr erfolgreich war, formierten sich die Gegner. Sie benutzten seine erfolglose Therapie der bekannten Pianistin und Komponistin Maria Theresia Paradis (1759–1824), die seit dem dritten Lebensjahr blind war, um seine Heilmethode als unwirksam hinzustellen. Dies wurde für ihn zum Stolperstein. 1777 wurde von einer durch die Kaiserin einberufenen Expertenkommission festgestellt, dass Mesmers Heilmethode nur Betrug sei.
Zeit in Paris Am 20. Januar 1778 zog Mesmer daher nach Paris. Im Februar 1778 quartierte er sich in einem Haus an der Place Vendôme ein. Die Wiener Gesandtschaft half ihm beim Aufbau einer Praxis, die innerhalb kurzer Zeit sehr beliebt und erfolgreich war. Auch hier wurde er von der medizinischen Fakultät feindlich aufgenommen. Die von der Universität eingesetzte Kommission kam zu einem ebenso vernichtenden Urteil wie die Kommission in Wien.
Im Jahr 1779 formulierte er 27 Leitsätze in der Abhandlung über die Entdeckung des tierischen Magnetismus.Abhandlung über die Entdeckung des thierischen Magnetismus, Carlsruhe 1781 () (Nachdruck: Tübingen 1985, ISBN 3-88769-507-0); Wayback – Übersetzung der „Mémoire sur la découverte“. Von Ludwig XVI. und Marie-Antoinette wurde ihm eine beträchtliche Summe für seine Methode geboten. Ihm ging es aber angeblich nicht um Geld, sondern um die Anerkennung seiner Methode, und er zog vorübergehend nach Spa.
Mesmer kehrte 1781, durch Nicolas Bergasse bestärkt, nach Paris zurück. Bergasse, einem Verfechter der Mesmerschen Theorien, gelang es, eine Subskription zu eröffnen, die 340.000 Livres eintrug, obwohl die genaue Behandlungsmethodik nie mitgeteilt wurde. Daraufhin verlagerte Mesmer sich darauf, seine „heilsame Praktik“ in zwanzig geschlossenen Vereinen mit dem Namen Gesellschaft der Harmonie im gesamten Königreich Frankreich durch von ihm aufgestellte Lehrer gemeinnützig ausführen zu lassen. Dies gelang ihm zehn Jahre lang. Er verfasste seine Maßregeln zur Heilbehandlung auf Französisch, das er erst in Frankreich erlernte. Ein berühmter Schüler war General Lafayette.Mesmerismus oder System der Wechselwirkungen, Theorie und Anwendung des thierischen Magnetismus als die allgemeine Heilkunde zur Erhaltung des Menschen. Mit dem Bildniß des Verfassers und 6 Kupfertafeln, hrsg. von Karl Christian Wolfart, Berlin, Nikolai 1814 (Nachdruck: E. J. Bonset, Amsterdam 1966, Kapitel „An den Leser, der Herausgeber“ mit Zitaten von Mesmer, S. IX); Original als E-Text bei BSB – Bayerische Staatsbibliothek digital, MDZ – Münchener DigitalisierungsZentrum Digitale Bibliothek
Durch seine große Bekanntheit sah sich die Regierung im März 1784 schließlich veranlasst, die Sache durch eine Königliche Kommission, die u. a. mit den Wissenschaftlern Jean Sylvain Bailly, Joseph-Ignace Guillotin, Benjamin Franklin und Antoine Laurent de Lavoisier besetzt war, genau zu untersuchen. Diese kam zusammen mit der Königlichen Medizinischen Gesellschaft zu einem sehr ungünstigen Urteil, da sie keine klare Beweiskette zwischen Behandlung und Heilungserfolg feststellen konnten.Karl Bittel: Der berühmte Hr. Doct. Mesmer. 1734–1815. Auf seinen Spuren am Bodensee im Thurgau und in der Markgrafschaft Baden mit einigen neuen Beiträgen zur Mesmer-Forschung. Aug. Feyel, Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung, Überlingen 1939. S. 10–11.Eine englische Übersetzung des Berichtes kann abgerufen werden über http://www.rcpe.ac.uk/heritage/anton-mesmer-and-his-animal-magnetism
Wegen der sich abzeichnenden Revolution flüchtete er in sein Vaterland. Es folgten Reisen durch England und Deutschland.
Reise ins Badische Johann Caspar Lavater hatte sich 1785 beim Badischen Markgrafen Karl Friedrich für den Magnetismus eingesetzt. Der Magnetismus wurde untersucht, kritisiert, vom Markgrafen anerkannt (Geheimes Kabinetts-Protokoll vom 17. März 1788) und von Anhängern der magnetischen Bewegung ausgeübt. Im Juni 1788 kam Mesmer nach Karlsruhe.Karl Bittel: Der berühmte Hr. Doct. Mesmer. 1734–1815. Auf seinen Spuren am Bodensee im Thurgau und in der Markgrafschaft Baden mit einigen neuen Beiträgen zur Mesmer-Forschung. Aug. Feyel, Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung, Überlingen 1939. S. 12–15.
Reise nach Wien