Sechs Triosonaten für Orgel (BWV 525 – BWV 530) von Johann Sebastian Bach stehen am Beginn einer vom Komponisten 1727 angelegten Sammelhandschrift mit Orgelmusik. Später fügte ihr Bach noch die „Achtzehn Choräle“ und die Kanonischen Veränderungen über Vom Himmel Hoch zu. Das Wort „Triosonate“ bedeutet hier, dass die beiden Manuale und das Pedal unabhängig und rein einstimmig geführt sind, was satztechnisch eine erhebliche Aufgabe darstellt. Einen gemeinsamen Titel hat Bach nicht verwendet, die einzelnen Sonaten sind jeweils überschrieben mit „Sonata à 2 Clav. e Pedal di J. S. Bach“.Wolfgang Schmieder: Thematisch-systematisches Verzeichnis der Werke Johann Sebastian Bachs. Wiesbaden 1969.
Entstehung Die Triosonaten sind 1727 bis 1732 entstanden;Christoph Wolff: Johann Sebastian Bach. 2. Auflage, S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16739-5. dem Bachbiographen Johann Nikolaus Forkel zufolge hat Bach sie als Unterrichtsmaterial für seinen ältesten Sohn Wilhelm Friedemann Bach geschrieben. Da ein Satz der vierten Sonate auch unabhängig als ein instrumentales Trio erhalten ist, ist vermutet worden, dass möglicherweise mehrere der Werke zunächst in kammermusikalischer Besetzung entstanden sind; da in allen anderen Fällen aber keine auswertbaren Quellen erhalten sind, lässt sich diese These weder beweisen noch widerlegen.
Stil In ihrer kontrapunktischen Anlage mit häufigen Fugen und dem Verzicht auf deutlich tanzorientierte Sätze folgen die sechs Sonaten der Tradition der Sonata da chiesa, sind allerdings nicht vier-, sondern nur dreisätzig. Nicht nur dies, sondern auch viele stilistische Details verdeutlichen den Einfluss der italienischen Konzertform, beispielsweise das ausgeprägte Ritornell der Sonate 6; ein in Stil und Aufbau sehr ähnliches Werk ist die Gambensonate g-Moll.
Die einzelnen Sonaten Sonate 1 Es-Dur BWV 525 mini|300px|BWV 525, Themen der drei Sätze mini|Jan Liebermann spielt BWV 525 (Goll-Orgel der HfM Mainz) Sätze Es-Dur Adagio 12/8 c-Moll Allegro 3/4 Es-Dur
Nach heutigem ForschungsstandKlaus Hofmann: Ein verschollenes Kammermusikwerk Johann Sebastian Bachs. In: Bach-Jahrbuch 2000. liegt der Komposition ein originales Trio in F-Dur, wohl für Blockflöte, Oboe und Continuo, zugrunde.
Sonate 2 c-Moll BWV 526 Sätze Vivace c-Moll Largo 3/4 Es-Dur Allegro c-Moll
Wolfgang Amadeus Mozart bearbeitete den zweiten und dritten Satz dieser Sonate für Streichtrio.
Sonate 3 d-Moll BWV 527 Sätze Andante 2/4 d-Moll Adagio e dolce 6/8 F-Dur Vivace 3/8 d-Moll
Bach verwendete den langsamen Satz später als Mittelsatz für sein Tripelkonzert (BWV 1044) und fügte dazu eine vierte Stimme hinzu. Unabhängig davon bearbeitete Wolfgang Amadeus Mozart später den gleichen Satz für Streichtrio.
Sonate 4 e-Moll BWV 528 mini|Christoph Preiß spielt BWV 528 (Steinmeyer-Orgel St. Andreas Weißenburg; live) Sätze Adagio – Vivace 3/4 e-Moll Andante h-Moll Un poco Allegro 3/8 e-Moll Den ersten Satz aus langsamer Einleitung und Fuge verwendete Bach bereits in der Kirchenkantate Die Himmel erzählen die Ehre Gottes (BWV 76) – als ein Trio für Oboe d’amore, Viola da Gamba und Continuo. Man geht heute überwiegend davon aus, dass das gesamte Werk auf eine instrumentale Sonate dieser Besetzung zurückgeht – dies wäre eines der wenigen rekonstruierbaren Kammermusikwerke aus Bachs Weimarer Zeit.Pieter Dirksen: Ein verschollenes Weimarer Kammermusikwerk Johann Sebastian Bachs? Zur Vorgeschichte der Sonate e-Moll für Orgel (BWV 528). In: Bach-Jahrbuch 2003.
Weblinks J. S. Bach: Sonata No. 4 in E Minor BWV 528, Pedal Clavichord, Interpret: Balint Karosi, Interpretation mit zweimanualigem Pedal-Clavichord.
Sonate 5 C-Dur BWV 529 Sätze Allegro 3/4 C-Dur Largo 6/8 a-Moll Allegro 2/4 C-Dur
Eine Frühfassung des Mittelsatzes taucht in Bachs Weimarer Endfassung von Präludium und Fuge BWV 545 als Mittelsatz auf.Trio a-Moll (Frühfassung von: Sonate C-Dur, 2. Satz) BWV 529/2 Frühfassung. Bach-Digital.
Sonate 6 G-Dur BWV 530 Sätze Vivace 2/4 G-Dur Lento 6/8 e-Moll Allegro G-Dur
Einzelnachweise
Weblinks
Sechs Sonaten BWV 525–530 bei Bach Digital des Bach-Archivs Leipzig Sonaten BWV 525-530: Manuskript und Playlist auf YouTube
Kategorie:Orgelwerk von Johann Sebastian Bach