mini|Luftaufnahme des Ortskerns (März 2020) mini|Luftbild von Hiltpoltstein aus Richtung Süden

Hiltpoltstein ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Forchheim und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Gräfenberg. Der Markt liegt rund 25 Kilometer nordöstlich von Nürnberg, im Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura.

Geografie Geologie und Topografie Hiltpoltstein liegt am Rande einer Hochfläche in der Fränkischen Schweiz. Mit einer Höhenlage zwischen 484 und gehört der Ort zu den höchstgelegenen Gemeinden im Landkreis Forchheim. Der Altort liegt überwiegend auf der dolomitischen Fazies des Weißen Jura und weist eine Reihe exponierter Schwammriffe (Schwammstotzen) auf. Der höchste dieser Dolomitfelsen auf dem Gemeindegebiet ist die Silberecke, ein ausgewiesenes Naturdenkmal. Mit ist es der höchste Punkt im Landkreis Forchheim, gefolgt vom nahe gelegenen Stumpfelestein () und vom Bitzenberg (). Östlich des Ortes verläuft in nord-südlicher Richtung der Haupt-Riffzug von Rupprechtstegen, dessen gebankte Dolomite eine Hochfläche bilden. Im Gemeindegebiet (mit eingemeindeten Orten) teilen sich der Dolomit des Weißen Jura und zum Teil stark quarzhaltige Alblehme etwa zu gleichen Teilen die Fläche. Zwischen Hiltpoltstein (Hauptort) und Kappel dominieren Alblehme, desgleichen in Kemmathen und auf der sich westlich anschließenden Hochfläche. Lokal begrenzt sind östlich des Hauptortes geologische Reste aus der Oberkreide vorhanden, vor allem in Gestalt der Kallmünzer. Es handelt sich um zum Teil recht große Findlinge aus verkieseltem Sandstein.

Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 2562 Hektar. Die Nachbargemeinden sind Obertrubach, Gräfenberg, Betzenstein und Simmelsdorf. Das Ortsbild wird geprägt von der Burg Hiltpoltstein auf einem etwa 20 Meter aufragenden Dolomitfelsen mit .

Gemeindegliederung Der Markt Hiltpoltstein hat 12 Gemeindeteile mit 1528 Einwohnern (in Klammern sind der Siedlungstyp und Einwohnerzahl, Stand Juli 2026, angegeben):

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Hiltpoltstein, Kappel, Lilling (Gemarkungsteil 1), Obertrubach (Gemarkungsteil 0) und Schossaritz. Die Gemarkung Hiltpoltstein hat eine Fläche von 7,026 km². Sie ist in 1250 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Görbitz und Göring.

Geotope Kirchfelsen in Hiltpoltstein (Geotop-Nummer 474R033) Druidenstein, nordwestlich von Hiltpoltstein (Geotop-Nummer 474R034) Dohlenstein, südlich von Wolfsberg (Geotop-Nummer 474R032)

Geschichte mini|Ort und Burg Hiltpoltstein mini|Burg Hiltpoltstein

Ur- und Frühgeschichte Im Gemeindegebiet gibt es eine Reihe von archäologischen Fundplätzen (vgl. die Liste der Bodendenkmäler in Hiltpoltstein). Die ältesten Fundobjekte sind mesolithische Hornsteinklingen, gefunden bei Erlastruth, die etwa auf 6500 v. Chr. zu datieren sind.Leif Steguweit: Ur- und Frühgeschichte von Hiltpoltstein und Umgebung. In: Die Fränkische Schweiz, Heft 3, 2017, S. 6–9 Westlich von Großenohe wurden zwei endneolithische Beilklingen aus geschliffenem Amphibolit gefunden (etwa 3500–2800 v. Chr.). Als Bodendenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen ist ein verebnetes Grabhügelfeld der Hallstattzeit nördlich von Kemmathen, das durch den Fund eines vollständig erhaltenen Bronzeschwertes (Stufe Hallstatt C) im Jahre 1926 bekannt wurde.Hermann Müller-Karpe: Ein Hallstattschwert mit Bronzegriff aus Oberfranken. In: Germania. Band 30, 1952, S. 100–102. Im Zuge der Flurbereinigung 1997 wurde dort ein teilweise noch erhaltener Grabhügel der Stufe Hallstatt D1 ausgegraben.Antja Bartel, Ermelinda Spoletschnik: Ein hallstattzeitliches Wagengrab aus Kemmathen. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 1997 (1998), S. 95–99. An der südlichen Gemeindegrenze zu Simmelsdorf gibt es elf Grabhügel der Hallstattzeit, von denen vier in den 1990er Jahren archäologisch untersucht wurden.Ferdinand Leja: Ein neuer hallstattzeitlicher Friedhof bei Oberndorf. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 1994, S. 82–84.Robert Frank: Ein weiterer hallstattzeitlicher Grabhügel der Nekropole von Oberndorf. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 1997, S. 90–93. Auch die Abschnittsbefestigung Burggraf am nordwestlichen Rand des Gemeindegebiets ist wahrscheinlich prähistorischen Ursprungs.Hermann Kellner, Leif Steguweit: Wanderungen von Hiltpoltstein aus. In: Die Fränkische Schweiz. Heft 3, 2017, S. 14–15.

