Vals (, von den Walserdeutsch sprechenden Einheimischen Falsch ausgesprochen,Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band V 1b. Das Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 912, gibt eine Aussprache an. ) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Graubünden. Sie gehört zur Region Surselva.
Vals ist eine walserdeutsche Sprachinsel im rätoromanischen Val Lumnezia. Die Walser sind Nachkommen von Oberwallisern, die im 14. Jahrhundert einwanderten und die höchstgelegenen Täler Graubündens besiedelten.
Geographie mini|links|Dorf Vals mit Steinplattendächern mini|links|Altes Walserhaus am Dorfplatz von Vals Das Gemeindegebiet besteht aus fünf Tälern, wobei jedoch nur das Haupttal, das Valser Tal bewohnt ist, das vom Valser Rhein durchflossen wird. Der Ort Vals wird in diesem Haupttal von zwei Schluchten, jeweils im Norden und im Süden, abgeschnitten. Von den knapp 176 km² Fläche besteht knapp die Hälfte aus Wiesland und Alpweiden, der Bergwald bedeckt acht Prozent des Tals, und der Rest besteht aus Fels und Eis (Gletscher). Flächenmässig etwa so gross wie das Fürstentum Liechtenstein ist Vals eine der grössten Gemeinden der Schweiz. Die höchste Erhebung mit Anteil der Gemeinde Vals ist das Rheinwaldhorn auf
Die Nachbargemeinden von Vals sind nördlich Lumnezia (rätoromanisches Sprachgebiet), östlich Safiental (deutschsprachig) sowie südlich Nufenen (deutsch), Hinterrhein (deutsch), sowie jenseits der Adula-Alpen die Gemeinde Blenio (italienischsprachig). Der Dorfkern heisst Vals Platz.
Es gibt auf dem Gebiet der Gemeinde Vals eine ganze Reihe typischer Walser-Hofsiedlungen, die früher alle ganzjährig bewohnt waren. Die meisten werden heute noch als Maiensäss genutzt. Ganzjährig bewohnt ist neben Vals Platz nur noch der südwestlich oberhalb des Dorfs gelegene Weiler Leis.
Die erwerbstätige Bevölkerung arbeitet zu 23 % in der Land- und Forstwirtschaft, zu 29 % in Industrie und Gewerbe und zu 48 % im Dienstleistungssektor.
Geschichte mini|links|Fronleichnamsprozession in Vals, 1911 mini|x230px|Luftbild aus 4000 m von Walter Mittelholzer (1919) Funde aus der Bronzezeit wurden im Umfeld der Therme und am Tomülpass, solche aus der Eisenzeit am Aufstieg zum Valserberg gemacht. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde das Valsertal von Romanen extensiv genutzt, wie der Ortsname Vals (zu romanisch val‚Tal‘Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld 2005, S. 912.) sowie eingedeutschte romanische Flurnamen wie Selvaalp (zu romanisch selva ‚Wald‘) bezeugen. Um 1290 bestanden im Talgrund vier bis sieben Höfe mit Viehzucht, vorab mit Schafhaltung. Nach 1300 rodeten deutschsprachige Walser aus dem Rheinwald und vielleicht aus dem Valle di Blenio auch die Seitentäler. Der Grundherrschaft waren Zuzüger durchaus nicht unerwünscht und dementsprechend erfolgte die Besiedelung im Einvernehmen. Die Siedler in Zervreila waren vielleicht italienischsprachige Kolonisten von Blenio. Die Walser wurden in ihrer Expansion talauswärts erst 1457 durch das Bodenverkaufs- und Heiratsverbot der Lugnezer gebremst. Die Leute von Blenio bestiessen bis Ende des 19. Jahrhunderts über den Passo di Soreda zwei Alpen im oberen Tal. mini|Aquatinta von Ludwig Hess aus dem Jahre 1798 mit Ansicht des Saumweges nach Vals längs des Valser Rheines
Der Churer Bischof war seit dem Hochmittelalter wichtigster Grundbesitzer und Inhaber der Hoheitsrechte, die er den Freiherren von Belmont und später den Grafen von Sax-Misox als Lehen überliess. Vals gehörte zur Lugnezer Talkirche Pleif. Vor 1345 wurde eine eigene Pfarrpfründe gestiftet, ein Leutpriester wird 1520 erwähnt. Das Patrozinium der Kirche St. Peter am Platz ist 1451 bezeugt. Deshalb wird das Tal gelegentlich auch als St. Peterstal bzw. romanisch als Val Sogn Pieder bezeichnet. Der Neubau St. Peter und Paul datiert von 1643, die Wallfahrtskapelle St. Maria in Camp von 1692. Weitere Kapellen entstanden in den Aussensiedlungen.
