mini|Logo der Grauen Wölfe an einem Gebäude im Zentrum von Antalya (2026) Graue Wölfe () ist die Bezeichnung für türkische Rechtsextremisten wie Mitglieder der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) oder der Partei der Großen Einheit (BBP). Sie haben in der Vergangenheit und besonders in den 1970er Jahren zahlreiche Gewalttaten und Morde begangen.Alex Peter Schmid, A. J. Jongman, Michael Stohl: Political Terrorism. Transaction Publishers, 2005, S. 674.Roger Griffin: The Nature of Fascism. Routledge, 1993, S. 171.Leonard Weinberg, Ami Pedahzur, Arie Perliger: Political Parties and Terrorist Groups. Routledge, 2003, S. 45.Albert J. Jongman, Alex Peter Schmid: Political Terrorism: A New Guide to Actors, Authors, Concepts, Data Bases, Theories, & Literature. Überarbeitete erweiterte aktualisierte Auflage. Elsevier Science Ltd, New Brunswick (NJ) 2005, ISBN 0-444-85659-5, S. 674 (englisch). Sie bezeichnen sich selbst als „Idealisten“ (Ülkücüler). Sie werden auch als Ülkücüler-Gruppe bezeichnet.

In Deutschland sollen im Jahr 2025 etwa 12.900 Mitglieder in verschiedenen Verbänden organisiert sein. Sie gelten damit als eine der größten rechtsextremen Organisationen in Deutschland.

Nach der Präsidenten- und Parlamentswahl in der Türkei 2018 bestand der Eindruck, dass die Türkei versuche, die Extremistengruppe Graue Wölfe in Deutschland hoffähig zu machen. Cemal Çetin, Vorsitzender des Dachverbandes der Grauen Wölfe in Europa und frisch gewählter Abgeordneter der MHP, gehörte z. B. der türkischen Delegation beim NATO-Gipfel im Juli 2018 an.zeit.de.

Herleitung Der Wolf ist an die Wölfin (alttürkisch Kök Böri, „Blauer oder himmlischer Wolf“) aus einer national gefärbten türkischen Mythologie angelehnt, die entsprechend der Ergenekon-Legende die Vorfahren der Türken aus dem sagenhaften Ergenekon-Tal herausgeführt hätte. In der Geschichte der türkischen Völker spielt der Wolf eine bedeutende Rolle. So wurde die Wölfin Asena zum Teil der historischen Abstammungslegende der Türken gemacht, die auf einen von chinesischen Autoren des Frühmittelalters überlieferten Ursprungsmythos der Tujüe zurückgeht.

Ideologie mini|Ein Zuschauer zeigt den „Wolfsgruß“, hier zur Parade am türkischen Nationalfeiertag in Kyrenia (Girne), Nordzypern.

Die Ideologie ist der türkische Rechtsextremismus bzw. ein türkischer Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus. Als Feindbilder sehen die Grauen Wölfe die kurdische Arbeiterpartei PKK, welche auf einschlägigen Webseiten als „Babymörder“ bezeichnet wird, und jegliche Kurden, welche eine „Gefahr“ für die Türkei darstellen. Ebenfalls als Feindbilder gelten des Weiteren Juden, Christen, Armenier, Griechen, Kommunisten, Freimaurer, Israel bzw. „Zionisten“, die EU, der Vatikan und die Vereinigten Staaten.

Necdet Sevinç, ein Vordenker der MHP, charakterisierte in „Notizen an einen Idealisten“ (Ülkücüye Notlar) den Ülkücü folgendermaßen:

Ziel der Grauen Wölfe ist eine sich vom Balkan über Zentralasien bis ins chinesische Autonome Gebiet Xinjiang erstreckende Nation, die alle Turkvölker vereint, diese Ideologie wird auch als Panturkismus bezeichnet. Zentrum der von ihr beanspruchten Gemeinschaft aller Turkvölker ist eine starke, unabhängige und selbstbewusste Türkei.

Symbolik mini|Der „Wolfsgruß“ der Grauen Wölfe mini|hochkant|Die Symbole der Grauen Wölfe auf einem Auto in München, 2019

Der Wolfsgruß () ist ein panturkistisches Gruß- und Erkennungszeichen, das unter anderem von den Grauen Wölfen verwendet wird. Die Verwendung der Geste im politischen Kontext wurde in den 1990er Jahren von Alparslan Türkeş verbreitet, dem Gründer der rechtsextremen türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP).Haluk Ölçekçi: Siyasal iletişim bağlamında Milliyetçi Hareket Partisi'nin inşası ve Alparslan Türkeş'in iletişim stratejisi. (Der Aufbau der Partei der Nationalistischen Bewegung im Kontext der politischen Kommunikation und der Kommunikationsstrategie Alparslan Türkeş'). In: The Journal of International Civilization Studies. ISSN 2548-0146, Band 3, Seiten 292–296 (türkisch), abgerufen am 6. Juli 2024. Laut dem Verfassungsschutz Baden-Württemberg kursiert im Netz eine Überlieferung, in der Türkeş die Bedeutung der Geste erläutert: der kleine Finger symbolisiere die Türken, der Zeigefinger den Islam, der entstehende Ring stehe für die Welt und der Punkt, an dem die restlichen Finger aufeinander treffen, sei der türkisch-islamische Stempel, den die Türken der Welt aufdrücken würden.

