mini|Schottisches Moorschneehuhn mini|Kegelrobbe mini|Papageitaucher Die Fauna Schottlands weist grundsätzlich eine Artenzusammensetzung auf, wie sie für den europäischen Nordwesten der Paläarktis charakteristisch ist. Einige der typischen größeren Säugetiere dieser biogeographischen Region wurden in den letzten Jahrhunderten allerdings ausgerottet und mehrere andere Arten durch den Menschen eingeführt.
In Schottland sind heute 62 Arten von Säugetieren beheimatet. Dazu zählen Wildkatzen, ein großer Bestand an Kegelrobben und Seehunden sowie die weltweit nördlichste Herde des Großen Tümmlers.Matthews (1968) p. 254. Zum Vogelbestand zählen zahlreiche seltene Arten wie Birkhuhn und Schottisches Moorschneehuhn. Schottland ist auch ein international bedeutendes Brutgebiet für Seevögel wie den BasstölpelFraser Darling and Boyd (1969) S. 7, 98–102. und Greifvögel wie den Steinadler. Fisch- und Seeadler gehören seit einigen Jahren wieder zum Brutbestand Schottlands. Der Schottische Kreuzschnabel ist die einzige Wirbeltierart, die für die britischen Inseln endemisch ist.Gooders (1994) p. 273.
Die an Schottland angrenzenden Meeresgebiete gehörten zu den biologisch produktivsten der Welt. Die Anzahl der dort lebenden Arten wird auf über 40.000 geschätzt. Die Darwin Mounds, die erst 1998 entdeckt wurden, zählen zu den wichtigen Korallenriffen, die sich in der Tiefwasserzone der gemäßigten Klimazone finden. In schottischen Flüssen laichen 400 eindeutig genetisch unterscheidbare Populationen des Atlantischen Lachses. Von den 42 Fischarten, die sich heute in schottischen Süßgewässern finden, sind die Hälfte hier ursprünglich beheimatet. Die anderen Arten wurden eingeführt oder haben die schottischen Süßgewässer aus eigener Kraft erreicht.
Nur sechs Amphibien und vier landlebende Reptilien gehören zur ursprünglichen Fauna Schottlands. Schottland weist jedoch eine große Anzahl Wirbelloser auf, die im übrigen Gebiet Großbritanniens selten sind.Miles and Jackman (1991) S. 48. Ihre Anzahl wird auf 14.000 Arten geschätzt. Darunter finden sich eine Reihe seltener Bienen und Schmetterlinge. Umweltschutzgruppen in Großbritannien sind besorgt, dass der Klimawandel sich in Schottland vor allem für die schottischen Berghöhen und Meeresgebiete charakteristische Fauna negativ auswirken wird.Siehe beispielsweise, I. (29. November 2006) „Sea change as plankton head north“. Edinburgh. The Scotsman.
Lebensräume mini|hochkant|Der Fluss Dochart in Schottland Schottland weist eine große Vielzahl an Lebensräumen auf, wie sie für die gemäßigte Klimazone typisch sind. Dazu zählen Laub-, Misch- und Nadelwälder, große Moorgebiete, Bergregionen, Flussmündungen, Süßwassergewässer, Küstengebiete und Meeresgebiete sowie Tundrasteppe. Heute sind etwa 14 Prozent von Schottland bewaldet. Dabei handelt es sich überwiegend um Aufforstungen. Bevor durch den Menschen große Teile der ursprünglichen Wälder Schottlands abgeholzt wurden, wies Schottland einen dichten Bestand an borealen Nadelwäldern auf, die wegen des ozeanischen Klimas einen für diesen Waldtyp uncharakteristisch großen Anteil an Laubbäumen wie Birken, Vogelbeere, Eichen und Espen aufwies. Es gibt noch immer große Bestände an Waldkiefern, wie sie einstmals für Schottland charakteristisch waren. 17 Prozent der Landfläche Schottlands besteht aus Heide und Moor oder ist mit Torf bedeckt. Caithness und Sutherland weisen eine der weltgrößten Flächen an Deckenmoor auf, einer Sonderform des Hochmoors. Solche Deckenmoore sind durch eine spezifische Fauna gekennzeichnet. Heute wird 75 Prozent von Schottland landwirtschaftlich genutzt. Urbane Regionen machen nur 3 Prozent der Fläche Schottlands aus. Die Küstenlinie ist 11.803 Kilometer lang. Die Anzahl vorgelagerter Inseln beträgt nahezu 800. 600 von ihnen liegen vor der westlichen Küsten Schottlands. 90 Prozent des gesamten Süßwassers Großbritanniens ist in Schottland zu finden. Es gibt mehr als 30.000 sogenannte Lochs, die Süßwasser aufweisen und 6600 Fließgewässer.
