Die Akademie der Wissenschaften zu Berlin (AWB) (englisch: The Academy of Sciences and Technology in Berlin) war eine von 1987 bis 1990 in Westberlin bestehende wissenschaftliche Akademie. Sie hatte 30 Mitglieder und arbeitete auf der Basis von zeitlich befristeten Arbeitsgruppen zu aktuellen Themen. Politische Differenzen in ihrer Beurteilung führten nach Neuwahlen 1989 zu ihrer Auflösung Ende 1990.Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (publishers): A History of more than 300 Years. The Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities, formerly the Prussian Academy of Sciences. second, revised edition. Berlin 2020. ISBN 978-3-939818-82-3. (Deutsch und Englisch) S. 97 - 99. (19,6 MB) (abgerufen am 24. September 2026).
Geschichte mini|Ehemaliges Gebäude der AWB (Griegstraße 5–7 in Berlin-Grunewald).Akademie der Wissenschaften zu Berlin: Jahrbuch 1990 - 1992. Walter de Gruyter, Berlin 1990 -1992. ISSN 0935-4298. Anhang
Gründungsphase: Eine Gedankenskizze des Berliner CDU-Wissenschaftssenators Kewenig war 1984 die Grundlage der Arbeit der im selben Jahr einberufenen Gründungskommission, die 1985 eine Denkschrift veröffentlichte, in der das zentrale Element das für traditionelle Akademien innovative Arbeitsgruppenprinzip war. Auf dieser Basis wurde am 12. März 1987 vom Berliner Abgeordnetenhaus, nach heftigen Debatten und gegen die Stimmen der SPD und der AL, ein Gesetz über die Errichtung der neuen Akademie verabschiedet und schon kurz darauf durch den Senator Turner Mitglieder berufen. Die Versammlung der Akademie hielt ihre konstituierende Sitzung am 23. Mai 1987 ab und wählte zum Präsidenten den Ökonom Horst Albach. Am 10. Oktober 1987 fand ein Festakt anlässlich ihrer Errichtung statt.Klaus Pinkau: Die Akademie der Wissenschaften zu Berlin als Alternative. In: Jürgen Kocka (Hrsg.): Die Berliner Akademien der Wissenschaften im geteilten Deutschland 1945 - 1990. Berlin, Akademie-Verlag 2002, ISBN 978-3-05-003544-4, S. 283–290. Hier: 284 - 287.
Die neu gegründete Akademie zog in Berlin Kritik auf sich, die Der Spiegel folgendermaßen zusammenfasste: „Mit der Akademie wollte der CDU/ FDP-Senat in Berlin eine neokonservative Elitetruppe sammeln, die den Ruhm der Stadt zum 750-Jahr-Jubiläum mehren und zugleich den angeblich linken Berliner Hochschulen etwas entgegensetzen sollte.“ Der Spiegel 1989: zur Auflösung der ADW. Nach Wahlen in Westberlin im Januar 1989 wurde daher in Koalitionsgesprächen zwischen der SPD und der Alternativen Liste (AL) auf Wunsch der AL die Auflösung der AWB beschlossen und zum Jahresende 1990 vom Senat Momper durchgeführt. Der Spiegel 1989: zur Auflösung der ADW.Akademie der Wissenschaften zu Berlin: Jahrbuch 1988. Walter de Gruyter, Berlin 1989, ISSN 0935-4298. Kapitel 1: Jahresversammlung: S. 3 - 34 (deutsch und englisch), Kapitel 2: Die Akademie und der Auflösungsbeschluß: S. 67 -91.
Einzelne Arbeitsvorhaben wurden noch bis 1993 fortgeführt und, ebenso wie sächliche und personelle Mittel, auf die neu gegründete BBAW übertragen. Von den 30 Mitgliedern der AWB wurden 8 Mitglieder in die neue Akademie berufen, 6 nahmen diese Berufung an.Akademie der Wissenschaften zu Berlin: Jahrbuch 1990 - 1992. Walter de Gruyter, Berlin 1990 -1992. ISSN 0935-4298. S. V (Vorwort von Horst Albach)
Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften zählt die AWB zusammen mit der Preußischen Akademie der Wissenschaften und der aus dieser hervorgegangenen Akademie der Wissenschaften der DDR zu ihren Vorgängereinrichtungen.
