mini|308px|Der Jadebusen aus der Luft
Der Jadebusen ist eine etwa 190 km² große Meeresbucht zwischen der Unterweser und der Ostfriesischen Halbinsel.
Lage Der Jadebusen endet am südlichen Ende des Engpasses zwischen Wilhelmshaven und Butjadingen. Nördlich dieser Linie liegen die Innenjade und die Außenjade, zusammenfassend auch als Jade bezeichnet. Die wichtigsten Städte am Ufer des Jadebusens sind Wilhelmshaven im Nordwesten und Varel im Südwesten. Im Jadebusen steht der Leuchtturm Arngast als Leuchtfeuer für das Wilhelmshavener Jadefahrwasser.
Bedeutung des Namens Die Bezeichnung Jadebusen ist seit Anfang des 15. Jahrhunderts gebräuchlich. Der Namensbestandteil Jade (1314: Jatha) ist schwer zu deuten. Dietrich Hagen leitet den Namen Jade im „Oldenburgischen Ortslexikon“ vom altfriesischen jet oder gat, was Loch oder Öffnung bedeutet, ab. Diese Ableitung lehnt Arend Remmers ab, weil bereits die ältesten Belege ein d oder th aufweisen.Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade. Leer 2004, S. 114 Eine weitere Deutung vermutet, dass es sich um einen Wassernamen mit der indogermanischen Wurzel u̯ādʰ- (wie Watt) handele.Hans Bahlow: Deutschlands geographische Namenwelt. Etymologisches Lexikon der Fluss- und Ortsnamen alteuropäischer Herkunft. Suhrkamp, Frankfurt 1985, ISBN 3-518-37721-3, S. 155.
Der Namensbestandteil -busen steht für eine größere Meeresbucht.
Naturräumliche Zuordnung Der Jadebusen gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Ems- und Wesermarschen (Nr. 61) zum Naturraum Watten im Elbe-Weser-Dreieck Jadebusen., Bundesamt für Naturschutz, abgerufen am 4. November 2014 Auf oberer Ebene gehört er als Teil des Marschlands zur Großregion Norddeutsches Tiefland.
Jadebusen, Jade, Jadegebiet und Jadefahrwasser mini|links|Blick von Minsener Oog südwärts über Außenjade und Innenjade bis zum Südufer des Jadebusens
Der Jadebusen stellt nicht eine Fortsetzung des Flusses Jade dar (obwohl dieser in den Jadebusen mündet), sondern ist, wie auch die Innen- und die Außenjade, ein Teil der Deutschen Bucht und damit der Nordsee. Definiert ist das anhand seiner Salinität (Salzgehalt), die in der Nähe der Mündung des Flusses Jade 3,0 Prozent beträgt, also nur 0,5 Prozentpunkte weniger als der Salzgehalt der offenen Nordsee.Fachbereich Biowissenschaften der J. W. Goethe – Universität Frankfurt: (PDF; 2,3 MB), S. 17.Günther Lang: Ein Beitrag zur Tidedynamik der Innenjade und des Jadebusens. In: Mitteilungsblatt der Bundesanstalt für Wasserbau Nr. 86. 2003, S. 33–42 Eine Brackwasserzone fehlt also, anders als etwa im Fall der benachbarten Wesermündung. Das liegt vor allem am sehr kleinen Einzugsgebiet der Jade und dementsprechend geringen Eintrag von Oberwasser. Da sich auch in den zwei Jahrhunderten, als es ein Weserdelta gab, der Hauptstrom des Weserwassers in die Außenweser ergoss, bleibt offen, wie sich die Salinität des Jadebusens in jener Zeit verhielt. mini|hochkant|Der Leuchtturm Arngast bei Niedrigwasser mini|links|Blick vom Vareler Hafen über den Jadebusen auf Wilhelmshaven Dem Charakter als Meeresbucht entsprechend weicht die Benennung der Gewässerabschnitte von denen der benachbarten Flussästuare ab: Innen- wie Außenjade liegen neben Außenweser und Außenelbe. Zusammenfassend werden Außen-, Innenjade und Jadebusen als „Jadegebiet“ bezeichnet. Dieser Begriff kann leicht mit der gleichlautenden Bezeichnung für die angrenzende ehemalige preußische Enklave im Land Oldenburg verwechselt werden.
