Der Lockwitzbach ist ein Mittelgebirgsbach im sächsischen unteren Osterzgebirge und linker Nebenfluss der oberen Elbe.
Beim Eintritt des Lockwitzbachs in den Dresdner Stadtteil Lockwitz überspannt die 2002 bis 2005 erbaute, 64 Meter hohe Lockwitztalbrücke das Lockwitztal auf mehr als 700 Metern.
Name Lockwitzbach als Wort ist an Lockwitz angelehnt und verweist auf sich selbst: Lockwitz wurde als „Lucawicz“ erstmals erwähnt. „Luca“ (vgl. sorb. łuka, tschech. louka für Wiese oder WiesengrundKarel Kumprecht: Neubertovy slovníky „Unikum“, Nový Česko-Německý Slovník Unikum. Praze (Nakladatel A. Neubert Knihkupec) 1937, S. 209) bedeutet in etwa Wiesenbach, Lockwitz daher „Dorf am Wiesenbach“.
Im oberen Wasserlauf wird er gelegentlich Grimmsches Wasser genannt. Dieser Name nimmt auf den Ort Reinhardtsgrimma Bezug und der Bach behält ihn bis zur Einmündung des Hirschbachs südöstlich des Wilischs.
Verlauf mini|links|Das Quellgebiet oberhalb von Oberfrauendorf mini|links|Lockwitzbachtal unterhalb des Luchbergs mini|Alte Brücke unweit des Borthener Grundes Er entspringt in einem bei liegenden Quellgebiet oberhalb von Oberfrauendorf mit dem Gewässernamen Grimmsches Wasser.
Auf dem 20 km langen Weg Richtung Norden durchbricht der Bach zweimal niedrigere Höhenzüge. Dies sind: der Wilischgrund, Durchbruchstal durch die Karsdorfer Störung oberhalb von Lungkwitz der Lockwitzgrund, ein Engtalabschnitt am Südrand der Elbtalsenke unterhalb von Burgstädtel. Hier verlässt er den Bereich des Kreischaer Beckens, schneidet metamorphe Gesteine des von Südost nach Nordwest auslaufenden Elbtalschiefergebirges an und hat am südlichen Ortsausgang von Lockwitz im Bereich der ehemaligen Saftkelterei Emil Donath Kontakt mit dem kambrischen Granodiorit von Dohna (etwa 535 Millionen Jahre alt).H. Credner, R. Beck, F. Kossmat, K. Pietzsch: Geologische Spezialkarte des Königreichs Sachsen, Nr. 82 Blatt Kreischa. Königl. Finanzministerium (Hrsg.), Dresden 1890, II. Aufl. 1912W. Pälchen, H. Walter: Geologie Sachsen. 2008, ISBN 978-3-510-65239-6, S. 31
Zwischen diesen befindet sich eine Senke, in der Kreischa liegt, das Kreischaer Becken. Es handelt sich um einen Teil der Döhlener Senke mit Gesteinen aus dem Rotliegend.
In Dresden wird der Bach südlich von Großzschachwitz von einem alten Elbarm aufgenommen, dem er bis an die Gemarkungsgrenze Laubegast folgt. Hier durchbricht er mit einer fast rechtwinkligen Biegung seines Verlaufs am ehemaligen Sägewerk eine Quartär-Aufschüttung genau an der Grenze zwischen Elbschottern und pleistozänen Sanden. Nach wenigen Metern fließt er zwischen den Dresdner Stadtteilen Laubegast und Kleinzschachwitz in die Elbe.G. Klemm, F. Etzold: Geologische Spezialkarte des Königreichs Sachsen, Sektion Pillnitz-Weißig, Blatt Nr. 67. Königl. Finanz-Ministerium (Hrsg.), Dresden 1888, 2. Aufl. 1908
Im Hochwasserfall speist der Lockwitzbach den Niedersedlitzer Flutgraben, der mit dem westlicheren Geberbach bei Tolkewitz in die Elbe mündet.
Alte Flussverläufe Zur Zeit des Altpleistozäns und der frühen Elster-Kaltzeit (1,8 bis etwa 0,38 mya) bildete der Lockwitzbach zusammen mit der Bahre, Seidewitz, Müglitz, Roten und Wilden Weißeritz, Triebisch sowie der Freiberger Mulde den Vereinigten Osterzgebirgsfluss, dessen Spuren als Relikte von Mischschottern bei Diera und Naundörfel noch erhalten sind. Seine Elbmündung lag bei Althirschstein.
