mini|Hartmut Mehdorn (März 2008) Hartmut Mehdorn (* 31. Juli 1942 in Warschau) ist ein ehemaliger deutscher Industriemanager und Maschinenbauingenieur.

Nach dem Studium des Maschinenbaus an der TU Berlin arbeitete Mehdorn in verschiedenen Positionen der Luftfahrtindustrie. Er war Vorstand der DASA und Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen AG. Vom 16. Dezember 1999 bis 30. April 2009 war er Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bahn AG. Presseinformation. Deutsche Bahn, 25. April 2009. Vom 1. September 2011 bis 7. Januar 2013 leitete er Air Berlin. Ab März 2013 bis 2015 war Mehdorn Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH und damit auch für den Bau des Flughafens Berlin Brandenburg verantwortlich.

Leben

Kindheit, Jugend und Studium Mehdorn wurde 1942 als Sohn des Ingenieurs Wolfgang Mehdorn und der Hausfrau Erika Mehdorn geboren.Mehdorn u. a. (2007), S. 214–216.Mehdorn u. a. (2007), S. I. Er kam während eines Besuches seiner Mutter aus Berlin im besetzten Warschau bei seinem Vater zur Welt, der sich als deutscher Soldat dort aufhielt. Standesamtlich gemeldet wurde er in Berlin; der Geburtsort laut Geburtsurkunde ist Warschau.Mehdorn u. a. (2007), S. 53. f. Er ist das jüngste von vier Kindern. Seine Eltern waren Inhaber eines Betriebes für Kunststoff-Spritzguss- und Pressteile.Mehdorn u. a. (2007), S. 51 f.

Im Jahr 1944 wurde die Familie Mehdorn von Berlin nach Kipfenberg bei Eichstätt in Bayern evakuiert.Mehdorn u. a. (2007), S. 54. Bedingt durch eine Anstellung seines Vaters zog die Familie 1947 nach Karlsruhe, wo Mehdorn eingeschult wurde. 1949 folgte ein Umzug nach Nürnberg, 1953 nach West-Berlin (Kaiserdamm, Bezirk Charlottenburg), wo Mehdorn die Oberschule besuchteMehdorn u. a. (2007), S. 55. und das Abitur erlangte.Mehdorn u. a. (2007), S. 58 f. Beinahe während seiner gesamten Schulzeit war er Klassensprecher.

Mehdorn studierte von 1961 (andere Quelle: 1960) bis 1966 an der TU Berlin. Dokument vom 12. Juni 2013. Leichtbau. Seine Diplomarbeit schrieb er über Turbinentechnik. Während seines Studiums wurde er Mitglied der Burschenschaft Frankonia Berlin und arbeitete im elterlichen Betrieb mit.Hartmut MEHDORN. In: Munzinger-Archiv, Ausgabe 12/00 Er betrieb in seinen Ferien Rudern als Leistungssport und trat bei den Berliner Meisterschaften an. Er nahm auch einmal an den Deutschen Meisterschaften teil.Mehdorn u. a. (2007), S. 63. Dabei setzte er sich im leichten Jungmann-Zweier gegen zwei weitere Berliner Boote durch und wurde Landesmeister.

Berufsleben

Bis 1999 Nach Abschluss des Studiums trat Mehdorn 1966 eine Stelle als Planungsingenieur bei den Vereinigten Flugtechnischen Werken (VFW, ehemals Focke-Wulf) in Bremen an. 1968 wurde er Assistent des Betriebsleiters im VFW-Werk Lemwerder, zuständig für die Organisation der Endmontage. Er wirkte in dieser Funktion anderthalb Jahre in der Termin- und Produktionsplanung der neuen Transall-Transportflugzeuge mit. Anschließend arbeitete er rund zwei Jahre in der Konstruktion. Als die Bundeswehr zur Einführung der Transall technische Offiziere suchte, trat Mehdorn als Zeitsoldat in die Luftwaffe ein. Er erhielt eine vierjährige Ausbildung an der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) in Neubiberg und wurde als Reserveoffizier (Hauptmann) für vier etwa fünfwöchige Wehrübungen herangezogen.

