mini|Kinder beim Nikolauslaufen in Bremen, 2016 Mit Sunnerklauslaufen oder Sunnerklaaslaufen (heute Nikolauslaufen) wird ein Bremer Brauch bezeichnet, der alljährlich am Abend des 6. Dezember – dem heutigen Nikolaustag – von Kindern in der Stadt Bremen und teils auch in der umgebenden Region ausgeübt wird. Dabei ziehen die meist verkleideten Kinder, oft zu mehreren oder in kleinen Gruppen, ab Einbruch der Dunkelheit durch die Stadtteile und Straßen und laufen von Haus zu Haus und Ladengeschäft zu Ladengeschäft, wo sie jeweils einen Spruch aufsagen oder ein Lied singen (traditionell in plattdeutscher Sprache) und so um Süßigkeiten bitten.
Der Brauch Geschichte mini|hochkant|Santa Claus, 1889 Der Begriff leitet sich aus dem niederdeutschen „“ (Sankt Klaus) ab: Namensgeber für das Sunnerklauslaufen ist der heilige Nikolaus von Myra, ein wegen seiner Menschenfreundlichkeit und Freigiebigkeit verehrter griechischer Bischof aus dem 4. Jahrhundert, der auch Schutzpatron der Kaufleute und Seeleute war.Kaya Leimann: 6. Dezember in Bremen. Nikolauslaufen durch die Stadtteile. In: Weser-Kurier vom 5. Dezember 2011; abgerufen am 3. Dezember 2014.Advent. Nikolaus: Auf: Website der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK); abgerufen am 3. Dezember 2014.
In Bremen war Nikolaus im Mittelalter auch ein beliebter Patron für Kirchen und Altäre. Es wird vermutet, dass der Brauch des Sunnerklauslaufen auf Dom- und Klosterschüler zurückgeht, die mit dem Umzug eines Kinderbischof Nikolaus um milde Spenden heischten. Dieser katholische Brauch, bei dem verschiedene plattdeutsche und hochdeutsche Lieder gesungen wurden, erhielt sich als eine Art Kostümfest auch in protestantischer Zeit. Anfangs nahmen vor allem Kinder ärmerer Schichten am Sunnerklauslaufen teil, die dabei etwas zu essen erhielten; später wurde es allgemeiner Brauch.
Der verkleidete Nikolaus wurde im 18. Jahrhundert vielfach als heidnische oder papistische Torheit angesehen, blieb als verbreiteter Brauch aber trotzdem lebendig. Die plattdeutschen Sprüche oder Gesänge wurden von den verkleideten Kindern im 19. Jahrhundert unter Stampfen mit Stäben (ursprünglich Krummstab des Bischofs) vorgetragen.
Nikolaussprüche und Liedtexte Überliefert sind eine Reihe von plattdeutschen Nikolaussprüchen und -liedern, die oft einen markanten Kehrreim beinhalten. Zu den bekanntesten Sprüchen und Liedern gehören u. a.:
Eine weitere Strophe:
Ein historischer Nikolausspruch aus Bremen-Hastedt:
Brauch heute Das Nikolauslaufen hat mittlerweile mehr den Charakter eines großen Spaßes angenommen, wobei das Verkleiden weniger im Vordergrund steht. In der Nachbarschaft wie in den Einkaufszentren werden die Beutel und Säcke der Kinder mit Bonbons, Keksen, Obst und anderen Geschenken gefüllt, wenn die Kinder in Scharen – und meist in Eile – ihre Gedichte aufsagen.
Siehe auch Martinisingen (ähnlicher Brauch in Bezug auf Häuser-ablaufen durch Kinder) Halloween (ähnlicher Brauch in Bezug auf Häuser-ablaufen durch Kinder) Glowesabend (Klobesabend), Raum Kassel Nikolaus von Myra: Brauchtum, ein Überblick über die Volkskunde des heiligen Nikolaus und seiner Begleiter
Literatur
Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. Band 2: L–Z. 2., aktualisierte, überarbeitete und erweiterte Auflage. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Feste und Brauchtum (Bremen) Kategorie:Heischebrauch Kategorie:Nikolausbrauchtum