Der Beitritt zum Oberen Bund erfolgte 1395, der Auskauf der bischöflichen Hoheitsrechte 1538. Die Gerichtsgemeinde Vals besass ein eigenes Zivilgericht samt Ammann, für die Kriminalgerichtsbarkeit vereinigte es sich mit dem Lugnez zum gleichnamigen Hochgericht. Vals setzte sich aus den vier Nachbarschaften zur Kirche, Camp mit Soladüra, Valé mit dem Peiltal sowie Leis mit Zervreila zusammen.
mini|Vals in einem Bild von 1903 mit dem alten Kurbad Der Weg talauswärts war bis zum Bau der Strasse 1881 beschwerlich, weshalb Vals lange Zeit gegen Süden und Osten zu seinen walserischen Nachbarn im Rheinwald und im Safiental orientiert war. Im Gegensatz zu diesen vermochte sich jedoch die Reformation in Vals nicht durchzusetzen, Vals blieb katholisch. Es wurden Viehzucht wie Ackerbau in Einzelhofwirtschaft betrieben. Die Einzelsennerei blieb bis ins 20. Jahrhundert üblich. Welschlandhandel und ein bescheidener Export von Handelswaren mittels Trägern über den Valserberg bestanden vor allem ins Rheinwald und zu den südlich von Splügen und San Bernardino gelegenen Märkten. Die exponiertesten Dauersiedlungen in Zervreila und im Peiltal wurden ab dem 17. oder 18. Jahrhundert Maiensässe. Gut bezeugt ist die saisonale Wanderung von Erntearbeitern ins Rheinwald sowie die Schwabengängerei vieler Kinder nach Süddeutschland.
Die Hochwasser- und Lawinengefahr in Vals ist gross. Erst nach der Anlage der Fahrstrasse von Ilanz her 1878–1879 orientierte sich die Gemeinde nach Norden. 1893 öffnete das Kurhaus und die Badeanstalt. Ein Bad ist allerdings schon 1732 bezeugt. 1970 wurde ein neues Kurzentrum eröffnet. 1951 bis 1958 erfolgte der Bau der Zervreilakraftwerke. Seit 1961 wird das Valserwasser vertrieben, Skilifte bestehen seit 1964. Vals als grösste und einzige deutschsprachige Gemeinde im Kreis Lugnez ist seit 1988 im Turnus Landsgemeindeort. Das wirtschaftliche Rückgrat der Gemeinde bildet der Tourismus mit 1093 Gästebetten im Jahr 2002. Das 1996 in Betrieb genommene neue Thermalbad Therme Vals, ein architektonisches Meisterwerk von Peter Zumthor, machte Vals berühmt. 2012 erhielt das Dorf den europäischen Dorferneuerungspreis.
Die einst selbständige Gemeinde St. Martin wurde per 1. Januar 2015 in die Gemeinde Vals eingegliedert.
Luftangriff von US-Kampfbombern am 22. Februar 1945 Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Dorf von drei oder vierhttps://nossaistorgia.ch/documents/01k818qshv8p4fdw5tskp1zbj8 Kampfflugzeugen der United States Army Air Forces (USAAF) bombardiert, siehe auch Alliierte Bombenabwürfe auf die Schweiz. Die USAAF anerkannte ihre Schuld und sicherte Wiedergutmachung zu.www.festung-oberland.ch 2020: Luftangriff: Bunker nur knapp verfehlt
Die Luftlinie zwischen der italienischen Grenze und Vals beträgt nur 15 Kilometer.
Lawinenkatastrophe vom 20. Januar 1951 Bergdörfer wie Vals waren in früheren Zeiten immer schon durch Lawinen bedroht gewesen, da Schutzbauten fehlten. Im Lawinenwinter 1598 fielen in den Alpen massenweise Schnee und dies führte nach der Chronik des Hans Ardüser zu vielen Menschenopfern im ganzen Alpengebiet. Am 9. April 1598 zerstörten die Schneemassen auch in Vals viele Gebäude und 150 Stück Vieh, und man zählte 6 Tote. Weitere Lawinen- und Schneeopfer wollte man dann landesweit durch die Erhaltung von Schutz- und Bannwäldern vermeiden. Der Klimawandel als Ursache bleibt bis in die Moderne der Hauptgrund für solche Extremereignisse, wie der Lawinenwinter 1951 zeigte, als in Vals wiederum zerstörerische Lawinen niedergingen. Im Talgrund waren innert drei Tagen anderthalb Meter Neuschnee gefallen. Am 20. Januar 1951 ging im Malatobel eine Lawine nieder, was zuletzt 1812 der Fall gewesen war. Der Gemeindepräsident ordnete die Evakuierung der gefährdeten Häuser an, was aber nicht oder nur teilweise befolgt wurde. Um 21.59 Uhr ging die Alpbühllawine nieder und erfasste den gesamten Dorfteil auf der Westseite des Tals zwischen Glüs und dem Kurhaus bei der Therme. 11 Häuser und 12 Ställe wurden von der Lawine erfasst. Insgesamt wurden 30 Menschen verschüttet, davon starben 19, darunter 14 Kinder. Auch 12 Rinder und 13 Ziegen kamen ums Leben.Christian Pfister: Am Tag danach. Zur Bewältigung von Naturkatastrophen in der Schweiz 1500–2000; Haupt, 2002; ISBN 3-258-06436-9; S. 158
Wappen
Bevölkerung mini|Winteransicht von Vals von oben Bevölkerungsentwicklung Jahr 1658 1850 1900 1950 1970 2000 2019Ab 2015 einschliesslich der vormaligen Gemeinde St. Martin. 2020 Einwohner 800 761 736 943 1037 885 979 946
Wirtschaft Vals ist zum grossen Teil vom Tourismus abhängig, besitzt jedoch dank dem anstehenden Gestein und der Thermalquelle auch einen starken Gewerbesektor.
