Jean-Christophe Joël Louis Boullion (* 27. Dezember 1969 in Saint-Brieuc) ist ein ehemaliger französischer Automobilrennfahrer. Er war 1995 in der Formel 1 aktiv.

Karriere Jean-Christophe Boullion begann 1982 im Kartsport. Sechs Jahre später wechselte er in die französische Formel Ford, die er 1989 als Meister verließ. Nach zwei weiteren Jahren in der französischen Formel 3, fuhr er 1993 neben Teamkollege Emmanuel Collard für das Team Apomatox in die Internationale Formel-3000-Meisterschaft. Er beendete die Saison als Achter der Meisterschaft, dabei steigerte sich seine Leistung über das Jahr hinweg. So beendete er die beiden letzten Läufe hinter Franck Lagorce auf dem Siegerpodest. Boullion blieb 1994 in der Formel 3000, wechselte jedoch zum Meisterteam DAMS. Mit drei Siegen in Folge auf dem Hockenheimring, in Estoril und in Magny-Cours sicherte er sich den Fahrertitel und zusammen mit Guillaume Gomez den Titel der Teamwertung für DAMS. Zudem erhielt er 1994 die Möglichkeit das 24-Stunden-Rennen von Le Mans anzugehen. Sein erstes Rennen an der Sarthe fuhr Boullion mit den beiden Franzosen Alain Cudini und Éric Hélary.

Formel 1 Daraufhin erhielt er 1995 einen Vertrag bei Sauber Motorsport in der Formel 1. Er fuhr insgesamt elf Formel-1-Rennen, sein erstes war der Große Preis von Monaco und sein letztes der Große Preis des Pazifiks. Er erreichte drei WM-Punkte und belegte damit den 16. Rang der Formel-1-Weltmeisterschaft 1995. 1996 und 1997 arbeitete Boullion als Testfahrer für den Rennstall Williams-Renault. Trotz seiner Verpflichtungen bei Williams trat Boullion 1997 mit DAMS erneut in Le Mans an. Er war zunächst auf zwei Fahrzeuge bei DAMS gemeldet. Das Fahrzeug mit Wolfgang Kaufmann wurde jedoch bei der Qualifikation disqualifiziert und war damit nicht für das Rennen startberechtigt. So ging Boullion neben Éric Bernard und Franck Lagorce ins Rennen, den er bereits aus seiner Formel-3000-Zeit kannte. Jedoch musste Boullion auch sein zweites Le-Mans-Rennen nach einem Schaden am Panoz GTR-1 vorzeitig beenden. In der darauf folgenden Saison 1998 wurde er als Testfahrer bei dem britischen Formel-1-Rennstall Tyrrell eingestellt. Auch in diesem Jahr versuchte sich Boullion in Le Mans, scheiterte mit seinem Ferrari 333SP aber erneut an technischen Defekten. Nach dieser Saison verließ er Tyrrell und wendete sich anderen Motorsportrennserien zu. Im Jahr 2006 äußerte sich Boullion über die Situation:

Touren- und Sportwagen Boullion unterschrieb für die Saison 1999 bei Williams-Renault einen Vertrag und fuhr nun in der Britischen Tourenwagen-Meisterschaft einen Renault Laguna, beendete die Saison jedoch hinter seinem Teamkollegen Jason Plato auf dem zehnten Platz der Gesamtwertung. Ein Start in Le Mans blieb ihm in diesem Jahr verwehrt, obwohl er sowohl bei DAMS, als auch bei seinem Vorjahresteam Jabouille-Bouresche im gemeldet war, fuhr er letztlich für keine der beiden Teams. Auch sein Engagement in der Tourenwagenmeisterschaft war mit dem Abgang von Renault und Williams beendet. Im Jahr 2000 erhielt Boullion die Möglichkeit mit Jérôme Policand, mit dem er 1997 schon in Le Mans fuhr, und Jordi Gené sein drittes 24-Stunden-Rennen zu bestreiten. Trotz des Ausfalls des Le-Mans-Prototypen fuhr Boullion mit dem 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring ein weiteres Langstreckenrennen mit Jordi Gené. Den Lauf der zur American Le Mans Series zählte, beendete die Fahrerpaarung auf Platz neun.