Das Zeigen des Wolfsgrußes ist in Deutschland nicht strafbar, in Österreich ist es seit 2019 nach § 2 des Symbole-Gesetzes verboten. (PDF; 332 kB). Er gilt in Österreich als „Zeichen der rechtsextremen türkisch-nationalistischen und somit demokratie-kritischen Einstellung“.77 der Beilagen XXVI. GP – Regierungsvorlage – Erläuterungen, 11 Seiten. Hg.: Parlamentsdirektion Österreich, S. 3 (PDF; 349 KB). 21. November 2018, abgerufen am 6. Juli 2024.

Die Drei Halbmonde () symbolisieren die drei Kontinente Asien, Afrika und Europa, in denen sich der Islam bzw. das Osmanische Reich verbreitet hat. Weiß auf rotem Grund bilden sie das Parteilogo der MHP.

Schwur der Idealisten In den meisten „Idealistenvereinen“ (Ülkü Ocakları) wird ein Eid gehalten, der „Schwur der Idealisten“ (Ülkücü yemini). Der Schwur weist patriotische Komponenten mit religiösen Elementen auf und ist eine Art Fahneneid und Treueschwur, der bei gleichzeitiger Präsentation der Nationalflagge geleistet wird. Der komplette Schwur lautet:

In diesem Eid, in dem vor allem eine ungebrochene Kampfbereitschaft zum Ausdruck kommt, wird mit knappen Formulierungen die Bekämpfung einer Reihe gegnerischer, politischer oder wirtschaftlicher „Systeme“ angestrebt. Dies ohne darauf einzugehen, dass die im Eid genannten Feindbild-Elemente „Faschismus“ (antidemokratische, antiliberale und antikommunistische Haltung) und „Imperialismus“ (expansive Bestrebung nach Vereinigung aller Turkvölker) Bestandteile der eigenen Ideologie darstellen.

Im Gegensatz dazu ist die Formulierung „Idealistische Jugend“ positiv konnotiert. Besonders bei (vor allem männlichen) türkischen Jugendlichen, deren Sozialisierung in der Gesellschaft nicht gelingt, besteht die Gefahr, dass ihre Mitgliedschaft in einem „Idealistenverein“ die sozialen Defizite weiter verstärkt.

Der „Schwur der Idealisten“ legt die Schlussfolgerung nahe, dass aus der Sicht der „Idealisten“ die Bekämpfung der angeführten Feindbilder auch außerhalb der Türkei zu erfolgen habe. Die „Idealisten“ sind in der Bekämpfung ihrer „Feinde“ gleichermaßen konsequent wie auch oft skrupellos; zu diesen Feinden zählen vor allem die ethnisch nicht-türkischen Bevölkerungsgruppen der Türkei, die sich nach Ansicht der Grauen Wölfe nicht zur türkischen Nation bekennen oder gar dieser schaden wollen.

Aktivitäten Gewalttaten mini|Logo der MHP

In den 1960er Jahren konzentrierte sich die Bewegung unter der Führung von Alparslan Türkeş darauf, die Jugend für die sogenannte „panturanistische Ideologie“ zu gewinnen. Es wurden die ersten Kommandolager gegründet, in denen Jugendliche eine militärische und politische Ausbildung erhielten.

In Kommandolagern bildete die Partei Schätzungen zufolge bis zu 100.000 Kommandoangehörige aus. Diese Kommandos erhielten den Namen Bozkurtçular („Graue Wölfe“). Ab 1968 begannen die Grauen Wölfe mit Gewaltaktionen gegen die erstarkende türkische Linke. Die „Kommandos“ hatten Ende der 1970er Jahre die meisten politischen Morde zu verantworten.Faruk Şen: Türkei. Land und Leute. München 1986, S. 110 ff.

Nach Angaben der türkischen Behörden begingen die Grauen Wölfe allein zwischen 1974 und 1980 insgesamt 694 Morde.

Auch der Pogrom von Kahramanmaraş 1978 und der Pogrom von Çorum 1980, bei denen hunderte türkische Aleviten ums Leben kamen, wurde von den Grauen Wölfen durchgeführt.