Mehrere Trichtergrubenfelder zum Abbau von Bohnerzen befinden sich westlich und nordwestlich des Ortes Kappel. Schlacken deuten auf Eisenverhüttungsplätze hin; die Zeitstellung ist jedoch unklar. Über die ur- und frühgeschichtliche Besiedlung des Hauptortes Hiltpoltstein ist bislang wenig bekannt.

Mittelalter Das älteste Fundobjekt auf dem Burgfelsen-Plateau ist eine spätottonische Scheibenfibel aus Bronze, die in das Ende des 10. oder das erste Viertel des 11. Jahrhunderts datiert wird.Mechthild Schulze-Dörrlamm: Kreuze mit herzförmigen Armen. Die Bedeutung eines Ziermotivs für die Feinchronologie emaillierter Bronzefibeln des Hochmittelalters. In: Archäologisches Korrespondenzblatt. 18, 1988, S. 407–415. Im Jahr 1109 wurde „Hilteboldesdorf cum castro“ als Besitz des Klosters Weißenohe erstmals urkundlich erwähnt (vgl. entsprechenden Abschnitt zur Burg). Die Herren von Hiltpoltstein-Rothenberg stellten als Ministeriale im Heiligen Römischen Reich den Burgvogt. Das Geschlecht ist urkundlich erstmals 1139 mit „Odalricus quidam de Hilteboldestein“ (Ulrich von Hiltpoltstein) belegt.Otto, Bischof zu Bamberg, bestätigt die Stiftung eines Gutes zu Ramoldsreuth („Rumoldisruit“, Vogtlandkreis) durch Udalricus von Hiltpoltstein („Hilteboldesstein“) über Konrad („Chuonradus“) von Hüll („Hule“ bei Betzenstein) an das Kloster Michelsberg zu Bamberg und dessen Eintritt in das Kloster. Archivalie von 1139, Staatsarchiv Bamberg, Kloster Michelsberg, Urkunden 23 Seit 1188 stand die Burg unter Lehnsherrschaft der Staufer, die mit einer Urkunde von 1205 dem Kloster Weißenohe auch weiterhin die Vogtwahl überließen. Urkunden zwischen 1246 und 1276 nennen einen Reichsministerialen Hiltpold nach den drei zugehörigen Herrensitzen Lauf (Wenzelschloss), der Burg auf dem „Alten Rothenberg“ und Hiltpoltstein. Im Jahre 1251 wurde er „Hilteboldus de Hilteboldestein“ genannt, 1254 „Hiltepoldus de Rotenberge“. Der Leitname Hiltpold blieb während der gesamten staufischen Zeit erhalten. Vom letzten Staufer Konradin gingen die Lehens- und Erbgüter im Nordgau 1268 an den bayerischen Herzog Ludwig den Strengen über. 1275 war Hiltpoltstein Sitz eines herzoglich-bayerischen Amtes, das neun Orte umfasste. Als Kaiser Ludwig der Bayer 1329 im Hausvertrag von Pavia das Wittelsbacher Gut mit den Erben seines Bruders teilte, fiel die Burg an die Kurpfalz.

