InterPride (International Association of Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender and Intersex Pride Coordinators) ist ein internationaler Zusammenschluss von Organisatoren, welche Prides veranstalten.
Aufgabe Die Organisation fördert international Pride-Veranstaltungen für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender, fördert die Kommunikation der Organisatoren untereinander und versucht verschiedene Gemeinschaften zur Teilnahme an Pride-Veranstaltungen anzuregen und als Bildungsquelle zu agieren.
Es findet jährlich im Oktober eine internationale Konferenz statt. Diese bietet die Möglichkeit, mit anderen Veranstaltern Kontakte zu knüpfen, und verschiedene Workshops und Seminare, welche helfen, die Veranstaltungen zu verbessern und die Organisationen zu stärken. Einzelne Regionen veranstalten auch lokale Konferenzen. Es gibt ein Intranet mit Kontaktinformationen, gemeinsamer Firmendatenbank und Daten von verfügbaren Präsentatoren. Es werden auch Unterlagen mit Beispielen für erfolgreiche Sponsoren-Programme zur Verfügung gestellt.
Organisation Der Verband ist in 20 geographische Regionen eingeteilt, für jede werden von den lokalen Organisationen zwei Personen gewählt. Sie bilden den Aufsichtsrat, der einen Exekutivausschuss aus neun Vertretern wählt. InterPride ist in den USA im Bundesstaat Texas registriert und genießt den Status einer gemeinnützigen, von den Steuern befreiten Organisation. Finanziert wird sie durch Mitgliedsbeiträge, Sponsoren, Verkauf von Werbeartikeln und Spenden.
Mitglieder können nur Pride-Organisationen werden. 2008 waren es 138, 2010 waren es 175 Organisationen in allen Kontinenten.
InterPride ist Mitglied der International Festivals and Events Association (IFEA), der International Gay and Lesbian Travel Association (IGLTA) und der International Lesbian and Gay Association (ILGA).
Geschichte Die Organisation wurde im Herbst 1982 unter dem Namen National Association of Lesbian and Gay Pride Coordinators gegründet, als sich sechs Vertreter von US-amerikanischen Pride-Organisationen zum Ideenaustausch in Boston trafen. Seither findet jedes Jahr in einer anderen Stadt eine Konferenz statt. Als bei einer Konferenz schon Vertreter aus Kanada, Mexiko und dem Vereinigten Königreich teilnahmen, zollte man der Internationalität Respekt und benannte die Organisation in International Association of Lesbian and Gay Pride Coordinators um. Die Konferenz im Jahre 1997 in New York City war mit Vertretern von 73 Organisationen aus 18 Ländern schon sehr international. Bei der Konferenz im Jahr darauf, in West Hollywood, entschied man den Namen der Organisation um die Thematik Bisexualität und Transgender zu ergänzen. Im darauffolgenden Jahr wurde der Organisationsname auf InterPride geändert um die internationale Struktur widerzuspiegeln. Diese Konferenz im Jahre 1999 in Glasgow war auch die erste, welche nicht auf dem nordamerikanischen Kontinent stattfand. Zwei Jahre später, im Jahre 2001, fand die Konferenz erstmals in der südlichen Hemisphäre statt und der Premierminister von Neuseeland hieß die Teilnehmer in Auckland willkommen. Mit der Konferenz 2003 in Montreal fand sie erstmals in einer Stadt statt, deren Hauptsprache nicht Englisch ist. Und im Jahr darauf fand die Konferenz in Reykjavík erstmals in einem Land statt, dessen Landessprache nicht englisch ist. Die erste Konferenz in Kontinentaleuropa fand 2007 in Zürich statt.