Truffer AG mini|Die Dächer sind in Vals mit lokalem Stein zu decken. Das Familienunternehmen Truffer AG bearbeitet Steinplatten (Valser Quarzit) für die Baubranche und stellt Platten für den Bau von Inneneinrichtungen (z. B. Küchen) her. Ausser für die Therme lieferte die Unternehmung auch Steinplatten für den Bundesplatz in Bern und den Zürcher Sechseläutenplatz. 2022 erbaute die Firma das Haus Balma in Vals selbst mit einer prägnanten Steinplatten-Fassade unter Leitung des Architekten Kengo Kuma.
In Vals sind sämtliche Dächer – auch neuer Häuser – mit dem lokalen Stein zu decken. Das Ortsbild bleibt dadurch einheitlicher als in vergleichbaren Gebieten.
Kraftwerke Zervreila AG Die Kraftwerke Zervreila erzeugen durch Wasserkraft ihrer Speicherbecken Elektrizität. Der Stausee Zervreila ist der fünftgrösste in der Schweiz. Nach der kleinen Zentrale in Zervreila nutzt die Firma das Wasser durch Produktionsanlagen in Wanna, Safien, Rothenbrunnen und Realta, mit insgesamt genutzten knapp 1200 Höhenmetern. Die gesamte Anlage wurde im Jahre 1958 in Betrieb genommen. Am Bau beteiligten sich bis zu 1500 Personen. Der Name entstammt der ursprünglichen Siedlung Zervreila, welche sich in der Teilung des Tales etwa 1,5 km hinter der Staumauer befand. Wie üblich wurde für die abgerissene Kirche eine Kapelle erstellt, sie steht rund 100 Höhenmeter südöstlich über der Staumauer.
mini|Valser Wasser
Valser Mineralquellen AG Valser, im Jahre 1960 von Donald M. Hess und Dr. Robert Schrauder gegründet und in die Hess Group integriert, gehört der Coca-Cola HBC. Valser ist nach inoffiziellen Angaben das bekannteste Mineralwasser der Schweiz und verdankt seinen Namen der St. Petersquelle. Die Quelle wird bereits seit Jahrhunderten als Heilquelle genutzt. Funde beim Bau des ersten Kurhotels hatten gezeigt, dass sie vermutlich schon in prähistorischer Zeit genutzt wurde. Die Valser Mineralquellen AG ist ein wichtiger Arbeitgeber im Dorf und besitzt neben verschiedenen modernen Anlagen auch ein Besucherzentrum. Das Mineralwasser wird nach dem Aufbereiten und Abfüllen mittels Lastwagen und Bahntransport logistisch in alle Welt vertrieben.
Tourismus Therme Vals mini|Thermal Bassin, Vals-Platz. Bild von Leo Wehrli, 1949 mini|Therme in Vals
Seit 1893 bestanden mit wechselndem Erfolg Hotelbetriebe an der Thermalquelle. Die Therme Vals (früherer Name: Felsentherme) erfüllt die strenge Definition für ein Thermalbad, während die in ähnlichem Gestein liegenden Andeerer Quellen (südlich der Via Mala) nur 18 °C erreichen. Das Wasser tritt mit zirka 30 °C aus dem Boden aus. Jeweils die Hälfte des Wassers wird von der Valser Mineralquellen AG und vom Thermalbad genutzt. Die aktuelle, 1996 neu gebaute Therme des Architekten Peter Zumthor wurde mit rund 60'000 Steinplatten aus Valser Quarzit gebaut, die im nahegelegenen Steinbruch abgebaut werden.