mini|Flammenwerfer M2 miniatur|Amerikanische Soldaten mit Flammenwerfer in der Schlacht um die Gilbertinseln im Zweiten Weltkrieg

Der Flammenwerfer ist eine Kriegswaffe aus der Gruppe der Brandwaffen, die dazu dient, einen langen Strahl einer brennenden Flüssigkeit unter hohem Druck auf ein Ziel zu sprühen. Die Waffe wurde bereits in der Antike verwendet.

Aufbau und Funktionsprinzip miniatur|hochkant|Zündpatrone für Flammenwerfer (Streichholz als Größenvergleich) miniatur|Kanadischer Wasp-Flammenwerferpanzer aus dem Zweiten Weltkrieg

Ein Flammenwerfer besteht prinzipiell aus zwei meist auf dem Rücken getragenen zylindrischen Tanks; einem größeren, in dem sich das Flammöl befindet, und einem kleineren, nur etwa halb so großen Druckgasbehälter mit dem Treibgas. Abweichend hiervon existieren auch Modelle mit drei Tanks, bei denen das Flammöl auf zwei Behälter aufgeteilt ist, um eine symmetrischere Gewichtsverteilung und kompaktere Bauweise zu erreichen, aber auch Modelle, bei denen ein Tank kugelförmig ist und der zweite als Röhre um die Kugel gewickelt ist. Bei einigen Zündsystemen kann auch eine zusätzliche kleine Gasflasche (ca. 0,5 l) zur Speisung der Zündflamme erforderlich sein.

Als Treibgas finden in der Regel Druckluft, Kohlenstoffdioxid oder auch Stickstoff Verwendung. Es werden aber auch brennbare Gase wie Propan und Butan eingesetzt, wobei dann das Treibgas gleichzeitig zur Speisung der Zündflamme verwendet wird. Die mancherorts angegebene Nutzung von Wasserstoff als Treibgas beruht jedoch auf einem Missverständnis im Zusammenhang mit dem Wasserstoff-Zündsystem des Standardflammenwerfers FmW 41 der deutschen Wehrmacht.

Das Flammöl besteht im einfachsten Fall aus gewöhnlichem Dieselkraftstoff oder leichtem Heizöl. Benzin ist im reinen Zustand ungeeignet, da es zu schnell verbrennt. Dieselöl brennt länger und heißer, und obwohl damit bereits ein effektiver Betrieb des Flammenwerfers möglich ist, wird in der Regel ein weiter optimiertes Gemisch verwendet. So werden zum Beispiel Benzin oder Kerosin zugesetzt, um den relativ hohen Flammpunkt des Diesel- oder Heizöles herabzusetzen und damit ein zuverlässiges Durchzünden auch bei sehr niedrigen Temperaturen oder widrigen Witterungseinflüssen zu gewährleisten. Gleichzeitig werden dem Flammöl Verdickungsmittel zugesetzt, um ein vorzeitiges Zerstäuben zu verhindern und damit die Wurfweiten zu vergrößern. Dadurch wird auch bessere Haftfähigkeit an Panzerfahrzeugen erreicht. Die Eigenschaften der Brennflüssigkeit nähern sich dabei denen von Napalm an.

Ein druckfester, mineralölbeständiger Gummischlauch, der oft mit einem schützenden Metallgeflecht überzogen ist, verbindet die Tanks mit dem entfernt einem Gewehr ähnelnden Brenner. Im Brenner selbst befindet sich ein selbstschließendes Ventil, ein Abzugsmechanismus und am Ende eine Düse mit einer Zündvorrichtung.

Wenn das Ventil durch den Abzug geöffnet wird, drückt das Treibgas das Flammöl durch den Schlauch ins Flammenrohr, an dessen Ende es beim Austritt aus der Düse vom Zündsystem entzündet wird.

Reichweite und Kapazität links|mini|Flammenwerfer des Forte Airolo miniatur|Flammenwerfer auf einem US-Kampfboot (Zippo Monitor) in Vietnam

Die Reichweite eines Flammenwerfers ist abhängig von der Mündungsgeschwindigkeit des Flammöls, der Zusammensetzung und Konsistenz des Flammöls sowie vom Öldurchsatz der Düse. Die Mündungsgeschwindigkeit hängt wiederum vom Treibgasdruck im Behälter und von der Länge des Schlauches ab. Auch Windrichtung und -geschwindigkeit haben einen erheblichen Einfluss auf die Reichweite.

Flammenwerfer von 1915 hatten eine Aktionszeit von bis zu drei Minuten und eine Reichweite von etwa 20 m.