Konferenzen und Pride-Themen Jahr Gastgeberstadt Land Internationales Pride-Motto 1982 Boston USA keines 1983 San Diego USA keines 1984 Wichita USA Unity & More in ‘84(„Einheit & Mehr“) 1985 Fort Lauderdale USA Alive with Pride in ‘85(„Leben mit Stolz“) 1986 San Francisco USA Forward Together(„Zusammen vorwärts“) 1987 Baltimore USA Proud, Strong, United(„Stolz, Stark, Vereint“) 1988 St. Louis USA Rightfully Proud(„Zu Recht stolz“) 1989 Vancouver CDN Stonewall 20 – A Generation of Pride(„20 Jahre Stonewall – Eine Generation mit Stolz“) 1990 Minneapolis USA Look to the Future(„Blick in die Zukunft“) 1991 Boston USA Together in Pride(„Mit Stolz zusammen“) 1992 Long Beach USA Pride = Power 1993 Houston USA A Family of Pride(„Eine stolze Familie“) 1994 Fort Lauderdale USA Stonewall 25 – A Global Celebration of Lesbian & Gay Pride & Protest(„Stonewall 25 – Eine weltweite Festveranstaltung für schwul-lesbischen Stolz & Protest“) 1995 Phoenix USA Pride – From Silence to Celebration(„Stolz – Vom Schweigen bis zum Feiern“) 1996 Kansas City USA Pride Without Borders(„Stolz ohne Grenzen“) 1997 New York City USA Equality Through Visibility(„Gleichberechtigung durch Sichtbarkeit“) 1998 West Hollywood USA Unity Through Diversity(„Einheit durch Verschiedenheit“) 1999 Glasgow UK Prideful Past, Powerful Future(„Stolze Vergangenheit, starke Zukunft“) 2000 Atlanta USA Take Pride, Take Joy, Take Action(„Sei Stolz, hab Freude, werde tätig“) 2001 Auckland NZ Embrace Diversity(„Stell dich der Verschiedenheit“) 2002 San Francisco USA Pride Worldwide 2003 Montréal CDN Peace Through Pride(„Friede durch Stolz“) 2004 Reykjavík IS Vive La Difference(„Es lebe der Unterschied“) 2005 Minneapolis USA Equal Rights. No More. No Less.(„Gleiche Rechte, nicht mehr, nicht weniger“) 2006 Portland USA Pride – Not Prejudice(„Stolz – nicht Vorurteile“) 2007 Zürich CH United For Equality(„Gemeinsam für Gleichberechtigung“) 2008 Vancouver CDN Live Love Be(„Leben, Lieben, Sein“) 2009 Saint Petersburg USA Your Rights, Our Rights, Human Rights(„Deine Rechte, unsere Rechte, Menschenrechte“) 2010 Long Beach USA One Heart, One World, One Pride 2011 Brüssel Belgien Pride Around the World 2012 Boston USA Pride Links Us Together 2013 Montreal CDN Pride 365 2014 Pittsburgh USA Reflections of Pride – Stonewall 45 2015 Las Vegas USA
WorldPride Der Titel WorldPride wird in unregelmäßigen Abständen in Lizenz an eine der weltweiten Veranstaltungen vergeben., interpride.org, Abruf: 1. Oktober 2008
2000 – Rom mini|World Pride 2000 in Rom Der Europride in Rom vom 1. bis zum 9. Juli mit einer Parade am 8. Juli wurde auch gleichzeitig der erste World Pride. Vom 4. bis zum 7. Juli fand auch die 20. Weltkonferenz der International Lesbian and Gay Association (ILGA) mit über 100 Delegierten aus aller Welt in Rom statt, wegen durch Faschisten angedrohten Anschlägen in einem unter Polizeischutz stehenden Hotel. Die Gegnerschaft im Vorfeld war groß, auch weil das römisch-katholische Heilige Jahr ausgerufen war. Der Vatikan protestierte, Bischöfe forderten ein Verbot. Ersilio Tonini bezeichnete die Veranstaltung als „eine Verletzung der religiösen Gefühle, schädlich für die Erziehung der Jugend.“ Auch konservative und neofaschistische Politiker wetterten dagegen, zogen die Schirmherrschaft, zahlreiche Veranstaltungsgenehmigungen und zugesagte Unterstützungen zurück und wollten die Parade nicht durch die Innenstadt zum Kolosseum marschieren lassen. Letzteres wurde 2 Tage vor der Parade genehmigt und eine geplante Gegendemonstration der Neofaschisten abgesagt. An der Parade nahmen schätzungsweise 100.000 Menschen teil. Der italienische Ministerpräsident Giuliano Amato hatte öffentlich bedauert, dass er World Pride leider wegen verfassungsrechtlicher Gründe nicht verhindern könne. Die ganzen Kontroversen bewirkten aber auch, dass es ein großes Medienereignis wurde und schon in den Monaten davor in ganz Italien über Lesben und Schwule diskutiert wurde. Mehrere Prominente, darunter ein Minister, bekannten sich während dieser Zeit öffentlich zu ihrer Homosexualität.Gerhard Grühn: , Lesbian & Gay Liberation Front e. V., Abruf: 1. Oktober 2008Eva Maria Kallinger: , Focus Nr. 27, 3. Juli 2000PROTESTEN ZUM TROTZ – Zehntausende Homosexuelle ziehen durch Rom und Bern, spiegel.de, 8. Juli 2000
2005/2006 – Jerusalem Gay Prides in Jerusalem finden seit 2002 statt. Es gab dabei nur geringe Proteste orthodoxer Juden.Thilo Schmidt: Die kleinen Wunder von Jerusalem, dw-world.de, 25. Juni 2005Parade in Jerusalem angegriffen, queer.de, 4. Juni 2004
Jerusalem wurde 2003World Pride in Jerusalem, queer.de, 21. Oktober 2003 für den ursprünglich im August 2005 geplanten World Pride unter dem Motto „Ahawah lelo Gwuloth – Liebe ohne Grenzen“ ausgewählt, da es zu den Wiegen der westlichen und nahöstlichen Zivilisationen gehört. Die ruhmvolle Geschichte der Stadt wird heute von einem Konflikt überschattet, wo ethnische und religiöse Spannungen zur Tagesordnung gehören und dadurch sehr schnell das gemeinsame humanistische Element vergessen wird, und schnell die grundlegenden Menschenrechte der Würde und der Freiheit verachtet werden. Der World Pride soll Menschen aus aller Welt versammeln, um eine wichtige Botschaft zu verbreiten: „Die Menschenrechte übersteigen kulturelle und ethnische Barrieren, unsere Unterschiede können in Frieden akzeptiert werden, Liebe kennt keine Grenzen.“ Auch waren die dort versammelten Weltreligionen oft Quellen der Feindseligkeit gegenüber Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern., lglf.de, 2005 Hauptorganisator war die Organisation Jerusalem Open House, in der Juden, Christen und Muslime, Israelis und Palästinenser zusammenarbeiten. Die Veranstaltung wurde auf zehn Tage angelegt und sollte ein Filmfestival, Gottesdienste, Workshops, Straßenmarkt und eine Parade umfassen.