Alte Schotterterrassen bei Kleinluga belegen, dass der Lockwitzbach zeitweilig auch in östlicher Richtung abgedrängt worden war. In der eiszeitlichen Periode schüttete er einen mächtigen Schwemmfächer aus Geröllen im Elbtal auf. Die Sande in seinem Mündungsbereich werden heute als rechtselbische Einspülungen (Sander) der Schmelzwässer während der Saale-Eiszeit angesehen.W. Pälchen, H. Walter: Geologie Sachsen. 2008, S. 434–435, 447
Ehemalige Mühlen mini|Hauswaldmühle in Kreischa mini|Gebäudekomplex der Hummelmühle, Blick aus östlicher Richtung auf das Lockwitztal
Viele Mühlen existieren nicht mehr, einige sind umgebaut und dienen anderen Zwecken.Frank Melzer: Im Tal der Mühlen: Das Lockwitztal – Eine Reise entlang des Lockwitzbaches.
Am Lockwitzbach: mini|Ufermühle in KreischaObere Mühle Niederfrauendorf Mittlere Mühle (auch Richtersmühle) Niederfrauendorf Niedere Mühle Niederfrauendorf Obermühle Reinhardtsgrimma Mittelmühle Reinhardtsgrimma Schlossmühle Reinhardtsgrimma Brettmühle (Niedermühle) Reinhardtsgrimma Hirschbachmühle Reinhardtsgrimma Der Standort der Hirschbachmühle wurde vermutlich bereits im frühen 16. Jahrhundert als solcher genutzt. Ihre erste (urkundlich bekannte) Erwähnung erfolgte 1561 in einer Verkaufsurkunde, als Franz Hennicke sie für 600 Meißner Gulden aus kurfürstlichem Besitz erwarb. Im Jahre 1651 wurde eine Sägemühle errichtet. Zwischenzeitlich befand sich die Mühle im Besitz von August dem Starken (1670–1733), der sie für 16000 Meißnische Gulden erworben hatte. Seit dem 19. Jahrhundert dient die Mühle als Gasthof. Spätere Betreiber warben damit, dass einst Robert und Clara Schumann sowie in jüngerer Zeit der berühmte Tenor Peter Schreier zu seinem Gästen zählten., Internetauftritt der Hirschbachmühle, abgerufen am 19. Januar 2020 Teufelsmühle (Mahlmühle des Hausdorfer Ritterguts) Lungkwitzer Mühle, Lungkwitz Brandmühle Kautzsch Hummelmühle Sobrigau Lobeckmühle Sobrigau (Leinölmühle, später als Werk „Lockwitzgrund“ Teil der Schokoladenfabrik Otto Rüger – „Obere Fabrik“) Schmidtsmühle Lockwitz (später Papierfabrik) Kakaomühle Lockwitz (auch Hintermühle, Teil der Schokoladenfabrik Otto Rüger – „Untere Fabrik“) Obermühle Lockwitz (später Dampfmühle Blischke) Hänichenmühle (Mittelmühle) Lockwitz Niedermühle Lockwitz Dankelmannmühle in Niedersedlitz Alte Mühle in Großzschachwitz Papiermühle (später Mälzerei) in Kleinzschachwitz Sägemühle Spalteholz in Laubegast
Am Quohrener Bach: Grimmsmühle in Quohren bei Kreischa Obermühle in Quohren Königsmühle (Hintermühle) in Quohren Mittelmühle Kreischa Schenkmühle Kreischa Ufermühle (Niedermühle) Kreischa
Am Possendorfer Bach: Zscheckwitzmühle (Zscheckwitz bei Kreischa) Hauswaldmühle Kreischa
Nachbarflüsse mini|300px|Überschwemmungsgebiet des Lockwitzbachs innerhalb Dresdens. südwestlich: Oelsabach → Rote Weißeritz → Weißeritz → Elbe nordwestlich: Geberbach → Niedersedlitzer Flutgraben → Elbe östlich: Müglitz → Elbe
Hochwasser Oberhalb von Reinhardtsgrimma wird der Lockwitzbach bei Hochwasser im Hochwasserrückhaltebecken Reinhardtsgrimma aufgestaut.
Im Stadtgebiet von Dresden bildet er für zahlreiche Stadtteile im Südosten ein potentielles Hochwasserrisiko. Im Rahmen des Hochwasserschutzes in Dresden gibt es Forderungen zum Bau eines weiteren Rückhaltebeckens zwischen Kreischa und Dresden.
Galerie
Siehe auch Lockwitztalbahn, eine frühere Überlandstraßenbahn Liste der Gewässer in Sachsen Liste von Flüssen im Erzgebirge
Literatur
Kathrin Lehmann: Die Lockwitz – Ein Wasser auf dem Weg zur Elbe. In: Petra Binder (Hrsg.): Landkalenderbuch für die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge 2009. Schütze-Engler-Weber Verlags GbR, Dresden 2008, S. 119–123, ISBN 978-3-936203-11-0. W. Pälchen, H. Walter (Hrsg.): Geologie von Sachsen. Schweizerbart, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-510-65239-6.
Weblinks
Artikel Lockwitzbach im Stadtwiki Dresden Mühlen am Lockwitzbach
Einzelnachweise
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