mini|Die brandenburgischen Flotte, Ölgemälde von Lieve Verschuier, 1684Im Bildhintergrund links außen die Berlin, vorn links die Friedrich Wilhelm zu Pferde, in der Bildmitte vorn die Jacht des Kurfürsten, rechts im Vordergrund die Markgraf von Brandenburg, zwischen der Friedrich Wilhelm zu Pferde und der kurfürstlichen Jacht sind das Heck der Dorothea und die Rother Löwe zu sehen, und ganz rechts die Kurprinz. Die Kurbrandenburgische Marine war die Marine Brandenburg-Preußens. Ihre Anfänge liegen im Jahr 1657. Infolge der Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg im Jahr 1701 wurde die Kurbrandenburgische Marine zur Königlich Preußischen Marine.

Geschichte Frühe Seestreitkräfte (1618–1674) Das Herzogtum Preußen verfügte bereits ab 1618 über eigene Seestreitkräfte in der Ostsee. Die Markgrafschaft Brandenburg hatte zu Beginn des 17. Jahrhunderts keinen Zugang zum Meer, jedoch übten die Brandenburger Hohenzollern seit 1605 im Herzogtum Preußen die Regentschaft aus, das durch Erbanfall 1618 auch ihr Besitztum wurde. Das Herzogtum musste als Lehen des polnischen Königs diesem in mehreren Kriegen Schiffe zur Verfügung stellen.

Als während des Dreißigjährigen Krieges das Herzogtum Pommern durch den Vertrag von Grimnitz an den Kurfürsten von Brandenburg fiel, konnte dieser sein Erbe 1638 gegen den Willen der militärisch überlegenen schwedischen Besatzer nicht antreten. Im Westfälischen Frieden musste sich Brandenburg mit Hinterpommern begnügen, das dem brandenburgischen Kernland einen Zugang zur Ostsee eröffnete. Einziger bedeutender Hafen war Kolberg, das die Schweden erst 1653 räumten. Schweden hielt weiterhin die Odermündung bei Stettin, die alten Hansestädte Stralsund und Greifswald und damit die wichtigsten sonstigen Seezugänge zum brandenburgischen Raum unter seiner Kontrolle.

Der Zweite Nordische Krieg von 1655 bis 1660 führte Kurfürst Friedrich Wilhelm die Bedeutung einer eigenen Seestreitmacht vor Augen, als er 1656 mangels einer eigenen Kriegsflotte die Häfen von Pillau und Memel den feindlichen Schweden öffnen musste. Während dieses Krieges erlangte er 1657 im Vertrag von Wehlau die volle Souveränität über das Herzogtum Preußen. Im selben Jahr entstand in Pillau erstmals unter brandenburgischer Flagge eine Flottille von anfangs drei Schiffen (Clevischer Lindenbaum, Churfürst von Brandenburg, Lübische Schute) mit zusammen 34 Kanonen unter dem Kommando des Reiter-Obristen Johann von Hille (* um 1609 Hildesheim, † 1684). Mit der Zeit wurde der Schiffsbestand ausgebaut auf sieben größere Kriegsschiffe, drei Kanonenschaluppen und zwanzig bewaffnete Boote, die im Frischen Haff im Bündnis mit Polen erfolgreich gegen schwedische Schiffe und Befestigungen eingesetzt wurden. Nach Ende des Krieges wurde die Flotte jedoch aus Geldmangel verkleinert, schon 1662 gab es nur noch acht Einheiten, bis um 1670 nur noch die Leibjacht des Kurfürsten (Große Jacht) existierte. Um seine Einnahmen und Kontakte zu verbessern, beteiligte sich der Kurfürst fortan am internationalen Seehandel. Dazu ließ er in Holland zwei Schiffe bauen: die Herzogtum Cleve und die Grafschaft Mark, die jedoch von England beschlagnahmt wurden.Gemäldegalerie Berlin: Olfert de Vrij, dat. 1665: „Dreimaster auf leicht bewegter See.“ – Bernhard Erdmannsdörffer (Hrsg.): Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Band 4: Politische Verhandlungen. Teil 2: V Brandenburg und England 1664–1669. 1867, S. 614ff.