mini|Jean-Christoph Boullion beim Überqueren der Ziellinie in Spa 2005 2001 wechselte er nun zum jungen Rennstall Pescarolo Sport und bestritt unter Federführung des ehemaligen französischen Rennfahrer Henri Pescarolo mehrere Sportwagenrennen auf einem Courage C60. Dabei fuhr er in insgesamt drei Meisterschaften. Neben dem 12-Stunden-Rennen von Sebring, das zur American Le Mans Series zählte, legte Pescarolo dabei den Fokus auf die FIA Sportscar Championship und der European Le Mans Series. Zusammen mit Laurent Redon und Sébastien Bourdais fuhr er den Großteil der Meisterschaftsläufe, bei denen er jeweils ein Rennen in der ELMS und der FIA Sportscar Championship gewann. Auch in Le Mans war Boullion mit beiden Teamkollegen eingeschrieben und beendete das Rennen mit seiner ersten Zielankunft auf dem 13. Platz. Boullion reflektierte über die Möglichkeit bei Henri Pescarolo 2006:

2002 blieb er bei Pescarolo Sport, die sich nach dem Abgang der ELMS, nun Vollständig auf die FIA-Meisterschaft konzentrierten. Im Laufe der Saison fuhr er entweder mit Sébastien Bourdais oder Franck Lagorce. Zwei der sechs Rennen beendete er als Sieger, wurde jedoch von Jan Lammers und Val Hillebrand geschlagen. 2003 sollte Boullion einerseits mit einem achten Platz in Le Mans sein bis dahin bestes Ergebnis bei dem Rennen erzielen, andererseits blieben im mit nur zwei Teilnahmen an der FIA Sportscar Championship die Möglichkeit verwehrt den Titel zu erlangen. Zunächst siegte er mit Stéphane Sarrazin in Autódromo do Estoril, beim nächsten Rennen fiel er und Lagorce jedoch aus. Danach rotierten bis zum Jahresende die Fahrerpaarung bei Pescarolo zwischen mehreren Piloten, mit denen er über die Jahre ebenfalls fuhr. Mit dem Niedergang der FIA-Meisterschaft setzte Boullion ein Jahr komplett aus, auch ein angestrebter Start bei Epsilon Sport in Le Mans kam nicht zustande, da das Team seine Nennung zurückzog.

mini|Boullion in Le Mans 2008 mini|Boullion im Pescarolo 01 beim 1000-km-Rennen von Spa-Francorchamps 2009 Für die Saison 2005 pilotierte Boullion nun einen Pescarolo C60. Er und sein ehemaliger DAMS-Teamkollege Emmanuel Collard fuhren nun in der Neugegründeten Le Mans Endurance Series. Zudem wurde die Fahrerpaarung beim 1000-km-Rennen von Spa-Francorchamps und dem nicht zur Meisterschaft zählenden 24-Stunden-Rennen von Le Mans von Érik Comas unterstützt. Die beiden Rennen mit Comas und Collard beendete Boullion auf dem zweiten Platz, zudem gewann das verkleinerte Team beim 1000-km-Rennen von Monza und den Lauf in Istanbul. Dies sicherte ihm und Collard die Fahrermeisterschaft und Teameigner Henri Pescarolo die Teammeisterschaft 2005. Für die Saison 2006 erhielt das Team nun mit dem verbesserten Pescarolo 01 einen weiterentwickelten Prototyp des Vorjahresfahrzeugs. Damit siegte er und Collard bei allen fünf Rennen der Meisterschaft. Bei den Läufen, teilweise verstärkt durch Didier André und Eric Hélary, verteidigte die Fahrerpaarung die Team- und Fahrermeisterschaft der Serie. Mit dem Einstieg von Peugeot im folgenden Jahr änderte sich die Situation dramatisch. Keines der eingesessenen Mannschaften konnte die vorgelegte Geschwindigkeit des Werksteams mitgehen, lediglich Boullion unterstützt von Collard, Romain Dumas oder Harold Primat hielten dank ihrer Zuverlässigkeit die Meisterschaft bis zum letzten Rennen in Brasilien offen. So beendete Boullion vier der sechs Rennen auf dem Podium, beide weiteren Läufe unter den besten Fünf. Trotzdem verlor er die Meisterschaft am Ende mit 4,5 Punkten an Pedro Lamy und seinen ehemaligen Teamkollegen Stéphane Sarrazin. In der Saison 2008 war nun auch Joest Racing als Audi-Werksteam für die Meisterschaft eingeschrieben. Er und Boullion fuhren nun lediglich beim 1000-km-Rennen von Silverstone eine Podiumsplatzierung ein, in der Meisterschaft bedeutete diese Tatsache den sechsten Platz in der Gesamtwertung. Im folgenden Jahr fuhr Peugeot lediglich beim 1000 km Spa, Audi war nur mit zwei älteren Audi R10 in der Meisterschaft vertreten, die zudem von einem Privatteam eingesetzt wurden. So gewann Boullion, nun an der Seite von Christophe Tinseau den Lauf auf dem neuen Kurs in Algarve und beendete zwei weitere der insgesamt fünf Rennen auf dem Podium. Trotzdem wurde Boullion und Tinseau in der Meisterschaft vom Deutsch-Tschechischen Fahrertrio Stefan Mücke, Jan Charouz und Tomáš Enge geschlagen.