Unter böhmischer Herrschaft (1353–1503) Am 29. Oktober 1353 wurde der Hagenauer Kaufvertrag über 12.000 Mark Silber zwischen Pfalzgraf Ruprecht und dem böhmischen König und späteren römisch-deutschen Kaiser Karl IV. geschlossen, mit dem Hiltpoltstein zusammen mit anderen Orten an das Königreich Böhmen verkauft wurde. Nach der böhmischen Besitznahme wurde auf der Burg ein Pflegamt mit Hochgericht errichtet. Neben Erlangen war Hiltpoltstein damit in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts eine der nordwestlichsten Exklaven des als „Neuböhmen“ bezeichneten Territoriums. Der Ort wurde im Böhmischen Salbuch in der Schreibweise „Hilpoldstein“ geführt.Böhmisches Salbuch, 1366/68, S. 61 ff, 83 f, 87, 123

In der Nachfolge Karls IV. verpfändete König Wenzel die Burg im Jahre 1397 an die aus Böhmen stammenden und in Nürnberg lebenden Unternehmer Herdegen und Peter Valzner, die kurz darauf in den Patrizierstand erhoben wurden. Trotz der beginnenden Einflussnahme der Reichsstadt blieb Hiltpoltstein weiterhin Eigentum der böhmischem Krone. Im Gegensatz dazu wurden die meisten anderen neuböhmischen Orte um 1400 durch die Kurpfalz zurückerobert bzw. an diese abgetreten. Dazu gehörte auch Auerbach in der Oberpfalz mit dem bis dahin zuständigen Landgericht. Die Landgerichtsbarkeit für Hiltpoltstein wechselte in der Folge ebenfalls nach Nürnberg.

Durch Eheschließung mit Regina Valzner, Erbtochter von Peter Valzner, gelangte 1408 Ritter Friedrich von Seckendorff in den Pfandbesitz von Ort und Burg.StAN, Seck.Dok.Nr.66bGerhard Rechter: Die Seckendorff: Quellen und Studien zur Genealogie und Besitzgeschichte, Band 1 (Stammfamilie mit den Linien Jochsburg und Rinhofen.) In: Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Band 36. In einer Urkunde von König Sigismund, ausgestellt am 21. September 1417, erhielt dessen Vater Friedrich von Seckendorff, Hofmeister des Nürnberger Burggrafen, das Marktrecht für das Dorf „zum Hipoltzstain“ und das Privileg zur Befestigung. Zwei Tore wurden am Ost- und Westausgang des Ortes gebaut, den ansonsten – wie für kleinere Orte typisch – ein Hag umgab. Bis heute ist das östliche, 1527 zu einem Wächterhaus ausgebaute „Obere Tor“ erhalten. Hiltpoltstein erlebte im Ersten Markgrafenkrieg zwei kleinere Plünderungen im Mai 1449. Am 22. Juli 1449 raubten Nürnbergische Truppen rund 1200 Stück Vieh und brannten das gesamte Dorf nieder, nur die Burg blieb verschont.Hellmut Kunstmann: Die Burgen der westlichen und nördlichen Fränkischen Schweiz, Teil 1: Der Südwesten: Unteres Wiesenttal und Trubachtal. Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Reihe IX. Darstellungen aus der fränkischen Geschichte, Band 28, 1971, S. 231 Das Adelsgeschlecht der Seckendorffer behielt die Burg bis 1503 in Pfandbesitz.

Reichsstädtische Zeit (1503–1806) mini|Kupferstich, Johann Alexander Böner, 1696 mini|Kupferstich von C.M. Roth nach Zeichnung M.G. Lampferdtinger, 1759 In Voraussicht bayerisch-pfälzischer Erbstreitigkeiten löste Puta von Schwihau und Riesenberg, höchster Richter des Königreichs Böhmen, im Jahre 1503 die Burg mit Zustimmung von König Vladislav II. für 3600 Gulden von den Seckendorffern aus. Gleichzeitig wurden Verhandlungen mit der Reichsstadt Nürnberg aufgenommen, die zur Arrondierung ihrer Ländereien an der Übernahme Hiltpoltsteins interessiert war. Der Preis des Pfandbriefs, den die Reichsstadt im Oktober 1503 für Burg und Ort Hiltpoltstein zahlte, betrug 6000 Gulden. Der Kauf war notwendig, da der Ort nicht pfälzisch und daher für die Reichsstadt nicht durch Eroberung zu gewinnen war. Bis spätestens 1513 wurde die Burg Sitz eines Nürnberger Pflegamtes, ab diesem Jahr liegen Berichte nach Nürnberg vor.