Kaperkriege und Aufbau der Marine (1675–1683) mini|hochkant|Maat (rechts) und Matrose der Kurbrandenburgischen Marine um 1675 Nach dem erneuten Einfall der Schweden in Brandenburg gab der Sieg über das schwedische Heer in der Schlacht von Fehrbellin im Juni 1675 den letzten Anstoß zum Aufbau einer eigenen Flotte. Seit 1675 erfolgte der Bau von hochseetüchtigen Orlogschiffen (Kriegsschiffe). Im Zentrum des kurbrandenburgischen Schiffbauprojekts stand der niederländische Reeder, Unternehmer und Kaufmann Benjamin Raule (1634–1707). Der Große Kurfürst trat 1675 an den Reeder heran und bot ihm an, Kaperbriefe für den Seekrieg gegen Schweden auszustellen. Raule, der in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, stimmte zu und vermietete für die nächsten Jahre zwischen vier und sechs Schiffe an die Brandenburger, die erfolgreich Kaperkrieg gegen die schwedische Handelsschifffahrt führten. So gelang es den Kaperern, in nur vier Wochen auf der Ostsee 21 schwedische Handelsschiffe aufzubringen. Raule wurde daraufhin von seinen eigenen Landsleuten wegen der Seeräuberei verfolgt und musste nach Berlin fliehen. Am 14. Mai 1675 wurde er dort zum „Marinerath“ ernannt, am 20. Februar 1676 „Schiffsdirecteur“ und „Oberdirecteur unserer Seesachen“ am 17. August 1677. Am 20. Februar 1681 wurde Raule schließlich noch zum „Generaldirecteur de Marine“ im Range eines Obristen ernannt.

mini|Landung des Großen Kurfürsten auf Rügen 1678, Historiengemälde von Hermann Kretzschmer, um 1862 Diese angemietete Flotte (zusammen 502 Geschütze) nahm unter Kommando des Kurfürsten an vielen Unternehmungen teil, darunter der Belagerung von Stettin (27. Dezember 1677), der Belagerung von Stralsund (25. Oktober 1678), der Eroberung Rügens (26. September 1678) und der Einnahme Greifswalds (16. November 1678). mini|Eroberung von Rügen mit der gesamten kurbrandenburgischen Flotte 1678, Historiengemälde von Marinemaler Alexander Kircher 1676 erfolgte die Gründung eines Seegerichtes in Kolberg, das über die Rechtmäßigkeit der aufgebrachten Prisen zu urteilen hatte.

Am 16. Januar 1679 verpflichtete sich Raule vertraglich, für sechs Jahre fünf FregattenIm 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Begriff „Fregatte“ für eine ganze Anzahl verschiedener Schiffstypen benutzt, so dass viele Schiffe von sehr kleinen „Eindeckern“ bis hin zu relativ großen „Zweideckern“ so bezeichnet werden konnten. und sechs Schaluppen gegen eine feste Heuer an Brandenburg-Preußen zu vermieten. Schon im Juli 1679 gewann er einen Kaperkrieg gegen Hamburg, um ausstehende Zahlungen einzutreiben. 1680 war die kurbrandenburgische Flotte bereits auf 28 Kriegsschiffe angewachsen. Im selben Jahr kam es im Brandenburgischen Kaperkrieg zu einem gegen Spanien gerichteten Einsatz der Marine mit dem Ziel, rückständige spanische Subsidienzahlungen aus dem kurz zuvor beendeten Nordischen Krieg einzutreiben. Dabei lief ein kleiner Verband von acht Schiffen mit 160 Kanonen, unter dem Kommando von Claus von Bevern, von Pillau in den Ärmelkanal, kaperte vor Ostende das spanische Schiff Carolus Secundus und schickte es als Prise nach Pillau, wo es als Markgraf von Brandenburg das Flaggschiff der brandenburgischen Marine wurde.Literae, ad Serenissimum ac Potentissimum Hispaniarum Regem, a Serenissimo Electore Brandenburgico, Ob Navem Hispanicam, haud procul Ostenda nuper abductam, conscriptae / Ein Schreiben/ Welches an Ihre Königl. Maytt. in Hispanien/ Von Ihrer Churfürstl. Durchläuchtigkeit zu Brandenburg/ Wegen deß vor Ostende neulich abgeführten Schiffes abgelassen worden, Kurfürst Friedrich Wilhelm, 1680 Deutsch/Latein Danach segelte ein Teil von Beverns Geschwader in die Karibik, wo es zwei spanische Schiffe kaperte, die auf Jamaika verkauft wurden, ehe es im Herbst Mai wieder zurückkehrte. Am 30. September 1681 focht ein brandenburgisches Geschwader unter Thomas Alders im Seegefecht beim Kap St. Vincent (1681) erfolglos gegen ein spanisches Geschwader – das erste Seegefecht eines deutschen Verbands auf hoher See.

Mit Raules Hilfe plante der Große Kurfürst die Gründung einer Handelskompanie nach holländischem Vorbild. Dazu wurde ab 1680 der Hafen Pillau zum Stützpunkt mit Werft ausgebaut.

