Wernsbach bei Ansbach (amtlich: Wernsbach b.Ansbach; fränkisch: „Wernschba“E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 200.) ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Weihenzell im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern) und eine Gemarkung.
Geografie Lage Durch das Pfarrdorf fließt der Wernsbach, der mit dem Zellbach (links) zur Rippach zusammenfließt. Nordwestlich des Ortes mündet der Rattenbach, südöstlich des Ortes der Hirtenbach jeweils als rechte Zuflüsse in den Wernsbach. Im Norden liegt das Waldgebiet Berlach, im Nordosten grenzt das Waldgebiet Schelm an.
Die Kreisstraße AN 10 führt nach Weihenzell (2 km östlich) bzw. nach Schönbronn (1,5 km südwestlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Wüstendorf (1,8 km nordwestlich) und die Kreisstraße AN 9 kreuzend nach Grüb (2 km südlich). Durch den Ort verläuft der Fränkische Marienweg.
Gemarkung Die Gemarkung Wernsbach b.Ansbach hat eine Fläche von 6,127 km². Sie ist in 807 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7592,71 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Alexandermühle, Schmalnbachshof und Schönbronn.
Geschichte Aufgrund seiner eher ungünstigen Lage und Bodenbeschaffenheit gehört Wernsbach wohl zu den Dörfern der ersten Ausbaustufe nach der fränkischen Landnahme (11./12. Jahrhundert).Georg Rusam: Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Rezat. In: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte. Band 17, 1949, S. 76 (Digitalisat). 1168 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt.K. Rosenhauer (Hrsg.): Der Landkreis Ansbach, S. 207. Es gab zu dieser Zeit bereits eine Marienkapelle. Der Ort gehörte zu den Besitzungen der Herren von Dornberg, die sie 1331 an Friedrich IV., dem Burggrafen von Nürnberg, verkauften.
Im Jahre 1503 löste sich die Kirchengemeinde von St. Jakob (Weihenzell) und wurde zur Pfarrei erhoben. 1716/17 erfolgte der Neu- und Umbau der heutigen evangelisch-lutherischen Pfarrkirche St. Johannes. Ab 1613 hatte Wernsbach eine eigene Schule. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort schwer verwüstet, 1638 lebten nur noch zwei Familien dort.
Im 16-Punkte-Bericht des Oberamtes Ansbach von 1684 wurden für Wernsbach 22 Mannschaften verzeichnet: Alle Anwesen hatten das Hofkastenamt Ansbach als Grundherrn. Außerdem gab es noch das Bad-, Hirten- und Schulhaus als kommunale Gebäude und die Pfarrkirche und das Pfarrhaus als kirchliche Gebäude. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Salbuch 129, 4057. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 694.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Wernsbach mit der Alexandermühle 24 Anwesen. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte weiterhin das Hofkastenamt Ansbach aus. Grundherr sämtlicher Anwesen war das Fürstentum Ansbach (Hofkastenamt Ansbach: 6 Höfe, 1 Hof mit Tafernwirtschaft, 2 Halbhöfe, 3 Güter, 1 Gut mit Backrecht, 3 Gütlein, 1 Köblergut, 2 Mühlen, 1 Schmiedgut, 3 Leerhäuser; Pfarrei Wernsbach: 1 Köblergut). Neben den Anwesen gab es noch kirchliche Gebäude (Kirche, Pfarrhaus) und kommunale Gebäude (Schulhaus, Hirtenhaus, Brechhaus).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Bd. 2, S. 927. Es gab zu dieser Zeit 25 Untertansfamilien.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 6, Sp. 173. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Ansbach.
Im Jahre 1806 kam Wernsbach an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Wernsbach gebildet, zu dem Alexandermühle, Haasgang, Moratneustetten, Neubronn, Schmalnbachshof und Schönbronn gehörten. Die Ruralgemeinde Wernsbach entstand 1811Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Ansbach 1808–17. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 961. und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Ansbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ansbach (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt).
Am 27. Juli 1830 kam es zur Bildung der Gemeinde Haasgang: Haasgang, Moratneustetten und Neubronn wurden von Wernsbach umgemeindet, Adelmannsdorf und Höfen von Weihenzell.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 948.K. Rosenhauer (Hrsg.): Der Landkreis Ansbach. S. 11. Ab 1862 gehörte Wernsbach zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Ansbach, von 1870 bis 1879 war das Stadt- und Landgericht Ansbach zuständig, seit 1880 ist es das Amtsgericht Ansbach.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach. Bd. 2, S. 1015. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 6,236 km². 1952 wurde der Gemeindename von „Wernsbach“ nach „Wernsbach bei Ansbach“ geändert. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Wernsbach am 1. Januar 1974 nach Weihenzell eingemeindet.
Baudenkmäler In Wernsbach gibt es sieben Baudenkmäler: Haus Nr. 4: ehemalige Sägmühle Haus Nr. 30: evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Johannes mit Friedhofsbefestigung einer hohen Bruchsteinmauer mit tiefem, doppeltürigem und abgedecktem Tor südlich der Kirche Haus Nr. 31: ehemaliges Pfarrhaus mit Scheune Haus Nr. 32: ehemalige Schule, jetzt Pfarramt Friedhof mit vier barocken Grabplatten mittelalterliche Steinkreuze: aus Keupersandstein mit Rest nur eines Armes, östlich der Ortschaft an der Straße nach Weihenzell neben der Brücke auf der Kreuzwiese aus Blasensandstein ohne Arme mit Ritzzeichnung von Pflugschar und Hirtenschaufel, südlich der Ortschaft am Fußweg nach Grüb im Walde im Schlag
ehemaliges Baudenkmal Gasthaus zur Krone (Haus Nr. 30 nach der ursprünglichen Nummerierung): zweigeschossiger Bau, wohl des 18. Jahrhunderts, mit dreigeschossigem verputztem Fachwerkgiebel und Ladebaum sowie SatteldachG. P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach. S. 153. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen.
Bodendenkmäler In der Gemarkung Wernsbach gibt es vier Bodendenkmäler.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Wernsbach bei Ansbach Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 Einwohner 482 279 281 288 279 278 285 273 303 297 276 290 278 279 282 271 276 248 245 343 398 405 317 315HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 90 47 51 56 55 57 54 54 59 Quelle Für die Gemeinde Wernsbach zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Alexandermühle (S. 4), Haasgang (S. 34), Moratneustetten (S. 60), Neubronn (S. 62), Schmalnbachshof (S. 81) und Schönbronn (S. 83).
Ort Wernsbach bei Ansbach Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 1999 2011 2017 2025Einwohner 154 209 216 216 230 215 213 304 231 230 220 249 287 282 277Häuser 30 35 45 46 44 44 46 64 Quelle Günther Roesner: Weihenzell, S. 152.
Religion Wernsbach ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Johannes. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession waren zunächst nach St. Ludwig (Ansbach) gepfarrt, seit 1970 ist die Pfarrei Christ König (Ansbach) zuständig.
Persönlichkeiten Matthias Simon (1893–1972), evangelischer Pfarrer, Archivar und Kirchenhistoriker
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Ortsteil von Weihenzell Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 1168 Kategorie:Gemeindegründung 1811 Kategorie:Gemeindeauflösung 1973 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach