Die wilden Zwanziger (Originaltitel The Roaring Twenties; Alternativtitel Die stürmischen zwanziger Jahre) ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahre 1939 mit James Cagney und Priscilla Lane in den Hauptrollen. Regie führte Raoul Walsh. Als ehemalige Kriegskameraden sind Humphrey Bogart und Jeffrey Lynn besetzt, die während der Prohibition lukrative Geschäfte mit illegalem Alkohol machen. In einer weiteren tragenden Rolle ist Gladys George besetzt.

Der Film basiert auf der Kurzgeschichte The World Moves On (frei übersetzt Die Welt dreht sich weiter) von Mark Hellinger, einem New Yorker Zeitungskolumnisten und Produzenten, der als „rauer Romantiker“ beschrieben werden könnte. Die Filmcharaktere sollen auf realen Personen basieren, die Hellinger persönlich gekannt habe. Hellingers Biograf Jim Bishop schrieb, dass Hellinger der Ansicht gewesen sei, dass praktisch alle Bösewichte eigentlich gute Männer gewesen seien, die durch die Umstände gezwungen gewesen seien, außerhalb der Gesetze zu agieren.

Handlung Nach dem Ersten Weltkrieg kehren die amerikanischen Veteranen Lloyd Hart, George Hally und Eddie Bartlett, die sich in Frankreich im Schützengraben kennengelernt haben, in ihre Heimatstadt New York City zurück. Hart arbeitet als Rechtsanwalt, Barlett hingegen hat seinen alten Job als Mechaniker verloren. Er beginnt, sich als Taxifahrer durchzuschlagen, ehe er – anfangs eher zufällig – in die Kriminalität gerät. Die Prohibition bietet ihm die Chance, als Schwarzbrenner zu Macht und Reichtum zu gelangen. Mit Durchsetzungskraft und Härte baut er sich eine Bande (getarnt als Taxiunternehmen) auf, deren Boss er ist. Auf diesem Weg begleiten ihn Hart als Rechtsberater und die Bardame Panama Smith. Panama ist in Eddie verliebt, was dieser jedoch ignoriert.

Eddie verliebt sich in die junge Jean Sherman und fördert ihre Karriere als Sängerin. Diese tritt regelmäßig in einer Flüsterkneipe auf, die von Eddie mit Schnaps beliefert wird. Jean erwidert Eddies Liebe jedoch nicht, sondern verliebt sich in Lloyd Hart. Eddie befindet sich in Konkurrenz zum mächtigen Bootlegger Nick Brown und beschließt, eines seiner Schiffe auszurauben. Bei einem nächtlichen Überfall von Eddies Bande auf ein Schmugglerschiff trifft Eddie George Hally wieder, der es ebenfalls durch Härte und Brutalität als Alkoholschmuggler weit gebracht hat. Die beiden arbeiten zusammen und bauen ihre kriminellen Geschäfte aus.

Während eines nächtlichen Überfalls auf ein Alkohollager treffen Eddie und George ihren ehemaligen Vorgesetzten von der Front in Frankreich wieder, der als Wachmann arbeitet. Obwohl dieser bereits überwältigt am Boden liegt, ermordet George diesen, um sich an ihm zu rächen. Als Lloyd Hart die Zusammenarbeit mit Eddie und George aufkündigt, droht letzterer ihm, mit Mord, falls er gegen sie aussagen sollte. Hart und Eddie beenden ihre Freundschaft ebenfalls, als Eddie begreift, dass Jean und Hart sich lieben. George wiederum mag es nicht, in Eddies Bande nur als zweiter Chef zu dienen, und spinnt erste Intrigen gegen Eddie.

Mit dem Beginn der Wirtschaftskrise und dem bald folgenden Ende der Prohibition endet Eddies Karriere. Eddie hat sein Vermögen im Börsencrash verloren und ist gezwungen, seine Bande und sein Unternehmen unter Wert an George zu verkaufen. Später wird Eddie zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und endet in den 1930er-Jahren als alkoholkranker Taxifahrer im Elend.

Der Zufall will es, dass Eddie Jean in seinem Taxi nach Hause fährt. Hart arbeitet mittlerweile als Staatsanwalt, ist mit Jean verheiratet und beide haben einen Sohn. Eddie sieht bei Jean das Leben, das er hätte haben können. Nachdem Eddie weggefahren ist, wird Jean wenig später von George bedroht, der immer noch erfolgreich als Gangster tätig ist, da Hart Anklage gegen ihn erheben will. Jean weiß sich nicht anders zu helfen, als Eddie aufzuchen und ihn um Hilfe zu bitten. Eddie der wieder einmal sturzbetrunken ist, scheint zunächst abzulehnen.

