Automobiles Gonfaronnaises Sportives (AGS) war ein französischer Rennwagenkonstrukteur, der von 1970 bis 1991 mit einem Werksteam unter anderem in der Formel 2, der Formel 3000 und der Formel 1 antrat. In der Formel 1 war AGS einer der kleinsten Rennställe. Nach der Schließung des Rennstalls im Herbst 1991 wurde AGS zu einem Freizeitunternehmen umstrukturiert. Es bietet heute Privatpersonen die Möglichkeit, auf dem unternehmenseigenen Circuit du Luc in der Gemeinde Le Luc Formel-1-Autos zu fahren.
Die Ursprünge
Henri Julien und Christian Vanderpleyn
Der Rennstall AGS hat seine Ursprünge in der Garage de l'Avenir, einer kleinen Tankstelle und Kfz-Werkstatt in der Gemeinde Gonfaron im südfranzösischen Département Var nahe der provençalischen Mittelmeerküste. Inhaber der Werkstatt war der Automobilmechaniker und Hobby-Rennfahrer Henri Julien. Er konstruierte von 1950 bis 1960 einige kleine Rennwagen, mit denen er an Rennen in Südfrankreich teilnahm. Ab 1960 setzte er in den Formeln Junior und 3 Fremdfabrikate von Alpine und Lotus ein; in den 15 Jahren seiner Rennfahrertätigkeit erzielte er allerdings nur gelegentliche Achtungserfolge. 1969 nahm Julien den Bau eigener Rennwagen wieder auf. Konstrukteur war sein Lehrling Christian Vanderpleyn. Zu dieser Zeit gründete Julien das Unternehmen Automobiles Gonfaronnaises Sportives (AGS), das in seiner Garage de l’Avenir untergebracht war. AGS bediente zunächst kleinere Klassen wie die Formule France, die Formule Renault und die Formel 3, ab 1978 die Formel 2 und von 1986 bis 1991 die Formel 1. AGS unterhielt in dieser Zeit regelmäßig ein Werksteam. Henri Julien blieb dessen sportlicher Leiter, bis 1989 Cyril de Rouvre den Rennstall übernahm. Henri Julien war über viele Jahre Ehrenpräsident des Freizeit-Unternehmens AGS Formule 1.
Die Ressourcen
mini|Die Garage de l’Avenir in Gonfaron, die Keimzelle des AGS-Teams (2001) Zwischen 1960 und 1988 war die Garage de l’Avenir in Gonfaron die der Dreh- und Angelpunkt des kleinen Rennstalls. Zunächst operierte das Unternehmen unmittelbar von der zur Tankstelle gehörenden Werkstatt aus. In den 1970er Jahren errichtete Julien hinter der Garage eine in der französischen Presse zeitweilig glorifizierte Halle aus Metallplatten, die eine Grundfläche von etwa 80 m² aufwies und in einem mit Pinien bestandenen Garten gelegen war. In dieser als malerisch beschriebenen, in jedem Fall für den internationalen Motorsport ungewöhnlichen Atmosphäre wurden bis 1988 sämtliche Rennwagen der Formel 2, Formel 3000 und Formel 1 gebaut. Auch während des Formel-1-Einsatzes blieb AGS ein winziges Unternehmen; der Rennstall bestand bis 1987 – in einer Zeit, als Williams über 100 Mitarbeiter hatte und selbst bei Minardi über 30 Personen angestellt waren – lediglich aus sechs und acht Mitarbeitern. Allerdings gehörte AGS bereits frühzeitig der Circuit du Var im benachbarten Le Luc, wo das Team mehr oder weniger regelmäßig private Testfahrten durchführte.
Im Laufe der Formel-1-Weltmeisterschaft 1989 zog AGS in neue, wesentlich größere und modernere Werkshallen um, die von einem Unternehmen aus der Gruppe Cyril de Rouvres erstellt worden waren. Die neuen Hallen lagen an der Piste von Le Luc und sind heute Grundlage für den privaten Rennbetrieb von AGS Formule 1.
Nationale französische Rennklassen
Im Jahr 1969 nahm AGS den regelmäßigen Betrieb eines Rennstalls auf. Anlass hierfür war die Etablierung der Formule France 1968, einer nationalen Nachwuchsklasse, die unterhalb der Formel 3 positioniert war. Ab 1971 hieß die Rennserie – bei weitgehend unverändertem Reglement – Formule Renault.
Im Sommer 1969 setzte AGS erstmals ein Auto in der Formule France ein. Bei dem ersten eingesetzten Auto handelte es sich nicht um eine Eigenkonstruktion von AGS, sondern um den Alpine 270, den Henri Julien bis 1965 selbst in der Formel 3 gefahren war. Christian Vanderpleyn hatte den Alpine 270 so modifiziert, dass das Auto einen 1300 cm³ großen Renault-Gordini-Motor (aus einem Renault R8) samt der dazugehörigen Getriebeeinheit aufnehmen konnte. Der erste Fahrer des Teams war François Rabbione.
Ab 1970 stellte AGS regelmäßig eigene Autos für kleinere Rennklassen her, die teilweise von einem eigenen Team werksseitig eingesetzt wurden, selten auch an private Kunden abgegeben wurden.
Das erste Auto, das den Namen AGS trug, war der AGS JH5, den Christian Vanderpleyn 1970 für die Formule France entworfen hatte. In einer Quelle wird dieses Fahrzeug als AGS JH1 bezeichnet.Hodges: Rennwagen von A-Z nach 1945, S. 8. Die zeitgenössischen Meldelisten zu den Rennen der Formule France des Jahres führen den Wagen dagegen durchgängig als JH5.Z.B. Statistik zum Critérium de Formule France (Groupe B) in Nogaro (März 1970); vgl. www.oldracingcars.com (abgerufen am 19. Juli 2013). Bei der Formule France handelte es sich um eine 1968 erstmals ausgeschriebene Rennklasse unterhalb der Formel 3, die ab 1971 Formule Renault hieß. Der JH5 ähnelte im technischen Layout sowie im Äußeren erkennbar dem zeitgenössischen Formel-3-Wagen von Tecno. Er wurde 1970 von François Rabbione und Gérard Cerruti gefahren. Cerruti konnte als bestes Ergebnis einen dritten Platz auf dem Circuit Paul Ricard herausfahren. 1971 entstand der AGS JH7 für die nun Formule Renault genannte Nachwuchsserie; von ihm wurden drei Exemplare gebaut. Fahrer für das Werksteam war François Guerre-Berthelot. 1972 baute AGS zwei Exemplare eines AGS JH8 für die Formula Renault und als Einzelstück einen AGS JH9 für die Formel 3. Letzterer war das einzige Fahrzeug, das AGS für diese Klasse baute. Der Wagen wurde gelegentlich von Guerre-Berthelot gefahren. 1973 wurde ein einzelnes Exemplar eines AGS JH10 für die Formula Renault gebaut. Alain Jallot bewegte das Auto für das AGS-Team. Bestes Ergebnis war ein vierter Platz für Jallot beim Rennen in Monaco. 1974 wurde – wiederum für die Formula Renault – der AGS JH11 entwickelt. Hierbei handelte es sich um das erste Auto von AGS, das eine Monocoque-Konstruktion aufwies; alle vorherigen Fahrzeuge hatten separate Rahmenkonstruktionen. Der JH11 wurde in vier Exemplaren hergestellt; zwei davon wurden an private Kunden verkauft. Werksfahrer war Allain Jallot. 1975 engagierte sich AGS erstmals in der Formula Renault Europe, der nächsthöheren, europaweit ausgetragenen Motorsportklasse. Hierfür konstruierte Vanderpleyn den AGS JH13, der werksseitig von Xavier Mathiot, Christian Ethuin und einem französischen Rennfahrer mit dem Pseudonym „Steve“ gefahren wurde. 1976 und 1977 trat AGS mit dem JH14 in der Formel Renault Europe an. 1977 fuhr Richard Dallest für das AGS-Werksteam.
AGS in der Formel 2
AGS trat zwischen 1978 und 1984 mit selbst konstruierten Autos in der Formel-2-Europameisterschaft an. Die Ergebnisse waren unterschiedlich. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte sich das Team etablieren und war regelmäßig für Platzierungen in den Punkterängen und – in einzelnen Jahren – auch für Podiumsplätze gut. Diese Ergebnisse wurden meist von etablierten, lange mit dem Team verbundenen Fahrern wie Richard Dallest oder Philippe Streiff herausgefahren. Insgesamt gab es in sieben Jahren in der Formel 2 drei Siege: zwei für Dallest in der Saison 1980 und einen für Streiff in der Saison 1984. Hier schrieb Streiff so etwas wie Motorsportgeschichte, denn er erreichte seinen Sieg im allerletzten Rennen der Formel 2.
1978 mini|Standardtriebwerk in der Formel 2: BMW M12 In der Saison 1978 trat das AGS-Werksteam erstmals in der Formel 2 an. Der Rennstall nannte sich nach den Sponsoren Sol-Amor GPA Motul. Anders als die meisten anderen Teams setzte AGS keine Kundenfahrzeuge ein, sondern meldete wie schon in den kleineren Klassen mit dem AGS JH15 ein selbst konstruiertes Fahrzeug. Es handelte sich hierbei nach zeitgenössischen Berichten um eine unkomplizierte Konstruktion, die aerodynamisch keine herausragenden Qualitäten aufwies. Als Antrieb diente ein konventioneller BMW-M12-Motor. Der JH15 wurde in zwei Exemplaren hergestellt (Fahrgestell-Nummern 021 und 022).
