Lichterfelde ist ein Ortsteil im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Er ist geprägt von der Villenkolonie Lichterfelde, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf der Feldflur der alten Dörfer und Rittergüter Lichterfelde und Giesensdorf entstand.

In Lichterfelde befinden sich neben der Villenkolonie auch der Botanische Garten Berlin sowie der als „Prominentenfriedhof“ bekannte Parkfriedhof Lichterfelde. Auch Hauptstandorte des Bundesnachrichtendienstes und des Bundesarchivs sowie die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung liegen im Ortsteil.

Geographie

Lage Lichterfelde grenzt im Nordwesten an Dahlem, im Nordosten an Steglitz, im Westen an Zehlendorf und im Osten an Lankwitz sowie im Süden an Teltow und Großbeeren im benachbarten Bundesland Brandenburg. Der südlichste Punkt des Ortsteils wird durch das Japaneck markiert.

Struktur und Bebauung mini|Übersichtskarte von Lichterfelde

Lichterfelde West

mini|Lage der Villenkolonie in Lichterfelde West

Der größte Teil der Ortslage Lichterfelde West wird von der Villenkolonie Lichterfelde eingenommen. 1865 gründete der Unternehmer Johann Anton Wilhelm von Carstenn die Villenkolonie Lichterfelde und ließ auf eigene Kosten die Bahnhöfe Lichterfelde Ost (1868) und Lichterfelde West (1872) erbauen. Es ist als eines der ältesten Villenviertel Berlins bekannt. Herrschaftliche Villen im Stil des Historismus, große Gärten, kleine Alleen und gepflasterte Straßen prägen das Viertel. Ein Teil der Villenkolonie entstand auch um den Bahnhof Lichterfelde Ost, wo jedoch nur wenige der Villen den Zweiten Weltkrieg überlebten. Die Villen zeichnen sich durch eine große Vielfalt zum Teil phantasievoller Baustile aus, bis hin zu Jugendstil­bauten, die um 1900 entstanden. Nach 1900 entwickelte sich Dahlem als weiteres Villenviertel und schloss Lichterfelde West an den Ortsteil Grunewald an.

Carstenn finanzierte dem preußischen Staat auch den Umzug der Preußischen Hauptkadettenanstalt in großzügige Gebäude an der damaligen Zehlendorfer Straße (seit 1933: Finckensteinallee). In der Zeit des Nationalsozialismus war dort die 1. SS-Panzer-Division Leibstandarte SS Adolf Hitler untergebracht. Nach 1945 nutzte die US Army unter dem Namen Andrews Barracks die Kasernenanlage. Seit den 1990er Jahren befindet sich dort unter anderem eine Zweigstelle des Bundesarchivs. Von 1880 bis 1920 hatte das Garde-Schützen-Bataillon seinen Standort ebenfalls in Lichterfelde West in der neuen Gardeschützenkaserne, die nunmehr Teile des Bundesnachrichtendienstes beherbergt.

Heute steht der Großteil der historischen Bausubstanz in Lichterfelde West unter Denkmalschutz. Um den Charakter der Gartenstadt zu wahren, ist mittlerweile auch das Bauen von Mehrfamilienhäusern und Mietshäusern in der Villenkolonie untersagt.

Lichterfelde West verzeichnete nach dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin die höchste Steigerungsrate bei Immobilien- und Mietpreisen im ehemaligen West-Berlin und zählt heute zu den wohlhabendsten Wohngegenden der Stadt. Die erhaltene historische Bausubstanz steht inzwischen weiträumig unter Denkmalschutz. Seit dem Mauerfall profitiert die Villenkolonie wieder von der direkten S-Bahn-Verbindung nach Berlin-Mitte (Linie S1).

Julius Posener, der Architekt und langjährige Vorsitzende des Deutschen Werkbundes, der in Lichterfelde West aufwuchs, beschrieb die Villenkolonie so:

Lichterfelde Ost mini|Gutshaus Lichterfelde am Hindenburgdamm

Lichterfelde Ost, das im Osten an den Steglitz-Zehlendorfer Ortsteil Lankwitz grenzt, war der ältere Teil der Villenkolonie und hat im Zweiten Weltkrieg starke Beschädigungen davongetragen. Insbesondere ursprünglich repräsentativ gestaltete Gartenanlagen um den Bäkefluss und den Teltowkanal fielen später Gewerbegebieten zum Opfer. Heute finden sich hier neben einigen erhaltenen Gründerzeitvillen vor allem Mietshäuser der Nachkriegsmoderne. Die alten Alleen sind weitestgehend intakt.

Die Gegend um den Kranoldplatz am Bahnhof Lichterfelde Ost ist das größte Geschäftszentrum des Ortsteils Lichterfelde. Hier finden sich das Einkaufszentrum LIO sowie kleinere Geschäfte und ein Wochenmarkt.

