Die Samtgemeinde Esens ist neben Holtriem eine von zwei Samtgemeinden im niedersächsischen Landkreis Wittmund und eine von sechs Samtgemeinden in Ostfriesland. Ihren Sitz hat sie in der namensgebenden Stadt.

Historisch gehört die Samtgemeinde zum Harlingerland, das im Jahr 1600 durch den Berumer Vergleich zur Grafschaft Ostfriesland fiel. Seit 1885 gehört die Gegend zum Landkreis Wittmund.

Geografie Lage und Ausdehnung

{ "type": "ExternalData", "service": "geoshape", "ids": "Q450023" } Die Samtgemeinde Esens liegt im Landkreis Wittmund im zentralen nördlichen Ostfriesland. Sie grenzt im Norden an die Nordsee.

Die nächstgelegene Großstadt ist Oldenburg, zirka 70 Kilometer in südöstlicher Richtung gelegen.Entfernung Esens–Oldenburg. luftlinie.org; abgerufen am 3. Februar 2013. Die anderen Entfernungen wurden ebenfalls mit diesem Tool errechnet. Weitere benachbarte Ober- und Mittelzentren in der Umgebung sind Wilhelmshaven (etwa 36 Kilometer ostsüdöstlich), Aurich (zirka 22 Kilometer südsüdwestlich), Norden, (ungefähr 25 Kilometer westsüdwestlich) und Emden (rund 42 Kilometer südwestlich). Die Kreisstadt Wittmund liegt ungefähr 14 Kilometer entfernt in Richtung Südosten. Die Entfernung zwischen dem nördlichsten Ort Neuharlingersiel und dem südlichsten, Brill, beträgt rund 15 Kilometer, in Ost-West-Richtung beträgt die größte Entfernung etwas mehr als 16 Kilometer zwischen der Ortschaft Nord-Uppum und dem Gehöft Alt-Werdumer Grashaus.

Mit einer Fläche von 162,1 Quadratkilometern ist die Samtgemeinde nach Fläche die viertgrößte Kommune Ostfrieslands. Bei einer Einwohnerzahl von knapp 14.300 ergibt sich eine Dichte von 88 Einwohner/km², die nicht nur weit unter dem ostfriesischen Durchschnitt von 148 Einwohner/km² liegt, sondern auch unter dem niedersächsischen (167) und deutschen (229).

Samtgemeindegliederung Die Samtgemeinde Esens ist die einzige der sechs Samtgemeinden Ostfrieslands, in die auch eine Stadt inkorporiert ist, nämlich der namensgebende Hauptort Esens. Sie besteht aus sieben Mitgliedsgemeinden, die in der nachfolgenden Tabelle nach ihrer Einwohnerzahl absteigend sortiert sind. Mit knapp 7000 Einwohnern wohnt recht genau die Hälfte der Einwohner der Samtgemeinde im Hauptort.

MitgliedsgemeindeEinwohnerzahlen und Fläche sind der Samtgemeinde-Homepage (Startseite) entnommen, abgerufen am 2. Februar 2013. Die Gesamtzahl weicht leicht von der Einwohnerzahl des Statistischen Landesamtes (siehe Info-Box) ab. Einwohner Fläche (km²) Zugehörige Ortsteile Esens (Stadt) 6928 21,68 Bensersiel Holtgast 1777 24,00 Damsum, Fulkum, Utgast Stedesdorf 1654 27,95 Mamburg, Osteraccum, Thunum Neuharlingersiel 1128 24,55 Altharlingersiel, Groß-Holum, Hartward, Ostbense Dunum 1114 26,83 Brill Moorweg 907 18,65 Altgaude, Kloster Schoo, Neugaude, Wagnersfehn, Westerschoo Werdum 712 18,45 Edenserloog, Gastriege, Groß Husum, Klein Husum, Anderwarfen, Wallum, Nordwerdum Gesamt 14.220 162,11 —

Die Stadt Esens und die Gemeinden Holtgast, Stedesdorf, Neuharlingersiel, Dunum, Moorweg und Werdum haben sich bei der Niedersächsischen Kommunalreform 1972 zur Samtgemeinde Esens zusammengeschlossen. Während sich die meisten Kleinstgemeinden in Ostfriesland Einheitsgemeinden bildeten, votierten die Genannten für die Bildung einer Samtgemeinde. Esens ist damit eine von seinerzeit acht, seit 2001 nur noch sechs Samtgemeinden in Ostfriesland.Zur teils freiwilligen, teils gelenkten Bildung von Samt- oder Einheitsgemeinden aus den vorherigen Kleinstgemeinden siehe die Geschichte der Kommunalreform in der Gemeinde Moormerland unter , abgerufen am 11. September 2024.

