Die Kronen Zeitung, kurz Krone, ist die auflagenstärkste österreichische Tageszeitung. Sie erscheint seit 1900 (ausgenommen die Jahre 1944 bis 1959) in Wien und ist als Boulevardzeitung durch einfach gehaltene Sprache und kurze Artikel gekennzeichnet. Die verkaufte Auflage beträgt wochentags etwa 540.000 Stück (2024).
Geschichte Name mini|Titelseite einer Ausgabe von 1906
Der Name der Zeitung ist von ihrem ursprünglichen Abonnementspreis von einer Krone abgeleitet. Die Abbildung einer 1-Krone-Münze zierte zunächst auch das Titelblatt. Von 1900 bis 1905 hieß sie Österreichische Kronen-Zeitung, von etwa 1905 bis 1941 Illustrierte Kronen-Zeitung und von 1941 bis 1944 Wiener Kronen-Zeitung.
Gründung Die erste Ausgabe der Kronen Zeitung erschien am 2. Jänner 1900. Gustav Davis, ein ehemaliger Offizier, gilt als Gründer. Der Titel huldigte nicht der Monarchie, sondern verweist auf den Kaufpreis von einer österreichischen Krone (Monatspreis). Der günstige Preis konnte festgelegt werden, weil zum 31. Dezember 1899 die Zeitungsstempelgebühr gefallen war.
Die Zeitung erschien drei Jahre lang mit mäßigem Erfolg, bis sie durch die Berichterstattung vom „Königsmord zu Belgrad“ einen journalistischen Volltreffer landete und große Popularität erlangte. Bekannt war die Krone für ihre schlichten Zeitungsromane. Sie galt auch als Erfinder der Leser-Blatt-Bindung durch Schatzgräber-Spiele. 1906 überschritt das Blatt erstmals die Auflagenhöhe von 100.000 Exemplaren. Franz Lehár schrieb zur zehntausendsten Nummer der Krone am 27. November 1927 einen Walzer.
Nach der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten im März 1938 wurde die Zeitung am 31. August 1944 geschlossen und am 1. September 1944 mit drei anderen Wiener Zeitungen der NS-Ära zur Kleinen Wiener Kriegszeitung zusammengelegt, die bis zum 7. April 1945 erschien, als die Rote Armee bereits die Schlacht um Wien begonnen hatte.
Neuanfang 1959 1959 kaufte der österreichische Journalist Hans Dichand, der bis dahin Chefredakteur der Zeitung Kurier gewesen war, die Rechte am Titel Kronen Zeitung und ließ das Blatt ab 11. April 1959 als Illustrierte Kronen Zeitung wieder erscheinen.
Anfang der 1960er Jahre beabsichtigte Fritz Molden, die Krone zu kaufen. Die Creditanstalt gewährte Molden jedoch den zum Kauf notwendigen Kredit nicht, wie Hans Dichand in seinen Memoiren schreibt. Von 1967 bis 1972 erschien sie als Unabhängige Kronen-Zeitung, ab 1972 als Neue Kronen Zeitung und seit 2000 als Kronen Zeitung. Das Wort „Unabhängig“ blieb seit 1972 als Zusatz unter dem Namen der Zeitung auf dem Titelblatt.
Bis heute ist diese Finanzierung der Übernahme und des Betriebs der Zeitung nicht restlos geklärt. Der höchst einflussreiche SPÖ-Politiker Franz Olah, damaliger Vizepräsident des ÖGB, vermittelte den deutschen Geschäftsmann Ferdinand Karpik an Dichand, der sich mit 50 Prozent an der Zeitung beteiligen wollte. Zur Seite gestellt wurde Dichand von dem deutschen Anleger der Werbefachmann Kurt Falk (später Herausgeber der reichweitenstärksten Wochenzeitung Österreichs, Die ganze Woche). Die Krone entwickelte sich bald zur meistgelesenen österreichischen Zeitung.
Mitte der sechziger Jahre stellte der ÖGB plötzlich Besitzansprüche an die Krone. Der inzwischen gestürzte Franz Olah habe Bürgschaftsgelder des ÖGB zur Gründung der Krone verwendet und den deutschen Investor nur scheinhalber vorgeschoben. Die darauf folgende Hetzkampagne der Krone gegen die sozialdemokratische Partei SPÖ gilt als erste erfolgreiche Kampagne der Krone. Ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen der Zeitung und dem Gewerkschaftsbund war die Folge. Der ÖGB wurde schließlich mit elf Millionen Schilling abgefunden, und Kurt Falk übernahm die 50 Prozent des Deutschen Karpik.
In den achtziger Jahren stieg Kurt Falk nach einem längeren Streit mit Hans Dichand aus der Zeitung aus und verkaufte seine Anteile an die deutsche SPD-nahe WAZ-Verlagsgruppe. Ab 1989 übernahm Hans Mahr die Geschäftsführung der Krone. Er war dem Herausgeber Hans Dichand seit 1983 als Berater zur Seite gestanden.
Gegenwart mini|Das 1963 bezogene Redaktionsgebäude der Kronen Zeitung in der Muthgasse, damals unter dem Namen Pressehaus ein Projekt von Fritz Molden, im 19. Wiener Gemeindebezirk
Ein Charakteristikum der Krone ist ihre große Zahl kommentarhafter Kolumnen. Die Schnittmenge mit der Regenbogenpresse ging damit etwas zurück. Es gibt um die sechzehn regelmäßig erscheinenden Kolumnen von individuellen Autoren. Die wichtigsten Krone-Kolumnisten sind Michael Jeannée (Post von Jeannée), Norman Schenz (Adabei), Claus Pándi (Politik am Sonntag), der Kultursoziologe Roland Girtler und der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn (Gedanken zum Sonntagsevangelium) beziehungsweise waren Günther Nenning († 2006), Wolf Martin (In den Wind gereimt; † 2012), Robert Löffler (Telemax; † 2016), Ernst Trost (Was dahinter steckt; † 2015), Richard Nimmerrichter (Staberl, bis 2001) und Kurt Krenn, der Altbischof von St. Pölten († 2014), der unter dem Pseudonym Christianus die Kolumne 50 Zeilen mit Gott verfasste.
Der Herausgeber Hans Dichand († 17. Juni 2010) selbst schrieb unregelmäßige Kommentare zu Themen, die ihm persönlich wichtig erschienen, bisweilen auch auf der Titelseite unter dem Pseudonym cato. So forderte er die Kandidatin der FPÖ für die Bundespräsidentenwahl im Jahr 2010, Barbara Rosenkranz, in seiner Zeitung auf, sich in einer eidesstattlichen Erklärung vom nationalsozialistischen Gedankengut zu distanzieren, um sich eine weitere Unterstützung durch die Krone im Wahlkampf zu sichern. Jeden Freitag liegt der Zeitung das Fernsehprogramm Krone TV bei, jeden Samstag erscheint eine Beilage mit Gesundheitsthemen. Die Sonntagsausgabe wird gemeinsam mit einem etwa 80-seitigen zusätzlichen Teil im Format einer Illustrierten („Krone Bunt“) verlegt.
Die Zeitung inszeniert regelmäßig Kampagnen und startet oder unterstützt gleichzeitig dazu Volksbegehren – etwa für den Wiener Sternwartepark (1973), den Tierschutz, gegen das österreichische Kraftwerksprojekt bei Hainburg, das tschechische Kernkraftwerk Temelín oder den Ankauf der Abfangjäger der österreichischen Regierung. Gemeinsam mit der FPÖ gelang es der oberösterreichischen Krone, den geplanten Bau des Musiktheaters im Inneren des Linzer Schlossberges („Theater im Berg“) mit einer tagtäglichen Gegenkampagne zum Gegenstand einer Volksbefragung zu machen, bei der sich die Bürger mehrheitlich gegen das Opernprojekt wandten.
Im Sommer 2004 überlegte die Zeitung, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren (tat es letztlich aber nicht), und startete eine landesweite Kampagne gegen die Rechtschreibreform.
Von April 2015 bis Oktober 2016 kooperierte die Krone mit dem österreichischen Fernsehsender ServusTV bei der Produktion des TV-Formats Servus Krone. In: Horizont Online. 16. April 2015, abgerufen am 25. Juni 2015.Servus TV stellt Sendung „Servus Krone“ ein. In: diepresse.com. 17. Oktober 2016, abgerufen am 23. August 2019.