Das ehemalige Dorf Lichterfelde ist fast nur noch als Aufweitung des Hindenburgdamms im Bereich der Dorfkirche Lichterfelde nahe beim Gutshaus Lichterfelde zu erkennen.

Lichterfelde Süd mini|Lilienthal-Gedenkstätte in Lichterfelde Süd

In Lichterfelde Süd befindet sich die zwischen 1968 und 1974 erbaute Thermometersiedlung. Es handelt sich hierbei um eine Großwohnsiedlung mit Hochhaus-Bebauung in stark reduzierter Formensprache der Nachkriegsmoderne. Das Wohnviertel zwischen Osdorfer Straße und der Bahnstrecke Berlin–Halle unterscheidet sich in seiner Bevölkerungsstruktur von den übrigen Gebieten des Bezirks Steglitz-Zehlendorf und ist durch Haushalte mit deutlich geringerem Einkommen geprägt.

Auf dem ehemaligen US-Truppenübungsplatz Parks Range wird aktuell (Stand: 2026) das Stadtquartier Neulichterfelde gebaut. Geplant sind 2500 Wohnungen sowie Reihenhäuser auf einer Fläche von 39 Hektar.

Gewässer Von den ursprünglichen Wasserläufen und Gewässerflächen sind durch die Bebauung nur einige verblieben. Eichenteich im Botanischen Garten () Karpfenteich () am Königsgraben gelegen im Lilienthalpark. Johann-Baptist-Gradl-Grünzug () Schwatlograben () Limonenteich () Schilfluchgraben () Stangenpfuhl (Wasserrückhaltebecken) und Stangenpfuhlgraben () Südpfuhl ()

Geschichte

13. Jahrhundert: Erste Besiedelung mini|Dorfkirche Lichterfelde

Mit der Deutschen Ostsiedlung entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts (etwa um 1230) das Dorf, das vermutlich von flämischen Ansiedlern gegründet wurde. Dies spiegelt sich im Ortsnamen wider, der auf Westflämisch lichtervelde zurückzuführen ist (wie beispielsweise auch Lichtervelde in Flandern).

Lichterfelde wurde als Straßenangerdorf angelegt, mit einer Dorfkirche auf dem Anger, die als Gründung der Templer gilt. Sie bestand vermutlich nur aus Holz, denn die Bearbeitung des Feldsteinmauerwerks der heutigen Dorfkirche deutet auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts. Sie wurde in der Folge mehrfach umgestaltet und erweitert. Die letzte große Umgestaltung fand zwischen 1939 und 1941 statt. Die Kirche wurde dabei romanisiert.

Im Jahr 1289 tauchte urkundlich ein Arnoldus de Lichterfeld auf; 1316 wurde Lichtervelde als Dorf genannt. Um 1375 wurden die von Britzkes als Inhaber diverser Rechte (Abgaben, Gerichtsbarkeit) erwähnt; ihr Einfluss endete 1692. Seitdem wechselte die Herrschaft über das Gut mehrfach innerhalb kurzer Zeit. Im Landbuch Karls IV. wurde Lichterfelde 1375 mit 39 Hufen erwähnt, von denen der Pfarrer drei hatte. Es gab einen Schulzen und eine (Wasser-)Mühle, aber der Krug lag wüst. 1450 wurden in Lichterfelde nunmehr 52 Hufe gezählt (vermutlich hat es eine Nachvermessung gegeben). Immer noch hatte der Pfarrer drei Pfarrhufen, und der Krug war inzwischen besetzt. Im Jahr 1536 erwähnte ein Dokument einen Wohnhof derer von Britzke und eine Windmühle.

19. Jahrhundert: Gründung der Villenkolonie und Landgemeinde Groß-Lichterfelde mini|Das 1894 errichtete Rathaus Lichterfelde

Der Unternehmer Johann Anton Wilhelm von Carstenn erwarb 1865 die hoch verschuldeten Rittergüter Giesensdorf und Lichterfelde, um auf diesen Flächen die Villenkolonie Lichterfelde zu gründen, wo sich in der Folgezeit finanzkräftige Bürger, mittlere und höhere Beamte sowie viele Offiziere der Königlich Preußischen Hauptkadettenanstalt ansiedelten.

In den Jahren 1877/1878 vereinigten sich die Gutsbezirke Lichterfelde und Giesensdorf sowie die Gemeindebezirke von Lichterfelde und Giesensdorf zum Gemeindebezirk Groß-Lichterfelde. Die Dorfkirche Giesensdorf entstand wahrscheinlich um das Jahr 1250. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Beim Wiederaufbau wurde der hölzerne Glockenturm nicht wieder neu errichtet, sondern die Glocken wurden in einem Dachreiter untergebracht.