Nachbargemeinden Die Samtgemeinde Esens grenzt im Norden an die Nordsee, der Küste sind die Inseln Langeoog im Westen und Spiekeroog im Osten vorgelagert. Auf dem Festland wird die Samtgemeinde von vier anderen Kommunen begrenzt, dies sind im Uhrzeigersinn (beginnend im Osten) die Kreisstadt Wittmund, die Stadt Aurich im gleichnamigen Landkreis, die Samtgemeinde Holtriem (Landkreis Wittmund) und schließlich die Gemeinde Dornum (Landkreis Aurich).

Flächennutzung + Flächennutzung 2011 Nutzung Fläche in ha Gebäude- und Freifläche 991 davon Wohnfläche 578 davon Gewerbe- und Industriefläche 46 Betriebsfläche 47 davon Abbauflächen 31 Erholungsfläche 70 davon Grünanlage 24 Verkehrsfläche 632 davon Straße, Weg, Platz 624 Landwirtschaftsfläche 13.056 davon Moor 5 Wasserfläche 441 Waldfläche 800 Flächen anderer Nutzung 174 davon Friedhöfe 4 davon Unland 26 Gesamtfläche 16.210

Die FlächennutzungstabelleLandesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, abgerufen am 3. Februar 2013. macht den enorm hohen Anteil der Landwirtschaftsflächen an der Gesamtfläche deutlich. Mit etwa 80,5 Prozent übertrifft die Samtgemeinde Esens noch den ostfriesischen Durchschnitt von rund 75 Prozent,Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 115. der seinerseits bereits deutlich über dem bundesrepublikanischen Durchschnitt von 52 Prozent liegt. Mit etwa 4,93 Prozent Waldanteil liegt Esens deutlich über dem ostfriesischen Durchschnitt von 2,6 Prozent. Allerdings ist Ostfriesland im deutschlandweiten Vergleich extrem unterdurchschnittlich bewaldet. Zwei kleinere Forstareale befinden sich in der Mitgliedsgemeinde Dunum, der weit überwiegende Teil allerdings in der Mitgliedsgemeinde Moorweg. Dabei handelt es sich um aufgeforstete ehemalige Heideflächen. Die Forste in der Samtgemeinde Esens sind neben jenen in der Samtgemeinde Hage die am nördlichsten gelegenen Ostfrieslands, sie befinden sich nur wenige Kilometer südlich der Deichlinie.

Geschichte Dieser Abschnitt behandelt die Geschichte der Samtgemeinde Esens. Die Historie der auf dem Gebiet der Samtgemeinde gelegenen gleichnamigen Stadt wird in dem Artikel Geschichte der Stadt Esens dargestellt.

Ur- und Frühgeschichte Die ältesten Belege für die Anwesenheit von Menschen auf dem Gebiet der heutigen Samtgemeinde wurden in Brill gefunden. Dort kamen Federmesser aus der letzten Stufe der Altsteinzeit zutage, die den nach ihnen benannten Gruppen zugeordnet werden.Gerd Rokahr: Eine Chronik der Stadt Esens. Brune-Mettcker-Verlag, Wittmund 2010. ISBN 978-3-87542-075-3. S. 11f.

In der Zeit zwischen 4500 und 3500 vor Christus gingen die Bewohner der Gegend zu einer sesshaften, bäuerlichen Lebensweise über. Hinweise darauf finden sich vor allem auf dem Gebiet der Gemarkung Brill. 2008 dort entdeckte Beil- und Flintfunde deutet der Archäologe Jan F. Kegler von der Ostfriesischen Landschaft als Hinweise auf eine ehemalige neolithische Siedlung.Jan F. Kegler: Brill (2008). FdStNr. 2411/3:98, Gde. Dunum, Ldkr. Wittmund. ostfriesischelandschaft.de; abgerufen am 6. Februar 2013. 1994 entdeckten Archäologen zudem einen jungsteinzeitlichen Gebäuderest in Brill.Fundchronik 1992–1994. Ein urgeschichtlicher und mittelalterlicher Siedlungsplatz. Brill, Landkreis Wittmund (FStNr. 2411/3:110-04). Ostfriesische Landschaft; abgerufen am 6. Februar 2013. Ebenfalls neolithischen Ursprungs ist der Radbodsberg.