Im Mai 2019 wurden Ausschnitte des 2017 aufgenommenen Ibiza-Videos mit dem FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache veröffentlicht, worin er Überlegungen zur Übernahme der Kronenzeitung durch der Partei freundlich gesinnte Oligarchen anstellte. Durch den Austausch kritischer Journalisten sollten die FPÖ bei Wahlen einen entscheidenden Vorteil erhalten. Gemeinsam mit den aktuellen Eigentümerstreitigkeiten löste dies bei der Krone Veränderungen hin zu einer politisch kritischeren Berichterstattung aus.Richard Schmitt tritt als Krone.at-Chefredakteur zurück. In: kurier.at. 1. Juli 2019, abgerufen am 23. August 2019. Der Zusatz unabhängig unter dem Zeitungstitel wurde ab nun in einer größeren Schrift gedruckt.Der blaue Albtraum von Orbánistan. In: oe1.orf.at. 7. Juni 2019, abgerufen am 23. August 2019. Richard Schmitt, den Strache in dem Video als einzigen Journalisten explizit gelobt hatte, wurde Anfang Juli 2019 als Chefredakteur des Webauftritts krone.at abberufen,Harald Fidler: Schmitt gibt „Krone.at“-Führung ab und leitet „Krone“-Streamingprojekt. In: derstandard.at. 1. Juli 2019 (aktualisiert am 30. Juli 2019), abgerufen am 23. August 2019. einen Monat später verließ Schmitt die Kronen Zeitung ganz.Harald Fidler: Richard Schmitt verlässt die „Kronen Zeitung“. In: derstandard.at. 31. Juli 2019, abgerufen am 23. August 2019.
Im Mai 2024 wurden die Mitarbeiter der Krone Verlag KG über ein Personalsparpaket mit Sozialplan informiert, wonach rund 40 Mitarbeitende abgebaut werden. Zuvor informierte im Februar 2024 auch die Tageszeitung Kurier über einen Stellenabbau in der Größenordnung von bis zu 40 der insgesamt 175 Redaktionsmitarbeiter. 2023 hatte DerStandard 25 Mitarbeiter der Verlagsgesellschaft beim AMS-Frühwarnsystem angemeldet.
Erscheinungsweise, Aufmachung und Blattlinie mini|hochkant|Titelseite einer Regional-Krone Burgenland zum Thema Sommer und Freizeit (2013)
Die Krone erscheint täglich, durchgängig farbig, in einem Umfang von etwa 80 Seiten. Die traditionell kleinformatige Zeitung (etwa Papierformat DIN A4) kostet in der Trafik (Kiosk) EUR 2,20. Sie erscheint in zahlreichen regionalen Mutationen – für jedes Bundesland gibt es mindestens eine eigene Ausgabe, bei denen der Lokalteil variiert. Auch diese Ausgaben werden laufend aktualisiert. Charakteristisch für die Krone ist der Boulevardjournalismus und die relativ geringe Länge der Artikel.
Die Blattlinie der Zeitung lautet: Verband Österreichischer Zeitungen: .
Chefredakteure und Eigentümer Zwischen der 1959 erfolgten Neugründung und 2001 war Friedrich Dragon Chefredakteur der Kronen Zeitung. In: diemedien.at. 5. November 2008. Nachdem er wegen eines Konfliktes von Hans Dichand fristlos entlassen worden war, hatte Dragon aber zu Dichands Ärger als Krone-Einzelprokurist der WAZ-Mediengruppe bis Mitte 2007 weiterhin maßgeblichen Einfluss auf die Kronen Zeitung.Dichand-Gefährte „Bibi“ Dragon wird 80. In: derstandard.at. 29. Juli 2009, abgerufen am 22. August 2019.WAZ holt Dragon zurück. In: derstandard.at. 31. Jänner 2003, abgerufen am 22. August 2019.
Später wurde auch der von der WAZ als Chefredakteur eingesetzte, langjährige ORF-Sport-Ressortchef Michael Kuhn fristlos entlassen – ohne Zustimmung des Miteigentümers WAZ.Joachim Riedl: Um Kopf und Krone. In: Die Zeit. Nr. 7/2006. Online abgerufen am 22. August 2019.Neue Folge der Ösi-Soap „Diese Dichands“. In: kress.de. 2. Februar 2006, abgerufen am 22. August 2019.
Seit 2003 ist Christoph Dichand, der Sohn von Gründer und Herausgeber Hans Dichand, Chefredakteur. Die Ernennung seines Sohnes führte zum Streit mit der WAZ, die neben Dichand noch 50 Prozent an der Zeitung hält und bei Personalentscheidungen ein Mitspracherecht verlangt.Oliver Pink: Die Dichands – die Familie hinter dem Patriarchen., in: Die Presse. 18. Juni 2010. Online abgerufen am 22. August 2019.Das schwere Erbe des Thronfolgers im Hause Dichand. In: Wiener Zeitung vom 18. Juni 2010. Online abgerufen am 5. Dezember 2013. Zur Entscheidung rief die WAZ ein Schweizer Schiedsgericht an.Gerald John, Eva Weißenberger: In: Falter. 5. November 2003.
Am 17. Juni 2010 starb Firmengründer und Herausgeber Hans Dichand. Kurz zuvor machte er Christoph Dichand noch zum Herausgeber.Harald Fidler: „Krone“-Millionenshow vor dem Handelsgericht. In: derstandard.at. 4. Juli 2019, abgerufen am 22. August 2019.