Von 1878 bis 1920 war Lichterfelde Sitz der Preußischen Hauptkadettenanstalt. Dorthin verkehrte ab 1881 die erste elektrische Straßenbahn der Welt, die Werner Siemens als „elektrische Eisenbahn“ bezeichnete. In Lichterfelde Süd liegt der Fliegeberg, von dem der Flugpionier Otto Lilienthal 1894 seine ersten Flugversuche mit selbstgebauten Gleitflugapparaten startete. Seit 1932 befindet sich dort eine Lilienthal-Gedenkstätte.

Durch die deutlich gestiegenen Einwohnerzahlen und um dem neuen Selbstbewusstsein von Groß-Lichterfelde gerecht zu werden, wurde bis 1894 das Rathaus Lichterfelde, das allerdings nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg abgerissen wurde, errichtet. Zudem entstand von 1902 bis 1906 das Amtsgericht Lichterfelde, das heute in seiner Substanz erhalten ist und als Zweigstelle des Amtsgerichts Schöneberg genutzt wird.

Im Verlauf der Bäke-Niederung wurde im Jahr 1906 der Teltowkanal eröffnet. Einige Jahre vorher, im Frühjahr 1897 wurde ein reich verzierter Holzpavillon der Berliner Gewerbeausstellung 1896 nach Lichterfelde umgesetzt; er wurde unter dem Namen Wiesenbaude als Ausflugsgaststätte überregional bekannt.

Die neugotische Nazareth-Kirche zu Ehren der Heiligen Familie entstand 1901. Die Lichterfelder Dorfaue war Standort eines weit bekannten und im Jahr 1898 enthüllten Standbildes von Kaiser Wilhelm I., gefertigt von Ernst Wenck, das – bedingt durch den Zweiten Weltkrieg verlagert – heute in der Zitadelle Spandau aufgestellt ist.

1912 wurde Groß-Lichterfelde in ‚Berlin-Lichterfelde‘ umbenannt und ist seit 1920 ein Teil von Groß-Berlin und gehörte als Ortsteil zum damaligen Bezirk Steglitz, der während der Teilung Berlins ein Teil des Amerikanischen Sektors war.

In den Jahren 1925–1929 wurde an der Straßenkreuzung Hindenburgdamm / Königsberger Straße unmittelbar gegenüber der bekannten Ausflugsgaststätte Wiesenbaude das große und markante Postamt Lichterfelde nach den Plänen von Postbaurat Robert Gaedicke gebaut

mini|Blick vom Platz des 4. Juli auf das ehemalige Telefunkenwerk

Ab 1930 In seinem Forschungslaboratorium für Elektronenphysik in Lichterfelde Ost, Jungfernstieg 19, heutige Villa Folke Bernadotte, gelang 1930 dem Physiker Manfred von Ardenne die weltweit erste elektronische Bildzerlegung und -wiedergabe mit zeilenweiser Abtastung über eine Photozelle und Wiedergabe auf einer Kathodenstrahlröhre. Die „Weltpremiere des elektronischen Fernsehens“ war auf der 8. Großen Deutschen Funkausstellung 1931 zu sehen.Endlich Fernsehen! Bei: DRadio Wissen, 14. Dezember 2014, abgerufen am 14. Dezember 2014.

Größtes Bauvorhaben der 1930er Jahre war, anfangs noch auf Zehlendorfer Gebiet westlich des Parkfriedhofs zwischen Osteweg und Goerzallee, das ab 1937 errichtete Telefunkenwerk Zehlendorf. Es war von 1938 bis 1945 Stammwerk und Unternehmenssitz der (ab 1941 alleinigen) AEG-Tochtergesellschaft Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie. Der nach Plänen des Architekten Hans Hertlein bis 1940 errichtete Gebäudekomplex mit zuletzt 90.000 m² Nutzfläche (damalige Postanschrift: Zehlendorf; Vierter Ring/Osteweg) am heutigen Platz des 4. Juli sollte insgesamt 37 Berliner Telefunken-Standorte zusammenfassen. Die nach Kriegsende durch die amerikanische Besatzungsmacht beschlagnahmten Gebäude waren bis 1994 US-Kaserne (McNair Barracks). Das Bauensemble steht unter Denkmalschutz und wurde zu Loftwohnungen umgestaltet.

Die Berliner Gebietsreform mit Wirkung zum 1. April 1938 hatte zahlreiche Begradigungen der Bezirksgrenzen sowie einige größere Gebietsänderungen zur Folge. Der östliche Rand des Bezirks Zehlendorf wurde ab dem Dahlemer Weg zu Lichterfelder Gebiet.

mini|hochkant|Mahnmal für das KZ-Außenlager Lichterfelde: die Säule der Gefangenen von Günther Oellers