Dank der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH), einer Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union sind mehr als 8750 Quadratkilometer Schottlands FFH-Gebiet, in denen Eingriffe nur noch nach Verträglichkeitsüberprüfungen vorgenommen werden dürfen.„SACs in Scotland“ Joint Nature Conservation Committee. Aufruf vom 23. August 2008. Quoting the Scottish Office. (1998). People and nature. A new approach to SSSI designations in Scotland. The Scottish Office, Edinburgh. 24 der FFH-Gebiete sind Meeresgebiete und bei weiteren neun handelt es sich um Schutzgebiete in Küstenregionen. Zu den FFH-Gebieten zählen auch die Darwin Mounds, die als das erste FFH-Gebiet außerhalb der Küstengewässer gilt und 100 Quadratkilometer umfassen.
Säugetiere Während des Pleistozäns war Schottland, von der atlantischen Küstenlinie St. Kildas abgesehen, vollständig mit Eis bedeckt. Maclean, S. 20. In der nacheiszeitlichen Erwärmungsphase dehnten eine Reihe von Säugetiere ihr Verbreitungsgebiet in nördliche Richtung aus. Das Festland Großbritanniens wurde nur etwa von zwei Dritteln der Säugetierarten besiedelt, die Skandinavien erreichten. Die Hebriden vor Schottlands Westküste weisen sogar nur die Hälfte der Anzahl der in Großbritannien heimischen Säugetiere auf.Murray (1973) p. 72. Insgesamt kommen 62 verschiedene Säugetierarten wild in Schottland oder den dazugehörigen Küstengewässern vor. 13 der Arten sind an Salzwasser gebunden. mini|Rothirsche mini|Junger Seehund Von den Landsäugern gelten ein Drittel als in ihrem Bestand bedroht. Zu den Faktoren, die zu den Bestandsrückgängen führen, zählen Umweltverschmutzung, eine Fragmentierung von Lebensräumen, Veränderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung wie etwa einer stärkeren Nutzung von Land als Weideland sowie die Auswirkungen von eingeführten Arten. Keine der Säugetierarten, die der Fauna Schottlands zugerechnet wird, ist in ihrer Verbreitung auf Schottland begrenzt. Mindestens zwei Unterarten von Säugern kommen jedoch nur in Schottland vor. Dabei handelt es sich um Apodemus sylvaticus hirtensi, eine auf St. Kilda endemische Unterart der Waldmaus, die doppelt so groß wird wie die Festlandunterarten sowie die Feldmausunterart Microtus arvalis orcadensis, die man nur auf den Orkney-Inseln findet. Bei letzterer ist nicht ausgeschlossen, dass sie vor mehr als 4000 Jahren durch frühe Siedler eingeführt wurde.
Raubsäuger In Schottland finden sich nahezu alle Marderarten, die auch im übrigen Gebiet der britischen Inseln vertreten sind. Es fehlt zwar der Iltis, dafür hat der Baummarder in Schottland seinen Verbreitungsschwerpunkt.Corbet and Ovenden (1984) S. 180–186. Er vermischt sich allerdings zunehmend mit dem eigentlich in Nordamerika beheimateten Fichtenmarder, der im Norden Englands freigesetzt worden ist.Benvie (2004) S. 48 In Schottland ist außerdem die einzige britische Population von Wildkatzen heimisch. Der Bestand wird auf 400 bis 2000 Individuen geschätzt. Der schottische Wildkatzenbestand ist allerdings bedroht, da adäquate Schutzmaßnahmen fehlen.Benvie (2004) S. 18 Hull (2007) S. 184–189.
Der Rotfuchs ist mit der Unterart Vulpes vulpes vulpes in Schottland vertreten. Diese Unterart ist etwas größer als die häufigere Unterart V. v. crucigera.Matthews (1968) S. 231–32.
Abgesehen von einzelnen Irrgästen sind an Robbenarten an der schottischen Küste nur Seehunde und Kegelrobben vertreten, die beide zu den Hundsrobben zählen. Der Bestand beider Arten ist hier sehr hoch. Die schottische Kegelrobben-Population wurde im Jahre 2002 auf 120.600 erwachsene Tiere geschätzt. Dies entspricht 36 Prozent des Weltbestands und mehr als 90 Prozent der in britischen Gewässern lebenden Population. Ähnlich groß ist der Anteil für Seehunde. 90 Prozent der britischen und damit 36 Prozent der europäischen Population lebt an den Küsten Schottlands.
