mini|alternativtext=Logo Musikverein Graz|Logo Musikverein Graz Der Musikverein Graz (bis 2025 Musikverein für Steiermark) ist ein Konzertveranstalter in der Steiermark. Die Konzerte finden im Stefaniensaal (Congress Graz) statt, sowie im benachbarten Kammermusiksaal (Congress Graz). Der Musikverein Graz ist neben dem Wiener Musikverein (Gesellschaft der Musikfreunde in Wien) einer der ältesten Musikvereine der Welt, die seit ihrer Gründung ohne Unterbrechung arbeiten. Er wurde 1815 als „Academischer Musikverein“ gegründet und 1817 als „Musikverein für Steyermark“ behördlich anerkannt. Zwischenzeitlich wurden auch Namen wie „Steiermärkischer Musikverein“ oder „Musikverein in der Steiermark“ verwendet, seit den 1850er-Jahren war die Bezeichnung „Musikverein für Steiermark“ üblich. Seit 2026 heißt der Verein „Musikverein Graz“.
Geschichte mini|Die im Jahr 1821 angelegte Matrikel des Steiermärkischen Musikvereins
Gründungszeit Der Musikverein wurde im Frühjahr 1815 von einer Vereinigung Grazer Akademiker gegründet, das genaue Datum ist nicht bekannt. Die treibende Kraft bei der Gründung war den ersten Statuten zufolge Johann Farbmann, Kurat der Grazer Stadtprobstei. Dieses Dokument wurde außerdem von 30 weiteren Personen unterzeichnet. In Form „musikalischer Übungen“ wurde gemeinsam musiziert, zur Motivation der Mitglieder wurden außerdem öffentliche Akademien veranstaltet. Zweck des neu gegründeten Vereins war „seine eigene und der musikalischen Jugend in Steyermark musikalische Bildung“ sowie „das Vergnügen des Publikums und die dadurch zu erzielende Beförderung der Wohltätigkeitsanstalten“. 1819 konnte Erzherzog Johann als Protektor des Musikvereins gewonnen werden. Er setzte sich beim Kaiser für den Musikverein ein und besuchte Ausschusssitzungen sowie Konzerte der Vereinsschule. Wie der ursprüngliche Name „Academischer Musikverein“ verrät, wurden in den ersten Monaten nur Akademiker aufgenommen. Da dieser Personenkreis jedoch zu eng gefasst war, wurden schon bald „auch Mitglieder aus anderen Kreisen als ‚Ehrenmitglieder‘“ aufgenommen, die allerdings keine aktiven Musiker waren, sondern fördernde Mitglieder („teilnehmende Ehrenmitglieder“). Bereits 1817 wurde der Zusatz „Academischer“ aus den Statuten des Musikvereins getilgt, Akademiker durften fortan auch nicht mehr den Hauptanteil des Ausschusses ausmachen. Seit 1821 gibt es auch „auswärtige Ehrenmitglieder“ (Ehrenmitglieder im heutigen Sinne). Zu den bedeutendsten Ehrenmitgliedern des frühen 19. Jahrhunderts zählen Ludwig van Beethoven (1821) und Franz Schubert (1823).
Im ersten „öffentlichen Konzert“ (für Mitglieder und geladene Gäste) am 6. Juni 1815 wurden Werke der Ehrenmitglieder Ludwig van Beethoven, Franz von Mosel und Anton Diabelli sowie Kompositionen von Rodolphe Kreutzer, [?] Müller und Vincenzo Righini aufgeführt. Die ersten öffentlichen Konzerte dienten ausschließlich Wohltätigkeitszwecken, später gab es alle 1–2 Monate „Gesellschaftskonzerte“, Wohltätigkeitskonzerte und Aufführungen von Kirchenmusik. Während in den ersten Jahrzehnten vorrangig einheimische Musiker auftraten, wurden ab 1870 verstärkt auswärtige Musiker herangezogen, auch begründet in der zunehmenden Konkurrenz durch Gesangsvereine, die eine attraktivere Konzertgestaltung erforderten. Ab 1885 stand dem Musikverein mit dem Stefaniensaal schließlich ein ständiger Konzertsaal zur Verfügung. Zuvor hatten die Konzerte u. a. im Rittersaal des Landhauses oder im Ständischen Redoutensaal stattgefunden.
Das 19. Jahrhundert Von einem Repertoire im heutigen Sinne kann man in der 1. Jahrhunderthälfte noch nicht sprechen. Vorherrschend waren in den ersten Jahrzehnten die Sakralmusik (z. B. Oratorien und Chorwerken von Joseph Haydn, Gaspare Spontini und Wolfgang A. Mozart), aber auch Opernarien und -ouvertüren sowie Variationen. Eine große Anzahl von Werken, die oft nicht als Ganzes aufgeführt wurden, sowie die sehr unterschiedlichen Besetzungen prägten die Programme im Potpourri-Stil. Im Laufe der 1840er-Jahre waren verstärkt Werke deutscher Komponisten sowie Instrumentalmusik zu hören. Von einem neuen Werkverständnis, „das den Ausgangspunkt für den Musikverein auf dem Weg zu einem modernen Konzertveranstalter bildete“, zeugt die häufigere Aufführung ganzer Kompositionen (z. B. Symphonien). In den 1850ern kam es wieder vermehrt zur Aufführung großer Chorwerke (z. B. von Felix Mendelssohn Bartholdy oder Joseph Haydn) und einer Professionalisierung der Sänger. Im folgenden Jahrzehnt wurden häufiger auswärtige Künstler engagiert und die Konzertprogramme deren Wünschen entsprechend adaptiert, sodass etwa mehr solistische Werke (v. a. für Violine und Klavier) auf dem Programm standen. Mit der Herausgabe einer detaillierten „Konzertordnung“ erfolgte 1862 ein weiterer Schritt in Richtung professioneller Konzertveranstalter. Die Definition von „Haupt-Nummern“ führte zu dramaturgisch durchdachten Konzertprogrammen. In der 2. Jahrhunderthälfte wurden u. a. sämtliche Symphonien Ludwig van Beethovens aufgeführt. Es kam zur Setzung thematischer Schwerpunkte (z. B. mit Konzerten zu Ehren von Felix Mendelssohn Bartholdy, Ludwig van Beethoven und Richard Wagner). In den Konzerten der 1880er-Jahre standen publikumswirksame Virtuosen im Vordergrund. Bedeutsam waren v. a. die Werke von Richard Wagner, aber auch von Johann S. Bach oder Anton Bruckner (Erstaufführung der 7. Symphonie). In den 1890er-Jahren etablierte sich auch endgültig die Kammermusik im Konzertprogramm.
Das 20. Jahrhundert Die politische Situation Österreichs im frühen 20. Jahrhundert hatte auch auf den Musikverein massive Auswirkungen. So war durch die schwierige wirtschaftliche Lage auch die Konzerttätigkeit teilweise stark eingeschränkt. Zu einer Verbesserung der finanziellen Situation führte der Verkauf der wertvollen „Kaisersammlung“ an die Österreichische Nationalbibliothek im Jahr 1935. Wie alle anderen privaten und öffentlichen Institutionen wurde auch der Musikverein den ideologischen Zielen und organisatorischen Konzepten des Nationalsozialismus unterworfen. Dazu zählte auch die obligatorische Mitgliedschaft in der Reichsmusikkammer. 1939 wurde das Konservatorium vom Steirischen Musikschulwerk übernommen und der Musikverein als reiner Konzertveranstalter weitergeführt. Die politischen Geschehnisse beeinflussten auch das Konzertrepertoire. Der Musikverein musste sich meist auf in Graz und der näheren Umgebung zur Verfügung stehende Künstler beschränken, große symphonische Besetzungen waren finanziell und organisatorisch schwierig zu bewältigen. Diese Umstände führten andererseits zu einer breiten Gestaltung des Repertoires. Neben Kompositionen aus Klassik und Romantik kam es zu einer großen Zahl von Ur- und Erstaufführungen. Auf dem Programm standen u. a. Werke von Richard Strauss, Franz Liszt, Pjotr I. Tschaikowsky (Erstaufführung 1. Klavierkonzert), Anton Bruckner und Hugo Wolf, aber auch thematische Abende wie ein Kammermusikabend unter dem Motto „Moderne Meister“ (Max von Schillings, Joseph Marx u. a.) oder eine „Beethoven-Feier“. Unter der Direktion Hermann Ritter von Schmeidels (1894–1953) in den 1930ern kam es zu einem Barockschwerpunkt. „Offene Singstunden“ dienten auch der Propaganda. Die Kammer- und Solistenkonzerte brachten ein breites Repertoire von der Klassik bis zu Claude Debussy, Paul Hindemith, Hans Pfitzner, Sergej Rachmaninow oder Egon Kornauth. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der Konzertbetrieb zunächst scheinbar ungestört weitergeführt. „Dem Hörer soll innere Erhebung, aber auch Ablenkung und Entspannung geboten werden. Alles Minderwertige und Seichte jedoch hat in der Vortragsfolge keinen Platz.“ Auch Werke von Komponisten jüdischer oder slawischer Abstammung waren verboten. Der Fokus lag auf Künstlern aus dem „Altreich“ bzw. auf „deutscher“ Musik, z. B. auf Werken von Johann S. Bach, Johann Joseph Fux und Joseph Marx, deutscher Weihnachtsmusik und Volksliedern. Ab 1942 wurden verstärkt „leichtere“ Programme zur Unterhaltung und Ablenkung veranstaltet, etwa unter dem Titel „Fröhliche Klaviermusik“ oder „Beschwingte Musik“. In den Orchesterkonzerten dominierten Werke von Beethoven, Johannes Brahms und Bruckner, deutschen und italienische Komponisten. Gegen Kriegsende nahm die Zahl der Konzerte deutlich ab.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Musikverein als privater Verein neu konstituiert. Die Konzerte des Theaterorchesters fanden nun im Musikverein statt, wodurch die Orchesterkonzerte gesichert waren. Zudem wurden auswärtige Solisten und Ensembles eingeladen. Ab 1945 wurde zusätzlich im Sommer eine „Grazer Festwoche“ veranstaltet, bei denen u. a. Karl Böhm, Julius Patzak, Maria Cebotari, Josef Krips, Hermann Scherchen und die Wiener Philharmoniker gastierten. Unter der Leitung von Generalsekretär Albert Moser gelang der Anschluss an den internationalen Konzertbetrieb mit Persönlichkeiten wie John Barbirolli, Hans Knappertsbusch, Sergiu Celibidache, Herbert von Karajan und Clemens Krauss. Aus einer finanziellen Krise führte in den frühen 1950ern ein erster Fördervertrag mit dem Land Steiermark und ein Vertrag mit dem Grazer Philharmonischen Orchester. In den 1950er-Jahren nahm die Musik des 20. Jahrhunderts stetig zu, auch bedingt durch das von Landesmusikdirektor Erich Marchkl ins Leben gerufene „Studio für Probleme zeitlich naher Musik“. Unter Reinhold Portisch wurde die Konzertzahl in der Jubiläumssaison 1965/1966 stark erhöht, die Sommerspiele in den Herbst verlegt und mit dem „steirischen herbst“ zusammengeführt. Zu einer Spezialität für Graz kristallisierte sich seit 1954/1955 die Veranstaltung von Liederabenden mit Künstlern wie Irmgard Seefried, Christa Ludwig, Hermann Prey, Nicolai Gedda, Lisa della Casa, Fritz Wunderlich, Gundula Janowitz, Grace Bumbry, Peter Schreier, Teresa Berganza, Lucia Popp, Brigitte Fassbaender und Jessye Norman.
Mit Erika Kaufmann stand ab 1971 erstmals eine Frau an der Spitze des Musikvereins. Unter ihrer Führung wurden die Vereinsfinanzen saniert und der Musikverein vom „steirischen herbst“ getrennt. Kaufmann setzte verstärkt auf die Bewerbung von Solisten-, Kammerkonzerten und Liederabenden. „Konzerte außer Abonnement“ sollten die Attraktivität des Musikvereins gewinnbringend steigern. 1990 feierte der Musikverein sein 175-jähriges Jubiläum mit einem Festprogramm und einer weiteren Festschrift. 1991 übernahm Uta Werner das Amt der Generalsekretärin. Unter ihrer Leitung debütierten junge Künstler, die später zur Weltspitze zählten, etwa Martin Grubinger, Leonidas Kavakos, Thomas Quasthoff, Julian Rachlin, Markus Schirmer, Bo Skovhus und Maxim Vengerov, aber auch Größen wie Cecilia Bartoli, Miltiades Caridis, Valery Gergiev, Thomas Hampson, Midori, Georges Prêtre, Sir Simon Rattle und Wolfgang Sawallisch.
200 Jahre Musikverein Graz