Der Bürgermeister von Jerusalem, Uri Lupolianski bezeichnete im Dezember 2004 den World Pride als „eklig, beleidigend, anstößig und provokant“. Er versuchte lange Zeit die Polizei zu einem Paradeverbot zu bewegen.Jerusalem: OB gegen CSD, queer.de, 19. Januar 2005
Dies gelang jedoch nicht und so bewirkte die geplante Veranstaltung eine außergewöhnliche Einigkeit hoher religiöser Würdenträger. Interreligiöse Übereinstimmung der drei monotheistischen Weltreligionen ist eine Seltenheit in Jerusalem. Zwölf Religionsführer unterschrieben eine Erklärung, um ihren Widerspruch gegen die Veranstaltung einzulegen. Die höchsten Würdenträger oder deren Vertreter hielten am 30. März 2005 eine gemeinsame Pressekonferenz in Hebräisch, Englisch und Arabisch ab. Sie beklagten in einer gemeinsamen Erklärung, dass „dieses Ereignis einen Affront gegenüber den Herzen und Seelen der Anhänger aller Religionen darstellt – Juden, Christen und Moslems.“, religion.orf.at, 31. März 2005Sodom & Gomorrah, bigbalagan.typepad.com, 31. März 2005Laurie Goodstein and Greg Myre: Clerics Fighting a Gay Festival for Jerusalem, New York Times, 31. März 2005 Schlomo Amar, sephardischer Großrabbiner von Israel, sagte, Homosexuelle fügten ihren Eltern viel Schmerzen zu. Auch in einer Demokratie dürfe nicht alles erlaubt sein. Sie erzeugen einen tiefen und grausamen Schmerz, der unerträglich ist. „Jene“ mögen doch die „Beleidigung Jerusalems“ unterlassen. Auf die Meldung eines Redakteurs der Ynet-Internetseite in der Fragerunde, dass es sich bei der Parade um eine „Demonstration der Liebe“ handle, erwiderte er: „Wenn sich diese Menschen anständig benehmen und nicht öffentlich zu Sünde aufrufen, sind sie herzlich willkommen.“ Zum Schluss gestand er erneut ein, dass ohne die Demonstration diese seltene Pressekonferenz nicht zustande gekommen wäre. „Auch das ist eine Demonstration der Liebe.“ Jona Metzger, aschkenasischer Großrabbiner von Jerusalem sagte: „Bitte zerstört nicht die Heiligkeit von Jerusalem, bewahrt ihren Charakter, bewahrt ihren Frieden … sagt eure Pläne ab.“ Es ist eine „geplante Provokation gegen alle Religionen“. Michel Sabbah, lateinischer Patriarchat von Jerusalem, sagte, man respektiere die Freiheit der Anderen, „aber diese müssen wiederum unsere religiösen Gefühle respektieren“. Es gebe „genug Spannungen in der Stadt“. Torkom Manoogian, armenischer Patriarch von Jerusalem, und sein Pressesprecher, Bischof Aris Scherevian, sagten, Gott habe „Adam and Eve, not Adam and Steve“ geschaffen. Sie betonten, Gott habe die Einwohner von Sodom und Gomorrha für ihre Homosexualität bestraft. „Wir sind für Menschenrechte, aber gegen Sünde und Verbrechen, auf die in der Bibel die Todesstrafe stand.“