Raule rüstete mit eigenen Mitteln die Erste Afrikaexpedition 1680/81 aus, die einen Freundschafts- und Handelsvertrag mit Afrikanern im heutigen Ghana abschloss. Die Zweite Afrikaexpedition 1682/83 gründete das Fort Groß Friedrichsburg.

1681 erfolgte in Berlin die Umbenennung des „General-Kommerz-Kollegiums“ in Admiralität. So genannte Collegien wurden in verschiedenen Häfen eingerichtet. Am 1. Januar 1682 wurde offiziell die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie mit Sitz in Pillau gegründet. Ab 1682 wurde auch in Berlin (Bereich der heutigen Dorotheenstraße in der Dorotheenstadt) eine Werft für Schiffs-Rohbauten ohne Masten errichtet, die erst elbabwärts in Hamburg seetüchtig vollendet wurden.

Für weiterreichende Unternehmungen stellte sich der abseitsliegende und nicht eisfreie Hafen von Pillau in der Ostsee als ungeeignet heraus. Auf Grundlage des kaiserlichen Konservatoriums von 1681 zur „Protektion der ostfriesischen Stände“ gewann der Kurfürst Einfluss auf Ostfriesland und damit auch auf den Nordseehafen in Emden. Diese beiden Aspekte waren ausschlaggebend für die Wahl Emdens als neuen Stützpunkt für die BAC. Friedrich Wilhelm gelang es am 6. November 1682, durch die Besetzung des gräflichen Schlosses in Greetsiel den Konflikt zwischen dem Grafenhaus und den ostfriesischen Ständen so eskalieren zu lassen, dass die Stadt Emden (Teil der Stände) ihm die Stationierung von Marinesoldaten (Schutzmacht) ermöglichte und Kaianlagen mit Lagerhäusern für die BAC bereitstellte. Ein zuvor vorbereiteter Handels- und Schifffahrtsvertrag wurde am 22. April 1683 unterschrieben. Der Präsident der ostfriesischen Landstände Dodo II. zu Innhausen und Knyphausen ratifizierte die Verträge im März 1683 in Berlin. Emden wurde ab diesem Zeitpunkt der neue Stammhafen der Handelskompanie.

Kompanie-Schiffe brachten für den Tauschhandel ausgemusterte Handfeuerwaffen mit Munition, einfache Eisengeräte und Rubinglas in die westafrikanische Kolonie Groß Friedrichsburg. Sie hatten den Auftrag, von Guinea Elfenbein, Gold und auch Sklaven mitzubringen. Die Sklaven wurden später in die Karibik auf die Insel Saint Thomas (Jungferninseln), die damals zu Dänemark gehörte, gebracht (Stützpunktvertrag 24. November 1685).

Kurbrandenburgische Marine (1684–1701) Offiziell wurde die brandenburgisch-preußische Marine erst am 1. Oktober 1684 vom Großen Kurfürsten gegründet, als der Kurfürst zu den eigenen Schiffen auch noch Raules Flotte aufkaufte (neun Schiffe mit 176 Kanonen). Dies kostete Brandenburg-Preußen 109.340 Taler und führte zur endgültigen Etablierung der brandenburgischen Staatsmarine. Fünf Jahre später erließ sein Sohn und Nachfolger, Kurfürst Friedrich III. (der spätere König Friedrich I.), organisatorische Vorschriften und richtete Admiralitätsämter in Berlin, Emden und Pillau ein. Noch 1687 wurde auch in Havelberg (Havel) eine Werft errichtet. Auf dieser Werft wurden nur die Schiffsrümpfe errichtet, danach wurden sie auf Schwimmkörpern, sogenannten Kamelen, havel- und elbabwärts nach Hamburg gebracht, wo sie aufgetakelt und ausgerüstet wurden. Zu diesen Schiffen gehörte unter anderem die Schwere Fregatte „Friedrich III.“, die ausdrücklich als „Havelberger Bau“ hervorgehoben wurde. Außer Schiffen, Offizieren und Matrosen umfasste die Marine auch ein eigenes Marinekorps.

Der Kurfürst Friedrich Wilhelm I. starb 1688. Sein Nachfolger wurde der spätere König Friedrich I., der die Flotte und die Handelskompagnie aus Pietät vor dem verstorbenen Vater fortführte, jedoch kein echtes Interesse dafür aufzubringen vermochte. Entsprechend verfiel die Flotte schnell, und 1701 segelten nur noch elf Kriegsschiffe unter brandenburgischer Flagge (von einstmals 34 Schiffen 1684).

Preußische Marine ab 1701 und Auflösung mini|Die Werft zu Havelberg, Schiffbau für die Marine