Arbeitsformen Die zentrale Arbeitsform dieser Akademie war die interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die sich vorwiegend drängenden gesellschaftlichen Problemen widmete und auch auf Politik- bzw. Unternehmensberatung abzielte. Dazu gehörten fünf der acht Arbeitsgruppen: Sonnenenergie, Umweltstandards, Automatisierung, Erfolgsbedingungen technischer Innovationen und Altern. Zwei der Arbeitsgruppen befassten sich mit innerwissenschaftlichen bzw. interdisziplinären Problemen. Die Arbeitsgruppen setzten sich aus Akademiemitgliedern und externen Experten zusammen.
Neben den Arbeitsgruppen gab es Studiengruppen, die ebenfalls interdisziplinär zusammengesetzt waren und sich der Bestandsaufnahme von Problemfeldern widmeten.Wolfram Fischer: Arbeitsformen und Ergebnisse der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. In: Jürgen Kocka (Hrsg.): Die Berliner Akademien der Wissenschaften im geteilten Deutschland 1945 - 1990. Berlin, Akademie-Verlag 2002, ISBN 978-3-05-003544-4, S. 291 – 304. (Online-Text abgerufen am 14. September 2026)
Organisation Organe der Akademie waren: Präsident, Vorstand, Rat und Versammlung. Neue Mitglieder wurden in den Rat übernommen. Der Rat entschied über die Errichtung der Arbeitsgruppen, deren Mitglieder auch externe Experten sein konnten, sowie deren Themen, Evaluierung, Konferenzen und Veröffentlichungen. Mitgliedschaft im Rat war auf 5 Jahre beschränkt, konnte jedoch auf weitere 5 Jahr verlängert werden. Die Mitgliedschaft in der Versammlung war lebenslang. Mitglieder der Versammlung konnten weiter in Arbeitsgruppen mitarbeiten. Die Versammlung wählte den Präsidenten und neue Mitglieder und beschloss die Satzung. Von Mitgliedern des Rates wurde eine Arbeitsleistung von 20 Tagen pro Jahr in Arbeitsgruppen erwartet. Nur der Präsident übte sein Amt hauptamtlich aus. Er wurde durch den Vorstand unterstützt, der laufende Geschäfte führte, Vorkommissionen einsetzte und neue Forschungsprojekte plante. Der Vorstand war als Exekutivorgan des Rates gedacht. Der Rat sollte einmal 60 Personen umfassen, die Versammlung bis zu 400.Klaus Pinkau: Die Akademie der Wissenschaften zu Berlin als Alternative. In: Jürgen Kocka (Hrsg.): Die Berliner Akademien der Wissenschaften im geteilten Deutschland 1945 - 1990. Berlin, Akademie-Verlag 2002, ISBN 978-3-05-003544-4, S. 283–290. Hier: 287 - 288.
Siehe auch :Kategorie:Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin
Literatur
Christian Flämig (Hrsg.): Die Auflösung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Mohr, Tübingen 1994, ISBN 3-16-146352-8 (Zeitschrift Wissenschaftsrecht / Beiheft; 12: Sonderheft) Wolfram Fischer: Arbeitsformen und Ergebnisse der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. In: Jürgen Kocka (Hrsg.): Die Berliner Akademien der Wissenschaften im geteilten Deutschland 1945 - 1990. Berlin, Akademie-Verlag 2002, ISBN 978-3-05-003544-4, S. 291–304. (Online-Text abgerufen am 13. Februar 2026) Akademie der Wissenschaften zu Berlin: Jahrbuch 1987. Walter de Gruyter, Berlin 1988. ISSN 0935-4298. (Siehe auch Jahrbücher 1988, 1989, 1990-1992) Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (publishers): A History of more than 300 Years. The Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities, formerly the Prussian Academy of Sciences. second, revised edition. Berlin 2020. ISBN 978-3-939818-82-3. (Deutsch und Englisch) p. 96 - 99. (19,6 MB; abgerufen am 6. Februar 2026).
Weblinks
BBAW: Mitglieder der Vorgängerakademien der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (abgerufen am 27. September 2026 Akademiegeschichte BBAW
Einzelnachweise
Kategorie:Akademie der Wissenschaften in Deutschland Kategorie:Wissenschaftliche Organisation (Berlin) Kategorie:Organisation (West-Berlin) Kategorie:Forschungseinrichtungsgründung 1987 Kategorie:Aufgelöst 1990