Nagetiere, Insektivoren und Hasenartige 75 Prozent der noch auf den britischen Inseln lebenden Eichhörnchen leben auf schottischem Gebiet. Die Art ist durch das nordamerikanische Grauhörnchen bedroht, das 1889 erstmals in der englischen Grafschaft Bedfordshire in großer Zahl ausgesetzt wurde und sich seitdem auf der britischen Insel sehr stark verbreitete. Das größere und kräftigere Grauhörnchen hat sich vor allem in den Laubwäldern der Niederungsgebiete verbreitet. Rückzugsgebiete des Eichhörnchens sind die klimatisch kühleren Bergregionen und Nadelwälder. Der langfristige Erhalt dieser Art soll unter anderem durch die Scottish Strategy for Red Squirrel Conservation sichergestellt werden. Nach Untersuchungen aus dem Jahre 2007 unterstützt die zunehmende Population an Fichtenmardern den Erhalt des Eichhörnchens, da die Fichtenmarder bevorzugt den Grauhörnchen nachstellen. Es ist bislang nicht ganz sicher, warum Eichhörnchen von der Zunahme der ebenfalls eingeführten Fichtenmarder profitieren. Möglicherweise tragen Verhaltensunterschiede dazu bei. Grauhörnchen verbringen mehr Zeit als Eichhörnchen am Boden. Sie werden offenbar aus diesem Grund häufiger von Fichtenmardern geschlagen als Eichhörnchen.Watson, Jeremy (30. Dezember 2007) „Tufty’s saviour to the rescue“. Scotland on Sunday. Edinburgh. miniatur|Eichhörnchen In Schottland finden sich keine Populationen von Siebenschläfern, Hasel- oder Gelbhalsmäusen. Die Zwergmaus, die zu den kleinsten Nagetieren zählt, findet sich nur im Süden Schottlands. Hausratten finden sich nur auf der Insel Inchcolm im Firth of Forth sowie auf den Shiant Isles. Von den zwei endemischen Unterarten der Feld- beziehungsweise der Waldmaus abgesehen, gleicht sich ansonsten die Nagetierzusammensetzung mit der, die für den übrigen Teil der britischen Inseln charakteristisch ist.Corbet and Ovenden (1984) S. 152, 167–168
Die Artzusammensetzung an Insektivoren ist zumindest auf dem schottischen Festland identisch mit dem der britischen Inseln. Auf den Äußeren Hebriden wurde ab 2004 durch eine Initiative schottischer Behörden in Zusammenarbeit mit Scottish Natural Heritage und der Royal Society for the Protection of Birds die dort eingeführten Braunbrustigel beseitigt. Damit sollten die Brutpopulationen von Vögeln wie Alpenstrandläufer, Sandregenpfeifer und Rotschenkel geschützt werden. Die Maßnahme wurde sehr kontrovers diskutiert und seit 2007 wird auf das Töten der Igel verzichtet. Gefangene Tiere werden jetzt auf dem Festland freigesetzt. Insgesamt war das Programm jedoch sehr erfolgreich. 2007 wurden nur noch zwei Igel gefangen.Ross, John (3 November 2007) „3,2,1… and then there were none“. Edinburgh. The Scotsman.
Von der Ordnung der Hasenartigen sind nur Hasen und Kaninchen in Schottland zu finden. Der Schneehase ist dabei die einzige Art, die ursprünglich in Schottland beheimatet ist. Er ist etwas kleiner als der Feldhase, der mittlerweile auch in Schottland zu finden ist. Im Hochland Schottlands ist der Schneehase allerdings die dominierende Art. Bereits von den Römern wurde das Wildkaninchen in Schottland eingeführt. Es hat sich aber erst im 19. Jahrhundert in Schottland weit verbreitet.MacCormick, Finbar and Buckland, Paul C. The Vertebrate Fauna in Edwards, Kevin J. & Ralston, Ian B.M. (Eds) (2003) Scotland After the Ice Age: Environment, Archaeology and History, 8000 BC - AD 1000. Edinburgh. Edinburgh University Press. S. 83–103. mini|Soay-Lämmer auf der schottischen Insel Hirta
Paarhufer