Am Silvesterabend besucht Eddie George und bittet ihn, Lloyd Hart unversehrt zu lassen. Das hat zur Folge, dass George nun Eddie töten will. In einem gewaltsamen Showdown befreit sich Eddie jedoch und tötet George und einige von dessen Leibwächtern. Auf der Flucht erschießt einer der Leibwächter Eddie, der auf der Treppe einer Kirche in den Armen Panamas stirbt. Ein herbeigeeilter Polizist befragt Panama zu dem Toten. Auf die Frage, wer er war, antwortet sie: .

Produktion Produktionsnotizen Produziert wurde der Film von First National, der Verleih erfolgte durch Warner Bros. Gedreht wurde ab dem 10. Juli 1939 in den Warner Brothers Burbank Studios in Burbank in Kalifornien.

Alan G. Barbour schrieb in seiner Biografie über Bogart, dass sich dieser Film als „ein erfreuliches Melodram“ erwiesen habe. Weiter führte Barbour aus: „Nachdem Warner Brothers sich fast eine Dekade lang auf Gangsterfilme der zwanziger Jahre konzentriert hatte, schien man zu dem Entschluß gelangt zu sein, dieses Genre mit einem letzten glorifizierten Abschied zu beenden.“ Man habe dann den „spektakulär inszenierten Film The Roaring Twenties (1939)“ gedreht. Alle „mit der Zeit getesteten Plots“ seien eingesetzt worden. Der Regisseur und die Autoren hätten nach einer Story von Mark Hellinger einen Film geschaffen, „der jedes nur erdenkliche Klischee“ enthalten habe, „das mit dieser Ära in Zusammenhang“ gestanden habe. Mark Hellinger selbst habe den Ton angegeben, indem er als Erzähler nachdrücklich darauf hingewiesen habe, dass dieser Film „eine Erinnerung“ sei, wofür er „dankbar“ sei.Alan G. Barbour: Humphrey Bogart. Seine Filme – sein Leben. In: Heyne Filmbibliothek Nr. 32/1. 6. Auflage. Verlag Wilhelm Heyne, München 1973 (deutsche Erstausgabe 1984); ISBN 3-453-86001-2, S. 86–88.

Andrew Bergman stellte in seiner Biografie über James Cagney fest, dass der Film als eine Art Chronik gedacht gewesen sei. Doch habe „Schnapsschmuggel und wankende Börse 1939 nur noch wenige“ betroffen und „keine aktuelle Bedeutung mehr“ gehabt.Andrew Bergman: James Cagney. Seine – sein Leben. In: Heyne Filmbibliothek Nr. 32/16. Wilhelm Heyne Verlag, München 1980; ISBN 3-453-86016-0, S. 94–98.

Stilmittel Zwischen die Handlung werden immer wieder Szenen eingeblendet, die wie Reportagen aus Wochenschauen wirken. Diese erklären die historischen Hintergründe der Handlung.

Die drei Hauptfiguren, Hart, Bartlett und Hally, die sich im Schützengraben kennenlernen, sollen die Facetten der Moral widerspiegeln. Während Hart einen edlen und Hally einen verdorbenen Charakter hat, ist Bartlett derjenige, der im Grunde seines Herzens gut ist, sich jedoch durch die Umstände genötigt sieht, ein Gangster zu werden. In: Martin Scorseses Eine Reise durch den amerikanischen Film (A Century Of Cinema – A Personal Journey With Martin Scorsese Through American Movies), wo die Die wilden Zwanziger erwähnt werden. Vor allem die Schlussszene, die wie eine Pietà inszeniert sei, wurde besonders hervorgehoben.

Musik I’m Just Wild About Harry (Eubie Blake / Noble Sissle), Priscilla Lane My Melancholy Baby (Ernie Burnett / George A. Norton), Priscilla Lane It Had to Be You (Isham Jones / Gus Kahn), Priscilla Lane In a Shanty in Old Shanty Town (Little Jack Little / John Siras / Joe Young), Gladys George Mademoiselle from Armentières (Traditional), gesungen von Soldaten Beside a Babbling Brook (Walter Donaldson / Gus Kahn) I’m Forever Blowing Bubbles (John W. Kellette) Swanee (George Gershwin) Carolina in the Morning (Walter Donaldson) Ain’t We Got Fun (Richard A. Whiting) The Japanese Sandman (Richard A. Whiting) Bye Bye Blackbird (Ray Henderson) Tip Toe Through the Tulips with Me (Joseph A. Burke) If I Could Be with You (James P. Johnson) Cryin' for the Carolines (Harry Warren) Smiles (Lee S. Roberts) Sweet Georgia Brown (Maceo Pinkard / Ben Bernie) Dancing with Tears in My Eyes (Joseph A. Burke)

Synchronisation Die deutsche Synchronfassung wurde von der Arena Synchron GmbH, Berlin, ausgeführt und weist folgende deutsche Sprecher aus.