Aus der Bronzezeit liegen zahlreiche Funde vor, von denen die Frau von Brill der bedeutendste ist. Zudem untersuchte die Ostfriesische Landschaft eine Siedlungsgrube,Fundchronik 1977. Kreis Wittmund, Esens (SG), Dunum (EG), Brill (Gmk). H. Schwarz u. W. Schwarz: Rettungsgrabung auf der „Briller Gaste“. Ostfriesische Landschaft; abgerufen am 6. Februar 2013. mehrere Urnenbestattungen sowie Schmuck aus dieser Periode. Auf die darauf folgenden Eisenzeit datieren dagegen Kreisgräben sowie Knochenlager.Fundchronik 1978. Kreis Friesland (Altkreis Wittmund), Esens (SG), Dunum (EG), Brill (Gmk). W. Schwarz: Rettungsgrabung auf der „Briller Gaste“. Ostfriesische Landschaft; abgerufen am 6. Februar 2013. Von großer Bedeutung war die Rettungsgrabung auf der Briller Gaste, die 1977 begann. Dabei wurden insgesamt 2237 Bodenverfärbungen eingemessen, die vierzehn Hausgrundrissen von Hallenhäusern der römischen Kaiserzeit zugeordnet werden. Damit wurde erstmals Ostfriesland eine Siedlung aus dieser Zeit „in größerem Umfange ergraben, die einen Vergleich mit den Marschsiedlungen und den benachbarten Geestsiedlungen im Ammerland erlaubt“.Fundchronik 1979. Brill, Gemeinde Dunum. W. Schwarz: Abschließende Untersuchungen auf der kaiserzeitlichen Siedlung. Ostfriesische Landschaft; abgerufen am 6. Februar 2013. In dieser Zeitperiode verdrängten die Friesen nach und nach die zuvor ansässigen Chauken. Darauf deuten Funde friesischer Keramik am West- und Ostrand der Esenser Geestinsel hin.Gerd Rokahr: Eine Chronik der Stadt Esens. Brune-Mettcker-Verlag, Wittmund 2010, ISBN 978-3-87542-075-3, S. 16 f.

Bedingt durch einen Anstieg des Meeresspiegels entstanden im 2. Jahrhundert die ersten Warften in der Region. Im 5. Jahrhundert kam es zu einem starken Rückgang der Besiedlung. Ursache dafür könnte ein weiterer Anstieg des Meeresspiegels und die dadurch bedingte Überflutung der Marsch und die Vernässung der Geest gewesen sein. Der Rückgang der Bevölkerung macht sich ausschließlich in fehlenden archäologischen Funden für das 5. und 6. Jahrhundert bemerkbar.Wolfgang Schwarz: Ur- und Frühgeschichte, in: Karl-Ernst Behre, Hajo van Lengen: Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft, Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 72.

Mittelalter mini|Ostfriesland mit dem Harlingerland zur Zeit der Häuptlinge Nach diesem Siedlungsrückgang, der mit der Dünkirchen-II-Transgression erklärt wird, folgte ab dem 7. oder 8. Jahrhundert eine erneute stärkere Besiedlung. Dabei wurden sowohl aufgegebene Warften einer neuen Nutzung zugeführt als auch neue Siedlungen angelegt.Gerd Rokahr: Eine Chronik der Stadt Esens. Brune-Mettcker-Verlag, Wittmund 2010, ISBN 978-3-87542-075-3, S. 16f. In dieser Zeit ist wahrscheinlich auch die spätere Stadt Esens gegründet worden. Dort wurden im Jahr 2002 im Baugebiet „Unteres Jüchen“ frühmittelalterliche, bis zu 46 m lange Häuser mit einschiffigem Wohn- und dreischiffigem Stallteil sowie Keramik aus der Zeit vom frühen 7. bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts freigelegt. Ähnliche Grundrisse traten in Holtgast zutage.Rolf Bärenfänger: Holtgast (2002). FdStNr. 2311/8:10, Gemeinde Holtgast, Ldkr. Wittmund. Ostfriesische Landschaft; abgerufen am 6. Februar 2013. Nach der Integration Ostfrieslands in das Fränkische Reich teilten die Karolinger das Gebiet der heutigen Samtgemeinde dem Nordedi oder Nordendi zu. Dieser teilte sich bis 1000 in die Gaue Diesmeri (um Wittmund) und Herloga (um Esens). Aus letztgenanntem entstand in den folgenden Jahrhunderten allmählich das Harlingerland.Gerd Rokahr: (PDF; 99 kB) Ostfriesische Landschaft – Ortschronisten; abgerufen am 11. September 2024.