1972 wurde er Programmleiter der Airbus-Serie bei VFW in Bremen. Dabei führten ihn seine Aufgaben auch nach Toulouse zu Aérospatiale (SNIAS). Ab 1. Dezember 1977 arbeitete Mehdorn als Werksleiter in Bremen (etwa 1400 Mitarbeiter). Mit der Übernahme der VFW durch Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) im Jahre 1981 wurde Mehdorn Produktionschef der MBB-„Nordwerke“ (Bremen, Lemwerder, Einswarden und Varel). 1980 wurde er Vorstand für Produktionskoordination, Einkauf und Qualitätskontrolle von Airbus Industrie in Toulouse. In dieser Funktion wirkte er an der Entwicklung erster Airbus-Prototypen mit.Mehdorn u. a. (2007), S. 64 ff. Diese Funktion hatte er bis März 1984 inne. In seine Amtszeit fielen die Entwicklung und die Produktionsvorbereitung der A310, A300-600 und A320. Einem Medienbericht zufolge sorgte er ferner dafür, dass die Flugzeuge teilweise in Deutschland montiert wurden.Der Unverzichtbare. In: Handelsblatt. Nr. 146, 31. Juli 2012, , S. 47.

Vom 1. April 1984 bis Dezember 1989 war Mehdorn Bereichsleiter Transport- und Verkehrsflugzeuge bei MBB. 1985 wurde er Leiter der Unternehmensgruppe, 1986 wurde er zusätzlich Mitglied der Geschäftsführung von MBB, zuständig für zivile Luftfahrt. Von 1989 bis 1992 war Mehdorn Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Airbus GmbH in Hamburg. Von August 1992 bis 1995 war Mehdorn Vorstandsmitglied der Deutschen Aerospace AG (DASA) in München. Nach einem Zerwürfnis mit Jürgen Schrempp verließ er das Unternehmen zum 30. September 1995 ohne Abfindung.Mehdorn u. a. (2007), S. VI.Dasa besetzt Luftfahrt-Vorstand neu. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 164, 1995, , S. 30. Nachdem Jürgen Schrempp 1995 zum Konzernchef von Daimler-Benz aufgestiegen war, wollte Mehdorn dessen Chefposten bei DASA einnehmen, scheiterte jedoch. Ab 1992 war Mehdorn zeitweilig Vorsitzender des Aufsichtsrates der Dornier Luftfahrt.

Dass sich die deutschen Airbus-Standorte in der Flugzeugkonstruktion erfolgreich etabliert haben, gilt in wesentlichen Teilen als Mehdorns Verdienst. Verbreitet wird ferner davon ausgegangen, dass er maßgeblich dazu beigetragen hat, die Voraussetzungen zu schaffen, um die Airbus-Endmontage Anfang der 1990er Jahre nach Deutschland zu verlegen.

Im Oktober 1995 wechselte Mehdorn als Vorstandsvorsitzender zur Heidelberger Druckmaschinen AG.Im Profil: Hartmut Mehdorn designierter Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 213, 1999, , S. 4. Er erweiterte den Druckmaschinenhersteller durch eine Expansionsstrategie zu einem Universalanbieter und brachte das Unternehmen zum 8. Dezember 1997 an die Börse.Mehdorn u. a. (2007), S. XII.Heideldruck geht am 8. Dezember an die Börse. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 32, 1997, , S. 37. Die zahlreichen Übernahmen, Zukäufe und Erweiterungen des Produktsortiments in den vier Jahren unter Mehdorns Leitung betrafen insbesondere den Bereich des Zeitungsdrucks. In seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender verdoppelten sich Umsatz, Mitarbeiterzahl und Gewinn.Zugkraft wie eine Lokomotive. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 214, 1999, , S. 3.Neuer Chef soll Bahn reformieren. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 213, 1999, , S. 25. Ab September 1998 war Mehdorn zusätzlich Vorstandsvorsitzender der Lahmeyer AG, die mit 57 % die Mehrheit an Heidelberger Druckmaschinen hielt und im Jahr zuvor durch die Verschmelzung von Lahmeyer und Rheinelektra gebildet worden war.

Unter Mehdorn weitete der Weltmarktführer für Druckmaschinen sein Produktportfolio aus und entwickelte sich von einem reinen Maschinenbauer zu einem Anbieter von Drucksystemen. Die zahlreichen Zukäufe belasteten das Unternehmen jedoch finanziell stark und dauerhaft und die Heidelberger Druckmaschinen AG geriet in Existenznot. Nach Mehdorns Abgang wurde zur Rettung der angeschlagenen Heidelberger Druckmaschinen das gesamte neu hinzugekaufte Portfolio wieder verkauft.