Rolle Schauspieler Dt. Synchronstimme Eddie Bartlett James Cagney Wolfgang Draeger Jean Sherman Priscilla Lane Cornelia Meinhardt George Hally Humphrey Bogart Gottfried Kramer Panama Smith Gladys George Beate Hasenau Lloyd Hart Jeffrey Lynn Christian Brückner Danny Green Frank McHugh Wolfgang Pampel Nick Brown Paul Kelly Harald Juhnke Mrs. Sherman Elisabeth Risdon Alice Treff Sgt. Pete Jones Joe Sawyer Arnold Marquis Harold Masters George Meeker Friedrich Schoenfelder Detektiv 2 Eddy Chandler Gerd Holtenau Lefty Abner Biberman Michael Chevalier Automechaniker Murray Alper Thomas Danneberg Joe Michael Jeffers Otto Czarski Kaufhausportier 2 Paul Panzer Gerd Holtenau Polizist vor der Bar Frank Mayo Gerd Holtenau Taxifahrer 3 Frank Wilcox Gerd Holtenau Erzähler John Deering Rolf Schult Klaus Miedel synchronisiert einen Auftraggeber im Taxi, Edgar Ott einen Clubbesitzer und Gerd Holtenau neben dem Detektiv, einem Kaufhausportier, einem Polizisten und einem Taxifahrer den Soldaten Fletcher.

Veröffentlichung Der Film wurde am 25. Februar 2005 von Warner Home Video auf DVD herausgegeben. Die DVD enthält die englische Originalfassung sowie die deutsche und spanische Fassung. Zahlreiche Specials sind mit dabei: Eine Einleitung von Leonard Maltin, eine Original-Dokumentation Die wilden Zwanziger: Die Welt dreht sich weiter (u. a. mit Martin Scorsese), den USA-Kinotrailer, Ausschnitte aus der Wochenschau, sowie zwei Kurzfilme.Die wilden Zwanziger Abb. DVD-Hülle

Die Uraufführung des Films erfolgte am 16. Oktober 1939 in den Vereinigten Staaten, am 25. Oktober 1939 lief er in Hartford in Connecticut an und am 26. Oktober 19329 in San Francisco in Kalifornien. Ab dem 28. Oktober 1939 wurde er dann allgemein in den Vereinigten Staaten veröffentlicht. In Kanada war der Film erstmals am 24. Dezember 1939 zu sehen. Im darauffolgenden Jahr wurde er in folgenden Ländern veröffentlicht: Vereinigtes Königreich (London), in Australien, Dänemark, Schweden, Mexiko sowie in Kapstadt und in Johannesburg in Südafrika. In Portugal wurde der Film erstmals 1943 veröffentlicht, in Ungarn 1946, in der Sowjetunion 1952 und in Japan 1955. In Frankreich erfolgte eine Veröffentlichung erstmals 1966, in Spanien 1969 (im Fernsehen), in Österreich wear der Film im März 1974 im Austrian Filmmuseum unter dem Titel Die stürmischen zwanziger Jahre zu sehen. In Italien hatte er 1980 Fernsehpremiere, in Finnland 1984 und in Griechenland 2005 DVD-Premiere. Im Juni 2014 wurde der Film in Madrid beim Circulo Bellas Artes gezeigt und in Porto im Juni 2025 im Batalha Centro de Cinema.

Am 31. August 1968 wurde der Film von WDR III im Original mit deutschen Untertiteln ausgestrahlt. Am 2. November 1977 wurde er erstmals in einer synchronisierten Fassung im ZDF gezeigt.

Veröffentlicht wurde der Film zudem in Argentinien, Brasilien, Bulgarien, Kroatien, Indien, in den Niederlanden, in Polen, Rumänien, Serbien, in der Ukraine, in Venezuela und in Jugoslawien. Der Film firmierte in den Vereinigten Staaten unter dem Arbeitstitel The World Moves On.

Rezeption Kritik Das Lexikon des internationalen Films lobte vor allem die Leistung von Humphrey Bogart: „Der semi-dokumentarisch aufgebaute Film, der vor allem die Prohibitionszeit und die Wirtschaftsdepression 1929 grell ausleuchtet, trägt Züge eines Gangsterfilms, ist aber mehr noch eine pessimistische sozialkritische Skizze. Vorzüglich Humphrey Bogart als scheiternder Einzelgänger. – Sehenswert.“