Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe K.d.ö.R. ist ein Zusammenschluss von jüdischen Gemeinden in den Landesteilen Westfalen und Lippe des Landes Nordrhein-Westfalen und zählt ca. 5965 Mitglieder (Stand: 2021). Die größte Gemeinde ist die in Dortmund. Aus dieser kommt der Vorsitzende des Landesverbandes, Zwi Rappoport.
Der Landesverband ist Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland und umfasst zehn Gemeinden. Sitz des Landesverbands ist Dortmund. Quelle: Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe K.d.ö.R./ Webseite Zentralrat der Juden in Deutschland, Stand 2021
Eine Übersicht über die einzelnen Gemeinden gibt die Navigationsleiste Jüdische Gemeinden im Landesverband Westfalen-Lippe in der Fußzeile dieses Artikels.
Staatskirchenvertrag Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe ist – gemeinsam und gleichberechtigt mit der Synagogen-Gemeinde Köln und dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein – Vertragspartner des Staatsvertrags vom 8. Juni 1993 zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und den jüdischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen.Staatsvertrag Land NRW in der Fassung vom 1. Januar 2018 Aufgerufen am 4. August 2018. Nach diesem Vertrag erhält der Landesverband 25 Prozent der vertraglich festgelegten staatlichen Zahlungen; er muss diese Gelder auch an andere jüdische Gemeinden in seinem Verbandsgebiet weiterreichen.
Geschichte mini|Synagoge der größten Gemeinde in Westfalen Dortmund Laut Siegfried HeimbergBerno Reicher: Jüdische Gemeinden nach 1945. In: Kirsten Menneken/Andrea Zupancic: Jüdisches Leben in Westfalen, Essen 1998, S. 164 wurden nach dem Zweiten Weltkrieg alle jüdische Personen in Westfalen in Gemeinden erfasst. 1945 gab es noch 18 jüdische Gemeinden. Nach der Zusammenlegung kleinerer Gemeinden verblieben noch zehn Gemeinden, die alle zum Landesverband der Jüdischen Kultusgemeinden von Westfalen gehörten. Im Januar 1946 bildeten die jüdischen Gemeinden in Bielefeld, Bochum-Herne-Hattingen, Dortmund, Gelsenkirchen, Hagen, Herford-Detmold, Minden, Münster, Paderborn und Recklinghausen einen Landesverband, mit Siegfried Heimberg, Max Rosenbaum und Kurt Neuwald aus Gelsenkirchen als Vorstandsmitgliedern. Nach der Gründung des Staates Israel im Mai 1948 und einem neuen amerikanischen Einwanderungsgesetz im Juni 1948 wanderten bis 1949 viele aus dem „Land der Täter“ aus. Selbst viele derjenigen, die letztlich in Deutschland blieben, rechtfertigten ihr Bleiben als vermeintlich vorläufig und sprachen von einem „Leben auf gepackten Koffern“.Monika Grübel/Georg Mölich: Jüdisches Leben im Rheinland. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Köln/Weimar/Wien 2005. (Verlag Böhlau), S. 284
1989 gehörten den Gemeinden des Landesverbands Westfalen-Lippe lediglich 745 Personen an. Aufgrund des Zuzugs von Juden aus den GUS-Staaten nach dem Zerfall der Sowjetunion gab es 1997 fast 5000 Mitglieder in den neun jüdischen Gemeinden Westfalens. Besonders großen Zuwachs verzeichneten die Gemeinden in Recklinghausen und in Dortmund. So wuchs die jüdische Gemeinde Dortmund von 1989 bis 1997 von 300 auf 2763 Mitglieder. Die jüdische Gemeinde Recklinghausen wuchs im selben Zeitraum von kaum 100 auf über 1000 Mitglieder, so dass die Bochumer Gemeinde sich verselbständigte.Berno Reicher: Jüdische Gemeinden nach 1945. In: Kirsten Menneken/Andrea Zupancic: Jüdisches Leben in Westfalen, Essen 1998, S. 158
Jüdische Gemeinden und Institutionen in Westfalen 1962 – Landesverband der jüdischen Kultusgemeinden von Westfalen:Tabelle aus: Hans Chanoch Meyer: Aus Geschichte und Leben der Juden in Westfalen, Frankfurt am Main 1962, (Ner-Tamid-Verlag), S. 187
Jüdische Gemeinden in Westfalen im Jahre 1962 Gemeindemitglieder Vorstand Anschrift Jüdische Kultusgemeinden – Bochum – – Herne – -Recklinghausen- 76 Minna Aron Edgar Wahl Recklinghausen, Am Polizeigraben Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld 62 Robert Eichengrün Bielefeld, Stapenhorststr. 35 Jüdische Kultusgemeinde Detmold 40 Tobias Blaustein Detmold, Allee 13 Jüdische KultusgemeindeGroß-Dortmund 420 Siegfried Heimberg Dr. Fritz Klestadt Gustav Steinweg Sally Studzinski Dortmund, Prinz-Friedrich-Karl-Str. 9 Jüdische Kultusgemeinde Gelsenkirchen 113 Kurt Neuwald Louis Salomon Sally Braun Adolf Isenberg Siegfried Josef Gelsenkirchen, Von-der-Recke-Straße 9 Jüdische Kultusgemeinde Hagen 84 Richard Hirschfeld Max Blecher Hagen, Potthofstr. 16 Jüdische Kultusgemeinde Herford 26 Herbert Heinemann Jakob Butter Herford, Hansastr. 57 Jüdische Kultusgemeinde Minden 44 Emil Samuel Max Ingberg Minden, Kampstr. 6 Jüdische Kultusgemeinde Münster 141 Siegfried Goldenberg Hugo Spiegel Hermann Flath Rabb. Dr. Bernhard Brilling Siegbert Lewin Siegmund Spiegel Josef Rybak Münster, Klosterstr. 8/9 Jüdische Kultusgemeinde Paderborn 55 Fritz Goldstein Paderborn, Theodorstr. 27 Zahl der Juden in Westfalen im Jahre 19621.161 Zahl der Juden in Westfalen im Jahre 193221.595
Gemeinde 1821 1989 1991 1997 2008 2013 Bielefeld 184 23 26 31 282 284 Dortmund 371 337 412 2.763 3.238 3.026 Gelsenkirchen 79 80 282 410 378 Hagen 132 38 53 217 311 288 Herford 112 23 23 68 106 104 Minden 278 43 45 64 81 81 Münster 81 101 126 396 790 722 Paderborn 270 35 36 51 63 52 Recklinghausen 121 66 84 1.126 606 571 Bochum 1.168 1.077 Gesamt 11.142 745 885 4.998 7.055 6.583
Jahre Regierungsbezirk Münster Regierungsbezirk Minden Regierungsbezirk Arnsberg Provinz Westfalen 1825 2 611 4 667 3 864 11 142 1925 4 315 3 890 13 380 21 595
Die Kreise Westfalens mit ihrer jüdische Bevölkerung im Jahr 1821Arno Herzig : Judentum und Emanzipation in Westfalen, Münster Westfalen 1973, S. 62.
Regierungsbezirk Münster Gesamtbevölkerung Jüdische Bevölkerung 1821 Ahaus 35 237 225 Beckum 30 813 330 Borken 36 647 386 Coesfeld 37 233 297 Lüdinghausen 31 300 236 Münster-Land 30 346 120 Münster-Stadt 16 287 81 Recklinghausen 39 645 121 Steinfurt 36 839 350 Tecklenburg 37 853 198 Warendorf 32 204 131
Regierungsbezirk Minden Gesamtbevölkerung Jüdische Bevölkerung 1821 Bielefeld 31 443 184 Brakel 21 138 437 Bünde 36 730 166 Büren 28 587 414 Halle 26 825 205 Herford 23 719 112 Höxter 21 231 533 Minden 43 759 278 Paderborn 28 184 270 Rahden 32 399 217 Warburg 28 315 1.125 Wiedenbrück 31 833 374
Regierungsbezirk Arnsberg Gesamtbevölkerung Jüdische Bevölkerung 1821 Altena 27 492 126 Arnsberg 20 360 140 Bochum 29 642 228 Brilon 29 970 650 Dortmund 31 947 371 Hagen 44 446 132 Hamm 32 228 164 Iserlohn 25 727 344 Lippstadt 25 758 534 Meschede 22 634 205 Olpe 24 010 33 Siegen 34 676 14 Soest 34 541 349 Wittgenstein 16 931 281
Literatur Arno Herzig: Judentum und Emanzipation in Westfalen (Veröffentlichungen des Provinzialinstituts für westfälische Landes- und Völkerkunde, herausgegeben Alfred Hartlieb von Wallthor, Reihe 1: Wirtschafts- und verkehrswissenschaftliche Arbeiten, Heft 17). Aschendorff, Münster 1973, ISBN 3-402-05874-X. Kirsten Menneken, Andrea Zupancic (Hrsg.): Jüdisches Leben in Westfalen. Klartext, Essen 1998, ISBN 3-88474-689-8. Jüdisches Museum Westfalen (Hrsg.): Von Bar Mizwa bis Zionismus. Jüdische Traditionen und Lebenswege in Westfalen. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89534-673-6.
Weblinks Jüdische Gemeinden in Westfalen (Stand 2007) Jüdisches Museum Westfalen (Dorsten). Aufgerufen am 4. August 2018.
Einzelnachweise
Westfalen Westfalen Westfalen Westfalen Kategorie:Verbandsgründung 1993