Ab 1. Oktober 1998 bis Ende 1999 war er im Vorstand der RWE AG zuständig für Nicht-Energie-Beteiligungen.Personalien. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 222, 1998, , S. 24.RWE verkleinert Vorstand deutlich. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 208, 1999, , S. 26. Im Jahr 1997 war Mehdorn für den neu zu besetzenden Vorstandsvorsitz von Airbus im Gespräch.Ein Flugzeugbauer bei der Bahn. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 290, 1990, , S. 32. Er war unter anderem Aufsichtsratsmitglied der RWE AG und der SAP AG (bis Mai 2015). Um 2002 war er Aufsichtsratsmitglied von Lufthansa Technik.Wohin geht die Reise, Herr Mehdorn?. In: Lufthansa Magazin, Heft 3/2002, S. 28–30, .

mini|Hartmut Mehdorn auf der Eröffnungsfeier des sanierten Dresdner Hauptbahnhofs (November 2006)

Vorstandsvorsitz der Deutschen Bahn AG (1999–2009) Hartmut Mehdorn war vom 16. Dezember 1999 bis zum 30. April 2009 Vorstandschef der Deutschen Bahn AG.

Bereits 1997 schlug der damalige Bahnchef Heinz Dürr nach eigenen Angaben Mehdorn dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl als seinen Nachfolger als Bahnchef vor. Die Wahl Kohls fiel jedoch auf Johannes Ludewig.Neben der Spur. In: Die Zeit, Nr. 5, 27. Januar 2011. Als 1998 eine Ablösung Ludewigs im Gespräch war, wurde Mehdorn als möglicher Nachfolger von Ludewig gesehen.Bahnchef will im Amt bleiben. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 229, 1998, , S. 6.

Mehdorn wurde von Bundeskanzler Gerhard Schröder 1999 gebeten, Ludewig als Bahnchef abzulösen. Berichten zufolge hatte ihn Schröder morgens angerufen und ihm den Posten angeboten, wobei sich Mehdorn bis zum Nachmittag entscheiden sollte. Bundesregierung und Aufsichtsrat einigten sich Mitte September 1999 auf die vorzeitige Ablösung Ludewigs sowie des Fernverkehrsvorstandes Axel Nawrocki zum 30. September 1999; der Aufsichtsrat stimmte diesem Schritt am 25. September 1999 (andere Quelle: 24. September 1999Meldung Neue Vorstände. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 11, Jahrgang 1999, , S. 450.) zu.Ludewig muss vorzeitig gehen. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 213, 1999, , S. 1.Wechsel von Ludewig zu Mehdorn gebilligt. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 222, 1999, , S. 26. Zum 16. Dezember 1999 übernahm Mehdorn den Vorstandsvorsitz der Deutschen Bahn AG;Mehdorn u. a. (2007), S. 149 Finanzvorstand Diethelm Sack hatte die Funktion zeitweilig kommissarisch übernommen. Nach eigenen Angaben hatte Mehdorn zuvor damit gerechnet, bis zum Ende seines Berufslebens in Heidelberg zu wirken.Der Bahn-Chef sagt: Kein Zug weniger wird in Mannheim fahren?. In: Mannheimer Morgen, Nr. 71, 25. März 2000, S. 10.

In einer ersten Erklärung zu seinen Zielen nannte Mehdorn im Januar 2000 einen raschen Strukturumbau, ein neues Management, die Verbesserung des Fernverkehrsangebotes, Kooperationen mit Partnerbahnen im Güterverkehr sowie ein neues, einfacheres Tarifsystem im Personenverkehr. Nachdem das Geschäftsjahr 2000 von einem massiven Sanierungskurs geprägt war, rief Mehdorn 2001 Wachstum als weiteres Unternehmensziel aus. 2002 übernahm das Unternehmen unter seiner Leitung die Stinnes AG mit dem Logistikdienstleister Schenker. Am 20. Mai 2003 beschloss der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, neben Korrekturen am neuen Preissystem im Fernverkehr, Mehdorns Vertrag mittels eines neuen Fünf-Jahre-Vertrages bis Mitte 2008 zu verlängern.Ulf Brychy, Klaus Ott: Bahn korrigiert umstrittenes Preissystem. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 116, 2003, , S. 1. Nach Medienberichten hatte Mehdorn Bundeskanzler Gerhard Schröder am 16. Mai 2003 vor die Wahl gestellt: Entweder werde sein (Mehdorns) Vertrag um fünf Jahre verlängert oder er werde das Unternehmen sofort verlassen. Aufgrund fehlender Alternativen und aufgrund der schlechten Erfahrungen mit Telekom-Chef Ron Sommer habe sich Schröder für Mehdorns Verbleib entschieden.Der Kanzler und ich. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 118, 2003, , S. 23.

2004 wurde Mehdorn von der Europäischen Kommission zum Mitglied des Verwaltungsrats der neuen Europäischen Eisenbahnagentur bestimmt.Meldung Verwaltungsrat konstituiert. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2004, , S. 369.

Die zunächst für 2005 geplante Kapitalprivatisierung des Unternehmens wurde mehrfach verschoben. Schlagzeilen machte auch der Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, in der Mehdorn in den Jahren 2007 und 2008 eine Schlüsselrolle spielte.