Das erste Jahr in der Formel 2 verlief problematisch. Es gab viele Schwierigkeiten und kaum Erfolge. Als Fahrer wurden Richard Dallest und José Dolhem verpflichtet; allerdings erschien das Team üblicherweise nur mit einem Auto und einem Fahrer zu den jeweiligen Rennen. Dolhem wurde nur zu drei Rennen gemeldet; bei zwei Rennen startete er, sah aber nie das Ziel. Die übrigen Rennen bestritt Dallest, der nur zwei Zielankünfte (beim Grand Prix de Nogaro als Elfter und beim Gran Premio dell’Adriatico in Misano als 16.) erreichte.Übersicht über die Rennen der Formel-2-Europameisterschaft 1978 auf der Internetseite www.formula2.net (abgerufen am 20. Juli 2013).
1979
In der folgenden Saison gab es keine Besserung. AGS trat unter dem Namen Team Motul Nogaro an und brachte einen AGS JH16 an den Start. Hierbei handelte es sich um eine überarbeitete Version des letztjährigen JH15 mit der Fahrgestellnummer 022. Der JH16 wies nach wie vor keine ausgeprägte Unterboden-Aerodynamik auf und war schon deshalb den aktuellen Konkurrenzfahrzeugen von March, insbesondere dem mit Ground Effect arbeitenden March 792, unterlegen. Das Team nahm nur an fünf von 12 Rennen der Meisterschaft teil. Beim ersten Rennen der Saison in Silverstone startete José Dolhem für AGS. Er wurde 14. mit zehn Runden Rückstand. Für die weiteren Rennen wurde Alain Couderc verpflichtet. Er wurde beim zweiten Saisonrennen in Hockenheim Elfter. Beim dritten Rennen in Thruxton war Couderc an einem Massenunfall nach dem Start beteiligt und beschädigte seinen Wagen erheblich. Die folgenden drei Rennen ließ das Team aus; erst zum Grand Prix de Pau, dem achten Rennen der Saison, erschien es wieder. Hier fiel Couderc nach 21 Runden mit Kupplungsschaden aus. Danach ließ AGS wiederum einige Rennen aus, um noch einmal zu den „Donington 500“, dem letzten Rennen der Saison, anzutreten. Auch hier beendete ein Kupplungsschaden den Renneinsatz frühzeitig.Übersicht über die Rennen der Formel-2-Saison 1979 auf der Internetseite www.formula2.net (abgerufen am 20. Juli 2013).
Im Sommer 1979 nahm AGS mit dem JH15 (Chassisnummer 021) werksseitig an einem Rennen der Aurora-AFX-Formel-1-Serie teil.
1980 mini|Richard Dallest in Zandvoort 1980 In der dritten Saison etablierte sich das Team. AGS setzte mit dem AGS JH17 ein konkurrenzfähiges Auto ein, das eine Ground-Effect-Konstruktion aufwies und zudem recht zuverlässig war.Abbildung des AGS JH 17. Der Wagen wurde als Einzelexemplar mit der Fahrgestellnummer 023 hergestellt. Richard Dallest, der ins Team zurückkam, konnte sich regelmäßig qualifizieren und sah insgesamt achtmal das Ziel. In dieser Saison erzielte AGS seine ersten Meisterschaftspunkte. Zudem gewann Dallest zwei Rennen: zunächst das „Heimrennen“, den Grand Prix de Pau, und ein paar Wochen später den Großen Preis von Zandvoort. Dallest erreichte im gesamten Jahr 23 Meisterschaftspunkte und wurde in der Endwertung Sechster der Formel-2-Meisterschaft.Übersicht über die Rennen der Formel-2-Saison 1980 auf der Internetseite www.formula2.net (abgerufen am 20. Juli 2013).
1981
In der Saison 1981 konnte AGS die Form des vergangenen Jahres nicht halten. Es gab ein neues Auto, den JH18, allerdings war dieses Fahrzeug erst zum fünften Saisonrennen fertiggestellt. Auch er blieb ein Einzelexemplar (Fahrgestellnummer 024). Bis zu seinem Erscheinen musste der letztjährige JH17 verwendet werden.
Richard Dallest trat zu den ersten drei Rennen des Jahres an, konnte aber keinen Lauf beenden. Nach einer Verletzung wurde er für das ADAC-Eifelrennen auf dem Nürburgring einmalig durch Patrick Gaillard ersetzt, der ebenfalls keine Zielankunft erreichen konnte. Mit dem JH18 erreichte Dallest Zielankünfte bei den Rennen in Mugello, Enna, Misano und Mantorp; die beiden letztgenannten konnte er jeweils als Fünfter beenden. Eine weitere Zielankunft – allerdings außerhalb der Punkte – erreichte Tiff Needell, der Dallest bei den Donington 500 ersetzte.
1982