Die effektive Schussweite eines frühen Ein-Mann-Tornister-Flammenwerfers liegt etwa zwischen 20 und 25 m, die maximale Reichweite bei etwa 30 m. Während des Kalten Krieges entwickelte Tornister-Modelle wie der sowjetische LPO-50 hatten Reichweiten bis etwa 70 m, wobei hier keine Treibgasflasche benutzt wurde, sondern der Flammstoff von einem pyrotechnischen Gasgenerator aus dem Tornister gedrückt wurde.

Die Reichweite größerer und schwererer Modelle, zum Beispiel bei ortsfest installierten Flammenwerfern (Beispiel: Livens Large Gallery Flame Projector) oder bei Flammpanzern, kann allerdings auch bis zu 100 m betragen.

Die Kapazität vieler im Zweiten Weltkrieg üblichen Modelle reichte je nach Länge des einzelnen Flammstoßes für 2 bis 15 Würfe.

Geschichtlicher Überblick Das Altertum

miniatur|Griechisches Feuer

Über den ersten Einsatz einer Art von Flammenwerfer berichtet der Historiker Thukydides im Zusammenhang mit der Schlacht am Delion im Jahr 424 v. Chr. Nach der Schlacht bauten die Boioter eine wirksame Waffe mit einer Esse, einem Blasebalg und einem langen eisenbeschlagenen Rohr, um die hölzernen Befestigungen der Athener aus sicherer Entfernung in Brand zu setzen (Thukydides, 4,100).

In der Spätantike kamen Brandwaffen verstärkt zum Einsatz, und so wurde das Konzept wieder aufgegriffen. Weltgeschichtliche Bedeutung entwickelte die Waffe durch eine Weiterentwicklung im 7. Jahrhundert n. Chr. in Konstantinopel. Im Jahr 678 zerstörte die byzantinische Flotte die Schiffe der Sarazenen mit dem „Griechischen Feuer“, einer Mischung aus Schwefel, gebranntem Kalk, Erdölprodukten und anderen Substanzen wie Harzen und vielleicht Kalisalpeter, die auch auf dem Wasser brannte. Chronisten berichten übereinstimmend von dünnflüssigen Stoffgemischen („flüssiges Feuer“), sodass Erdöldestillate nach Art des Benzins die Grundlage darstellten. Das Gemisch wurde mit einer einfachen Balg- oder Kolbenpumpe durch Kupfer- oder Bronzerohre gepumpt und brennend auf den Gegner geschleudert. Durch die strikte Geheimhaltung sicherte dieser technologische Vorsprung der byzantinischen Flotte eine Vormachtstellung, die selbst dann noch Bestand hatte, als Byzanz selbst keine bedeutende Rolle mehr spielte. Auch im Landkrieg wurde das „flüssige Feuer“ verwendet.miniatur|Einsatz eines mittelalterlichen Handsiphones der Byzantiner, der griechisches Feuer verschießtDer nächste technologische Fortschritt gelang den Chinesen mit der Einführung einer Pumpe mit zwei Kammern. Diese ermöglichte es, in einer einzigen Bewegung in der einen Kammer anzusaugen und gleichzeitig aus der anderen auszustoßen. Bei der rückläufigen Bewegung tauschen dann die Kammern mittels Ventilen ihre Funktion, und die nun gefüllte Kammer wurde geleert, während die andere wieder ansaugte. Erst damit wurde ein durchgängiger, wenn auch pulsierender Strahl möglich.

Noch bis ins 13. Jahrhundert wurden Waffen dieser Art im Seekrieg eingesetzt, und ihre Verbreitung reichte von Europa über den Mittelmeerraum bis hin nach China.

Mit der Erfindung und steigenden Verbreitung des Schießpulvers verlor sie jedoch zunehmend an Bedeutung und kam schließlich gänzlich außer Gebrauch. Im Feuerwerkbuch, welches im 15. und 16. Jahrhundert verbreitet war, findet sich jedoch die Beschreibung eines Blasrohrs, welches als eine Art Flammenwerfer für kurze Entfernungen und wie die im Liber Ignium des „Marcus Graecus“ erwähnte „Römerkerze“ wirkt.Wilhelm Hassenstein, Hermann Virl: Das Feuerwerkbuch von 1420. 600 Jahre deutsche Pulverwaffen und Büchsenmeisterei. Neudruck des Erstdruckes aus dem Jahr 1529 mit Übertragung ins Hochdeutsche und Erläuterungen von Wilhelm Hassenstein. Verlag der Deutschen Technik, München 1941, S. 75 (Wie man ein fliegendes Feuer machen soll, das da fährt in die Höhe) und 124.

