miniatur|hochkant|Cordula Trantow (vor 2010)
Cordula Trantow, verheiratete Noelte (* 29. Dezember 1942 in Berlin; † 12. August 2026), war eine deutsche Schauspielerin, Regisseurin und Intendantin.
Leben und Wirken Cordula Trantow ist die Tochter des Komponisten und Dirigenten Herbert Trantow und der Tanzpädagogin Edith Trantow, geborene Kirchhoff. Sie absolvierte das Abitur und nahm in Berlin Schauspielunterricht bei Marlise Ludwig; außerdem ließ sie sich in klassischem Ballett bei Tatjana Gsovsky ausbilden. Sie trat in den Staatstheatern München und Stuttgart sowie bei den Ruhrfestspielen auf.
Ersten Erfolg hatte Trantow als edle Prinzessin in der Hans-Sachs-Verfilmung Aufruhr im Schlaraffenland. Bekannt wurde sie 1959 mit der Rolle der Franziska in Die Brücke von Bernhard Wicki, wofür sie das Filmband in Gold als beste Nachwuchsschauspielerin gewann. André Cayatte engagierte sie 1960 als Partnerin von Charles Aznavour in Jenseits des Rheins als Helga. Im gleichen Jahr verkörperte sie die Binja im Heimatfilm An heiligen Wassern. Als Adolf Hitlers Nichte Geli Raubal spielte sie 1962 in der Hollywood-Produktion Hitler von Stuart Heisler und erhielt dafür eine Nominierung für den Golden Globe Award als Beste Nachwuchsdarstellerin.
mini|hochkant|Cordula Trantow (2020)
Cordula Trantow war evangelisch. Im Jahr 1963 heiratete sie. Ihr Ehemann, der Theaterregisseur Rudolf Noelte, besetzte sie als Frida in seiner Franz-Kafka-Verfilmung Das Schloß. 1971 spielte sie im Fernsehfilm Das Herz aller Dinge. Nach zahlreichen deutschen Unterhaltungsfilmen beendete sie ihre Filmkarriere zugunsten einer Theaterkarriere, wo sie in einigen der bedeutendsten Inszenierungen der 1970er und 1980er Jahre spielte. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Hauptrolle im TV-Krimi-Dreiteilers Babeck (1968). In den 1980er Jahren lebte sie in Allmannshausen in Oberbayern.
Sie arbeitete außerdem als Synchronsprecherin für Ali MacGraw, Claude Jade, Marie Versini, Sandrine Bonnaire und Dominique Sanda. Ab 1991 war sie Intendantin u. a. des Weilheimer Theatersommers. Im Jahr 1998 verließ sie Weilheim nach Garmisch-Partenkirchen infolge einer Hetzkampagne gegen ihre Faust-I-Inszenierung wegen einer angeblich pornographischen Szene in der Walpurgisnacht zwischen Gretchens Bruder Valentin nach dessen Tod mit einer Hexe. In: Rhein-Zeitung vom 21. Juli 1998. 1999 führte sie ihren Faust I dort weiterhin auf (wie auch in Ludwigshafen am Rhein) und inszenierte Momo mit Cosma Shiva Hagen in der Hauptrolle. Guildo Horn spielte unter ihrer Regie in The Wizard of Oz und Christine Kaufmann in Maria Stuart (Regie: Uwe Niesig). 2004 kam es zur Umsetzung von Romeo und Julia in Bad Wörishofen als Theatertournee mit Cosma Shiva Hagen sowie Marco Hofschneider in den Hauptrollen.
2004 trat sie in der Krimiserie Bella Block in der Folge Hinter den Spiegeln auf und gehörte 2005 zum Stammpersonal der Serie Bis in die Spitzen. Trantow spielte auch unter anderen Regisseuren, so u. a. 2006 als Violet Venable in Pia Hänggis Inszenierung von Tennessee Williams’ Plötzlich letzten Sommer.
Cordula Trantow starb nach kurzer schwerer Krankheit am 12. August 2026 im Alter von 83 Jahren.