Anders als bei der Innen- und der Außenjade, in deren Zentrum sich das Jadefahrwasser befindet, nimmt das Jadefahrwasser, offiziell Bundeswasserstraße Jade genannt, nur einen kleinen Teil des Jadebusens ein. Die Bundeswasserstraße beginnt in Höhe der ehemaligen I. Einfahrt zu den Wilhelmshavener Häfen und geht bereits bei km 2 in die Innenjade über.IBL UmweltPlanung / Stadt Wilhelmshaven: Potenziale zur Kühlwassernutzung am Kraftwerksstandort Wilhelmshaven. Gewässerökologisches Gutachten. Rev. 1.8 vom 26. Oktober 2007, S. 62 (PDF; 9,6 MB). Die kleineren Priele im Jadebusen sind nicht Teil der Bundeswasserstraße Jade. Als Nebenfahrwasser im Jadebusen gelten das Vareler Fahrwasser, die Ahne und die Kaisebalje. Auch sie werden, wenn auch weniger intensiv als die Bundeswasserstraße Jade, vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser-Jade-Nordsee betreut.WSA Wilhelmshaven:
Der Tidenhub der Jade beträgt 3,15 m – 4,33 m, das ist etwa so viel wie an der Wesermündung, ein halber Meter weniger als in Antwerpen und gut doppelt so viel wie in Rotterdam. Mit jedem Tidenzyklus strömt fast der gesamte Wasserinhalt des Jadebusens durch die Enge des Jadefahrwassers bei Flut ein und bei Ebbe wieder aus. Diese natürliche Pendelströmung spült das Fahrwasser ständig von etwaigen störenden Sandablagerungen frei. Sie ist hier wesentlich stärker als in den Flussmündungen von Elbe und Weser. Der Eintrag von Sedimenten ist dadurch geringer. Lediglich die West-Ost-Strömung zwischen den Ostfriesischen Inseln und der ostfriesischen Festlandsküste trägt Sand in die äußere Mündung des Jadefahrwassers. Dem wird aber durch Dämme und andere Strombauwerke beim Minsener Oog entgegengewirkt, s. a. bei Außenjade. Zusammen sind damit wesentlich geringere Erhaltungsarbeiten für die Fahrwassertiefe als bei anderen Häfen notwendig.
Geschichte der Meeresbucht Entstehung mini|hochkant=1.7|Entwicklung von Jadebusen und Weserdelta; Verlandung seit 1300 entstandener Wasserflächen ab 1500 nur indirekt über die Abdeichung dargestellt.→ Vergrößerungen: • 33 % (216 dpi), • 50 % (144 dpi)
Einen „Ur-Jadebusen“ gab es bereits vor 5000 Jahren.Hansjörg Streif: (PDF; 137 kB). 1999, S. 9, abgerufen am 31. Juli 2025. Die von einigen als Mündungsarme eines Weserdeltas gedeuteten Rinnen sind Ausläufer eines Prielsystems, das sich vom Ur-Jadebusen ein Stück weit in die Wesermarsch erstreckt hat und dort im Gebiet von Seefeld, Schwei bzw. Rönnelmoor ausgelaufen ist. Das Buchtenwatt des Ur-Jadebusens ist ab 3100 v. Chr. weitgehend verlandet, wobei sich zunächst Niedermoore ausgebreitet haben und um 1900 v. Chr. ein rascher und weitflächiger Umschlag von Niedermoor- zu Hochmoorvegetation erfolgt ist.
Die Bucht ist, ähnlich wie der Dollart, das Ergebnis von Meereseinbrüchen bei Sturmfluten im Mittelalter, begünstigt außer durch den Anstieg des Meeresspiegels auch durch das Abtragen der ursprünglichen Moore von Menschenhand zur Nutzung des Torfs als Brennstoff, als Lieferant von Salz und zur Kultivierung.Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung: Die ursprüngliche Moorlandschaft hatte bis zu vier Meter über dem Marschniveau gelegen und war daher auch ohne Eindeichung einigermaßen hochwassersicher gewesen. Vom offenen Meer und der Weser war diese Moorlandschaft durch deren breite Uferwälle getrennt, die aus angeschwemmten Sedimenten bestanden. Sie waren relativ resistent gegen Erosion, hielten normale Tidenhochwasser ab und wurden bei Überschwemmung durch Sturmfluten und Flusshochwasser durch eine neue Sedimentschicht ein klein wenig höher. Lediglich im Norden gab es eine Öffnung, durch die das Binnenwasser abfloss. An dieser Stelle drangen ab dem 13. Jahrhundert bei großen Sturmfluten immer größere Wassermassen ein, wuschen eine tiefe Rinne aus und hinterspülten die schützenden Uferwälle. Die Entwicklung des Jadebusens setzte vermutlich mit der Ersten Marcellusflut vom 16. Januar 1219 ein.