Vereinzelt ist auch ein späterer Gebrauch von Pumpen, die brennendes Petroleum warfen, überliefert, so in Havre 1758 und von den Deutschen bei der Belagerung von Paris 1870.Marcelin Berthelot, zitiert nach J. R. Partington A. History of greek fire and gun powder, Johns Hopkins University Press, 1999, S. 28.

Die Wiederentdeckung Die Wiederentdeckung und Entwicklung des ersten Flammenwerfers im neuzeitlichen Sinne wird im Allgemeinen dem deutschen Ingenieur Richard Fiedler zugeschrieben. Bereits im Jahre 1901 übergab er die ersten Modelle seines Flammenwerfers zur Erprobung an die deutsche Armee. Eines seiner Erprobungsmodelle war ein „tragbares“ Gerät, das aus einem einzelnen, etwa 1,20 m hohen, zylindrischen Metallbehälter bestand, der in seinem Inneren horizontal in zwei Teile aufgeteilt war. Der obere Abschnitt war mit dem Flammöl befüllt, während sich im unteren Teil des Behälters das unter Druck stehende Treibgas befand. Durch das Niederdrücken eines Hebels presste das Treibgas das Flammöl durch einen Gummischlauch zu einem stählernen Mündungsstück mit einem einfachen Docht als Zündvorrichtung. Diese Waffe konnte für zwei Minuten und unter enormer Entwicklung dichten Ölqualms einen etwa 18 m weiten Flammenstrahl feuern. Wiederholte Feuerstöße von kürzerer Dauer waren indes nicht vorgesehen, da die primitive Zündeinrichtung für jeden Schuss komplett erneuert werden musste.

Die deutschen Streitkräfte führten die neue Waffe allerdings erst 1911 bei der Truppe ein. Es wurde ein neues Sonderregiment mit zwölf Kompanien aufgestellt und mit Flammenwerferapparaten ausgestattet. Wesentlich beteiligt an der Entwicklung im Ersten Weltkrieg war auch der Major der Landwehr-Pioniere und Feuerwehrmann (Branddirektor in Posen und Leipzig) Bernhard Reddemann (1870–1938).Erfolgreiche Spurensucher – REDDEMANN-Ausstellung im Feuerwehrmuseum, Osthessen-News, 11. August 2010, FuldaGeschichte der deutschen Flammenwerfertruppe Maj. d.L. Dr. Reddemann

Im Ersten Weltkrieg miniatur|Deutsche Truppen 1917 an der Westfront mit Flammenwerfer Ursprünglich wurden Flammenwerfer im Ersten Weltkrieg in Deutschland als Waffe gegen befestigte Stellungen und Bunker entwickelt und auch eingesetzt. Der Gegner sollte durch die Angst vor dem Feuer demoralisiert, in Panik versetzt, aus den Stellungen getrieben oder durch die Flammen verbrannt werden.

miniatur|Ein Flammenwerfer-Angriff aus dem Schützengraben 1918

Flammenwerfer wurden erstmals 1914 im Ersten Weltkrieg von der deutschen Armee während der Kämpfe in den Argonnen eingesetzt. Im weiteren Kriegsverlauf, mit Beginn des Grabenkriegs im Winter 1914/15, suchte die deutsche Armeeführung dringend nach neuen Möglichkeiten, um wieder Bewegung in die erstarrten Frontlinien zu bringen und den zermürbenden und äußerst verlustreichen Stellungskrieg zu beenden. Um den Feind aus seinen befestigten Stellungen, Schützengräben und Bunkern herauszutreiben, erschien der massive Einsatz von Flammenwerfern neben dem Einsatz von Gas für die Militärs sehr vielversprechend. Der Militärwissenschaftler und Kriegsberichterstatter George Soldan beschrieb die Technik ein Jahrzehnt später so: „Zu den modernsten Nahkampfmitteln gehörte [im Ersten Weltkrieg] der ‚Flammenwerfer‘, der insbesondere gegen Unterstände, Maschinengewehrnester und Tanks Verwendung fand. Es handelt sich um einen tragbaren zylidrischen Behälter mit langem Schlauchmundstück, aus dem mittels Preßluft brennendes Oel in einer riesigen Stichflamme geschleudert wurde. Die Entzündung erfolgte beim Ausströmen auf chemischem Wege. Die dabei entwickelte Hitze war derart, daß die Getroffenen sofort zu Kohle verbrannten. Hinter der starken Rauchwolke konnten sich die Sturmtruppen leicht entwickeln.“Soldan: Der Weltkrieg im Bild: Originalaufnahmen des Kriegs-Bild- und Filmamtes aus der modernen Materialschlacht. National-Archiv, Berlin 1930. S. 19