Filmografie Als Schauspielerin 1957: Kalle wird Bürgermeister 1957: Aufruhr im Schlaraffenland 1958: Meine schöne Mama 1959: Die Brücke 1960: Bumerang 1960: Die Zeit und die Conways 1960: Jenseits des Rheins (Le passage du Rhin) 1960: Wegen Verführung Minderjähriger 1960: Die Dame ist nicht fürs Feuer 1960: An heiligen Wassern 1961: Verdammt die jungen Sünder nicht (Morgen beginnt das Leben) 1961: Unsere kleine Stadt 1961: Nur der Wind 1962: Hitler 1962: Bekenntnisse eines möblierten Herrn 1963: Talente und Verehrer 1963: Maria Magdalene 1966: Die Fliegen 1966: Drei Schwestern 1966: Irrungen, Wirrungen 1967: Drei Rosen aus Papier 1967: Der zerbrochene Krug 1967: Die Trennung 1968: Babeck 1968: Das Schloß 1969: Rumpelstilz 1970: Vor Sonnenuntergang 1970: Der Kirschgarten 1971: Dem Täter auf der Spur – Flugstunde 1972: Geheimagenten 1972: Das letzte Paradies 1972: Berlin, Keithstraße 30 (Serie) 1972: Dem Täter auf der Spur – Ohne Kranz und Blumen 1974: Unser Walter 1975: Wie starb Dag Hammarskjöld? 1975: Die Halde 1977: Die Ratten 1978: Haus der Frauen 1979: Wo die Liebe hinfällt 1979: Tatort – Freund Gregor 1980: Ein typischer Fall 1981: Kinder 1981: Preußische Nacht 1981: Ein zauberhaftes Biest (Serie) 1982: Die Gartenlaube 1983: Wie war das damals? 1989: Ein Fall für zwei (Fernsehserie, Folge 70.000 bar) 1994: Derrick – Das Floß 1997: Mein Freund Harvey 1999: Jedermann 1999: Theater: Candida 2000: Und morgen geht die Sonne wieder auf 2001: Ein Fall für zwei (Fernsehserie, Folge Das Lachen des Buddhas) 2004: Bella Block: Hinter den Spiegeln 2008: 30 Tage Angst (ZDF) 2008: Stubbe – Von Fall zu Fall: Dritte Liebe 2010: Gier 2013: Hubert und Staller (Fernsehserie, Folge Viel Wind um nichts) 2016: Rosamunde Pilcher : Ex & Liebe 2018: WaPo Bodensee (Fernsehserie, Folge Alte Liebe) 2019: Morden im Norden (Fernsehserie, Folge Aus Liebe) 2024: Aktenzeichen XY … ungelöst
Als Synchronsprecherin 1942: Für Bonita Granville in Der gläserne Schlüssel als Opal Madvig (Synchro im Jahr 1977) 1946: Für Ruth Nelson in Humoreske als Esther Boray (2. Synchro für TV im Jahr 1998) 1961: Für sich selbst in Jenseits des Rheins als Helga 1966: Für Louise Edlind in Ferien auf der Kräheninsel (Fernsehserie) als Malin Melkersson 1970: Für Claude Jade in Tisch und Bett als Christine Doinel 1970: Für Dominique Sanda in Der Garten der Finzi Contini als Micól Finzi-Contini 1979: Für Claude Jade in Liebe auf der Flucht als Christine Doinel 1982: Für Serif Sezer in Yol – Der Weg als Zînê 1984: Für Geneviève Bujold in Der Wolf hetzt die Meute als Beryl Thibodeaux 2009: Für Barbara Hershey in Albert Schweitzer als Helene Schweitzer 2014: Für sich selbst in Pater Rupert Mayer als Henriette Haase
Hörspiele (Auswahl) 1966: Ingmar Bergman: Blutige Erdbeeren (Sara) – Regie: Rudolf Noelte (Hörspiel – BR/SWF/ORF) 1973: Daphne du Maurier: Rebecca (zweite Mrs. de Winter) – Regie: Heinz-Günter Stamm (Hörspiel – BR) 1974: Theodor Fontane: Effie Briest (Titelrolle) – Regie: Rudolf Noelte (Hörspiel – SFB / BR / HR) (CD-Edition: Der Hörverlag 2008) 2014: Irina Liebmann: Erzähl mir von Russland – Regie und Bearbeitung: Barbara Plensat (Hörspiel – RBB)
Auszeichnungen 1960 Bundesfilmpreis: Filmband in Gold als beste Nachwuchsschauspielerin in Die Brücke 1963: Bambi 1963: Bronzener Bravo Otto 2000: Bundesverdienstkreuz am Bande
Literatur Trantow, Cordula. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1257. Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag, München/Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 1027. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 8: T – Z. David Tomlinson – Theo Zwierski. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 32 f.
Weblinks
Cordula Trantow in der Synchrondatenbank
Einzelnachweise
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