Sie führten außerdem zusammen mit dem türkischen Geheimdienst den Bombenanschlag auf das Alfortville-Völkermordmahnmal 1984 durch.

Mehmet Ali Ağca, der 1981 das Attentat auf Papst Johannes Paul II. beging, war Mitglied der Grauen Wölfe. Ağca ermordete auch Abdi İpekçi, den Chefredakteur der Zeitung Milliyet, der sich für Frieden mit Griechenland einsetzte. Ein weiteres Mitglied soll 1984 ein Attentat auf den Frauenladen TIO in Berlin-Kreuzberg ausgeführt haben, bei dem die türkisch-kurdische Jurastudentin Seyran Ateş lebensgefährlich verletzt wurde.

Die chinesische Regierung verbindet des Weiteren die Grauen Wölfe sowie die türkische Regierung mit den Rebellengruppen und terroristischen Vereinigungen der Uiguren in Xinjiang, die ein islamisches „Ost-Turkestan“ errichten wollen und wirft ihnen Geschichtsfälschung, Propaganda und Lügen vor.

Der Bombenanschlag in Bangkok 2015 mit 20 Toten und 125 Verletzten wurde von Adem Karadag, einem Mitglied der Grauen Wölfe, begangen.

Im März 2024 versammelte sich ein Mob aus mehreren Hundert türkischen Nationalisten in Belgien und griff unter „Allahu Akbar“-Rufen kurdische Familien in den Gemeinden Houthalen-Helchteren und Heusden-Zolder an.Angriffe in Belgien – Wie gefährlich sind die „Grauen Wölfe“ in NRW? in Kölner Stadt-Anzeiger, 28. März 2024.Türkische Nationalisten in Belgien greifen kurdische Familien an in Der Tagesspiegel, 26. März 2024. Die Angreifer, die sich durch das Zeigen des Wolfsgrußes als Anhänger der Ülkücü-Bewegung zu erkennen gaben, belagerten anschließend ein Wohnhaus, in das sich mehr als 40 Kurden geflüchtet hatten. Ein Großaufgebot der belgischen Polizei konnte im letzten Moment verhindern, dass das Haus vom Mob in Brand gesteckt wurde.

Politische Betätigung In der Türkei Im Jahr 1969 wurde von Alparslan Türkeş die MHP gegründet. Symbol der Partei ist eine Fahne mit drei Halbmonden, die der Fahne der Okkupationstruppen der osmanischen Besatzungsarmee entnommen sind.

Im Jahr 1975 wurde die MHP zum Bündnispartner der konservativen Gerechtigkeitspartei (Adalet Partisi), die bis 1960 Demokratische Partei (Demokrat Parti) hieß, unter dem damaligen Ministerpräsidenten und späteren Staatspräsidenten Süleyman Demirel und damit Regierungspartei. Alparslan Türkeş wurde stellvertretender Ministerpräsident und hatte hierdurch staatliche Rückendeckung für Aktionen der Grauen Wölfe gegen die linke Opposition.

In den 1970er und 1980er Jahren haben die Grauen Wölfe als paramilitärischer Arm der MHP die Militäroffensive der türkischen Regierung gegen die kurdische PKK unterstützt. 1980 wurde die MHP, wie alle anderen Parteien, nach dem damaligen Militärputsch verboten. Der Vorsitzende wurde mit einem später aufgehobenen Politikverbot belegt. Dennoch machten viele Anhänger der Grauen Wölfe im Laufe der 1980er Jahre Karriere beim Militär und anderen staatlichen Einrichtungen. Ende der 1980er wurde das Verbot der MHP offiziell wieder aufgehoben. Im Laufe der späten 1980er und 1990er Jahre wandelte die Partei sich. Sie ist heute überwiegend religiös orientiert und nationalistisch einzustufen.

Laut Aussagen eines Migrationsforschers im Sommer 2016 wurde bekannt, dass sich die Grauen Wölfe mit den Anhängern der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP solidarisierten, obwohl sie früher mit diesen verfeindet waren. Sie sähen in diesem Bündnis eine „Perspektive“.Migrationsforscher Faruk Sen: AKP-Anhänger und Graue Wölfe verbünden sich in Deutschland. In: Neues Deutschland, 27. Juli 2016; via Presseportal.de.

Die AKP ist für die Parlamentswahlen 2018 eine Allianz mit der MHP, einer vom Gründer der Grauen Wölfe, Alparslan Türkes, gegründeten Partei eingegangen. Die CHP ist für die Wahlen eine Allianz mit der Iyi Partei eingegangen, die von der ehemaligen MHP-Politikerin Meral Akşener geführt wird.

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