Pescarolo Sport geriet im Laufe der Saison immer stärker in finanzielle Schwierigkeiten und musste im Frühjahr 2010 Teile des Unternehmens verkaufen.OAK Racing übernimmt Pescarolo Sport Boullion wechselte daher zum jungen Team Rebellion Racing, das in den Jahren zuvor bereits unter dem Banner von Speedy Racing – Team Sebah in der Le Mans Series angetreten war.

Statistik Statistik in der Formel 1 Saison Team Chassis Motor Rennen Siege Zweiter Dritter Poles schn.Rennrunden Punkte WM-Pos. 1995 Red Bull Sauber Ford Sauber C14 Ford Zetec-R 3.0 V8 11 – – – – – 3 16. Gesamt 11 – – – – – 3

Einzelergebnisse Saison 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 1995 8* DNF DNF 9 5 10 11 6 12 DNF DNF

Le-Mans-Ergebnisse Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 1994 Michel Hommell Bugatti EB110 Alain Cudini Éric Hélary Ausfall Unfall 1997 Société DAMS Panoz Esperante GTR-1 Éric Bernard Franck Lagorce Ausfall Ölleck 1998 Jabouille-Bouresche Ferrari 333SP Vincenzo Sospiri Jérôme Policand Ausfall Getriebe 2000 ROC Reynard 2KQ Jordi Gené Jérôme Policand Ausfall Motor 2001 Pescarolo Sport Courage C60 Sébastien Bourdais Laurent Redon Rang 13 2002 Pescarolo Sport Courage C60 Sébastien Bourdais Franck Lagorce Rang 10 2003 Pescarolo Sport Courage C60 Stéphane Sarrazin Franck Lagorce Rang 8 2005 Pescarolo Sport Pescarolo C60 Emmanuel Collard Érik Comas Rang 2 2007 Pescarolo Sport Pescarolo 01 Emmanuel Collard Romain Dumas Rang 3 2008 Pescarolo Sport Pescarolo 01 Emmanuel Collard Romain Dumas Ausfall Motor 2009 Pescarolo Sport Peugeot 908 HDi FAP Benoît Tréluyer Simon Pagenaud Ausfall Unfall 2010 Rebellion Racing Lola B10/60 Andrea Belicchi Guy Smith Ausfall Unfall 2011 Rebellion Racing Lola B10/60 Andrea Belicchi Guy Smith Ausfall Unfall 2012 Pescarolo Team Pescarolo 03 Emmanuel Collard Stuart Hall Ausfall Motorschaden

Sebring-Ergebnisse Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 2001 Pescarolo Sport Courage C60 Sébastien Bourdais Laurent Redon Ausfall Motorschaden 2012 Pescarolo Sport OAK Pescarolo 01 Emmanuel Collard Julien Jousse Rang 6

Einzelergebnisse in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft Saison Team Rennwagen 1 2 3 4 5 6 7 8 2012 Pescarolo Team Pescarolo 01Pescarolo 03 6 DNF

Weblinks

Jean-Christophe Boullion bei Racing Sports Cars Jean-Christophe Boullion bei 24-h-en-piste

Einzelnachweise

Kategorie:Formel-1-Rennfahrer (Frankreich) Kategorie:Formel-3000-Rennfahrer Kategorie:Rennfahrer des 24-Stunden-Rennens von Le Mans Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1969 Kategorie:Mann Kategorie:Langstrecken-WM-Rennfahrer Kategorie:Rennfahrer des 12-Stunden-Rennens von Sebring