Friesische Balje mini|Küste zwischen Ems und Weser um 1300. An der Stelle des Jadebusens gibt es noch eine Trichtermündung der Jade.
Nach Meinung eines Teils der Erforscher des Jadebusens dürfte das Meer schon früh weit nach Süden vorgedrungen sein und die Friesische Balje gebildet haben, denn schon im frühen 14. Jahrhundert wurde bei Diekmannshausen nahe dem heutigen Südende Salztorf gewonnen. Andere sehen als Quelle der frühen Versalzung einzelne Sturmfluten, nach denen das Wasser zunächst wieder ablief, da sie anscheinend noch längst nicht so stark war, um das Moos absterben zu lassen. Weitere tiefe Einbrüche erfolgten während der Luciaflut (13. und 14. Dezember 1287) sowie in der Clemensflut (23. November 1334). Dabei räumten die Fluten die weichen Torfböden aus, so dass sich der Jadebusen nach allen Seiten ausdehnte. Der Prozess der Ausräumung der Moorböden dauert bis heute im Bereich des Sehesteder Außendeichsmoores an, von dem nur noch kleine Reste erhalten sind. Im Westen entstand der tiefe Einbruch des Schwarzen Bracks, der die nördlich gelegene, ältere Maadebucht von ihren Wasserzuflüssen aus dem Binnenland abschnitt, so dass diese langsam verlandete.Karl-Ernst Behre: Geschichte der Landschaft um den Jadebusen, Wilhelmshaven 2012, ISBN 978-3-941929-02-9.
Das Kirchspiel Arngast im Jadebusen ging in der Clemensflut vom 23. November 1334 unter. Die verbliebene gleichnamige Insel wurde immer kleiner, trug allerdings noch bis ins 17. Jahrhundert ein kleines Dorf.
Zeitweiliges Weserdelta Durch ein Zusammenspiel von Ausweitungen des Jadebusens und Ausbrüchen der Weser gab es im 14. bis in die ersten Jahre des 16. Jahrhunderts ein Weserdelta. Es war kein klassisches Sedimentationsdelta, sondern ein Ästuardelta,Frank Ahnert: Einführung in die Geomorphologie, 4. Auflage. 2009, ISBN 978-3-8252-8103-8, S. 204. bei dem Erosionskräfte im Vordergrund standen. Wegen nahezu fehlender Gefälle und der Lage im Tidenbereich ist anzunehmen, dass es in den meisten Gewässerarmen wechselnde Strömungsrichtungen gab. Der größte Teil des Oberwassers der Weser gelangte allzeit durch die Wesermündung bei Blexen ins Meer.
Erste dauerhafte Verbindungen zwischen Jadebusen und Unterweser entstanden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Mit der Ahne, vor 1319 und möglicherweise von der Weser her gebildet, wurde die Insel Butjadingen („Außen-Jade“) vom Festland abgetrennt. Der Marktort Aldessen (Haroldsheim) am Südufer der Ahne gegenüber von Eckwarden wurde um 1428 zuletzt erwähnt. Die Heete bildete sich bei der Clemensflut eher vom Jadebusen her. Sie zweigte vom Westteil der Ahne ab und verlief nördlich derselben, wurde alsbald zum Schifffahrtsweg und zur neuen Südgrenze Butjadingens. An ihrer Mündung in die Weser bei Atens errichtete die freie Reichsstadt Bremen 1407 die Vredeborg. mini|Oberahnesche Felder und der gerade abgedeichte Hoben (Lockfleth) 1645, Tidenhub 12 Fuß; Arngast im Vergleich zu anderen Karten desselben Autors verkleinert an den Rand geklemmt