mini|200px|Blick von Westen mini|hochkant|Blick von Osten Die Filialkirche St. Michael am Wasserturm wurde 1954 im Essener Südostviertel errichtet und gehörte zur am 20. April 2008 gegründeten Pfarrei St. Gertrud. Ihr Vorgängerbau aus dem Jahr 1904 stand auf einem anderen Grundstück und wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Die Kirche wurde am Ostermontag, 22. April 2019, mit dem letzten Gemeindegottesdienst außer Dienst gestellt.Bistum Essen, Gemeinde St. Bonifatius, abgerufen am 5. Juni 2020.lokalkompass_essen-sued, St. Michael am Wasserturm: Letzte Messe vor der Schließung steht bevor, abgerufen am 4. Juni 2020.
Vorgeschichte Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts war die Industrialisierung durch den Bergbau und die Eisen- und Stahlindustrie in Essen und dem gesamten Ruhrgebiet schon weit fortgeschritten. Sehr viele Arbeitskräfte wurden damit angezogen, für die immer mehr Wohnungen gebaut wurden. So entstanden um das Zentrum Essens neue Stadtteile, die nach der Himmelsrichtung des Viertels benannt wurden. Damit richtete man für die Kirche 1897 den Seelsorgebezirk Süd und 1904 den Seelsorgebezirk Nord ein. Die Pfarrei des Essener Münsters reichte schon längst nicht mehr aus. Und so bekam auch das Ostviertel, damals Steeler Berg genannt, da hier die Steeler Chaussee, die heutige Steeler Straße, bergauf in Richtung Steele verlief, durch den Einsatz des Kirchenvorstandes von St. Johann einen Seelsorgebereich. Dazu wurde am 26. Oktober 1898 die Katholische Gemeindeschule X (römisch: zehn) an der Wächtlerstraße1891 benannt nach Karl Gottlieb Wächtler, von 1844 bis 1890 Pfarrer der evangelischen Gemeinde Essen-Altstadt. Er galt als Bezirksschulinspektor als Vorreiter des sozialen Wohnungsbaus in Essen. Anlässlich der Errichtung von Wohnhäusern für einkommensschwache Bürger in den 1880er Jahren erhielt die Straße ihren Namen. eröffnet, die zuvor, am 29. September 1898, dem Fest des Erzengels Michael, eingesegnet wurde. Zur Eröffnung besuchten 464 Kinder diese Schule. Am 30. Januar 1900 gründete man, unter dem Vorsitz des Pfarrers von St. Johann, Arnold Reyners, den Kirchbauverein St. Michael. Bei einer Versammlung im Saal des Wasserturms am Steeler Berg am 8. März 1900 beschlossen und genehmigten die katholischen Gläubigen des Ostviertels die Satzung des Vereins zum Bau einer katholischen Kirche auf dem Steeler Berg. So setzte sich auch der damalige Münsterkaplan, Wilhelm Pastern, für den Bau einer St.-Michael-Kirche ein; zur Erinnerung an einen Altar, der sich einmal im Essener Münster zu Ehren des Erzengels Michael befand. Bereits am 27. Januar 1901 fand sich ein St.-Michael-Gesangsverein zusammen, und ein Jahr später war ein Paramenten-Verein gegründet worden. Den damaligen Verhältnissen entsprechend war zunächst eine Art Notkirche in Fachwerkbauweise geplant, die allerdings keine Baugenehmigung erhielt. Man schrieb ein solides Steingebäude vor.
Die Vorkriegskirche und ihre Gemeinde Der neoromanische Kirchbau war vom Essener Architekten Wilhelm Venhofen entworfen worden. Die Grundsteinlegung des etwa 48.000 Mark teuren Sakralbaus wurde dann am 11. Oktober 1903 gefeiert. Nach Einsegnung der neuen Kirche durch Pfarrer Reyners wurde am 5. Juni 1904 der erste Gottesdienst abgehalten. Zu diesem Ereignis prozessierte die Geistlichkeit der Essener Münsterpfarre über die Steeler Chaussee (heute Steeler Straße) und die Leopoldstraße zur neuen St.-Michael-Kirche an der Wächtlerstraße 52–54 . Vom ersten Tag an war Heinrich Giesbert erster Küster. Zu Anfang zählte die Rektoratsgemeinde, deren Rektor und Pfarrer Gustav Meinertz war, rund 5000 Katholiken. Die Gemeindeschule X unterrichtete in nun 15 Klassen knapp 1000 Kinder. Bis Ende des Jahres 1904 wurden in der Gemeinde 109 Kinder getauft und 25 Paare getraut. Am 1. Dezember 1904 eröffnete eine Leihbibliothek mit 50 Bänden, die einen Monat später dem Bonner Borromäusverein angegliedert wurde. Aus dem St.-Michael-Gesangsverein wurde durch kirchliche Weihe der St.-Michael-Kirchenchor. Am 20. März 1905 wurde Hugo Liedmann aus Krefeld zum neuen Priester ernannt, so dass die Anzahl der heiligen Messen erhöht werden konnte. Am 1. April 1907, einem Ostermontag, wurde die St.-Michael-Kirche Pfarrkirche und das Rektorat zum selbständigen Pfarrbezirk St. Michael erhoben. Damit schied St. Michael aus der Mutterpfarre St. Johann Baptist im Zentrum Essens aus. Die Pfarrgrenzen entsprachen denen des vorangegangenen Rektorats: die Bahntrassen im Westen und Norden, die Grenze zu Frillendorf und Huttrop im Westen und Süden. Die ehemalige Mutterpfarre gab 25.000 Mark zur Errichtung einer Pfarrerwohnung und stellte dafür das 1991 Quadratmeter große Grundstück zwischen Wächtler- und Michaelstraße zur Verfügung. Gleichsam wurde Grund zum Bau einer neuen Kirche zur Verfügung gestellt, da die bisherige Kirche als bessere Notkirche gedacht war. Diese neue Kirche wurde, obwohl ihr Bau im November 1907 vom neuen Pfarrer Johannes Jansen und dem Kirchenvorstand beschlossen wurde, nie gebaut. Am 21. Februar 1908 wurden die Pläne des Architekten Paul Stockebrand zum Bau eines Pfarrhauses und zweier Kaplaneien an der Michaelstraße genehmigt. Diese Gebäude wurden Mitte 1909 bezogen. Im Januar des Jahres beschloss man die Anschaffung einer neuen Orgel. Im Frühsommer 1911 begann man mit dem Bau eines Gemeindehauses, das am 7. Januar 1912 feierlich eingeweiht wurde. In dem Gemeindehaus befand sich eine nicht-öffentliche Wirtschaft, deren Getränke nur zu bestimmten Zeiten an die entsprechenden Versammlungsteilnehmer ausgeschenkt wurden. Im Oktober 1927 gab es eine neue Schankerlaubnis, die die Schankzeiten erweiterte.
Während des Ersten Weltkriegs, am 12. Dezember 1916, konnte im Pfarrbezirk an der Gemeindeschule X der erste katholische Kinderhort eröffnet werden. Am 12. Januar 1917 folgte ein weiterer Kinderhort, diesmal für Mädchen im katholischen Vereinshaus. Nach dem Krieg, etwa 1920, stellte sich ein Problem dar, das mit der am 27. September 1911 eröffneten Franziskanerkirche Heilig Kreuz zu tun hatte, denn die Steeler Straße trennte diese nördlich am unteren Steeler Berg befindliche Kirche von St. Michael, so dass viele Gemeindeglieder dorthin gingen. Heiligabend 1922 wurde neben der Taufkapelle in St. Michael eine Kriegertafel eingeweiht, die an die knapp 200 im Krieg gefallenen Gemeindeglieder erinnerte.
Im Kölner Dom empfing am 7. März 1927 Joseph Teusch, Gemeindeglied von St. Michael, die Priesterweihe. Später berief man ihn als Domvikar an die Bischofskirche. Er leitete die Abwehrstelle für NS-Weltanschauung, der es unter schwierigen Umständen gelang, rund 17 Millionen Exemplare eines Kämpferischen Katechismus deutschlandweit unter die Katholiken zu bringen. Nach der Zeit des Nationalsozialismus wurde er Generalvikar im Erzbistum Köln. Weitere Bekanntheit erlangte Teusch als führender Mitbegründer der katholischen Hilfswerke Misereor und Adveniat.
Am 10. November 1930 gab es den ersten Martinszug der Pfarrgemeinde. Als am 15. Dezember 1931 die neue Pfarrgemeinde Heilig Kreuz errichtet wurde, musste St. Michael Teile seines Bezirkes abgeben, erhielt aber im Gegenzug Teile der Nachbargemeinde St. Bonifatius neu hinzu. 1936 zählte die St.-Michael-Gemeinde rund 7200 Gemeindeglieder. Und so kam erneut der Wunsch nach einer neuen Kirche auf, denn das jetzige, als Notkirche errichtete Gebäude war so marode, dass der Kirchsaal bei starkem Regen unter Wasser stand. Ein Plan der Altenessener Architekten Böll und Dressler wurde von der erzbischöflichen Behörde genehmigt, wonach ein Neubau etwa 300.000 Reichsmark hätte kosten können. Als der Bauplatz feststand und das Kapital vorhanden war, waren die Kriegsvorbereitungen der Hitler-Regierung daran schuld, dass weder Arbeitskräfte noch Material vorhanden gewesen wären. Also setzte man das vorhandene Geld zur Instandsetzung der alten Kirche ein. Erneut änderte sich das Gebiet des Pfarrbezirkes St. Michael, in dem am 1. August 1938 ein Austausch mit der Pfarrei St. Hubertus stattfand.
Zweiter Weltkrieg Erste Einschränkungen Schon zu Beginn des neuen Schuljahres wurden im April 1939 die Kruzifixe in den Schulen entfernt. Die erste Predigt während einer Heiligen Messe in St. Michael musste am Sonntag, den 3. September 1939 wegen eines Fliegeralarms abgebrochen werden. Vier Tage danach wurde aus Gründen der Luftabwehr von der Polizei das Glockenläuten verboten. Dieses Verbot wurde am 29. Oktober wieder gelockert – so durfte an Sonn- und Feiertagen immerhin drei Minuten lang geläutet werden. Der Keller des Vereinshauses musste als Schutzkeller hergerichtet werden. Die anderen Keller der Kirchengebäude folgten ein Jahr später, damit möglichst viele Besucher in die Kirche durften, denn sie mussten alle laut Verordnung in den Schutzkellern Platz finden. So konnten noch etwa 500 Personen St. Michael aufsuchen. Da die Hauptorgel zum Umbau bei der Orgelmanufaktur Klais in Bonn war, stellte man eine kleine, am 1. Oktober 1939 geweihte Chororgel mit acht Registern in den Altarraum. Die neue Orgel mit nun 31 Registern wurde am 16. Juni 1940 eingeweiht. Der derzeitige Pfarrer Aloys König schaffte für die Erstkommunion Einheitskittel an, da einige Eltern ihren Kindern keine Erstkommunionskleidung kaufen konnten, oder, weil sie Nationalsozialisten waren, wollten. Über diesen Kitteln trugen Mädchen gelbe und Jungen rote Bänder.
Zerstörung durch Luftangriffe